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15. Februar 2014

Rekordjahr für Krüns Kasse

Von Janine Tokarski

500.00 Euro Gewerbesteuer mehr als erwartet

Krün – Bartholomäus Reindl war seine gute Laune anzusehen. „Welcher Kämmerer würde sich nicht darüber freuen?“ Der Krüner Finanzexperte tut es. Ein sattes Plus von 535.416 Euro kann er für 2013 bei der Gewerbesteuer verbuchen. Im Ansatz standen 440.000 Euro, zum Jahresende lagen 975.416 Euro in der Kasse. Als „ein sehr, sehr erfolgreiches Jahr“ bezeichnete Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) 2013 in der Gemeinderatssitzung. Selten hat ihm die Vorstellung der Jahresrechnung so viel Spaß gemacht wie heuer.

Auch wenn er weiß: „Letztendlich bleiben uns nur rund 700.000 Euro.“ Der Rest fließt als Umlage an Bund und Land. Doch auch dieses Ergebnis stimmt Kämmerer und Rathauschef noch glücklich. Beachtlich ist es vor allem deshalb, weil die Gemeinde Anfang des vergangenen Jahres erstmal 350.000 Euro an Gewerbesteuer zurückzahlen musste.

Was die Kommune damals nicht wusste: Dass 2013 Nachzahlungen mehrerer Betriebe Geld in die Kasse spülen würde. Woher das Geld stammt, unterliegt dem Steuergeheimnis. Der Bürgermeister verriet nur so viel: „Unsere Hotelprojekte zahlen sich aus, und auch das Gewerbegebiet zeigt seine Wirkung.“ Die großen, hochkarätigen Übernachtungsbetriebe bringen nicht nur Gäste, Kur- und Fremdenverkehrsbeiträge. Letzterer lag im vergangenen Jahr ebenfalls um 64.198 Euro (insgesamt 334.198 Euro) höher als erwartet. Und auch bei diesem Posten, „den die beiden großen Hotels stützen“, zeigt sich: Schloss Elmau und „Das Kranzbach“ tun Krün gut. Auch wenn ein Tourismusort wie Krün mit 472.021 Übernachtungen im Jahr 2013 nicht von zwei Betrieben im Elmauer Tal, sondern auch von den Vielen Vermietern im Ort lebt.

Am Ende von Reindls Rechnung stand schließlich bei den Einnahmen ein Plus von 528.000 Euro, die Krün im Vergleich zum Haushaltsansatz 2013 eingenommen hat. Dieses „sehr gute laufende Geschäft“, wie der Kämmerer es nannte, wirkt sich auch auf den Sparsäckel der Kommune aus: 794.300 Euro landeten in den Rücklagen – und damit mehr als Krün zuvor auf der hohen Kante hatte. Die knapp 1,42 Millionen Euro in den Rücklagen bezeichnete Schwarzenberger „Rekordwert. Den haben wir noch nie gehabt“.

Direkt damit verbunden ist ein weiterer Top-Wert: Die Pro-Kopf-Verschuldung sank von 1.066 auf 933 Euro, „der beste Schnitt seit 14 Jahren“, unterstrich der Rathauschef. Auch wenn Krün mit 2,1 Millionen immer noch relativ hoch verschuldet ist. Dennoch ist der Bürgermeister zuversichtlich: „Wir schaffen es dieses Jahr unter die Zwei-Millionen-Euro-Marke.“ Wieder ein super Wert, der beste seit 15 Jahren. Schwarzenberger ist es wichtig, Schulden weiter und massiv abzubauen. Denn die Zinsen für Krüns Kredite sind mit drei Prozent weit höher als die Zinsen, die das Dorf für sein Geld auf dem Konto bekommt.

Auch wenn dort gerade einiges mehr liegt als im vergangenen Jahr, mahnte der Kämmerer – bei aller guten Laune – zur Vorsicht. Auf Nachfrage von Gemeinderat Zick (CSU) sagte er zur Gewerbesteuer-Entwicklung: „Ich bin zufrieden, aber nicht ganz so euphorisch. Das ist ein ständiges Auf und Ab.“ Und auch die Ausgaben sind nur schwer kalkulierbar. So musste die Gemeinde für „einige dicke Brocken“, wie Reindl sie nannte, tiefer in die Tasche greifen als gedacht. Die Beseitigung der Straßenschäden kostete rund 29.000 Euro mehr (insgesamt 404.351 Euro) und auch der Fahrzeugunterhalt war 31.847 Euro teurer als angenommen. Nicht nur durch steigende Spritkosten, sondern auch, weil ein Bagger für 9.000 Euro wieder hergerichtet werden musste. Kosten, „die man nicht vorhersehen kann“, unterstrich der Kämmerer. Ebenso wenig wie schöne Überraschungen – zum Beispiel bei der Gewerbesteuer.

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Donnerstag, 13. Februar 2014

Prügel von allen Seiten

Von Christof Schnürer

Der Domain-Streit, der Krün seit Wochen in Atem hält, ist vollends eskaliert. In einer denkwürdigen Gemeinderats-Sitzung prasselte von allen Seiten massive Kritik auf Tourismus-Referent Georg Schober ein, der sich immer noch ziert, die begehrte Internet-Adresse bedingungslos an die Alpenwelt Karwendel GmbH abzutreten.

Krün – Es kommt selten vor, dass der Krüner Gemeinderat vom Sitzungszimmer in den deutlich größeren Lesesaal ausweichen muss. Am Dienstagabend war es soweit: Denn rund 40 Bürger wollten sich den Schlagabtausch wegen der strittigen Internet-Domain (alpenwelt-karwendel.de) nicht entgehen lassen. Um es vorweg zu nehmen: Die Zuhörer mussten ihr Kommen nicht bereuen.

Einer, der in dieser denkwürdigen Sitzung rein gar nichts zu lachen hatte, war Georg Schober (Aktiv für Krün/AfK). Seit Wochen fühlt sich der Hotelier zu Unrecht kritisiert, weil er partout die von ihm vor zehn Jahren reservierte Domain nicht an die Alpenwelt Karwendel GmbH abgeben möchte. Vielmehr vermutet der Tourismus-Referent dahinter eine gezielte Kampagne seiner politischen Gegner. Im Internet und in Flugblättern versuchte seine Gruppierung zuletzt, die Person Schober reinzuwaschen.

Ein Manöver mit Sprengkraft, wie sich nun im Gemeinderat herausstellen sollte. Von allen Seiten wurde gegen das vermeintliche Opfer geschossen. Allen voran von Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU), der sich durch AfK-Publikationen persönlich angegriffen fühlt. „Es geht in diesen Schriftstücken um Verbreitung von Unwahrheiten und beabsichtigte Schädigung einer anderen Person“, betonte der Rathauschef – sichtlich angespannt – beim Verlesen seiner siebenseitigen Stellungnahme. Diese kam einer Generalabrechnung mit dem starken Mann von Aktiv für Krün gleich. Zum wiederholten Mal verdeutlichte Schwarzenberger dabei, dass Schober bei der Sicherung der Domain für den Isartaler Tourismusverbund im Herbst 2003 nicht als Privatperson gehandelt habe. „Er hat nach meiner Auffassung als Gemeinderat für die Gemeinde Krün gehandelt und ist deshalb aus moralischer Sicht zur Herausgabe verpflichtet.“

Der Adressat nahm diese Aufforderung scheinbar regungslos zur Kenntnis. Angesichts des drohenden Spießrutenlaufs hatte Schober ebenfalls ein Schreiben parat. Konzentriert trug er es vor und versuchte dabei, seine Beweggründe für sein Handeln zu verteidigen. „Ich hatte zu keiner Zeit die Möglichkeit, persönliche Vorteile zu erwirken“, beteuerte er. „Ich konnte und wollte niemals dadurch irgendeinen Einfluss ausüben.“ Von einem finanziellen Vorteil ganz abgesehen.

Die Verteidigungsstrategie verpuffte. Denn es folgte ein Donnerwetter von fast allen Gemeinderatskollegen. Selbst Schobers Schwager Lothar Ragaller junior (Bürgerliche Wählergemeinschaft/BWG) konnte sich einen Seitenhieb nicht verkneifen. Bei dem vorausgegangenen Punkt über Anträge zum Haushalt 2014 garnierte der BWG-Chef seinen Antrag nicht nur – in Anlehnung an einen AfK-Flyer – mit einem Stempel, sondern obendrein mit der Bemerkung, dazu keinen Rechtsbeistand zu brauchen. Auf einen solchen scheint Schober in jüngster Zeit wohl einige Male zurückgegriffen zu haben.

Jedenfalls war Ragallers ungewöhnliche Aktion eine Retourkutsche für das kursierende Gerücht, die BWG wolle gegen Schober eine Negativ-Kampagne vorbereiten. „Meines Wissens ist dieser Vorwurf unbegründet“, heißt es in einem Schreiben des ehemaligen BWG-Gemeinderats Leonhard Habersetzer. Deshalb forderte er in dem vom Bürgermeister vorgetragenen Brief seine ehemaligen Ratskollegen Schober auf, Ross und Reiter zu nennen. Feuer für den Domain-Inhaber gab´s natürlich auch von der CSU. „Für uns warst Du eine Vertrauensperson“, betonte Alois Kramer junior. Dass Schober die begehrte Internet-Adresse für die Alpenwelt Karwendel sicherte, sei bei der damaligen Gemeinderatssitzung für alle selbstverständlich gewesen. „Das war die Grundlage für unsere Zustimmung.“

Andreas Zick (CSU) wiederum versuchte den Anwesenden deutlich zu machen, welche starke Position Schober als Domain-Inhaber und Admin-C (administrativer Ansprechpartner) tatsächlich habe. Er sei für die deutsche Internet-Adressen, Denic, der Bevollmächtigte, „der sämtliche die Domain betreffende Angelegenheiten verbindlich zu entscheiden“ habe. Ferner informierte Zick, dass weder bei der Zugspitzbahn noch bei den Ammertaler Alpen oder der Tourismusregion Berchtesgaden Privatpersonen Domain-Inhaber oder Admin-C seien. Nur bei der Alpenwelt Karwendel sei das anders. „Meiner Meinung nachliegt hier ein Interessenskonflikt bei Herrn Schober vor. Daher fordere ich ihn hiermit öffentlich auf, sein Amt als entsandter Aufsichtsrat bei der Alpenwelt Karwendel GmbH (…) Niederzulegen. Zweiter Bürgermeister Klaus Koppe (Freie Wähler Klais) würde die abgeschwächte Form reichen. „Er sollte seine Tätigkeit so lange ruhen lassen, bis alles geklärt ist.“ Klar Stellung bezog auch IT-Experte Peter Schwarzenberger (CSU). An Schober gewandt meinte er: „Du kannst die Internetseite von heut´ auf morgen schließen.“ Für ihn „eine untragbare Situation“. Seine Forderung: Die bedingungslose Herausgabe aus moralischen Gründen. Dem konnte sich Fraktionkollegin Anneliese Albrecht nur anschließen. „Denn ich bin tief enttäuscht, was in der vergangenen Wochen passiert ist.“ Ins gleiche Horn stieß auch Mathias Gschwendtner (CSU): „Ich appelliere an Dich, gib die Domain der Gemeinde.“ Verwundert zeigte sich Franz-Paul Reindl (BWG) wegen des Vorwurfs, seine Gruppierung würde eine Kampagne gegen Schober lostreten. „Das ist ungebührlich, ich finde keine Worte dazu.“

Bezeichnenderweise sagten zwei Gemeinderäte dazu gar nichts – Schobers Fraktionskollegen Ferdinand Glasl und Engelbert Paschek. Ein letztes Mal ergriff die Hauptperson das Wort: „Es ist viel Porzellan zerschlagen worden“, bilanzierte Schober. Eines jedoch tat der Volksvertreter nicht: Feierlich zu bekunden, die Internet-Domain nun abgeben zu wollen – bedingungslos.

 

Kommentar

Schober vergibt große Chance

Spätestens nach dem verbalen Flächen-Bombardement gegen seine Person müsste Georg Schober ein Licht aufgegangen sein. Als Volksvertreter gegen die Interessen eines ganzen Dorfes beziehungsweise einer ganzen Tourismus-Destination zu handeln, ist politischer Selbstmord.

Doch es darf bezweifelt werden, dass der Tourismus-Referent daraus die richtigen Lehren zieht. Die Chance, aufzustehen und die bedingungslose Herausgabe der Domain zu verkünden, hat er am Dienstag jedenfalls verstreichen lassen. Stattdessen spielt er auf Zeit. Doch die läuft gnadenlos gegen ihn und die Kampagne, die er auf verschieden Kommunikationswegen entfacht hat. So hat Krün zur Faschingszeit ein Wahlkampfthema, das Schober und seine Mitstreiter in eine bedrohliche Lage bringen könnte.

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Samstag, 8. Februar 2014

Duell mit offenen Karten

Von Christof SchnürerDie bizarre Debatte um die Internet-Domain der Alpenwelt Karwendel geht in die nächste Runde. Am kommenden Dienstag will der attackierte Krüner Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) in dieser Sache einiges klarstellen.

Krün – Seit Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) im Krüner Rathaus das Zepter schwingt, herrscht in diesen zwölf Jahren – von wenigen ‚Ausnahmen mal abgesehen – im Gemeinderat eine regelrechte Kuschelatmosphäre. Das könnte sich am Dienstag, 11. Februar, allerdings schlagartig ändern. Denn in dieser Sitzung (Beginn 19.30 Uhr) will Schwarzenberger im bizarren Streit über die Internet-Domain der Alpenwelt Karwendel (wir berichteten) klar Stellung beziehen. „Es sind massive Vorwürfe gegen mich verbreitet worden“, verdeutlicht der Bürgermeister. Deshalb will er im Gemeinderat einige Dinge schonungslos ansprechen. „Ansonsten kein Kommentar.“

Zur schlechten Laune hat in erster Linie eine Person ganz maßgeblich beigetragen: Gemeinderat Georg Schober (Aktiv für Krün). Dieser ist nach wie vor im Besitz der begehrten Domain. Ob er sie der neugegründeten Tourismus GmbH der Alpenwelt Karwendel bedingungslos abtritt oder nicht, wird vielleicht im Laufe der Aussprache endgültig geklärt werden.

Nach Bekanntwerden des Domain-Hickhacks sah sich der Hotelier jedenfalls zu Unrecht in die Rolle des Buhmanns gedrängt. Auf der Internetseite seiner Gruppierung wird dazu unter der Rubrik „Spiel mit offenen Karten“ explizit Stellung genommen. Angereichert ist das Ganze unter anderem mit einem Protokoll einer nichtöffentlichen Sitzung des Krüner Gemeinderats vom 23. September 2003. Jenem Treffen, bei dem Schober laut Niederschrift mitteilte, dass er sich die Internet-Domain alpenwelt-karwendel.de – „rein vorsorglich“ – habe reservieren lassen. „Die Domain habe ich als Privatperson erworben. Nicht im Auftrag des Bürgermeisters Thomas Schwarzenberger, nicht in meiner Funktion als Gemeinderat“, betont Schober auf der Aktiv-für-Krün-Seite.

Doch genau bei diesem Punkt gehen offenbar die Sichtweisen von Schober und Schwarzenberger weit auseinander. Mit Spannung darf am Dienstag hierzu die Debatte erwartet werden.

Gegenüber dem Tagblatt fühlte sich Domain-Inhaber Schober in eine völlig falsche Ecke gedrängt. Nie habe er deshalb einen finanziellen Vorteil sowie einen persönlichen oder geschäftlichen Nutzen daraus gezogen. Obendrein zeigt er sich nach wie vor in puncto Übertragung der Domain gesprächsbereit. „Auch hierzu hatte ich mein Einverständnis erklärt. Der Bürgermeister von Krün, Herr Schwarzenberger, hat die Ausarbeitung eines entsprechenden Vertrages angeboten. Bisher liegt mir der Vertrag nicht vor – es liegt also nicht in meiner Sphäre, wenn es hier zu Verzögerungen kommt.
 

Kommentar

Ein Spiel ohne Gewinner

Im Krüner Domain-Streit ist viel Porzellan zu Bruch gegangen. Als Außenstehender sei die Frage erlaubt: Warum eigentlich? Denn im Grunde geht es der Verantwortlichen der Alpenwelt Karwendel doch nur um einen einzigen Aspekt: Rückt Gemeinderat Georg Schober die von ihm gesicherte Domain heraus? Und wenn ja zu welchen Bedingungen?

Daraus eine Verschwörungstheorie oder Hetzkampagne abzuleiten, da schießt Schober weit übers Ziel hinaus. Denn niemand zweifelt an dessen Integrität. Im Gegenteil: In den zurückliegenden drei Legislaturperioden hat er sich vehement  für die Stärkung des heimischen Tourismus eingesetzt und viele wichtige Impulse gegeben.

Nun aber fährt er in seinem völlig entfesselten Selbstverteidigungsmodus sogar gegen Bürgermeister Schwarzenberger die Krallen aus. Ausgerechnet gegen den Mann; der wie kein anderer den Isartaler Marketingverbund zum Laufen brachte. Es ist daher nicht weiter verwunderlich, um nicht zu sagen seine Pflicht ist, sich fünf Wochen vor der Kommunalwahl gegen diese Vorwürfe in einem Spiel ohne Gewinner zur Wehr zu setzen.

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Samstag, 11. Januar 2014

"Das wäre politischer Selbstmord"

Krün – Lothar Ragaller führt die Bürgerliche Wählergemeinschaft (BWG) in die Kommunalwahl. Als Herausforderer von CSU-Bürgermeister Thomas Schwarzenberger sieht er sich - noch - nicht.

Von Christof Schnürer








Foto: Habersetzer












Lothar soll’s richten: Gemeinderat Lothar Ragaller (vorne Mitte) führt die Bürgerlichen in die Kommunalwahlen. Ihm stehen zur Seite: (vorne v. l.) Iris Grassl, Jutta Teschner, (hinten v. l.) Klemens Holzer, Franz-Paul Reindl, Anton Tiefenbrunner, Andreas Möbius, Hannes Rauth, Thomas Ziegler, Karl Pfund und Michael Holzer.

Die Einschätzung von Lothar Ragaller trifft den Nagel auf den Kopf: „A bissl vui Hoiz homma.“ Allerdings nicht vor der Hütt’n, sondern auf der Gemeinderatsliste der Bürgerlichen Wählergemeinschaft (BWG) Krün. Denn von den zwölf Kandidaten, die sich am Donnerstag im Vereinslokal Schöttlkarspitz für die Kommunalwahl (16. März) küren ließen, haben nicht weniger als vier beruflich mit Holz zu tun: Ragaller selbst und Michael Holzer (beide Bautechniker), Zimmerer Thomas Ziegler und Andreas Schütz (Schreiner).

Holzköpfe im kommunalpolitischen Alltag wollen sie allerdings keinesfalls sein. Das war die eindeutige Botschaft der zwölf Aspiranten beim Treffen von Krüns ältester Gruppierung, die Anfang der 1950er vom damaligen Bürgermeister Albert Holzer (1948 bis 1952) ins Leben gerufen worden war.

„Wir haben eine schlagkräftige Truppe und keine Leut’, die daheim hocken und schimpfen“, betonte Franz-Paul Reindl, der seit drei Perioden für die Bürgerlichen im Gemeinderat sitzt. Jetzt will der 61-jährige Postbeamte zur Überraschung einiger noch eine vierte Amtszeit dranhängen. Die Entscheidung fiel offenbar erst am Mittwoch im Hause Ragaller, als ihm Lothar junior und senior bei ein paar Runden Schnaps gut zuredeten. Das zumindest konnte man am Donnerstag aus den Worten von BWG-Chef Lothar Ragaller junior heraushören. Der dreifache Familienvater, seit 2008 mit Sitz und Stimme im Rathaus, durfte sich auf ein deutliches Votum seiner Gesinnungsgenossen freuen. Mit deutlicher Mehrheit erhoben sie Regaler zum Spitzenkandidaten. Ein Duell gegen den Bürgermeister kommt für den Leiter der Abteilung Technik Bau der Krankenhaus GmbH Weilheim-Schongau allerdings - noch - nicht in Frage. „Das wäre politischer Selbstmord, gegen Thomas Schwarzenberger zum momentanen Zeitpunkt anzutreten.“ Eine Analyse, die gerade bei älteren BWG-Mitgliedern nicht ganz so gut ankam. Es sei völlig unnötig, einen politischen Mitbewerber von der CSU ohne Grund öffentlich zu adeln, grummelte einer von ihnen.

Doch die BWG ist seit der Wahlschlappe von 2008, als es mit Müh und Not zu zwei Mandaten reichte, demütiger geworden. Trotzdem gibt die aktuelle Gemeinderatsliste durchaus Anlass zu vorsichtigem Optimismus. Mit Feuerwehr-Kommandant Michael Holzer, Schulrektorin Jutta Teschner und Skiclub-Vize Karl Pfund verfügen die Bürgerlichen über im Krüner Ortsleben integrierte, potenzielle Stimmenfänger.

Diesen Nimbus muss sich Neubürgerin Iris Grassl erst noch erarbeiten. Seit zwei Jahren erst lebt die psychologische Beraterin mit hochdeutschem Zungenschlag mit ihrer Patchwork-Familie in Krün. Trotzdem wählten sie die 24 anwesenden Bürger auf Position vier der BWG-Liste. Ihre Vorstellungsrede - die mit Abstand längste aller Kandidaten an diesem Abend - hatte ihre Wirkung offenbar nicht verfehlt. Nun müssen nur noch die Wähler überzeugt werden.

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Montag, 25. November 2013

Damm soll Kranzbach bändigen

 Von Janine Tokarski























Grafik: Gemeinde Krün / Martin

Krün lässt Konzept zum Hochwasserschutz erstellen: Wall könnte Fluss an der Nachtloipe in Bärnbichl zurückhalten

Krün – Die Krüner wollen den Kranzbach ein für alle mal zähmen. „Wir können ja nicht warten, bis es zu spät ist“, sagt Bürgermeister Thomas (CSU) Schwarzenberger im Gemeinderat. Darum soll nun ein so genanntes Integrales Hochwasserschutz- und Rückhalte-Konzept klären, wie das Dorf vor Fluten geschützt werden kann.

Denn trotz diverser Baumaßnahmen war das Gewässer bisher einfach nicht richtig in den Griff zu bekommen: Seit rund 80 Jahren leitet die so genannte Flutmulde – eine zwei Kilometer lange Rinne zwischen Krün und Wallgau – bei Starkregen überschüssiges Wasser aus dem Kranzbach ins Finzbett. Im Jahr 2004 wurde der Bach zudem mittels Murfangsperre und Verbauung in Klais gezähmt. Doch wirklich einfangen lässt er sich nicht. Erst beim Hochwasser im Juni richtete er, wie berichtet, massive Schäden an. Hinter der Bundesstraße 2 in Klais riss das Gewässer die Uferverbauung weg. Zwei Brücken hielten ihm nicht stand, und auch die Flutmulde hat er arg in Mitleidenschaft gezogen.. das Fazit: „Wir kommen mit unserem Schutzsystem an unsere Grenzen“, sagte der Rathauschef. Sollte es künftig öfter heftige Hochwasser geben, „könnte es kritisch werden“.

Mit Messungen und Animationen gilt es nun zu klären, „wie viel Wasser wir wegbringen müssen“, erläuterte Schwarzenberger. Derzeit schaffen die Kranzbachbrücken maximal acht Kubikmeter, also 8000 Liter, pro Sekunde. Dann steht das Wasser allerdings an der Oberkante. Der Rathauschef glaubt, dass künftig mindestens zehn Kubikmeter nötig sind. Eine Erhöhung der Brücken hätte Straßenkuppen zur Folge. Erst wenn die Ergebnisse der Untersuchung Zahlen liefern, können die beiden Überquerungen erneuert werden, die der Fluss im Juni zerstörte. „Darum pressiert´s uns ein bissl“, betonte der Bürgermeister. Eigentlich sollen die Konstruktionen bei der Schutzmantel-Madonna und in Richtung Wallgau schon im Frühjahr ersetzt werden.

Doch das Konzept muss viel weiter gehen – und eine weitreichende Idee prüfen, um dem Kranzbach Herr zu werden. Möglich wäre, nämlich auch der Damm, der den Fluss zähmt, bevor er Brücken und Flutmulde erreicht. Sinn macht dieser Wall im Ortsteil Bärnbichl, direkt an der Nachtloipe. Dort ist das Tal nur 30 Meter breit, in dem der Bach fließt. Da ließe er sich leicht aufhalten. „Damit wäre unsere letzte Problemstelle gelöst“, unterstrich der Rathauschef. Denn bei starken Regenfällen, wenn die Flutmulde die Wassermassen nicht mehr aufnehmen kann, würde der Wall gesperrt und nur nach und nach so viel Wasser abgeben, „wie wir wegbringen“. Gespräche mit Grundstücksbesitzern in Bärnbichl hat Schwarzenberger schon geführt. „Sie wären bereit, mittels Tausch Flächen abzugeben.“

Die Kosten für das Konzept, die erst absehbar sind, wenn Angebote vorliegen, muss zunächst die Kommune schultern. Einstimmig segneten die Gemeinderatsmitglieder die Aufstellung des Konzepts ab. Dieses ist notwendig, um später für die Hochwasserschutzmaßnahmen eine Förderung von 75 Prozent zu bekommen. Gefordert ist für die Finanzspritze die Darstellung, wie und wo der Damm entstehen soll, der einem 500-jährigen Hochwasser standhalten muss. Auch die Folgen eines 100-jährigen Hochwassers bei der aktuellen Situation im Dorf muss vorliegen. Um zu zeigen, dass der Kranzbach dringend gezähmt werden muss.

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Samstag, 30. November 2013

Auf der Suche nach Konturen und Kandidaten

 Von Leonhard Habersetzer






















Bild: Habersetzer

Bürgerliche Wählergemeinschaft (BWG) bereitet sich auf Gemeinderatswahl vor
 
Krün – Stehen Kommunalwahlen an, wird der Ton im Gemeinderat meist schärfer. Umso erstaunlicher darf die Erkenntnis von Lothar Ragaller junior gewertet werden. „Das war das ruhigste Jahr in der nun auslaufenden Wahlperiode im Krüner Gemeinderat“, bilanzierte der Vorsitzende der Bürgerlichen Wählergemeinschaft (BWG) am Donnerstag bei der Jahresversammlung im Gasthof Schöttlkarspitz. Indiz für absolute Harmonie in der Volksvertretung. CSU-Bürgermeister Thomas Schwarzenberger bietet offenbar wenig Angriffspunkte. Schlechte Vorraussetzung also für die BWG, um als politische Alternative beim Buhlen um Wählerstimmen Konturen zu gewinnen.

Dennoch sind die Bürgerlichen, die seit 2008 von Ragaller (49) und Franz-Paul Reindl (61) im Gemeinderat vertreten werden, ein wichtiger Faktor in der Ortspolitik. Davon zeigte sich Ragaller in seiner Rückschau überzeugt.

Als aktuelle Kernpunkte nannte er die Erneuerungen der Kranzbach-Brücken, die Restabwicklung des Gewerbegebietes, die Bauvorhaben in der Elmau und vor allem die Dorferneuerung (wir berichteten). Bei diesem Zukunftsprojekt läuft noch bis Ende Januar die Aufnahme des Ist-Zustands. Anschließend soll bis März 2014 aus diesem vielschichtigen Thema etwas die Luft herausgenommen werden. Damit im anstehenden Wahlkampf daraus nur ja kein Politikum erwächst. Ragaller rief die anwesenden Mitglieder auf, sich in die Arbeitskreise einzubringen. In diesem Zusammenhang warnte Ragaller davor, die Dorferneuerung ausschließlich dem Bauverständnis und Gestaltungssinn einiger kommunaler Vertreter anzuvertrauen.

Indes erweist sich die Suche nach geeigneten Gemeinderatskandidaten wie schon bei den Mitkonkurrenten alles andere als leicht. „Das Feld ist von allen Gruppierungen abgegrast“, konstatierte Ragaller. Oft hört er von möglichen Aspiranten die wenig zufriedenstellende Antwort: „Ihr macht das schon. Es läuft eh gut“. Nicht zuletzt wegen der zähen Kandidaten-Gewinnung soll erst im Januar eine Liste präsentiert werden.

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Mittwoch, 12. Juni 2013

120 Krüner zeigen Flagge

von Wolfgang Kunz

 Gute Resonanz beim zweiten Info-Treffen – Bestandsanalyse3 in den Sommermonaten – Bürgermeister appelliert an alle Einwohner




Foto: Kunz
















Experten im Gespräch: (v.l.) Michael Heintz, Susanne Dorner, Jochen Gronle, Hans Beigel und Krüns Bürgermeister Thomas Schwarzenberger wollen kräftig anschieben.

Krün – Getreu dem Motto „Ohne Bürger keine Dorferneuerung“, haben rund12 Krüner bei der zweiten Informationsveranstaltung im Kurhaus mit geballter Kraft Interesse an dem nun beginnenden Prozess bekundet. Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) freute sich natürlich über den regen Zuspruch. Denn für ihn sei es eine Horrorvision, „wenn kein Bürger mehr Interesse zeigen würde und Krün in 20 Jahren ein Geisterdorf wäre“.

Bei seine Bemühungen um ein attraktives und gleichzeitig modernes Dorf kann sich der Rathauschef auf den Thierhauptener Kreis stützen. Im Oktober 2012 hatte sich unter seiner Regie 25 Krüner ins ehemalige Benediktinerkloster bei Augsburg zurückgezogen und erstmals zahlreiche Ideen und Vorschläge zur Dorferneuerung entwickelt.

Dabei kristallisierten sich interessante Punkte heraus. Die Bahnanbindung ist schlecht, es gibt keinen Seniorentreff, und zu wenige Eigenprodukte können bei uns vermarktet werden“, warf Schwarzenberger im Kurhaus in die Runde. „Uns fehlt ein Arzt, und die Bundesstraße führt durch die Ortsmitte.“

Nun sollen sich die Gemeinderäte Alois Kramer (CSU) und Ferdinand Glasl (Aktiv für Krün / AfK) in den Arbeitsgruppen „Siedlungsstruktur“ und Lothar Ragaller junior (Bürgerliche Wählervereinigung / BWG) sowie Michael Nimser um Ökonomie und Ökologie kümmern. Franz Manghofer und Jutta Teschner wiederum beackern Soziales und Kultur. Zweiter Bürgermeister Klaus Koppe (Freie Wähler Klais) und Holger Otto legen ihr Augenmerk auf die Belange der Ortsteile Klais und Gerold.

Die Gemeinde wird bei der Umsetzung ihrer Ideen durch Fachleute wie den Landschaftsarchitekten Michael Heintz, den Stadtplaner Jochen Gronle, die Architektin und Stadtplanerin Susanne Dorner aus München vom Plankreis Bäumler und Zagar unterstützt. Zusätzlich wird sich Hans Beigel vom Amt für ländliche Entwicklung (ALE), dessen Wissen auch in Wallgau gefragt ist, einbringen. Der Experte erläuterte die Vorbereitungs-, Umsetzungs- und Startphase. „Das A und O ist die Beteiligung möglichst vieler Einwohner mit ihren speziellen Ideen“, betonte Beigel.

Stadtplaner Gronle konstatierte: „Unser erster Eindruck von Krün ist positiv.“ Den weiteren Zeitablauf skizzierte anschließend Michael Heintz. So sei am 28. Juni eine Ortsbegehung geplant. „Es folgt im August/September eine Bestandsanalyse.“ Erste Bewertungen sollen im Oktober, erste Ergebnisse der Arbeitskreise im November vorgelegt werden.

„Bei der Ortsbegehung können auch Bürger teilnehmen, die nicht einer Arbeitsgruppe angehören, ihr Wissen aber einbringen wollen“, ermunterte Schwarzenberger. „Beteiligen sollen sich Jung und Alt. Spontan trugen sich 35 weitere Interessenten im Kurhaus in die Arbeitskreis-Listen ein.
 

Anmeldungen:
Wer sein Wissen und seine Mitarbeit noch einbringen will, der kann sich via E-Mail an info@dorferneuerung-kruen.de oder direkt im Krüner Rathaus in die dort aufliegenden Listen in die Arbeitsgruppe seiner Wahl eintragen.

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Montag, 27. Mai 2013

Von Janine Tokarski

Krüns Wunschzettel

 Zweite Bürger-Info-Veranstaltung zur Dorferneuerung: Vier Arbeitsgruppen sollen Ideen sammeln – auch für Ortsteile

 Krün – Wünschen kann man sich viel. Was dann Wirklichkeit wird, steht auf einem ganz anderen Blatt. Das weiß auch Krüns Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU). Aber ohne einen Wunschzettel  passiert gar nichts. Darum sollen die Krüner jetzt eine Liste schreiben – mit all ihren Ideen für die Dorferneuerung. Sozusagen eine schriftliche Grundlage dafür, „wo Krün 2030 stehen soll“, verdeutlicht der Rathauschef. Wie die Realität dann ausschaut, entscheidet letztlich das Amt für ländliche Entwicklung (ALE). Es prüft den Wunschzettel intensiv und entscheidet, welche Projekte mit rund 50 Prozent gefördert werden.

Doch soweit ist Krün noch nicht. Jetzt sind erst einmal die Bürger gefragt. Bei einer Info-Veranstaltung am Donnerstag, 6. Juni, stellen Schwarzenberger und Vertreter des Planungsbüros Bäumler und Zagar aus München den weiteren Ablauf des Projekts vor. Die Einladung landet in diesen Tagen in den Briefkästen aller Haushalte. Die Gemeinde hat das Büro beauftragt, das Dorf bei dem Entwicklungsprozess zu Unterstützen. Doch im Fokus stehen die Bewohner. Jeder, der Lust hat, kann sich in den Arbeitskreisen engagieren. Bei der Info-Veranstaltung sollen sich Freiwillige für die jeweiligen Gruppen melden.

Ursprünglich hatten sich die Krüner, die sich im Oktober 2012 im Kloster Thierhaupten mit der Dorferneuerung befassten, auf drei Arbeitsgruppen geeinigt. Sie werden die Themen Siedlungsstruktur, Ökonomie/Ökologie/Energie sowie Soziales/Kultur beackern. „Es hat sich auch gezeigt, dass es sinnvoll ist, eine AG hinzuzunehmen“, sagt der Bürgermeister. Eine, die sich mit den Ortsteilen beschäftigt. Denn auch Gerold, Barmsee und Co. sollen von dem Wunschzettel profitieren. „Dort sind die Probleme etwas anders gelagert“, fügt Schwarzenberger hinzu. Klais beispielsweise leide darunter, dass immer mehr Bürger nur dort wohnen, weil sie schnell zur Arbeit nach Elmau gelangen. „Viele schlafen nur in Klais, das Miteinander leidet“, unterstreicht der Rathauschef.

Um diese und alle anderen Schwierigkeiten, mit denen Krün kämpf, anzugehen, hat die Gemeinde schon einiges an Vorarbeit geleistet. Der Antrag für die Dorferneuerung ist beim ALE gestellt, der offizielle Starschuss fiel bei der ersten Info-Veranstaltung im Juli 2012 (wir berichteten). Es folgte die Tagung in Thierhaupten, bei der sich 25 Krüner eingehend mit dem Projekt auseinander setzten. Die Zeit bis jetzt nutzen die Rathaus-Verantwortlichen, um alles für den Beginn der Arbeitsgruppen-Phase vorzubereiten. Es gibt mittlerweile eine eigene Internetseite, die sich mit der Dorferneuerung auseinandersetzt (siehe Kasten). Auch einen Treffpunkt gibt es schon: Der Leseraum im Rathaus wird zum Dorferneuerungsbüro. Dort können die Gruppen jederzeit ihre Sitzungen abhalten. „Die Vorrausetzungen für gute Arbeit sind geschaffen“, fasst der Bürgermeister zusammen. „Jetzt hoffe ich, dass sich viele daran beteiligen.“

Dorferneuerung im Internet

Die Dorferneuerung geht Krün multimedial an. Nicht nur bei den öffentlichen Informations-Veranstaltungen bekommen die Bürger aktuelle Informationen und können sich einbringen. Unter der Adresse www.alpenwelt-karwendel.de/dorferneuerung-kruen sind alle wichtigen Termine, Protokolle von den Sitzungen der Arbeitsgruppen und vieles mehr zu finden. „Wir wollen den ganzen Prozess transparent darstellen“, erklärt Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) den Hintergrund. Außerdem kann sich so jeder Interessierte  auf dem Laufenden halten und zu jedem Zeitpunkt an der Dorferneuerung mitwirken. Anregungen, Ideen, Wünsche und Kritik zu dem Thema sind auch per E-Mail an info@dorferneuerung-kruen.de willkommen. Die Zuschriften landen bei der Gemeinde, die Mitarbeiter leiten diese dann an die jeweils zuständige Arbeitsgruppe weiter.

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Freitag, 12. April 2013

„Jedes leere Bett ist ein verlorenes Bett“

von Janine Tokarski
























Vorzeige-Betrieb:
Im Vier-Sterne-Plus-Hotel "Das Kranzbach" liegt die Auslastung bei rund 75 Prozent

.Krün – Letztlich geht´s immer um Zahlen. Stimmt die Bilanz, bleibt Gewinn übrig? Diese Fragen müssen sich die Krüner Vermieter jedes Jahr aus Neue stellen. Nur ein klares „Ja“ schafft Luft – zum Leben und für möglich Investitionen in den eigenen Betrieb.

Die Auslastungsstatistik von 2012 zeigt: Grundsätzlich ist die Luft da. „Von der Summe her war das vergangene Jahr ein gutes Jahr“, fasst Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) die Zahlen zusammen. 95.329 Ankünfte und 496.137 Übernachtungen, die die insgesamt 219 Vermietungsbetriebe in Krün generieren sind ordentlich (Zahlen siehe unten).

Besonders häufig sind die Betten in den sieben Hotels belegt. Eine Auslastung von 233,72 Tagen und 64,03 Prozent lässt Luft zum Atmen. Wenig Sorgen müssen sich vor allem die Ganzjahresbetriebe und Top-Adressen machen. Das Vier-Sterne-Plus-Haus „Das Kranzbach“ beispielsweise hatte 2012 eine Auslastung von 75 Prozent, das entspricht einem voll belegten Haus an 220 Tagen.

Pensionsbetreiber und private Vermieter, die von der Saison abhängig sind, müssen stärker kämpfen. „Es gibt viele Betriebe, die unter der 40-Prozent-Marke liegen“, weiß der Rathauschef. Laut Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband leben Vermieter mit Auslastungen unter 40 Prozent von der Substanz. „Für Private ist das nicht so dramatisch“, erläutert Schwarzenberger. Für sie ist der Tourismus meistens nicht Haupteinnahme-Quelle, zudem muss kein oder nur wenig Personal bezahlt werden. Schlimmer sind schlechte Zahlen für Betriebe, die tatsächlich von Gästen leben..

Entscheidend sind gute Werte auch für die Bank: Wer eine Kredit haben will, um in sein Haus investieren zu können, sollte eine Auslastung von 130 Tagen vorweisen können. „Das ist schon die unterste Grenze“, bestätigt Peter Reindl, Vorstand der Raiffeisenbank Wallgau-Krün. Zumindest für gewerbliche Unternehmen. Bei Familienbetrieben wird´s unter 120 Tagen schon „sehr bedenklich“. Aber Reindl stellte fest: Im Isartal wird noch gut investiert. „Aber mehr in Qualität und hochwertige Ausstattung als in die Erweiterung der Kapazitäten.“ Dennoch beobachtet der Bank-Chef, dass sich immer mehr Hausbesitzer überlegen, ob sie in ihren Wohnungen Urlauber unterbringen oder sie fest vermieten. „Früher war das gar kein Thema. Da waren Ferienwohnungen ein Selbstläufer.“

Damit niemand die Entscheidung zur Betreuung von Gästen bereut, müssen die Zimmer voll sein. Denn „jedes leere Bett ist ein verlorenes Bett“, unterstreicht der Bürgermeister. Darum regte Georg Schober (Aktiv für Krün) im Gemeinderat eine Ausweitung der Saison an. „In der Hochsaison im Sommer sind die Zimmer voll, da können wir nicht mehr zulegen“, sagte er. Anders sieht das im Frühjahr und Herbst aus. Um die Touristen in diesen Zeiten zu locken, müsse da ein attraktives Angebot geschaffen werden, betonte Schober.

Einiges wird schon getan. Bei gutem Wetter enden die Kurkonzerte erst Mitte Oktober: „Aber das ist immer ein zweischneidiges Schwert“, sagt der Bürgermeister. Denn ein Heimatabend mit 90 Mitwirkenden rentiert sich nicht für 30 Gäste. Doch grundsätzlich geht die Idee auf: „Früher wat die Saison pünktlich zum 30. September beendet“, erinnert sich der Rathauschef. „Heute läuft sie bei gutem Wetter bis Anfang November.“ Und gibt den Vermietern einen Monat mehr für volle Betten und Luft zum Atmen.
 

Die Zahlen im Überblick

Privatvermieter (38):
Ankünfte 2.276
Übernachtungen 15.422
Betten 108
Durchschnitts-Aufenthaltsdauer 6,78 Tage
Auslastung 143 Tage (39,12 Prozent)

Pensionen (39)
Ankünfte 9.880
Übernachtungen 59.006
Betten 422
Durchschnitts-Aufenthaltsdauer 5,97 Tage
Auslastung 140 Tage (38,31 Prozent

Gasthöfe (2)
Ankünfte 4.353
Übernachtungen 11.282
Betten 88
Durchschnitts-Aufenthaltsdauer 2,59 Tage
Auslastung 128 Tage (35,12 Prozent)

Hotels (7)
Ankünfte 47.714
Übernachtungen 176.456
Betten 755
Durchschnitts-Aufenthaltsdauer 3,80 Tage
Auslastung 234 Tage (64,03 Prozent

Ferienwohnungen (132)
Ankünfte 15.792
Übernachtungen 142.459
Betten 839
Durchschnitts-Aufenthaltsdauer 9,02 Prozent
Auslastung 170 Tage (50,12 Prozent)

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Donnerstag, 11. April 2013

Kein Wort von Steuersenkung

Elf Monate vor der Kommunalwahl erhalten die Krüner Bürger keine Geschenke von der Gemeinde. Die Hebesätze bleiben unverändert. Der Haushalt, der ein weiteres Mal ohne Kreditaufnahme auskommt, wurde einhellig abgesegnet.

Von Christof Schnürer

Krün – Etwas wirklich Ungewöhnliches ist am Dienstagabend im Krüner Gemeinderat eingetreten: Als Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) den Etat (siehe Haushalt 2013 in Zahlen) zur Diskussion stellte, meldete sich kein einziger der zehn anwesenden Volksvertreter zu Wort – und das bei der letzten Haushalts-Debatte vor den Kommunalwahlen 2014. Darüber habe er sich auch ein wenig gewundert, meinte Schwarzenberger tags darauf gegenüber dem Tagblatt.

Denn im Vorfeld der Dienstags-Sitzung soll aufgrund der positiven Entwicklung bei den kommunalen Finanzen mehrfach das Stichwort Steuersenkung gefallen sein. Doch während der öffentlichen Aussprache war davon nicht mehr die Rede. Selbst Georg Schober (Aktiv für Krün) verzichtete diesmal auf einen Kommentar.

Dabei hatte dieser noch vor einem Jahr die moderate Absenkung der Grundsteuer B gefordert. „Das wäre eine schöne Geste gegenüber dem Steuerzahler“, bemerkte der Hotelier seinerzeit.

Nur einmal hatte der Gemeinderat in der seit 2002 wärenden Ära Schwarzenberger an der Steuerschraube gedreht – und zwar 2009. seitdem haben sich die Rahmenbedingungen sehr zum Positiven verändert. Selbst der eher vorsichtig agierende Kämmerer Bartholomäus Reindl sprach bei den Grundstücksgeschäften im Gewerbegebiet von „satten Einnahmen“. In der Tat: Das Projekt Gewerbegebiet ist nicht nur so gut wie abbezahlt, mittlerweile fließen ordentliche Beträge durch Grundstücksverkäufe in die Gemeindekasse. Allerdings, so Reindl, handele es sich dabei – leider – um einmalige Summen. Trotz einer teilweise Verdreifachung bei der Gewerbesteuer betrachtet der Kämmerer die Einnahmenseite als „dünnwandig“. Deshalb sein Rat: „Es muss unbedingt sparsam gewirtschaftet, und es müssen die Rücklagen hoch gehalten werden“. Nicht zuletzt deshalb, weil die nach wie vor hohen Schulden, aber auch kostspielige Projekte wie die geplante Dorferneuerung „uns immer wieder herausfordern“.

Wie stark das einstige finanzpolitische Sorgenkind Krün auf dem Weg der Besserung ist, untermauerte der Bürgermeister anhand eines interessanten Beispiels. Denn in Sachen Steuerkraft liegt das hochverschuldete Isartal-Dorf mit 612,34 Euro pro Bürger im Landkreis an sechster Stelle – nur Oberammergau, Seehausen, Murnau, Garmisch-Partenkirchen und Eschenlohe stehen mit durchschnittlich 840 Euro noch besser da. Dieser rein statistische Wert berechnet sich aus den Steuereinnahmen einer Kommune. Diese werden dann durch die entsprechende Einwohnerzahl geteilt. Die besagten 612 Euro bezeichnete Schwarzenberger als „absoluten Spitzenwert“. Denn 2003 lag die Pro-Kopf-Steuerkraft bei lediglich 383 Euro.

Ein weiteres Indiz also, dass Krün spürbar gesundet. Im oberbayerischen Vergleich (1124 Euro) bleiben das Werdenfelser Land und Krün aber das Armenhaus. Selbst die strukturschwache Oberpfalz (692 Euro) und Schlusslicht Oberfranken (686 Euro), die durch Ansiedlung von Behörden und Betrieben vom Freistaat gezielt gefördert werden, rangieren vor dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen (674 Euro). „An unsere Region wird überhaupt nicht gedacht.“ Dabei bestehe in punkto Wirtschaftsförderung dort besonderer Handlungsbedarf, betonte der Bürgermeister. „Diese Problematik müssen wir bei der Regierung in Bayern und den Ministerien deutlich machen.“

Trotz dieser schwierigen Rahmenbedingungen kann das kleine Krün weiter investieren, gleichzeitig Schulden abbauen und sich ein dickes Finanzpolster zulegen. Umso verwunderlicher, dass aufgrund dieser Daten das Wort Steuersenkung nicht einmal in den Mund genommen wurde.


Haushalt 2013 in Zahlen

Gesamtvolumen:                                    5,395.700 Euro (2012: 5,181.500 Euro)
Verwaltungshaushalt:                            4,586.700 Euro (4,544.500 Euro)
Vermögenshaushalt:                                 809.000 Euro (637.000 Euro)
Wichtigste Einnahmen:
Einkommensteuer-Anteil                               640.000 Euro (590.000Euro)
Kurbeitrag                                                     530.000 Euro (510.000 Euro)
Grundsteuer A/B                                           498.000 Euro (497.000 Euro)
Gewerbesteuer                                             440.000 Euro (580.000 Euro)
Schlüsselzuweisung                                      329.000 Euro (307.000 Euro)
Fremdenverkehrsbeitrag                               270.000 Euro (200.000 Euro)

Wichtigste Ausgaben:
Personalkosten                                              945.000 Euro (922.000 Euro)
Verwaltungs- und Betriebsaufwand                741.500 Euro (737.000 Euro)
Kreisumlage                                                   734.300 Euro (721.000 Euro)
Etat Alpenwelt Karwendel                               390.000 Euro (310.000 Euro)
Kindergarten                                                  155.300 Euro (124.000 Euro)
Umlagen an Kläranlage Mittenwald                  05.000 Euro (120.000 Euro)

Wichtigste Investitionen:
Schulden-Tilgung                                            178.500 Euro (177.500 Euro)
Bauhofhalle plus Wertstoffhof                         105.000 Euro
Investitionen bei der Abwasser-Versorgung     94.000 Euro
Planungskosten für Dorferneuerung                45.000 Euro
Wegebau                                                          30.000 Euro
Zusatzarbeiten am Bahnhof Klais                      25.000 Euro

Allgemeine Zahlen:
Rücklage (zum Jahresende)                                          616.531 Euro (747.431 Euro)
voraussichtlicher Schuldenstand zum 31. Dezember  1,875.000 Euro (2,053.000 Euro)
Pro-Kopf-Verschuldung                                                        987 Euro (1.066 Euro)

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Donnerstag, 11. April 2013

Breite Mehrheit für BRK-Haus-Zuschuss

Von Christof Schnürer

























Franz-Paul Reindl stimmt als einziger gegen den Zuschuss
Foto: Kunz/A

Krün – Die Gemeinde Krün beteiligt sich an den Baukosten für das neue Rotkreuzhaus in Garmisch-Partenkirchen. Mit 10 : 1 Stimmen gewährte der Gemeinderat am Dienstag einen einmaligen Investitionszuschuss in Höhe von 3.876 Euro. Das sind zwei Euro pro Einwohner. Auf diesen Schlüssel hatten sich die Landkreis-Bürgermeister im Vorfeld geeinigt. Krüns Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) sieht dieses Geld gut angelegt. „Denn am bisherigen Gebäude besteht dringender Handlungsbedarf.“ Dort bestand unter anderem akuter Platzmangel, betonte Schwarzenberger, der zugleich stellvertretender Vorsitzender des BRK-Kreisverbandes ist.

Gemeinderat Franz-Paul Reindl (Bürgerliche Wählergemeinschaft / BWG) sah das anders. Er könne sich nicht erinnern, dass andere Orte wie beispielsweise Bad Bayersoien beim Bau der Mittenwalder Rettungswache mitgezahlt hätten, argumentiert Reindl. Dem widersprach der Bürgermeister vehement. Eine Beteiligung an den Kosten sei mehr als recht und billig. Denn die ehrenamtlichen BRK-Kräfte in Garmisch-Partenkirchen übernehmen auch landkreisweite wichtige Aufgaben, der Katastrophenschutz wird ebenfalls für den ganzen Landkreis koordiniert. Davon profitieren auch die drei Isartal-Kommunen. Umstimmen konnte Schwarzenberger sein Gegenüber nicht. Trotz einleuchtenden Argumenten blieb Reindl bei seinem Nein.Die Bitte des BRK an die Landkreis-Gemeinden, sich dem Neubau in Garmisch-Partenkirchen zu beteiligen, kommt nicht von ungefähr. Denn wegen der Kostensteigerung von „mehreren 100.000 Euro“, so Schwarzenberger, klafft eine Deckungslücke von 240.000 Euro. Zum einen wurden die Arbeiten durch den Bauboom deutlich teurer als gedacht. Zum Teil musste das BRK Aufträge dreimal ausschreiben, bis ein Angebot in s Haus flatterte. Zum anderen wurde ein kontaminierter Sickerschacht gefunden, der entfernt werden musste. Den Großteil dieser Mehrausgaben – 173.000 Euro – sollen nun die Kommunen gemeinsam schultern. Den Rest versucht das Rote Kreuz selbst abzustottern. Neben Krün haben bereits mehrere Orte Geld überwiesen.

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Der Hansmartl hat´s gehört!

Das ist ihm in den elf Jahren als Bürgermeister noch nie passiert. Gleich zweimal hat Thomas Schwarzenberger im Krüner Gemeinderat vergessen, über das jeweilige Bau-Gesuch abstimmen zu lassen. Das komme daher, weil seine Ratskollegen beim Studium der Baupläne immer so unkonzentriert und abgelenkt seien. Und das sei ansteckend, rechtfertigte sich Schwarzenberger. Darauf fragte ihn ein Gemeinderat: „Bist du etwa amtsmüde?“ Ein bisschen Spaß muss sein – auch im harten kommunalpolitischen Geschäft, findet

Euer Hansmartl

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Montag, 8. April 2013

Schulden-Dorf speckt weiter ab

Krün auf Konsolidierungskurs – Ende des Jahres erstmals seit 1997 unter der Zwei-Millionen-Euro-Grenze

Von Christof Schnürer

Krün – Das hat es seit 1997 nicht mehr gegeben: Ende des Jahres rutscht die hochverschuldete Gemeinde Krün bei ihren Verbindlichkeiten unter die ominöse Zwei-Millionen-Euro-Grenze. Würde die Kommune weiter kräftig abspecken und gleichzeitig keine neuen Kredite aufnehmen, wäre sie – getreu dem Saulgruber Vorbild – 2035 schuldenfrei. Doch bis dahin fließt noch viel Wasser die Isar hinunter. Das weiß keiner besser als Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU). Er und sein Kämmerer Bartl Reindl werden dem Gemeinderat am morgigen Dienstag den Haushalt 2013 vorlegen. Ein solides Zahlenwerk, das noch viel besser sein könnte., wenn da nicht diese – aus Gemeindesicht – ärgerlichen Gewerbesteuer-Rückzahlungen samt Zinsen in Höhe von 300.000 Euro wären. „Das tut richtig weh“, meint Schwarzenberger. Ihn tröstet, dass gleichzeitig Unternehmen unerwarteterweise eine sechsstellige Summe nacherstatten müssen..

Immerhin: Seit dem Ausbau der großen Tourismusbetriebe Elmau, Kranzbach und Tennsee sowie der Schaffung des Krüner Gewerbegebiets vermeldet die Kämmerei eine Verdreifachung des Gewerbesteuer-Aufkommens. Waren es bei Antritt Schwarzenbergers Amtsantritt (2002) lediglich 200.000 Euro, so sind´s mittlerweile rund 600.000 Euro.

Gleichzeitig konnte der Schuldenberg von 3,4 Millionen auf zwei Millionen abgetragen werden. Nicht zu vergessen die Senkung der Verbindlichkeiten, die durch die Realisierung des Gewerbegebietes entstanden sind. Zwei Millionen Euro dieser externen Finanzierung konnten an die Kreditgeber, die Bau- und Land-Entwicklungsgesellschaft (BLE), bereits zurückbezahlt werden. Beim Posten „Bauhof“, für den die Kommune bei der BLE 800.000 Euro aufgenommen hatte, müssen noch 300.000 Euro abgestottert werden. Mit anderen Worten: In der Ära Schwarzenberger wurden rund vier Millionen Euro Miese abgebaut. Und gleichzeitig kräftig investiert. „Und beides müssen wir auch künftig schaffen“, unterstreicht der Bürgermeister.

Nicht zuletzt deshalb finden sich im kommunalen Sparschwein, den sogenannten Rücklagen, inzwischen 750.000 Euro. Mit diesem Polster könnten einerseits am Jahresende Sondertilgungen getätigt werden, andererseits stehen eigene Mittel für erste Maßnahmen der Dorferneuerung zur Verfügung.

Was den Bürger beim Etat 2013 mit einem Gesamtvolumen von rund 5,4 Millionen freuen wird und Kommunalpolitiker vor der Wahl aufatmen lässt: Es wird keine Steuer-Erhöhung geben. In den zurückliegenden elf Jahren stand ohnehin nur eine Agenda – und zwar 2009. da wurden die Grundstücksbesitzer noch stärker zur Kasse gebeten.

Trotz der positiven Entwicklung in der Vergangenheit ist an eines in Sachen Haushalt aber nicht zu denken: an Steuer-Senkung. „Da besteht überhaupt kein Spielraum“, nimmt Schwarzenberger dem einen oder anderen schon vorab jegliche Illusion.

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Montag, 11. Februar 2013

400.000 Euro weniger in der Kasse

 
Krün steht vor einem schwierigen Finanzjahr. Vor den Haushaltsberatungen zeichnet sich ab, dass die Gewerbesteuer-Einnahmen heuer spürbar niedriger ausfallen.

Von Christof Schnürer

Krün – 617.000 Euro – so viel Geld hat Krün wahrscheinlich noch nie von den einheimischen Betrieben an Gewerbesteuer kassiert. „Sehr erfreulich“, bewertete Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) diesen beinahe schon historischen Umstand bei der Präsentation der Jahresrechnung 2012 im Gemeinderat.

Von dieser beachtlichen Summe kann die Kommune im Finanzjahr 2013 nur träumen. Schon jetzt zeichnet sich im Vorfeld der Gewerbesteuer-Einnahmen ab. In Zahlen ausgedrückt: Kämmerer Bartholomäus Reindl rechnet diesmal mit knapp 400.000 Euro weniger. Schuld daran sind in erster Linie kleinere und größere Rückzahlungen an einige Unternehmen. „Besonders ärgerlich“ für Schwarzenberger ist dabei, dass das hochverschuldete Krün (2,3 Millionen Euro) die Beträge mit sechs-prozentigem Zins transferieren darf. Das bedeutet bis zu 50.000 Euro Mehrkosten. Entsprechend niedrig fällt der Gewerbesteuer-Ansatz für 2013 aus. Schwarzenberger und Co. erwarten für heuer maximal 250.000 Euro. Nur bei seiner Amtsübernahme vor elf Jahren war dieser Posten mit 210.000 Euro niedriger.

Was bedeutet dieser gravierende Verlust nun für den Krüner Bürger? Wahrscheinlich nichts, denn von einer Steuererhöhung will Schwarzenberger ein Jahr vor der Kommunalwahl nichts wissen. Man plane auch einen Haushalt ohne zusätzliche Kreditaufnahme. „Nur beim investieren müssen wir piano machen.“

Der Gürtel wird also enger geschnallt. Große öffentliche Ausgaben, die natürlich auch der heimischen Wirtschaft zu Gute kommen würden, sind nicht zu erwarten. Da ist es geradezu beruhigend, dass Krüns Finanz-Reserve, die sogenannte Rücklage, mit 750.000 Euro ei8n dickes Polster aufweist. Im Jahre 2000 fanden sich in diesem Sparschwein vergleichsweise lächerliche 103.000 Euro.

Positiv für die Zukunft ist ebenso, dass mit zunehmenden Tourismuszahlen auch wieder Einnahmen beim Kur- (546.000 Euro) und dem Fremdenverkehrsbeitrag kräftig angestiegen sind. Das bedeutete im Etatjahr 2012 satte 100.000 Euro mehr als ursprünglich angesetzt. Hält dieser Trend an, besitzt die Gemeinde zumindest mehr Manövrier-Masse für weitere unangenehme Rückzahlungs-Aufforderungen.

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Donnerstag, 7. Februar 2013

 Im Visier der Großkonzerne

Isartaler Trinkwasser darf nicht in die Hände profitorientierter Unternehmen kommen. Deshalb unterschreiben die Krüner Gemeinderäte eine europaweite Resolution, die sich klar gegen die Liberalisierung der Wasserversorgung richtet.

Von Christof Schnürer



Foto: Flotos


Krün – Glasklar, sauber und von allerhöchster Qualität – mit diesen drei Schlagworten kann das Krüner Trinkwasser bezeichnet werden. Doch das ist nun ins Visier von Brüssler EU-Bürokraten und Großkonzernen geraten. Deren Forderungen: die Liberalisierung der Wasserversorgung. Würde diese tatsächlich umgesetzt werden, könnte nicht nur Krüner, sondern das ganze deutsche Trinkwasser wie schon in Frankreich in private Hände gelangen.

Das darf unter keinen Umständen geschehen, fanden die Krüner Gemeinderäte bei ihrer Dienstags-Sitzung. „Wehret den Anfängen meinte Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) mit ungewohntem Pathos. Ihm und seinen Mitstreitern ist es bitter ernst. Deshalb werden sie alle eine Resolution der europäischen Bürger-Initiative „Wasser ist ein Menschenrecht“ (www.rihgt2water.eu/de) unterschreiben. Diese möchte bis September eine Million Unterschriften sammeln, um die EU zum Umdenken zu bewegen.

In Deutschland ist die Wasserversorgung seit jeher in öffentlicher Hand. Kommunen wie Krün sorgen für beste Qualität und arbeiten kostendeckend und nicht gewinnorientiert. Was wiederum der Verbraucher an den moderaten Preisen spürt. In Krün werden pro Jahr durchschnittlich 250.000 Kubikmeter Wasser verbraucht. Der Kubikmeter kostet 1,17 Euro.

Doch werden die EU-Pläne Realität und könnten schon bald riesige Konzerne und Aktiengesellschaften zum Zug kommen, wird das Allgemeingut Wasser zur nicht mehr kontrollierbaren Handelsware. „Dieses Lebensmittel ist zu wertvoll, als dass wir es auf den Markt werfen“, mahnte Schwarzenberger. Er erinnerte die Gemeinderäte dabei an die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinien (FFH), mit denen die EU vor über zehn Jahren die Kommunen konfrontiert hatte. Auf die damaligen Beschwichtigungen, die sich seiner Meinung nach als Lug und Trug herausstellten, will Schwarzenberger beim Wasser nicht mehr hereinfallen. Sein Appell: „Keine Spekulation mit dem Wasser, es darf nicht in die Hände von Großkonzerne fallen!“

Da spricht er Gemeinderat Lothar Ragaller junior (Bürgerliche Wählergemeinschaft / BWG) aus dem Herzen. „Alleine die Idee ist schon unvorstellbar.“ Er brachte dabei den Lebensmittelriesen „Kraft Food“ ins Spiel, dessen Manager es angeblich aufs deutsche Wasser abgesehen hätten. Solche Unternehmen würden in der Folge eine Vielzahl an Tochtergesellschaften gründen, die wiederum die begehrten Wasserrechte aufkaufen würden. „Und wenn dann mit dem Trinkwasser etwas nicht stimmt, wirst du keinen zur Verantwortung ziehen können.“ Kein Wunder, dass Ragaller die Brüsseler Liberalisierungspläne als „absoluten Schmarrn“ abkanzelte-

Georg Schober (Aktiv für Krün / AfK) hat laut eigener Aussage bereits 100 Unterschriften gesammelt. „Wasser ist ein Menschenrecht“, zitierte der Hotelier mit Natur-Faible den Slogan der Kampagne. Die selbstverständlich auch von Franz-Paul Reindl (BWG) unterstützt wird. Er blickt mit Grausen zurück, als die Bayernwerke in dem Energieriesen E.on aufgingen. Was die Verbraucher an den steigenden Strompreisen zu spüren bekamen. Daher: „Kein Wasser für Spekulanten“, stellte Ragaller nochmals klar. Denn haben profitorientierte Betriebe die Kontrolle, „dann wird auch um die Wasserqualität geschachert“, ergänzte der Bürgermeister.

Mathias Gschwendtner (CSU) sieht noch ein anderes Problem, wenn Konzerne wertvolles Nass auch gewinnbringend in andere Regionen verkaufen wollen: „Das bedeutet größere Wasserentnahme, größere Schutzgebiete. Da gehen die Unternehmen rigoros vor. Das wird ein Rattenschwanz ohne Ende.“

Sein Parteifreund Alois Kramer junior, wie Gschwendtner überzeugter Landwirt, riet, derlei EU-Gefahren „im Keim zu ersticken“. Geht´s um Wasser, fällt die Wortwahl schon mal martialischer aus.

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Donnerstag, 15. November 2012

Krün steuert auf 500.000er-Marke zu

Von Christof Schnürer

Krün – Am Jahresende könnten es 480.000 Übernachtungen sein – vielleicht auch mehr. Auf alle Fälle steuert Krün auf das beste Tourismusjahr seit 2001 hin. Was Bürgermeister Schwarzenberger (CSU), der die aktuellen Zahlen am Dienstag im Gemeinderat bekannt gab, am meisten freut: „Wir verzeichnen vor allem Zuwächse im Ort“ – sprich: in Krün und am Bärnbichl. Demnach steht dort nach drei Quartalen ein Plus von 15,8 Prozent bei den Gästen und 8,6 Prozent bei den Übernachtungen gegenüber dem Vorfahr zu Buche.

In Zahlen ausgedrückt registrierte man in der Tourist-Information zwischen Januar und September im Hauptort 25.582 Urlauber (2011: 22.090) und 193.304 Nächtigungen (2011: 178.036). Möglicherweise liegt dieses Wachstum – der attraktiven Gästekarte sei Dank – auch an der besseren Meldemoral des einen oder anderen Krüner Vermieters.

Erfreulich sind zudem die Ergebnisse in den ohnehin schon Boomregionen Elmau/Kranzbach sowie Tennsee/Barmsee. So stieg in den beiden Top-Häusern Schloss Elmau und „Das Kranzbach“ die Gästezahl von 28.062 (2011) auf 30.018. Bei den Übernachtungen sind es statt 93.566 nun 99.655, was einem nochmaligen Plus von 6,5 Prozent entspricht. Am Barm- und Tennsee – 91.831 statt 87.497 Nächtigungen – fiel der Zuwachs mit fünf Prozent etwas moderater aus, stimmt die Verantwortlichen im Rathaus aber trotzdem zuversichtlich.

Verhalten zufrieden können auch die Vermieter im Ortsteil Klais sein, wo 18.083 Übernachtungen (2011: 17.399) ebenfalls ein bescheidenes Plus von 3,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr ausweisen. Wer weiß: Gelingt ein überdurchschnittlicher Endspurt, könnte vielleicht die 500.000er-Marke heuer noch geknackt werden.

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Freitag, 2. November 2012



Bild: Im früheren Kloster Thierhaupten in Klausur: (v.l.) Rudi Achtner, Georg Schober, Bürgermeister Thomas Schwarzenberger, Peter Schwarzenberger, Mathias Gschwendtner, Kämmer Bartholomäus Reindl, Tourismus-Chef Josef Winzinger, Anneliese Albrecht, Klaus Koppe, Holger Otto, Engelbert Paschek, Franz Manghofer, Bernhard Kröll, Michael Nimser, Jutta Teschner, Ferdinand Glasl, Franz-Paul Reindl, Andreas Zick, Georg Schober jun., Luise März, Jürgen Müller, Alois Kramer und der Altbürgermeister von Thierhaupten Fritz Hölzl.

Windräder, leere Schaufenster und das Allerschlimmste: ein Schild mit der Aufschrift „Wallgau – Ortsteil Krün“ – so stellen sich die Krüner ihre Zukunft vor. Die Dorferneuerung soll den Isartalort auf den richtigen Weg führen. Der Startschuss für die Krüner Dorferneuerung ist nun in Thierhaupten gefallen.

Text und Bild von Leonhard Habersetzer

Thierhaupten/Krün – „Unser Ort braucht das eine oder andere Face-Lifting.“ Mit dieser Aussage hat Krüns Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) vor einem halben Jahr einen wichtigen Prozess eingeleitet: die Dorferneuerung. Dieses staatliche Förderprogramm soll vor dem Hintergrund des demografischen und Strukturwandels sowie der Energiewende die Lebens-, Arbeits- und Umweltverhältnisse in einer kleinen Gemeinde verbessern helfen. Doch dazu bedarf es auch Denkanstößen von außen. Und so zogen sich - wie schon im Frühling 2011 einige Wallgauer - nun 24 Krüner für zwei Tage zurück in die ehemalige Benediktinerabtei Thierhaupten bei Augsburg. Hinter dicken Klostermauern zuckte eine Vielzahl von Gedankenblitzen.

Unterstützt wurden die Isartaler dabei von den Moderatoren Guido Romor und Brunhilde May vom Amt für Ländliche Entwicklung. Schnell kristallisierten sich die wichtigsten Themenfelder heraus: Wirtschaft, Tourismus und Ortsbild, Demografie, Energiegewinnung, Ausbildung und Arbeitsplätze. Zu denken gibt den Kursteilnehmern die Bevölkerungsentwicklung. Sie sagt einen Schwund von 110 Einwohnern in den kommenden neun Jahren voraus, ausgelöst durch die studien- und berufsbedingte Abwanderung junger Menschen. Gleichzeitig siedeln sich überproportional viele „Silver Ager“ (Generation 50plus) an. Diese Neubürger bringen zwar Kapital mit, füllen aber nicht die Kindergartenplätze und Klassenzimmer. Schließungen drohen.

Kopfzerbrechen bereiten auch die fehlenden qualifizierten Arbeitsplätze für junge Einheimische. Eine Folge der jahrzehntelang einseitig betriebenen Politik in Richtung sanfter Tourismus. Sie ließ der Gewerbeentwicklung wenig Raum. Optimismus stellte sich angesichts der seit 2007 wieder steigenden Übernachtungszahlen ein. Sepp Oberauer, Bürgermeister der Vorzeigegemeinde Nußdorf am Inn, impfte den Krünern Tatendrang ein. Aus der Praxis schilderte er den Wandel seiner Gemeinde auf dem Weg zur Goldmedaille in Sachen Dorferneuerung auf Europaebene.

Optimistisch und frei nach dem Spruch von Albert Einstein „Wenn eine Idee zunächst nicht absurd erscheint, taugt sie nichts“ ließen vier Gruppen ihren Visionen und Horrorszenarien freien Lauf. Die zentrale Frage: Wie entwickelt sich schlimmsten- und bestenfalls der Ort bis 2030? Einigen schwante eine überschuldete und überalterte Gemeinde mit Klais als Personalwohnheim für Kranzbach und Elmau. Schilder mit „Zimmer frei“ und „zu verkaufen“ sowie im Ortskern leere Schaufenster, ein Ortsschild „Wallgau - Ortsteil Krün“, Windräder, ein Minarett und derselbe Bürgermeister wie heute. Geradezu paradiesisch sah die andere Gruppe den Ort in 20 Jahren: eine intakte Dorfgemeinschaft, ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Jung und Alt, allerhand Gewerbe, Handel, Handwerk und Gastronomie, eine intakte Kultur- und Erholungslandschaft, die B 11 einspurig, die zweite Fahrbahn findet sich im rückgebauten Isarkanal, keine bürokratische Hürden und eine gute Zusammenarbeit mit Tirol.Mit Thierhaupten hat die Zukunft Krüns endgültig begonnen.

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Mittwoch, 10. Oktober 2012

Krüner gehen ins Kloster

Inspiration in heiligen Hallen: Das ist das erklärte Ziel einer 25-köpfigen Isartaler Delegation. Diese will bei einer zweitägigen Klausur in der ehemaligen Benediktiner-Abtei in Thierhaupten die geistige Vorarbeit für die geplante Dorferneuerung liefern.

Von Chridtof Schnürer 

Krün – Demnächst verschickt Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) die Einladungen für eine Reise ins Schwabenland. Diese führt in gut zwei Wochen (26. und 27. Oktober) nach Thierhaupten. Im dortigen Kloster wollen sich dann 25 Gemeindebürger intensiv Gedanken machen über die Zukunft Krüns. „Ich bin gespannt, ob sich meine Gedanken mit denen der Gruppe decken“, meint Schwarzenberger, der bei der Klausur zur geplanten Dorferneuerung einen eher defensiven Part übernehmen möchte. Schließlich lebt dieser vom Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) unterstützte Prozess vom Bürger- und Gemeinschaftssinn. Nur dann kann ein Ort für die Zukunft fit gemacht werden – glauben zumindest die Experten.

Dass bei diesen Workshops hinter dicken Mauern was zählbares herauskommt, davon können die Wallgauer ein Lied singen. Im Mai 2011 reisten 14 Seminar-Teilnehmer – unter anderem Bürgermeister Hans-Jörg Zahler (CSU), Parkhotel-Direktor Dennis Wrba und der ehemalige Karwendelbahn-Chef Alois Fichtl – nach Thierhaupten. Dort wurden sie von ALE-Mitarbeiterin Brunhilde May für das Thema Dorferneuerung sensibilisiert. Unter diesem Begriff versteht man staatlich geförderte Programme, die die baulichen, verkehrstechnischen und kulturellen Verhältnisse in Ortschaften verbesser4n sollen.

Nach der Klausur waren die Wallgauer geradezu euphorisch. „Wir wollen den gordischen Knoten lösen“, scherzte seinerzeit Rathauschef Zahler und spielte damit auf das besondere Reizthema Dorfplatz an.

„Solche Brennpunkte haben wir nicht“, betont Zahlers Krüner Amtskollege Schwarzenberger. „Trotzdem hoffe ich, dass auch bei uns eine gewisse Euphorie entsteht.“ Und vielleicht gebe es in der ehemaligen Benediktiner-Abtei dann so was wie eine Initialzündung für die Dorferneuerung die „von der ganzen Gruppe in den Ort getragen wird“.

Der Geist von Thierhaupten – vielleicht springt er auch auf die Krüner über.

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Montag, 16. August 2012

Krün zeigt Solidarität mit Tourismusverband

Kommune stellt 4.000 Euro für Rettung zur Verfügung, falls alle Mitglieder finanziellen Beitrag leisten – 250.000 werden gebraucht

Von nine MM-BAYERN

Krün – Es war ein „unangenehmes Thema“, das Krüns Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) in der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend ansprach: Die drohende Insolvenz des Tourismusverbandes München-Oberbayern. Krün gehört zu den rund 300 Mitgliedern. Der Rathauschef stärkte dem Verband den Rücken: „Er macht für uns wichtige Arbeit.“ Vor allem beim Auslandsmarketing seien die Verantwortlichen sehr „rührig“.

Er informierte den Gemeinderat, was Mittenwalds Tourismuschef Klaus Ronge, der für die Alpenwelt Karwendel an der Krisensitzung in Starnberg teilgenommen hatte, dort erfuhr. „Es geht um Fördergelder, die falsch eingesetzt wurden.“ Mitarbeiter, die gezielt für bestimmte Projekte eingestellt wurden, sollen für andere Aufgaben eingesetzt worden sein. Damit seien Mittel, mit denen diese Angestellten speziell für dieses Projekt bezahlt wurden, veruntreut worden.

Da der Freistaat den Geldhahn nun abgedreht hat, steht der Tourismusverband, der über einen Haushaltsetat von 2,9 Millionen Euro verfügt, vor der Pleite. „Wenn bis zum 23. August nicht 250.000 Euro zusammen sind, ist eine Insolvenz unvermeidbar“, verdeutlichte Schwarzenberger die prekäre Situation.

Zusammen soll die Summe zur Rettung durch einen freiwilligen Solidaritätsbeitrag der Mitglieder. Deshalb galt es zu entscheiden, ob sich Krün hinter den Tourismusverband stellt. „In unserem Fall geht es um circa 4.000 Euro“, nannte der Rathauschef Zahlen. Grundsätzlich zeigten sich fast alle Lokalpolitiker einverstanden, dem Verband unter die Arme zu greifen. Jedoch nicht um jeden Preis. „Entweder da machen alle mit, oder wir müssen es bleiben lassen“, meinte Schwarzenberger. Nur wenn alle 300 Mitglieder zahlen, will auch Krün mitziehen.

Kommen die 250.000 Euro zusammen, und bleibt der Verband liquide, gilt der Zuschuss dem Bürgermeister zufolge als vorausbezahlter Mitgliedsbeitrag. Scheitert der Rettungsversuch, sollen die Beteiligten das Geld zurück bekommen. Nur Franz-Paul Reindl konnte der Rathauschef die Bedenken nicht nehmen: „Wer garantiert uns denn, dass das Geld dann nicht in die Insolvenzmasse fließt?“ Er stimmte schließlich als einziger gegen den Beschluss, dem Tourismusverband die 4.000 Euro zur Verfügung zu stellen.

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Der Hansmartl hat’s geseh´n

Montag, 16. August 2012

Für Abwechslung hat der Auftritt eines Krüner Bürgers im Gemeinderat gesorgt. Ein neues Haus möchte der Isartaler bauen. Klar, dass er persönlich hören wollte, wie die Lokalpolitiker dazu stehen. Und als er merkte, dass sein Vorhaben auf große Zustimmung stieß, stand er plötzlich auf und verließ den Saal – ohne das Votum abzuwarten. Erstaunt schauten ihm die Gemeinderäte hinterher. Er drehte sich um, zuckte die Schultern und erklärte: „Naja, ich muss ja jetzt anfangen.“ Weg war der Häuslebauer. Dass er das auch wirklich darf, kann ihm einer sagen:

Euer Hansmartl

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Samstag, 21. Juli 2012

Ein ganzer Ort zieht mit

 Die Zukunft kann kommen: Am Donnerstag ist in Krün der Prozess der sogenannten Dorferneuerung angelaufen. Die riesige Resonanz von Seiten der Bevölkerung stimmt die Initiatoren dabei besonders optimistisch

Von Rudolf Tomaschek



Wichtiges Thema, viele Zuhörer: Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (am Pult) und Experte Josef Holzmann schwören die zahlreich gekommenen Krüner im Kurhaus auf die Dorferneuerung ein.
                                                                                                                                                              Foto: Tomaschek

Krün – Viel Zeit und Geld werden nötig sein, um in Krün im Verlauf der nächsten zehn Jahre ein wichtiges Zukunftsvorhaben voranzutreiben: die Dorferneuerung. Am Donnerstag fiel dafür im Rahmen einer Bürgerversammlung im Kurhaus der offizielle Startschuss. „Heute steigen wir in das Projekt ein“, verkündete Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) vor einer erstaunlich großen Anzahl an Zuhörern. Knapp 300 Krüner waren in den Festsaal gekommen.

Bereits im Januar hatte der Gemeinderat einstimmig beschlossen, beim Amt für ländliche Entwicklung (ALE) die sogenannte Dorferneuerung zu beantragen. Das ist die Behörde, von der sich die Gemeindeväter 50 Prozent Zuschuss für gewünschte Maßnahmen erwarten. Schwerpunkt und auch Voraussetzung für den Geldsegen ist die Beteiligung der Bürger. „Dorferneuerung ist auch Dorfentwicklung“. Mit dieser Formel beschwor Schwarzenberger sein Auditorium, den Blick in die Zukunft zu richten. Dabei hegt es dem Rathauschef beileibe nicht nur um die Realisierung eines schmucken Dorfplatzes.

„Was passiert, wenn wir gar nichts machen?“, hallte seine Frage durch den Saal. Dieses versuchte der Bürgermeister mit seinem Ausblick auf die demografische Entwicklung selbst zu beantworten. „2021 haben wir 15 Prozent mehr Bürger mit 65 Jahren oder älter und 30 Prozent weniger bei den unter 18-jährigen.“ Diese Überalterung könne möglicherweise durch Berufsperspektiven vor Ort zumindest gebremst werden.

Handlungsbedarf sehen die Gemeindevorderen aber auch bei der Verbesserung des Ortsbildes. Als da wäre der Kirchplatz. „Wie lange wollen wir noch hunderte Quadratmeter Asphalt noch anschauen?“, fragte Schwarzenberger in die Runde. Ein Signal für das Schaffen von Grünflächen? Des Weiteren nannte der Rathauschef den Rathausplatz und den Lesesaal als Beispiele, die auf der Dringlichkeitsliste stehen. Auch eine zusätzliche Fußgängerbrücke über den Isarkanal sei eine feine Sache. Aber klar, der Dorfplatz, das ist eine große Nummer. „Dort könnten wir das Ortsbild erheblich verändern“, betonte Schwarzenberger. Zumal nun klar ist, dass die Gemeinde das zentrale Anwesen (Walchenseestraße 2) für einen Umgestaltungsprozess inzwischen erworben hat (wir berichteten).

„Das wird für Krün für den Start in die Dorferneuerung erheblich von Vorteil sein“, befand ALE-Experte Josef Holzmann. Ideen für eine kosmetische Operation im Ortszentrum gebe es genug, ergänzte der Bürgermeister. Den Abriss der neu erworbenen Immobilie wollte er dabei noch nicht propagieren. „Dazu müssen die Bürger eingebunden werden, und es muss ein klarer Gemeinderatsbeschluss her.“ Denn: „Wir wollen dort an der B 11 keine Rennbahn, wir wollen eine Verkehrsberuhigung.“

In seinem Vortrag hatte Holzmann noch eine kleine, aber feine Botschaft verpackt: Private Anrainer können an dem Förderprogramm beteiligt werden. Voraussetzung: Deren Planung sollten in das Gemeindekonzept passen. Im Oktober findet ein Seminar statt, an dem sich 25 Krüner – ähnlich dem Wallgauer Vorbild – beteiligen, inklusive Gemeinderat. Danach erfolgt die Gründung von Arbeitsgruppen. Ab Januar soll es dann endgültig zur Sache gehen.

Dorferneuerung
dient der nachhaltigen Verbesserung der Lebens-, Wohn-, Arbeits- und Umweltverhältnisse. Kleine Gemeinden sollen mit diesem staatlichen Förderprogramm vor dem Hintergrund des demografischen und Strukturwandels sowie der Energiewende auf künftige Erfordernisse vorbereitet werden.

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Donnerstag, 19. Juli 2012

Krün macht´s Wallgau vor

Der Gemeinde Krün ist ein Immobilien-Coup gelungen: Die Kommune hat per Tauschgeschäft ein Anwesen in zentraler Lage erworben. Damit ist der Weg frei für die Dorfplatz-Erneuerung. Davon können die Nachbarn in Wallgau nur träumen.

Von Christof Schnürer



Ab sofort im Gemeinde-Eigentun: Das Anwesen an der Walchenseestraße 2, wo bis Herbst 2011 die Metzgerei Froschmayer beheimatet war, wechselt den Besitzer.
                                                                                                                                                              Foto: Tomaschek

Krün – Es gibt die historische Chance. Krün hat sie genutzt. Nach zahllosen Gesprächen und Geheimverhandlungen erwarb die Gemeinde das Anwesen an der Walchenseestraße 2. Dort, wo bis Herbst 2010 die Metzgerei Froschmayer beheimatet war. Der Deal ging per Tauschgeschäft über die Bühne. Die Kommune erwarb vom Besitzer das Haus im Ortszentrum, dieser wiederum darf nun ein Waldareal am Rindberg (Estergebirge) und ein Gewerbegrundstück sein Eigen nennen. Zudem sicherte sich die Gemeinde von einem anderen Privateigentümer den Schuppen hinter dem Anwesen Walchenseestraße 2. Als Gegenleistung gab´s ein kleines Waldstück. Bei beiden Transfers erfolgte laut Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) eine „Aufzahlung“. Einmal soll noch Geld in die eine, einmal in die andere Richtung geflossen sein.

Den Immobilien –Coup bezeichnet der Rathauschef als „Glücksfall“. Mehr noch: „Es war eine einmalige Chance. Hätten wir jetzt nicht investiert, wäre der Zug abgefahren.“ Schwarzenberger berichtet weiter, dass der Grundsatzbeschluss zu diesem Geschäft einstimmig gefallen sei. Lediglich bei den Zahlungsmodalitäten soll ein Gemeinderat in der nichtöffentlichen Sitzung ausgeschert sein.

Mit dem Kauf des Anwesens Walchenseestraße 2 besitzt die öffentliche Hand nun ein rund 500 Quadratmeter großes Grundstück in zentraler Lage. Die ideale Voraussetzung für die geplante Dorfplatz-Erneuerung. „Jetzt sind die Bürger gefragt“, meint Schwarzenberger. Denn die Umsetzung soll im Einklang mit der Bevölkerung ablaufen. So will es das bayernweite Dorferneuerungs-Programm, das demnächst in Krün startet.

Angesichts dieses Fortschritts können die Nachbarn in Wallgau nur vor Neid erblassen. Dort scheitert die dringlich erforderliche kosmetische Operation am Dorfplatz seit über zehn Jahren daran, dass wegen der weiteren Nutzung des zentralen Gebäudes dort, dem „Kirchenböbl“, zwischen der Gemeinde und dem Eigentümer (Raiffeisenbank) keine Einigung erzielt werden kann (wir berichteten). Wie es gehen kann, zeigt Krün.

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Donnerstag, 5. Juli 2012

Hausbesitzer werden zur Kasse gebeten

Jetzt trifft es auch Krüns Hauseigentümer: Wie in anderen Gemeinden bereits üblich, müssen auch sie künftig zahlen, wenn die Straße vor der Haustüre ausgebaut oder komplett saniert wird

Von Janine Tokarski

Krün – Wirklich freuen dürfte diese Entscheidung die Krüner Hausbesitzer nicht. Der GR hat mit zwei Gegenstimmen beschlossen, die Straßenausbaubeitragssatzung zu ändern. Und zwar insoweit, dass Eigentümer künftig mitzahlen müssen, wenn die Straße vor ihrer Haustür grundlegend saniert wird. „Das gilt nicht für die Unterhaltung der Straßen“, betont Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU). Für Frostschäden nach dem Winter und kleinere Teerarbeiten muss weiterhin die Gemeinde aufkommen. Es geht vielmehr um die großen Projekte, wenn ein Weg komplett hergerichtet werden wird.

Das kann für Eigentümer ziemlich teuer werden: Laut Mustersatzung müssen Hausbesitzer an Anliegerstraßen 80 Prozent, bei Durchgangsstraßen 50 und bei Hauptstraßen 30 Prozent der Kosten tragen. Der Rest entfällt auf die Kommune. „Wir haben aber einen Spielraum nach oben“, unterstreicht Schwarzenberger. Das heißt, die Gemeinde könnte die Anteile so festlegen, dass Anwohner weniger zahlen. Wie die Verteilung genau aussieht, kann der Bürgermeister noch nicht sagen. Der Inhalt der Satzung werde in den nächsten Monaten ausgearbeitet. „Wir wollen sie zum Ende des Jahres auf den Weg bringen“, umreißt der Rathauschef den Zeitplan.

Eigentlich gehe es bei dieser Entscheidung um Gerechtigkeit, sagt er. Auch mit Blick auf die geplante Dorferneuerung. Sollten im Zuge dieses Projekts einige Straßen komplett erneuert werden, müssten die Anlieger nach derzeitigem Stand nicht mitzahlen. Sind aber dann nur wenige Jahre später Sanierungen anderer Strecken im Dorf nötig, müssten die Hausbesitzer die Kosten mittragen.

Denn viel zeitlicher Spielraum bleibt der Gemeinde nicht, sie muss die Bürger zur Kasse bitten. „Der überörtliche Prüfer hat uns bereits 2007 darauf hingewiesen, die Satzung zu ändern“, sagt Schwarzenberger. Die kommunale Abgabenverordnung sieht vor, dass Gemeinden Bürger beim Ausbau von Straßen finanziell beteiligen sollten. „Und sollen heißt im Recht müssen“, erläutert der Bürgermeister. Zudem erfüllte Krün vier von sechs Kriterien, die eine Kommune dazu zwingen, die Kosten umzulegen. Unter anderem hat der Ort eine überdurchschnittliche Verschuldung bei unterdurchschnittlicher Steuerkraft.

Der Gemeinde bleibt also keine Wahl. Und dann lieber jetzt, „da wir einheitlich gute Straßen haben und ein Ausbau in nächster Zeit nicht nötig wird“, unterstreicht Schwarzenberger. Er rechnet damit, dass erste Arbeiten dieser Art erst in 15 bis 20 Jahren anstehen. „Wenn dann aber eine nach der anderen Strecke gemacht werden muss, kann die Gemeinde das nicht allein finanzieren.“

Grundsätzlich waren sich alle Gemeinderäte einig, dass die Satzung geändert werden muss und der Zeitpunkt sinnvoll ist. Dennoch stimmten Franz-Paul Reindl (Bürgerliche Wählergemeinschaft) und Engelbert Paschek (Aktiv für Krün) gegen den Grundsatzbeschluss. Reindl hätte sich lieber zuvor ausführlich beim Gemeindetag über die Satzungsänderung informiert. Dies sei auf Nachfrage nicht möglich gewesen, sagt der Bürgermeister. „Bei Spezialfragen können wir uns an ihn wenden.“ Paschek wollte nicht zustimmen, solange er nicht weiß, welche Kosten dann tatsächlich auf die Bürger zukommen. „Das ist ziemlich schwierig, weil wir jetzt ja nicht sagen können, wie teuer der Ausbau einer Straße in einigen Jahren wird“, kontert der Rathauschef. Letztlich votierte die Mehrheit der Lokalpolitiker für die Änderung.

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Dienstag, 15. Mai 2012

Von Janine Tokarski
 
Krüner Hilfsfond zahlt Platz im Integrationskindergarten

Krün – Wallgau beschäftigt das Problem schon länger, nun musste sich auch Krün Gedanken machen – und zwar um eine adäquate Betreuung eines Kindes mit Förderbedarf. Was im Nachbarort für Diskussionen zwischen Eltern und Gemeinde gesorgt hatte (wir berichteten), löste in Krün die Dorfgemeinschaft zur Zufriedenheit aller.

„Wir brauchen für ein Kind einen Integrationsplatz“, fasste Bürgermeister Schwarzenberger (CSU) in der Gemeinderatssitzung zusammen. Eine Unterbringung im heimischen Kindergarten sei nicht möglich. Geplant war zunächst, das dreijährige Kind, dessen Familie anonym bleiben möchte, in der Mittenwalder Einrichtung unterzubringen. „Wir haben dann aber eine Absage bekommen, weil Mittenwald seine Integrationsplätze alle selbst braucht“, schilderte der Rathauschef das Dilemma. Also ging die Suche weiter.

Denn wie berichtet, ist eine Unterbringung im Garmisch-Partenkirchner Integrationskindergarten der Kinder-, Jugend- und Erwachsenenhilfe (KJE) nur möglich, wenn die vier am Neubau beteiligten Gemeinden die 30 zur Verfügung stehenden Plätze nicht selbst benötigen. Glücklicherweise ist genau dies heuer der Fall: Ebenso wie ein Bub und ein Mädchen aus Wallgau, kann auch das Kind aus Krün darum die Einrichtung ab September besuchen. „Ich bin heilfroh, dass wir eine gute Lösung gefunden haben“, sagte Schwarzenberger. Dafür muss die Gemeinde aber einen erhöhten Nutzungszuschuss von 2.000 Euro pro Jahr an den Kindergarten zahlen.

Nun kommt die Dorfgemeinschaft ins Spiel. Denn die Krüner Ortsvereine haben sich entschlossen, diese Summe aus dem Hilfsfond zu bezahlen. „Ein schöner Zug“, meinte der Bürgermeister. Alle Vertreter seien sich bei einem Treffen einig gewesen, dass der Hilfsfond „für genau solche Zwecke gegründet worden sei“ – um dann Unterstützung zu leisten, wenn jemand im Dorf Hilfe braucht.

Anerkennung gab es dafür auch aus den Reihen der Gemeinderäte. Alois Kramer (CSU) fragte nach, ob nicht die Zahl der Integrationsplätze im Mittenwalder Kindergarten erhöht werden könne. Immerhin blieben den Eltern weite Fahrten erspart. Doch der Rathauschef betonte, die acht vorhandenen Betreuungsplätze seien nach Gesprächen mit der Marktgemeinde „das Äußerste der Gefühle“.

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Donnerstag, 5. April 2012

Von Christof Schnürer

Schobers Idee findet keine Freunde

Damit hat keiner gerechnet: Obwohl der Haushalt einhellig vorberaten war und eine einstimmige Empfehlung des Finanzausschusses vorlag, forderte einer während der Etat-Debatte plötzlich eine Steuersenkung: Georg Schober. Sein Antrag wurde vom Gremium abgeschmettert.

Krün – „Ich kann nur mit einer Steuererhöhung leben, wenn wie nächstes Jahr wieder über eine Senkung diskutieren.“ Das hatte Georg Schober (Aktiv für Krün / AfK) im Mai 2009 während der Etat-Aussprache im Krüner Gemeinderat klargestellt. Mit drei Jahren Verspätung erinnert sich der 56-jährige Hotelier offenbar wieder an seine Ankündigung. Während der Etat-Debatte brachte er – für seine Ratskollegen völlig unerwartet – die Senkung für Grundsteuer-B-Hebesätze von 450 auf 430 Punkte ins Spiel. „Das wäre eine schöne Geste gegenüber dem Steuerzahler.“

Verwunderung allerorten. Und das hat seinen Grund: Denn laut Bürgermeister Schwarzenberger (CSU) hatte Haupt- und Finanzausschuss-Mitglied Schober bei den intensiven Vorberatungen nie von seinen Plänen gesprochen. Im Gegenteil: Wie auch die anderen Ausschussmitglieder hatte er dem Gemeinderat empfohlen, den Hauhalt (siehe Kasten zu verabschieden.

Jetzt, wo die Zahlen endgültig auf dem Tisch lagen, stellte Schober plötzlich seine Steuer-Idee zur Diskussion. Sein Argument: Gegenüber 2009, als die Hebesätze der Grundsteuer B von 400 auf 450 Punkte angehoben wurden, habe sich die Haushaltslage merklich entspannt. Das Geld, das sich die Haus- und Grundbesitzer dadurch sparen, könnte beispielsweise in Renovierungen gesteckt werden.

Ein Vorschlag, der beim verdutzten Rathauschef nur Kopfschütteln auslöste. „Wir haben zwei Millionen Schulden und außerhalb des Haushalts Verbindlichkeiten von 600.000 Euro, und die Kreisumlage ist gegenüber 2009 um 100.000 Euro gestiegen“, zählte Thomas Schwarzenberger auf. Ganz abgesehen von kostenträchtigen Investitionen in Sachen Dorferneuerung, die auf die Gemeinde noch zukommen. „Irgendwo muss das Geld ja herkommen.“ Der Bürgermeister warnte jedenfalls vor einem finanzpolitischen Schnellschuss. „Wir tun uns weh, wenn wir uns selbst beschneiden.“ Rückendeckung erhielt er von Kämmerer Bartl Reindl, der eingangs allerdings erwähnte, dass die Etataufstellung diesmal „erstmals leicht gegangen war“.

Was aber würde eine Senkung der Grundsteuer-Hebesätze um 20 Punkte bringen? „Nicht viel“, meinte Schwarzenberger. Die Kommune hätte pro Jahr dann 21.000 Euro weniger in der Kasse. Und der Bürger? Ein Krüner, der über ein Grundstück mit einem Einfamilienhaus und einer Ferienwohnung verfügt, spare 30 bis 40 Euro. An eine Renovierung sei angesichts dieser geringen Summe nicht ansatzweise zu denken, stellt der Bürgermeistergegenüber dem Tagblatt klar.

Eine ähnliche Rechnung stellt auch Anneliese Albrecht (CSU) auf. „Das langt gerade einmal zum Essen gehen.“ Daher steht für die Bankangestellte außer Frage: „Wir würden uns damit keinen Gefallen tun, denn wir schränken uns extrem ein.“ Ähnlich sieht es Zweiter Bürgermeister Klaus Koppe (Freie Wähler Klais): „Wir sollten´s gerade im Hinblick auf die Dorferneuerung dabei belassen.“

Durch die Anhebung der Hebesätze vor drei Jahren – der ersten und bisher einzigen Steuererhöhung in der zehnjährigen Ära Schwarzenbergers – hat Krün per anno 40.000 Euro zusätzlich eingenommen. Bares, das die Kommune aus aktuellem Anlass dringend braucht. Denn durch die Tariferhöhung im öffentlichen Dienst entstehen der Gemeinde künftig zusätzliche Personalkosten in Höhe von rund 35.000 Euro.

Am Ende wurde der Etat mit 8 : 1 Stimmen angenommen. Dagegen musste wegen seines Vorschlages gezwungener Maßen Georg Schober votieren. Wobei er allerdings konstatierte, dass er im Grunde in vollem Umfang hinter dem an sich soliden Haushalt ohne Neuverschuldung stehe. Nicht wenige glauben nun, dass der Kommunalwahlkampf 2014 bereits begonnen hat.


Hauhalt 2012 in Zahlen


Gesamtvolumen: 5,181.500 Euro
Verwaltungshaushalt: 4,544.500 Euro
Vermögenshaushalt: 637.000 Euro

Wichtigste Einnahmen:
Einkommensteuer-Anteil 590.000 Euro
Gewerbesteuer: 580.000 Euro
Kurbeitrag: 510.000 Euro
Grundsteuer A/B: 497.000 Euro
Schlüsselzuweisung: 307.000 Euro
Fremdenverkehrsbeitrag: 200.000 Euro

Wichtigste Ausgaben:
Personalkosten: 922.000 Euro
Verwaltungs- und Betriebsaufwand: 737.500 Euro
Kreisumlage: 721.200 Euro
Etat Alpenwelt Karwendel: 310.000 Euro
Ausgaben für den Kindergarten: 124.300 Euro
Umlage an Kläranlage Mittenwald: 120.000 Euro
Gewerbesteuerumlage: 98.200 Euro

Wichtigste Investitionen:
Schuldentilgung: 177.500 Euro
Erlebnispfad: 60.000 Euro
Bauhofhalle: 50.000 Euro
Hochwasserschutz Kranzbach: 30.000 Euro

Allgemeine Zahlen:
Rücklage zum Jahresende: 487.757 Euro (2011: 585.057 Euro)
voraussichtlichter Schuldenstand zum 31. Dezember 2012: 2,053.000 Euro (2011: 2,230.000 Euro)
Pro-Kopf-Verschuldung: 1.066 Euro
Schulden außerhalb des Haushalts (wegen Gewerbegebiet): rund 475.000 Euro (prognostiziert zum
    Jahresende)
Gemeindevermögen (für kostendeckende Einrichtungen): 18,972.020 Euro

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Montag, 26. März 2012

Von Christof Schnürer

31. Juli: Studziennys letzter Arbeitstag


                                                                                                                   Foto: Thomas Sehr

Pfarrer Mieczyslaw Studzienny verlässt im Sommer die Gemeinden Krün und Wallgau. „Mir ist daran gelegen, dass es in Frieden weitergeht“, sagte der umstrittene Seelsorger am Ende einer denkwürdigen Sonntagsmesse in St. Jakob. Der – erwartete – Abschied stieß auf geteiltes Echo.

Wallgau/Krün – Erleichterung, Wut, Skepsis, Hoffnung, Traurigkeit – die Blicke der Gläubigen spiegeln alle Gefühlslagen wider, als der entscheidende Satz gefallen ist: Ja, er verlasse die beiden Pfarreien Krün und Wallgau, verkündet der Seelsorger Mieczyslaw Studzienny (50) am Passionssonntag am Ende der Heiligen Messe - erst in St. Jakob, dann in St. Sebastian.

 

Damit gehört seine 14-jährige Priester-Tätigkeit im Oberen Isartal ab 31. Juli der Vergangenheit an. „Dieser Entschluss von Pfarrkurat Studzienny verdient Respekt“, betonte Dr. Ulrich Babinsky. Er und Pastoralreferentin Karin Göbel waren extra wegen dieser brisanten Personalie von der Erzdiözese München Freising ausgesandt worden. Mit seiner Entscheidung eröffne Studzienny, so Babinsky weiter, „einen Weg aus den gegenwärtigen Konflikten und leistet so seinen Beitrag zu ihrer Bewältigung“.

Und Konflikte gab es in der Ära Studzienny nicht wenige. Dabei ging es laut Göbel „teils um Sachfragen, teils um Umgangsstile – für die Menschen in Wallgau und Krün war das nicht einfach“. Exemplarisch dafür steht der „Orgel-Streit“. So wurden in den zurückliegenden 14 Jahren mit Margarete Fischer, Sylvia Meggyes und Claudia Thomas gleich drei Organistinnen verschlissen. Letztere fühlte sich nach ihrem Rauswurf sogar „getäuscht und regelrecht abserviert“. Auch mit Laienvertretern – gerade in Wallgau – eckte Studzienny, dem nicht wenige einen autoritären Führungsstil attestieren, immer wieder an. Höhepunkt war im September 2010 ein Schlichtungsgespräch zwischen dem gebürtigen Polen und dem Wallgauer Pfarrgemeinderat unter der Regie zweier Bistumsvertreter.

„Worte nützen nichts, wenn das Vertrauen weg ist“, meint Wallgaus Mesnerin Kathrin Simon. Sie hat schon lang ein gespanntes Verhältnis zu ihrem Chef. „Deshalb bin ich über seine Entscheidung erleichtert, das wär nichts mehr geworden.“ Für Simon kommt der Abschied von Studzienny dennoch überraschend. Sie habe zuletzt das Gefühl gehabt, der Pfarrer würde sich in sein Amt regelrecht „festkrallen“.

Dass die katholische Gemeinde in Wallgau und Krün von einem Spaltpilz befallen ist, bestätigt auch Karin Göbel in ihrer kurzen Ansprache in den Pfarrkirchen. „Gegenwärtig steht die Pfarrei an einem Punkt, an dem die Überwindung mancher Konflikte nur noch schwer möglich zu sein scheint". Der Wechsel könne eine Zäsur sein, die ermöglicht, „wieder gemeinsam nach vorne zu schauen“.

Dass tat nach der denkwürdigen Messe bereits Hans-Jörg Zahler. „Jedes Dorf ist doch froh, wenn es einen eigenen Pfarrer hat“, sinniert Wallgaus Bürgermeister. Nun aber gehe ein Teil der Selbstbestimmung und das Selbstverständnis verloren.

Deutliche Worte findet auch CSU-Gemeinderat Josef Berwein: Studziennys Entscheidung sei „hübsch spät gekommen, weil bereits alles kaputt ist. Das hätte er früher machen sollen“. Moderate Töne schlägt Wallgaus zweiter Bürgermeister Karlheinz Schweiger an. „Das ist ein schlechter Zeitpunkt.“ Denn nun wisse keiner in Krün und Wallgau, wie es weitergeht.

Das weiß auch Dekan Thomas Gröner (52) nicht. Er soll ab Herbst zusätzlich die Administration von Krün und Wallgau übernehmen. „Da er weiterhin auch die Pfarrei St. Peter und Paul in Mittenwald leitet, wir ihn voraussichtlich ein weiterer Priester bei seinen Aufgaben unterstützen“, ließ Ordinariats-Vertreter Babinbsky durchblicken.

Das Problem: Ein Geistlicher in Zeiten akuten Priestermangels muss erst einmal gefunden werden. „Ich hoffe, es gelingt. Das wäre ein Glücksfall“, umschreibt Gröner diesen schwierigen Prozess. Von der Entscheidung seines Kollegen wusste er natürlich schon länger – und der damit verbundenen zusätzlichen Belastung. „Ich kann mich nicht dreiteilen“, meint er deshalb schon fast entschuldigend. Schon jetzt steht für den Dekan fest, „Das wird für mich eine Mehrarbeit, die ich nicht leisten kann.“

Wasser auf die Mühlen derer, die in Krün und Wallgau schon immer vor einem Pfarrverband mit dem großen Nachbarn gewarnt haben – getreu nach dem Motto: lieber Pfarrer Studzienny als gar keinen. Zumal es nicht wenige gegeben hat, die stets zu ihm gehalten haben. „Er war ein erstklassischer Pfarrer“, hebt Bernhard Neuner alias Posthalter hervor. „Er hat sich aufgearbeitet und wurde einfach nicht verstanden.

Was nun aus Mieczyslaw Studzienny wird? Dr. Babinsky kann darauf nur eine vage Antwort geben: „Ab dem Herbst wird er eine andere Stelle im Erzbistum antreten, zu der wir momentan aber noch nichts näheres sagen können.“

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Montag, 19. September 2011

Von Wolfgang Kunz

Schön, schöner, Krün

Ein echter Publikumsmagnet war der fünfte Auflage des Krüner Almabtriebs. Die festlich geschmückten Rinder – es gab auf der Sommerweide keinen Todesfall zu beklagen – waren beim Zug durchs Dorf begehrte Fotomotive. Die Organisatoren sprechen von 4.000 Zuschauern.

Begehrtes Fotomotiv:

Wenn (v.l.) Regina, Franz und Manuela Kriner mit ihrer geschmückten Kuh durch das Dorf ziehen, klicken die Kameras im Sekundentakt.

Lässt´s krachen:

Goaßlschnalzer Franz-Paul Reindl jun. in seinem Element

Viel Betrieb:

Hunderte Zuschauer pilgern zum Bauernmarkt.

Rückkkehr von der Alm:

Paulina und Alois Kramer jun.

Da läuft einem das Wasser im Mund zusammen:

(v.l.) Pauline Kramer, Helga Zahler und Susanne Kramer bereiten eine Riesenpfanne frische Schmalznudeln vor. Diese finden scharenweise Abnehmer.





Fotos: Kunz

Krün – Was für die Münchner die Wiesn ist für die Krüner ihr Almabtrieb. Rund 4.000 Schaulustige wollten sich dieses farbenprächtige Spektakel wie schon in den Jahren davor nicht entgehen lassen.

Als ebenso kompetenter wie lockerer Moderator entpuppte sich beim Krüner Volksfest Bürgermeister Thomas Schwarzenberger. Auf der vor dem Maibaum aufgebauten Tribüne informierte er die erwartungsfrohen Zuschauer am Straßenrand. „Genau 155 Rinder werden gleich in fünf Gruppen durch den Ort ziehen“, eröffnete Schwarzenberger. „Die Tiere sind teilweise aufgeputzt, weil es keine tödlichen Verletzungen gegeben hat.“

Dann ging’s los: Gemeindehirte Max Kriner führte zunächst 80 Stück Jungvieh an, die er im Sommer auf der Krüner Alm betreut hatte. Dann zog Hirte Franz Simon mit seinen festlich geschmückten Rindviechern an der Menge vorbei. Weiter ging’s mit einer ganz seltenen Rasse - den Murnau-Werdenfelsern, die Klement Neuner durchs prall gefüllte Dorf trieb. „Wegen niedriger Milchleistung wären sie beinahe ausgestorben“, erläuterte Schwarzenberger. „Jetzt werden sie vom Freistaat Bayern gefördert.“

Dann bahnten sich die 35 Kälber von der Brandle-Alm ihren Weg durch Krün. Um sie kümmert sich Franz Heßler. „Die Alm liegt auf Mittenwalder Flur“, erklärte dazu Mathias Gschwendtner, Altvorstand der Weidegenossenschaft. „Wir nutzen hier das Zuschlagsrecht der umliegenden Gemeinden zur Weidung“, ergänzte der „Schoggl-Bauer“. Richtig stolz zeigte sich dessen Nachfolger Alois Kramer junior. „Wir waren mit 38 Mitgliedern im Einsatz. Die Tiere waren ruhig, weil sie gut behandelt worden sind.“ In Krün gibt es rund 100 Milchtiere, die täglich rund 2.500 Liter Milch geben. „Damit ist die gesunde Milchversorgung der hiesigen Bevölkerung gewährleistet.“

Überhaupt war es für die Mitglieder der Weidegenossenschaft ein langer Tag. Schon früh am Morgen hatten sie die Tiere auf der Heimweide „aufgeputzt“ und dann über die Weidefläche am Sportplatz in einem Festzug durch den Ort getrieben.

Mit Interesse verfolgte die Familie Mainzer aus München das Szenario. „Wir sind extra hergefahren, weil wir unseren Kindern bayerische Tradition zeigen wollten“, meinte Mama Jessica. Deren zwölfjähriger Sohn Julius wunderte sich, „dass so viele Leute in Tracht sind“. Für seinen Papa Michael ist der Almabtrieb einfach nur „gelebte Tradition“.

Nach den Kühen zogen die unzähligen Besucher dann zum Bierzelt nahe dem Sportplatz. Dort im Ortsteil Gries hatten sich Festwirt Manfred Werner und seine Belegschaft schon für den Massenansturm gewappnet. Für Unterhaltung  sorgten die Achtaler Musikanten aus Murnau unter der Leitung von Alfred Höbel, die Krüner Alphornbläser, Nachwuchsplattler des Krüner Trachtenvereins sowie eine Modenschau.

Vor dem Festzelt hatte der Touristikverein einen Bauernmarkt mit regionalen Produkten organisiert. Lange Schlangen gab es am Stand der „Bäuerinnen und der Vermietergruppe Berglust pur“ aus Krün, die selbstgebackene Schmalznudeln angeboten. „Wir haben mit zehn Frauen aus 30 Kilo Mehl einen Teig vorbereitet“, erklärte Helferin Rosi Pfeffer. „Das ergibt rund 500 Stück Auszog´ne.“

Im Festzelt stießen derweil die Mitglieder der Weidegenossenschaft mit einer wohlverdienten Maß Bier auf einen gelungenen Almabtrieb an, der wohl als unbezahlbare Werbung für Krün in Erinnerung bleiben wird.

Auch die Polizei konnte sich am Samstag nicht beklagen. „Trotz der neuen Rekordbesucherzahl von 4.000“, stellte deren Sprecher Dieter Schermak klar, „ist alles so abgelaufen, wie wir es wollten“.

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Donnerstag, 1. September 2011

Von Christof Schnürer


Überzeugt vom gemeinsamen Prospekt: Thomas Schwarzenberger



















                                                               Foto: Tom/A


Ende Oktober erscheint der zweite gemeinsame Werbekatalog der Alpenwelt Karwendel – etwas dünner zwar, aber in gleicher Auflage. Auch beim Erscheinungsbild bleibt alles beim alten.

Oberes Isartal – Vor knapp einem Jahr präsentierten die Verantwortlichen des Isartaler Tourismusverbunds im Mittenwalder Rathaus das Erstlingswerk. In zwei Monaten soll der zweite gemeinsame Prospekt der Alpenwelt Karwendel wieder mit einer Auflage von 60.000 unters Gästevolk gebracht werden.

Trotz latenter, gemeindeübergreifender Kritik einiger Isartaler Vermieter bleibt das Konzept gleich. Soll heißen: Der Katalog ist nicht nach den drei Orten (Mittenwald, Krün und Wallgau) sortiert. Stattdessen folgen nach den großen Hotels und Gästehäusern, die je nach Anzeigengröße weiter vorne oder hinten platziert sind, die anderen Herbergen - erst die klassifizierten, dann der Rest. Das aber hat in der Vergangenheit Traditionalisten auf die Palme gebracht. Lautstark forderten sie ein Umdenken und wieder die klassische Sortierung nach Ortschaften.

Doch die Tourismus-Experten der Alpenwelt Karwendel denken gar nicht an eine Rolle rückwärts. „Momentan geht die Tendenz der Kunden dahin, dass sie unser Konzept gut finden“, erläutert Krüns Bürgermeister Thomas Schwarzenberger. Daher könne man mit der Gestaltung des Premierenprospekts nicht so falsch gelegen sein. Der amtierende Vorsitzende der Alpenwelt Karwendel belegt das mit den bisher vorliegenden Zahlen einer Gäste-Befragung. Und die sprechen eine eindeutige Sprache. Bis gestern sind 412 Fragebögen ausgefüllt zurückgegangen. Darin finden 277 (67 Prozent) die Sortierung nach Orten sehr gut, 86 (21 Prozent) gut, 49 (12 Prozent) weniger beziehungsweise nicht gut. Eine „klare Bestätigung“ des eingeschlagenen Kurses, findet Schwarzenberger, zumal 94 Prozent der Urlauber auch die Gestaltung des Imageteils gut bis sehr gut finden.

Interessant auch die Frage, wie die Erholungssuchenden auf die Alpenwelt Karwendel gekommen seien. 57 Prozent gaben an, Stammgäste zu sein, 15 Prozent stießen übers Internet auf das Obere Isartal. 16 Prozent folgten einer Empfehlung, und weitere acht Prozent ließen sich auf Messen und Werbefahrten überzeugen.

Die aktuelle Version wird derzeit wieder von der beauftragten Schlehdorfer Agentur „Idee & Werbung“ umgesetzt. Die Kosten von zirka 150 000 Euro werden naturgemäß zum Großteil über Anzeigen der Gastgeber gedeckt. Laut Schwarzenberger beteiligen sich heuer „knapp 600“ Beherbergungsbetriebe am Alpenwelt-Karwendel-Katalog 2012. Gegenüber dem Vorjahr sind das rund 50 weniger. Der überwiegende Teil dieser ehemaligen Kunden geben die Sortierung der Häuser als Grund für ihre Kündigung an. Somit wird das Hochglanz-Produkt nicht mehr auf 340 Seiten kommen - weniger Inserenten, weniger Umfang.

Der vieldiskutierte Prospekt ist das eine, andere Marketing-Maßnahmen das andere. Von dem 450.000 Euro umfassenden Etat der Alpenwelt werden bis zu 350.000 Euro in Werbung investiert – ob nun Zeitungsanzeigen, Radiospots oder im Internet. „Der Mix macht´s“, betont Schwarzenberger, wohlwissend, dass in anderen Tourismus-Destinationen das Vielfache für Eigen-PR ausgegeben wird.

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Donnerstag, 25. August 2011

von Hardl Habersetzer

 Aus alt mach neu – Bürgerliche Wählergemeinschaft Krün bestätigt ihren Vorstand um den Vorsitzenden Lothar Ragaller einstimmig im Amt

Der Vorstand der BWG:
(v.l.) Kassier Jürgen Müller, 2. Vorsitzender Peter Neuner, Schriftführerin Jutta Teschner, Vorsitzender Lothar Ragaller,
die Beisitzer Andreas Schütz und Josef Karner sowie die Kassenprüfer Franz Ostler und Klemens Holzer

                                                                             Foto: Habersetzer


Krün
– Bei der Bürgerlichen Wählergemeinschaft ist der alte auch der neue Vorstand. Bei der Jahreshauptversammlung im Gasthof Schöttlkarspitz wurde er einstimmig für die nächsten drei Jahre wiedergewählt. Im Amt wurden Lothar Ragaller als Vorsitzender und Hans Peter Neuner als sein Stellvertreter bestätigt. Schriftführerein bleibt Jutta Teschner, Jürgen Müller ist Kassier. Als Beisitzer wurden Andreas Schütz und Josef Karner nominiert.

Die beiden aktuellen Gemeinderäte Ragaller und Reindl berichteten detailliert über ihre Arbeit als Volksvertreter und die in Zusammenarbeit mit den anderen Fraktionen erzielten Ergebnisse für den Ort im vergangenen Jahr. Seit 2002 informieren die Bürgerlichen auch auf ihrer Internetseite www.bwg-kruen.de über das Ortsgeschehen und die Gemeinderatssitzungen. Vor allem Reindl engagiert sich dabei sehr stark. Für seine Arbeit wurde er deshalb von den Mitgliedern besonders gelobt. Dass sich der Aufwand lohnt, zeigt die Resonanz der Bevölkerung, die sich in zahlreichen Zugriffen widerspiegelt. Reindl erklärt sich unter dem Beifall der Versammlung bereit, weiterhin aktuell über die Gemeinderatssitzungen zu berichten. Nicht nur die Gemeindefinanzen seines Referats ließen aufhorchen, sondern auch die erfreulichen Zahlen von BWG-Schatzmeister Jürgen Müller.

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Montag, 22. August 2011

von Julia Pawlovsky

Zu hohen Kurbeitrag korrigiert

Krün – Ein Fauxpas ist den Krüner Gemeinderäten bei der Änderung der Kurbeitragssatzung zum 1. Dezember 2010 unterlaufen. Bei der Erhöhung der Beiträge um 0 Prozent wurde für den Kinderpreis der Betrag eines dritten Erwachsenen herangezogen. Das wurde nun wieder geändert.Aktuell beläuft sich der Tagessatz für Mädchen und Buben zwischen zehn und 15 Jahren auf 1,25 Euro. Zum Vergleich: In Mittenwald würden sie 75 Cent und in Wallgau nur 70 Cent zahlen. „Wenn wir ein familienfreundlicher Ort sein wollen, müssen wir das berichtigen“, appellierte Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU). Die Ratsmitglieder hatten keine Einwände. „Wir haben einen Fehler gemacht, und den korrigieren wir“, fasste Georg Schober (AfK) zusammen. Der Kurbeitrag wird ab 1. Dezember für Kinder in der Hauptsaison auf 75 Cent und in der Nebensaison auf 40 Cent gesenkt. Das ist die Hälfte dessen, was ein Erwachsener berappen muss. Der Beschluss war einstimmig.

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Mittwoch, 17. August 2011

von Julia Pawlovsky

Am Sportplatz geht das Licht an

Krün – Ein bisschen Stadion-Atmosphäre herrscht künftig am Sportplatz in Krün. Die Anlage bekommt eine moderne Flutlichtanlage. An den Kosten beteiligt sich die Kommune mit 5.000 Euro. Das hat der Gemeinderat einstimmig beschlossen. „Bislang gibt es nur im südlichen Teil zwei Scheinwerfer“, sagte Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU). Gerade in den Wintermonaten sei das aber bei weitem nicht ausreichend.Die sechs neuen Masten sollen ab der letzten Augustwoche an den vier Ecken des Sportplatzes sowie an beiden Seiten der Mittellinie aufgestellt werden. Da diese keine zehn Meter hoch sind, seien sie genehmigungsfrei, erläuterte Schwarzenberger. Die Gesamtkosten der Anlage belaufen sich auf 30.000 bis 35.000 Euro. Damit der Sportverein außerdem noch vom Bayerischen Fußball-Verband (BFV) Fördermittel in Höhe von 30 Prozent bekommt, muss der Club allerdings Besitzer oder Pächter des Platzes sein. Die Gemeinderäte entschieden sich für die Lösung mit einem Pachtvertrag. Dieser hat, um die Förderkriterien des BFV zu erfüllen, eine Laufzeit von 25 Jahre und kann nicht vorzeitig gekündigt werden. Die Gebühr beträgt 25 Euro pro Jahr. „Ansonsten bleibt alles wie es jetzt ist“, betont Schwarzenberger. „Der Verein kümmert sich weiter um den Unterhalt und die Gemeinde trägt die Kosten“.

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Dienstag, 16. August 2011

von Julia Pawlovsky

Mehr Rücklagen als erwartet


Krün – Nichts zu beanstanden hatte der Rechnungsprüfungsausschuss der Gemeinde Krün an der Jahresrechnung 2010. „Wir bescheinigen eine ordnungsgemäße Buch- und Kontoführung“, sagte Franz-Paul Reindl (BWG). Die Ratsmitglieder nahmen die Prüfung und Feststellung der Jahresrechnung einstimmig an und entlasteten Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU).

Reindl hatte noch eine weitere gute Nachricht zu verkünden: Aufgrund positiver Entwicklungen stiegen die Rücklagen der Kommune auf nunmehr rund 750.000 Euro. „Das ist mehr, als wir ursprünglich erwartet haben“, meinet der Bürgermeister. Der Schuldenstand zum Jahresende 2010 beträgt knapp 3,3 Millionen Euro.Lediglich eine Empfehlung hatte Reindl an die Verwaltung. Im vergangenen Jahr seien arbeiten von Spezialfirmen erledigt worden, die eventuell nicht nötig gewesen wären. Konkret bezog er sich auf das Ausmähen des Tiefbrunnens und das Säubern des Junggesellenbrunnens. „Das kann der Bauhof auch machen“, meinte Reindl. „Das kostet zwar nicht die Welt, aber es summiert sich.“ Bürgermeister Schwarzenberger versicherte, die Angelegenheit zu prüfen und versprach: „Das Mähen machen wir in Zukunft selbst“.

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Dienstag, 16. August 2011

von Julia Pawlovsky

Sparkassen-Stele „nicht mehrheitsfähig“

Krün – Für eine Wortreiche  Diskussionen hat ein Bauantrag der Kreissparkasse Garmisch-Partenkirchen im Krüner Gemeinderat gesorgt. Die Volksvertreter bangen um das Aussehen ihres Ortes und die Zukunft des Tourismus. Grund für die Aufregung ist eine 65 mal 270 Zentimeter große Informationstafel, die das Geldinstitut an der Karwendelstraße aufstellen will. Das lehnen die Räte ab, weshalb der Tagesordnungspunkt vertagt wurde.

„Die Kreissparkasse möchte ihre CI (Coporate Identity / Unternehmensidentität, Anmerkung der Redaktion) erneuern“, erklärte Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU). Deshalb errichtet sie in Kürze am Eingang eine 50 mal 200 Zentimeter hohe Stele. „Dies ist nicht genehmigungspflichtig“, meinte der Rathaus-Chef. Die zweite – knapp der Meter hohe – an der Karwendelstraße allerdings schon. Dafür hat die Bank zwei Entwürfe vorgelegt: rot oder silber. Den ersten Vorschlag wies Schwarzenberger ab. „Rot gefällt mir nicht, das ist ein starker Eingriff in das Ortsbild.“ Diesen Aspekt hatte er bereits im Vorfeld mit den Sparkassen-Vertretern geklärt. Mit der silberfarbenen Variante könne er sich aber anfreunden.

Zudem solle die gesamte Filiale umgestaltet werden. „Das bedeutet, die Kreissparkasse investiert in den Standort Krün, und er ist somit für unsere Gäste und Angestellt auf Dauer gesichert“, warb er bei den Ratsmitgliedern um Zustimmung für den Pylonen.

Dazu waren die Gemeinderäte jedoch nicht bereit. „Das ist ja ein Riesenteil, das hat eine Geschoss-Höhe“, meinte Lothar Ragaller (BWG). „Ich verstehe die Sparkasse, aber das müssen wir dann dem anderen Gewerbetreibenden auch genehmigen“, mahnte Ferdinand Glasl (AfK). „Die Konkurrenz-Bank beantragt das gleiche in zwei Wochen“, prophezeite Georg Schober (AfK). „Das ist unsere Haupt-Ortsdurchfahrt. Die werbewirksamen Fotos werden da gemacht.“

Nach weiterer intensiver Diskussion meinte Schwarzenberger schließlich: „Ich merke, der Vorschlag ist nicht gerade die Mehrheitsmeinung.“ Er stellt den Antrag daraufhin zurück.Die Verantwortlichen bei der Kreissparkasse sind natürlich nicht begeistert, akzeptieren die Entscheidung aber. „Wir versuchen, eine Alternativlösung zu finden“, sagte Hermann Eichberger, Leiter Organisation und IT. „Wir verstehen die Argumente und werden Rücksicht auf das Ortsbild nehmen.“ Einen neuen Vorschlag soll es nach den Sommerferien geben.

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Freitag, 29. Juli 2011

von Christof Schnürer 

Urlauber auf dem Karwendel: Im Vergleich zu den Vorjahren sind in der ersten Hälfte deutlich weniger zur Erholung in einem Mittenwalder Quartier abgestiegen.


                                                                                     Foto:Kornatz


Kleines Krün überholt großes Mittenwald 

Oberes Isartal
– Eigentlich könnte sich Krüns Bürgermeister die Hände reiben. Denn setzt sic der Trend in der zweiten Jahreshälfte fort, würde sein kleines Dorf (knapp 2.000 Einwohner) den großen Nachbarn Mittenwald (7.000) in der Tourismusbilanz endgültig überholt.

Der Rathauschef, der vor acht Jahren den maßgeblichen Impuls zur Gründung des Isartaler Marketingverbunds Alpenwelt Karwendel gegeben hatte, sieht die Sache allerdings anders. „Mich freut´s, dass sich unsere Zahlen so gut entwickeln, noch schöner wär´s, wenn es in Mittenwald genauso aufwärts gehen würde.“

So aber offenbart die Halbjahres-Erhebung der „Alpenwelt“ ein bislang undenkbares und wohl beispielloses Zwischenergebnis. Erstmals haben in Krün deutlich mehr Gäste (37.015) als Mittenwald (33.913) Quartier genommen. Bei den Übernachtungen sieht´s ähnlich aus: 187.732 (Krün) stehen 184.093 (Mittenwald) gegenüber. Mit anderen Worten: Krün ist die Nummer eins in der Alpenwelt Karwendel!

Für Mittenwalds Bürgermeister hat das Gründe: „Krün hat drei große Betriebe“, spielt er einmal mehr auf Schloss Elmau (Fünf Sterne plus), „Das Kranzbach“ (Vier Sterne plus) und den Noblen AlpenCarvanpark Tennsee an. Nicht zuletzt deshalb sei ein Strukturwandel in der Mittenwalder Hotellandschaft dringender denn je vonnöten. „Mit Hochdruck“, verdeutlicht Hornsteiner, arbeite seine Rathaus-Mannschaft an Projekten wie „Latscheneck“ oder dem Fünf-Sterne-Haus am der Bahnhofstraße. Letzteres soll bei einem weiteren Gespräch mit den möglichen Investoren im August erörtert werden.

Aktuell jedoch weist die Halbjahresbilanz gegenüber 2010 (34.777 Gäste und 195.043 Übernachtungen) ein Minus von 2,5 beziehungsweise von 5,6 Prozent aus. In Krün steht im Vergleich zum Vorjahr (35.557 / 179.934) ein Plus von 4,1 beziehungsweise von 4,3 Prozent zu Buche. Düster stellt sich die Situation im kleinsten Alpenwelt-Ort Wallgau dar. Gegenüber 10.145 Gästen (2010) logierten nur mehr 9.872 Urlauber von Januar bis Juni 2011 im Magdalena-Neuner-Dorf (minus 2,7 Prozent). Statt 59.921 Übernachtungen sind´s nur noch58.177, was einen Rückgang von 2,9 Prozent bedeutet. Im Gesamtergebnis heißt das für die Alpenwelt Karwendel: 80.800 Gäste (plus 0,4 Prozent) und 430.898 Übernachtungen (minus 1,1). Zum Vergleich: 2001 brachte es Mittenwald alleine auf in zwölf Monaten auf 760.667 Übernachtungen.

Die absoluten Horrormeldungen waren 2011 übrigens Februar und Mai. In dieser Zeit mussten Mittenwald (minus 24,2 und minus 23,3 Prozent) und Wallgau (minus 14,4 und minus 25,9 Prozent) schmerzhafte Einbußen verzeichnen. „Zwei schwierige Monate“, meint Adolf Hornsteiner, der auf ebenso triste Zahlen im benachbarten Seefeld (minus 25 Prozent) verweist. Doch das kann nur ein schwacher Trost sein.

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Samstag, 4. Juni 2011

 von Christof Schnürer

Banger Blick aufs nächste Jahr – Der Krüner Haushalt 2011 steht ganz im Zeichen von Schuldenabbau und Investitionen – und das alles ohne Steuererhöhung. Der Gemeinderat verabschiedet das Finanzpaket mit einem Umfang von 5,6 Millionen Euro einstimmig.

Krün – Mit einer Pro-Kopf-Verschuldung von 1.182 Euro (zum Jahresende 2011) gehört Krün zu den finanziellen Sorgenkindern des Landkreises. Deshalb bleibt die Konsolidierung des Haushalts weiter oberste Prämisse der Kommune. 238.000 Euro wird die Gemeinde heuer an Verbindlichkeiten zurückzahlen. Somit verbleiben am Jahresende noch 2,2 Millionen Miese.

Trotz dieser finanziellen Bürde nimmt der 2.000-Seelenort auch 2011 wieder viel Geld in die Hand. „Denn es stehen eine ganze Reihe von Projekten an, die noch abgeschlossen oder schon seit einiger Zeit aufgeschoben werden müssen“, betonte Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) eingangs seiner Rede (siehe wichtigste Investitionen). So wird also auch heuer der Investitionsetat zum fünften Mal in Folge die Marke von 1,1 Millionen Euro übertreffen. Zum Vergleich: Zwischen 2002 und 2006 gab die Gemeinde im Durchschnitt 600.000 Euro aus.

Dass heuer neuerdings eine Steuererhöhung vermieden werden konnte, ist zum einen einer bewährten Vorgehensweise zu verdanken. Die Gemeindeväter entnahmen nämlich aus der eisernen Reserve (Rücklage) 395.000 Euro. „Diese Quelle ist aber bald erschöpft“, mahnte der Rathauschef. Zum anderen kommen die Bürger um weitere Belastungen herum, weil die Kommune mit einer außerordentlichen Mehreinnahme bei der Gewerbesteuer rechnen kann.

Da andererseits aber die Umlage an den Landkreis mit 713.000 Euro laut Kämmerer Bartl Reindl einen „historischen Höchststand“ erreicht habe und beispielsweise auch das Budget für den Isartaler Tourismusverbund Alpenwelt Karwendel (plus 47 Prozent gegenüber 2009) stetig anwächst, blickt Krüns Schatzmeister mit „Sorge“ auf 2012. „Dann haben wir auf der Einnahmenseite keinen Cent zuviel“. Reindls Prognose: „Nächstes Jahr sind an Investitionen von einer Million Euro überhaupt nicht zu denken.“ Mehr noch: „Wir müssen 2012 aufs äußerste Minimum gehen und runterfahren, was geht.“ Dabei sei an die Worte des Kämmerers bei seiner Etatrede 2010 erinnert. Damals Reindl: „der Haushalt und der Bürgermeister brauchen Ruhe!“ tagespolitische Notwendigkeiten machten ihm einen Strich durch die Rechnung.

Sollte es also tatsächlich 2012 zu einer finanziellen Verschnaufpause kommen, könnte es gelingen, das geplünderte Gemeinde-Sparschwein wieder sukzessive aufzufüllen. Laut einer Prognose der Kämmerei sollen die Rücklagen von aktuell 362.644 auf 991.444 Euro (2014) wieder angewachsen sein. Vorausgesetzt die Rahmenbedingungen sind diejenigen, von denen Schwarzenberger und Co. Stand heute ausgehen. Daher appellierte der Bürgermeister an die elf versammelten Gemeinderats-Kollegen: „Wenn wir auch in den vergangenen Jahren viel investiert haben und noch mehr Schulden abgebaut als neue aufgenommen haben, müssen wir die Gesamtentwicklung immer noch im Blick haben.“

Der Hauhalt wurde mit 12 : 0 einhellig und ohne große Aussprache verabschiedet. Treten Reindls Prognosen ein, wird das Zahlenwerk 2012 sicherlich um einiges emotionaler und intensiver diskutiert werden.

Haushalt 2011

Gesamtvolumen: 5,605.100 Euro
Verwaltungshaushalt: 4,493.700 Euro
Vermögenshaushalt: 1,111.400 Euro

Wichtigste Einnahmen:
Gewerbesteuer: (570.000 Euro), Einkommensteueranteil (555.000 Euro), Grundsteuer A/B (492.000 Euro), Kurbeitrag (460.000 Euro), Schlüsselzuweisungen (316.800 Euro), Abwassergebühren (290.000 Euro), Fremdenverkehrsbeitrag (230.000 Euro), Veräußerung von Grundstücken (210.000 Euro).

Wichtigste Ausgaben:
Personalkosten (916.400 Euro), Kreisumlage (713.200 Euro), Verwaltungs- und Betriebsaufwand (654.000 Euro), Etat Alpenwelt Karwendel (300.000 Euro), Ausgaben für Kindergarten (145.000 Euro), Umlage an Kläranlage Mittenwald (115.000 Euro), Gewerbesteuerumlage (111.500 Euro).

Wichtigste Investitionen:
Schuldentilgung (238.100 Euro), Bauhofhalle (200.000 Euro), Erlebnispfad (Brücke/Schilder 150.000 Euro), Altbauhof (70.000 Euro), Bahnhof Klais (75.000 Euro).

Allgemeine Zahlen:
Rücklage: 362.644 Euro (2010: 757.544 Euro), voraussichtlicher Schuldenstand zum 31. Dezember 2011: 2,230.000 Euro, Pro-Kopf-Verschuldung: 1.182 Euro, Gemeindevermögen (für kostenrechnende Einrichtungen) 18,785.037 Euro.

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Freitag, 3. Juni 2011

von Wolfgang Kunz

Großinvestition in den ersten Eindruck – Bahnhof Klais nach Komplett-Sanierung für 250.000 Euro feierlich gesegnet – 2012 steht 10. Jubiläum an

Gottes Segen erhält die Station von Dekan Thomas Gröner, Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (l.) schaut zu.





                                                                                      Fotos: Fotos: Kunz

















Im Bahnhof werden Schranken, Weichen und Signale noch per Hand von (v.l.) Thomas Frenzel und Wilfried Günzler bedient.


Klais
– Bahngäste, die von Norden in die Alpenwelt Karwendel reisen, sammeln zunächst am Bahnhof Klais Impressionen. „Für unseren Ort ist er die erste Visitenkarte bei den Urlaubern“, sagte Thomas Schwarzenberger. Dass sich diese Visitenkarte nun absolut modern präsentiert, machte den Krüner Bürgermeister gestern mehr als glücklich. Gemeinsam mit der Gemeinde nutzte Schwarzenberger den Feiertag Christi Himmelfahrt, um den Bahnhof nach seiner Komplett-Sanierung einzuweihen.

Einst war die Klaiser Station mit 933 Höhenmetern der höchstgelegene IC-Bahnhof Deutschlands. „Jetzt sind wir nur noch der höchste Bahnhof im DB-Netz“, erklärte Vize-Bürgermeister Klaus Koppe, „weil der IC hier nur noch durchfährt“. Der Architekt aus Klais zeichnete zusammen mit Statiker Wolfgang Schwind aus Mittenwald für den Umbau des Bahnhofs einschließlich einer Lagerhalle verantwortlich.

Eine Viertelmillion Euro investierte die Gemeinde Krün, die das Gebäude im Jahre 2008 samt 1600 Quadratmetern Grund von der Deutschen Bahn AG erworben hat, in die Modernisierung. Die Station erhielt seitdem eine bessere Heizungsanlage und neue öffentliche Toiletten, eine überdachte Wartehalle für Bus- und Bahnreisende sowie einen ebenerdigen Zugang von der Straßen- und zur Gleisseite. „Alle Arbeiten wurden ausschließlich von heimischen Firmen ausgeführt“, betonte Schwarzenberger, „sie haben zuverlässig und kompetent gearbeitet und uns manchen kostenlosen Ratschlag erteilt.“

Hilfreich bei der Umsetzung des ehrgeizigen Projekts war zudem ein Zuschuss in Höhe von 120.000 Euro. „Ein Lob deshalb an Hans Beigel vom Amt für ländliche Entwicklung in Oberbayern“, betonte der Bürgermeister, „er hat dafür gesorgt, dass uns Mittel aus dem 2009 beschlossenen Konjunkturpaket zur Verfügung gestellt wurden.“ Zusätzlich genehmigte der Gemeinderat einen neuen Außenanstrich. Und die Grünanlagen wurden für weitere 10.000 Euro neu gestaltet.

Viel neuer Glanz für ein Haus mit langer Geschichte: Im Oktober des Jahres 1911 wurde mit dem Bau der Bahntrasse zwischen Mittenwald und Klais begonnen. Der Bahnhof samt Stellwerk und Güterhalle konnte im darauffolgenden Jahr fertiggestellt werden. Und schon am 1. Juli 1912 fuhr der erste Zug mit einer dreiachsig gekuppelten Dampflok durch die Station. „Deshalb wollen wir nicht nur die Einweihung des umgestalteten Bahnhofs feiern“, kündigte Schwarzenberger an, „sondern am 1. Juli 2012 auch das 100-jährige Jubiläum.“

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Montag, 28. Februar 2011

von Janine Tokarski

Ein Münchner im Kurhaus Krün – Thomas Jager, Betreiber der Klaiser „Post“, neuer Pächter – Erster Arbeitstag bereits am Mittwoch

Der neue Pächter Thomas Jager (Mitte) durfte bereits Anfang Februar bei der Schmankerl-Promenade Kurhaus-Luft schnuppern. Das Foto zeigt ihn mit Krüns Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (l.) und den Klaiser Post-Koch Thomas Hörding.    

                                   Foto: Rosenberger


Krün
– Es war seine letzte „Amtshandlung“. Mit dem Faschingsball der Feuerwehr ist die Ära von Wirt Jürgen Brändlein im Krüner Kurhaus zu Ende gegangen. Zwar hatte der Pächter nach der vorzeitigen Vertragsauflösung angeboten, den Betrieb noch bis April weiterzuführen. Doch das ist gar nicht nötig. Denn es gibt schon einen Nachfolger: Thomas Jager.

Der 41-Jährige ist kein Unbekannter im Oberen Isartal. Seit Juli 2010 führt er den Gasthof Post in Klais. Und er ist schnell zur Stelle. Am morgigen Dienstag übergibt ihm sein Vorgänger die Schlüssel. Schon am Mittwochabend steht Jager beim Kurkonzert der Musikkapelle hinter der Theke und bedient die Gäste.

„Der Einzug ist schon organisiert, morgen und am Mittwoch kommen Lieferwagen und dann geht´s los“, sagt Jager. Das Kurhaus-Restaurant will er offiziell am kommenden Faschingssamstag eröffnen.

In diesem Metier ist der gebürtige Münchner daheim. „Ich war schon immer ein Restaurantmensch“, erzählt er. In Salzburg machte Jager eine Koch- und Kellner-Ausbildung, arbeitete später neun Jahre in einem Vier-Sterne-Hotel in Hessen und bekam dann ein Angebot von Feinkost Käfer in München. „Da bin ich dann in den Catering-Bereich hineingerutscht.“ Sechs Jahre lang betreute er Käfer-Restaurants und Stände auf Messen. Weitere Erfahrungen in der Gourmet-Welt sammelte er im Partyservice von Alfons Schuhbeck.

Nicht zuletzt diese Referenzen machten ihn zum Wunschkandidaten der Gemeinde für das Kurhaus. „Er hat sehr gute Vorkenntnisse, auch im Bereich Veranstaltungen“, begründet Bürgermeister Thomas Schwarzenberger die Wahl. Jager setzte sich gegen vier weitere Bewerber durch. Punkte sammelte der Gastronom vor allem, weil „er sich vorstellen kann, selbst Veranstaltungen im Saal zu organisieren“, erläutert der Rathauschef.

Denn der Gemeinde liegt es am Herzen, dass sich im Kurhaus was rührt. Genau das ist auch Jagers Ziel. Er betrachtet das Kurhaus als „perfekte Ergänzung“ zu seinem Gasthof Post. Als er diesen im vergangenen Jahr übernommen hatte, ging „ein kleiner Traum in Erfüllung“. Nämlich der Wunsch, einen eigenen Betrieb zu leiten. Nun erweitert Jager seinen Traum im Kurhaus. Gerade der Saal hat es ihm angetan. „Dort kann man sehr gut Veranstaltungen mit vielen Gästen machen.“ Bei größeren Geburtstagsfeiern mit rund 60 Personen wird es in der Klaiser Post ziemlich eng. Denn das Wirtshaus bringt zwar 90 Besucher unter, aber auf drei Räume verteilt. Neben den rund 180 Terminen im Jahr, an denen die Krüner Vereine das Kurhaus nutzen, kann sich Jager durchaus mit dem Gedanken anfreunden, an zirka 100 Tagen selbst etwas auf die Beine zu stellen. Als Beispiele nennt er Kabarett-, Comedy- und Musikabende. Und auch Firmen will er ins Obere Isartal locken. „Ich weiß, dass viele Unternehmen gerne mal aus den großen Städten raus wollen, und wir haben hier viel zu bieten.“ Um das Konzept auf feste Füße zu stellen, hat der Gastronom schon eine Agentur an der Hand, die das Kurhaus als optimale Adresse vermarkten soll.

Thomas Jager ist in der 29-jährigen Kurhaus-Historie übrigens erst der vierte Pächter. Vor ihm schwangen dort die beiden Österreicher Josef Kaufmann (1982 bis 1999) und Albert Schöpf (1999 bis 2009) und der Franke Jürgen Brändlein (2009 bis 2011) den Kochlöffel. Ein Intermezzo wie bei seinem Vorgänger soll´s bei Jager nicht werden.

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Donnerstag, 10. Februar 2011

2011 wird zur finanziellen Verschnaufpause

Die Zeichen stehen weiter auf Konsolidierung. Schuldenabbau und moderate Investitionen prägen die laufenden Krüner Etat-Beratungen.

von Christof Schnürer

Krün – Kanalbau, Hochwasserschutz, Gewerbegebiet – diese elementaren Vorhaben hat die Gemeinde Krün schon hinter sich gebracht – zumindest was das Bauliche betrifft. Finanziell darf das Dorf diese millionenschweren Projekte noch längere Zeit abstottern. Nicht zuletzt deshalb unterliegt der Haushalt 2011, wie schon viele Etats zuvor einem gewissen Sparzwang. „Es wird ein finanzielles Durchschnaufen“, kleidet Bürgermeister Thomas Schwarzenberger diesen Umstand in blumige Wirte.

Seit Mai 2002 steht der 40-Jährige an der Rathaus-Spitze, aktuell laufen die Beratungen zu seinem neunten Budgetplan. Über dem Zahlenwerk schweben die 3,3 Millionen Euro Schulden wie ein Damoklesschwert. Deshalb möchte der Christsoziale am Konsolidierungskurs festhalten. Schwarzenbergers Ziel: Die alarmierende Pro-Kopf-Verschuldung von derzeit 1.725 Euro mittelfristig wenigstens auf den Landesdurchschnitt (800 Euro) zu bringen. Was zwar ein ehrgeiziges, aber dennoch machbares Ziel ist. Denn große Brocken stehen in absehbarer Zeit nicht an. Da hat Krün seine Hausaufgaben gemacht – sei es Schul- und Kurhausbau, Realisierung des Kanalnetzes oder sonstige infrastrukturelle Maßnahmen.

Doch auch wenn heuer massive Einnahmeverluste drohen (100.000 Euro weniger Schlüsselzuweisung sowie höhere Umlage-Zahlungen an den Landkreis) will der Krüner Gemeinderat nicht nur Schulden abbauen, sondern auch investieren – allerdings moderat. So sollen nochmals 50.000 Euro in die Umgestaltung des Klaiser Bahnhofs – hierzu flossen bereits 180.000 Euro – und rund 70.000 Euro in die Modernisierung des Feuerwehr-Gerätehauses gesteckt werden. Daneben gilt es, noch weitere kleinere Posten zu schultern. „Das summiert sich schon“ meint der Bürgermeister. Selbst wenn der Haushalt 2011 nichts Spektakuläres zu bieten hat, immerhin auch keine Schuldenerhöhung oder Neuverschuldung, betont Schwarzenberger, dass die Investitionen der vergangenen fünf Jahre stets zirka eine Million Euro umfassten. Und davon profitierten in sehr vielen Fällen heimische Betriebe. Zum Vergleich: Vor 2006 belief sich der Krüner Vermögenshaushalt auf ungefähr 600.000 Euro.

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Freitag, 28.. Januar 2011

von Christof Schnürer

Bürgermeister mit Etat-Jahr 2010 zufrieden

Krün – Für Krüns Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) steht im Hinblick auf das Haushaltsjahr 2010 fest: „Es war ein erfolgreiches, das besser ausgegangen ist, als wir zunächst geplant hatten.“ Bei der Vorstellung der Jahresrechnung im Gemeinderat sprach der Rathauschef von einem „alles in allem positiven Ergebnis“.

Erfreulich entwickelt hat sich 2010 die Gewerbesteuer, 483.811 Euro wurden in das Rathauskonto überwiesen. Zum Vergleich: 2009 waren´s noch 347.000 Euro und 2002 lediglich 250.000 Euro. Dumm nur, dass 88.909 Euro von der knappen Million gleich wieder an den Freistaat als sogenannte Gewerbesteuer-Umlage erstattet werden müssen. Das entspannte Haushaltsjahr mit zufriedenstellenden Einnahmen hat noch einen weiteren Nachteil: Denn verdient eine Gemeinde mehr Geld, muss sie auch mehr zahlen oder bekommt weniger vom Staat an Zuschüssen – wie beispielsweise bei der Schlüsselzuweisung. Die finanzielle Unterstützung des Landes fällt 2011 mit 316.000 Euro gegenüber 2010 (416.000 Euro) spürbar geringer aus. „Das ist schon schmerzlich“, bedauert Schwarzenberger.

Nach wie vor Kopfzerbrechen bereitet den Verantwortlichen im Rathaus die Schuldenentwicklung im 1927-Einwohner-Dorf. So betrugen die Verbindlichkeiten – innerhalb und außerhalb des Budgets – zum 31. Dezember 3,324.515 Euro. Mit einer Pro-Kopf-Verschuldung von 1.725 Euro liegt Krün landkreisweit im oberen Bereich. Von Zuständen wie in Saulgrub oder Schwaigen, wo die Kommunen laut Schwarzenberger nahezu schuldenfrei sind, ist man in Krün noch Lichtjahre entfernt. Positiv ist dagegen, dass die „Eiserne Reserve“, die Rücklagen, gegenüber 2009 (696.161 Euro) auf 757.543 Euro angewachsen ist. „Das ist beruhigend“, urteilt Schwarzenberger. Ziel der Gemeinde ist, künftig stets mindestens 400.000 Euro im Sparschwein zu haben. Der Gesetzgeber sieht in Krün einen Mindestbetrag von 41.450 Euro vor. Interessant ist auch, dass Kämmerer Bartl Reindl nun auf Geheiß des Bürgermeisters prüfen soll, ob das flüssige Kapital zinsgünstiger angelegt werden soll. Im Raum steht, die Rücklage in einen Bauspar-Vertrag fließen zu lassen. Spekulationen mit öffentlichen Geldern ist zum Glück ja noch verboten.

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Dienstag, 28. Dezember 2010

 von Christof Schnürer

Zur „Klausur“ in die Ewige Stadt:
Der Diridari ist´s nicht, warum sich Isartaler in der Kommunalpolitik engagieren. Die Sitzungsgelder nehmen sich eher bescheiden aus. Doch das Beispiel Krün zeigt, dass man mit wenig 
trotzdem sehr viel machen kann.                                     
Foto: Reindl


Krün
– In zahlreichen Ortschaften ist die letzte Gemeinderatssitzung des Jahres etwas besonderes. Dann werden die Kommunalpolitiker vom Bürgermeister mit einem besonderem Zuckerl bedacht: der Aufwandsentschädigung für die geleistete Arbeit in der Volksvertretung.

In Krün gibt es schon seit der Ära von Sepp Zahler (1972 bis 2002) „einen ganz eigenwilligen Weg“, wie sein Nachfolger im Rathaus, Thomas Schwarzenberger (CSU), zu berichten weiß. Im 2000-Seelendorf erhalten die zwölf Gemeinderäte nämlich per anno eine pauschale Vergütung von 300 Euro. Doch dieses Geld wird nicht ausgezahlt, sondern landet auf einem speziellen Konto. Und ist genügend Bares in der Kasse, machen die Krüner Lokalpolitiker einen mehrtätigen Ausflug – mit Lebensgefährten und den Verwaltungsangestellten. Das Schöne daran: „Dabei lernen wir uns noch besser kennen und entwickeln neue Ideen“, berichtet Schwarzenberger. Franz-Paul Reindl, der seit 1996 für die Bürgerliche Wählergemeinschaft (BWG) im Gemeinderat Sitz und Stimme hat, kann dem Rathauschef nur beipflichten: „Solche Ausflüge stärken einfach den Zusammenhalt.“ Und so machte sich eine illustre Isartaler Reisegruppe in zurückliegender Zeit nach Wien und Berlin auf. Die letzten beiden Ziele waren Rom (2006) und St. Petersburg (2008). „Bei solchen Gelegenheiten blickt man auch mal über den Tellerrand hinaus“, meint Reindl. Und das schadet bekanntlich einem Lokalpolitiker nicht. Freilich ist die Krüner Variante nicht jedermanns Geschmack. So möchte sich der eine oder andere Gemeinderat lieber sein Sitzungsgeld auszahlen lassen. Denn so manchen drängt es nicht unbedingt, für einen Kurzurlaub das Hotelzimmer mit einem Ratskollegen zu teilen. Aber das ist meist die Ausnahme. In der aktuellen Volksvertretung sind laut Bürgermeister alle dabei, ausscheren tut keiner, was für das entspannte und kollegiale Klima im Rathaus spricht.

Für 2011 haben sich Reindl und Co. angesichts günstiger Kassenlage wieder was Größeres vorgenommen. „Drei bis vier Ziele stehen derzeit zur Diskussion“, teilt Thomas Schwarzenberger mit. Dabei soll es sich unter anderem um Hamburg, Prag und den Schwarzwald handeln. Spätestens aber im Frühjahr 2014 grassiert das Reisefieber wieder ganz besonders in Krün. Dann muss zum Ende der Legislaturperiode das Sitzungsgeld-Konto bereinigt werden, bevor es mit dem neuen Gemeinderat wieder bei Null losgeht. Im Nachbarort Wallgau ist das Krüner Modell aufgrund des aktuellen Modus schwer umzusetzen. Dort erhalten die Kommunalpolitiker pro Gemeinderatstermin nämlich nur zehn Euro, für Ausschuss-Sitzungen gibt’s gar nichts. So wird also selbst der eifrigste Volksvertreter selten die 100-Euro-Marke pro Jahr überspringen. Dennoch findet Bürgermeister Hansjörg Zahler (CSU) das Procedere in Krün „eine Superidee, das Ganze könnten wir auch mal angreifen“. In Mittenwald verfährt man ebenfalls schon lange nach bewährtem Strickmuster. Soll heißen: Die Gemeinderäte bekommen Bares – eine 35-Euro-Pauschale pro Quartal und pro Sitzung (auch Ausschuss) 15 Euro. Verwaltungsangestellte, die zum Beispiel als Protokollführer Überstunden machen müssen, erhalten jeweils 10 Euro. Für 2011 werden im Haushalt wieder 15.500 Euro für den Posten Aufwandsentschädigung bereitgestellt – soviel kostet pro Jahr die repräsentative Demokratie durchschnittlich unterm Karwendel.

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Donnerstag, 23. Dezember 2010

von Christof Schnürer

Baumhaus bereitet Bauchschmerzen

Die Neubau-Pläne von Kranzbach-Investor Jakob Edinger stoßen in Krün auf große Zustimmung. Beim Baum-Atelier - es wäre im Landkreis einzigartig - scheiden sich im Gemeinderat die Geister.

Eingebettet im Fichtenwald:
So könnte das Baum-Atelier aussehen.

















Animation: Kranzbach


Doch mit dem Baumhaus können die Kranzbacher nicht nur punkten, wie sich am Dienstagabend im Krüner Gemeinderat herausstellte. Dieser stimmte der Änderung des Bebauungsplanes zwar einhellig zu, beim Thema „Atelier“ gab es jedoch Gegenstimmen. „Larifari“, urteilte Franz-Paul Reindl (Bürgerliche Wählergemeinschaft/BWG). „Wir schaffen damit einen Präzedenzfall“, mahnte wiederum Ferdinand Glasl (Aktiv für Krün). „Ein paar Kilometer weiter ist Elmau!“

Die stärksten Geschütze fuhr allerdings Glasls Fraktionskollege Georg Schober auf: Er stimme dem Vorhaben nicht zu, polterte der Chef des Krüner Alpenhofs. Denn die von übergeordneten Behörden angeregten Auflagen – der Bestandschutz des „Ateliers“ erlischt, wenn die umliegenden Bäume weg sind und keine neuen gepflanzt werden – seien „in der Praxis nicht durchführbar. Die Hotel-Kranzbach GmbH setze sich zudem „über geltendes Recht“ hinweg. Seine Vorwürfe wollte Schober in der öffentlichen Sitzung nicht weiter präzisieren, auch nicht gestern auf Tagblatt-Nachfrage. Doch derlei Anschuldigung stoßen beim Bürgermeister auf Unverständnis. „Ich habe die Hotel-Kranzbach GmbH bisher nur als seriösen Partner kennen gelernt“, meinte Thomas Schwarzenberger (CSU) am Mittwoch gegenüber der Heimatzeitung.

Mit 10 : 2 Stimmen (Schober und Reindl waren dagegen) segnete das Kommunalparlament die Baumhaus-Pläne ab. Denn die große Mehrheit dachte wohl wie Anneliese Albrecht (CSU), die sagte: „Wenn´s naturnah gemacht wird, warum sollen wir dem dann nicht zustimmen?“ Die Debatte war im Vorfeld nicht zuletzt deshalb ins Rollen gekommen, weil zuvor übergeordnete Stellen wie die Regierung von Oberbayern, das Landratsamt und die Denkmalschutzbehörde das Baumhaus als „problematisch“ und „ortsfremd“ einstuften. Daher regte beispielsweise die Regierung von Oberbayern an, die Notwendigkeit des Vorhabens „kritisch“ zu überprüfen und Alternativen zu erörtern.

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Donnerstag, 7. Oktober 2010

von Christof Schnürer

Landratsamt unterstützt Wallgau und Krün

Krün/Wallgau – Jetzt haben es die betroffenen Gemeinden Wallgau und Krün vom Landratsamt schriftlich: Der Passus über die Wiedereinbringung des entnommenen Geschiebes in die Isar wird in dem sehnlichst erwarteten Bescheid definitiv aufgehoben. Damit kann der strittige Kieshaufen, der seit Oktober 2004 die Gemüter erhitzt (wir berichteten), nun endgültig entfernt.

Geht es nach dem Wasserwirtschaftsamt Weilheim (WWA), sollen die rund 20.000 Kubikmeter Geröll meistbietend verkauft werden. „Hoffentlich bekommen wir vernünftige Angebote“, meint hierzu der zuständige WWA-Abteilungsleiter Johannes Riedl.

Er bestätigt gleichzeitig, dass seine Behörde in den vergangenen Tagen wieder Messungen in der Isar veranlasst. Denn, so Wallgaus Bürgermeister Hansjörg Zahler (CSU): „Die Risikokote ist längst überschritten.“ Damit zielt der besorgte Rathauschef auf die Höhenmarke der Fluss-Sohle (zwischen den Ufern liegender unterer Teil des Flussbettes) ab. Laut neuem Bescheid des Landratsamtees dürfen nun auch im Bereich des Wallgauer Isarstegs bei Bedarf Bagger anrücken und überschüssigen Kies entnehmen. Damit soll unter anderem verhindert werden, dass sich bei Hochwasser Gehölz unter der Holzbrücke verkeilt, das wiederum zum Aufstauen der Fluten führen könne. Das Landratsamt spricht dabei von der Gefahr der „Verklausung“.

„Damit haben wir einen wesentlichen Schutz unseres Tiefbrunnens an der Auhütte erzielt“, betont Zahler. Das jüngste Entgegenkommen der Kreisbehörde bezeichnet der CSU-Politiker allerdings nur als „Etappensieg“.Denn nach wie vor sei das Problem „Markgraben“ nicht gelöst. In dem Rinnsal unterhalb des Markkopfes (1.336 m) hat sich in der Vergangenheit nämlich soviel Geröll angesammelt, dass in niederschlagsreicher Zeit das Wasser nur so durchrauschen würde. „Dann könnte unser Brunnen von hinter überspült werden“, schwant dem Bürgermeister Übles. „Deshalb sehen wir dort eindeutigen Handlungsbedarf.“ Denn eine Verunreinigung des Wallgauer Trinkwassers wäre die absolute Katastrophe. Zumal es zu dem derzeitigen Brunnen-Standort keine – bezahlbare – Alternative gibt.

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Mittwoch, 6. Oktober 2010

Harmonisierung lautet im Isartaler Tourismusverband Alpenwelt Karwendel die Losung. Das hat auch Auswirkungen auf die Gästekarte und die Kurbeiträge in den drei Partnergemeinden.

von Christof Schnürer

Oberes Isartal – Als kürzlich der Mittenwalder Marktgemeinderat die neue Kurbeitragssatzung mit 20 : 0 Stimmen absegnete, meinet Dr. Hasso von Zychlinski (Freie Wähler): „Ich hoffe, dass wir damit ein Zukunftskonzept für den Tourismus haben.“ In dem Harmonisierungs-Prozess sieht er grundsätzlich „ein Zeichen des Zusammenwachsens“ der drei Isartalorte Mittenwald, Krün und Wallgau. Gleichzeitig, ergänzte von Zychlinski, werde man sich damit von kleinkarierten Denken“ verabschieden.

Ab 1. Dezember treten die modifizierten Kurbeitrags-Regelungen der drei Partnergemeinden der Alpenwelt Karwendel (siehe unten) in Kraft. Diese beinhalten vornehmlich Erhöhungen der Kurtaxe. Die deutlichste Steigerung gibt´s in Wallgau. Dort müssen künftig von den Vermietern in der Hauptsaison pro Übernachtung 1,40 Euro an die Kommune überwiesen werden. Bislang war´s nur ein Euro. Hintergrund dieser Anpassung ist die Qualitätssteigerung der gemeinsamen Gästekarte. Bislang konnten die Besitzer entweder gratis mit der Kranzbergbahn-Sesselbahn fahren oder ins Karwendelbad zum Schwimmen gehen. Mit der Neuregelung, die in knapp vier Wochen gilt, können beide Angebote zum Nulltarif genutzt werden.

Dadurch geht den Mittenwalder Gemeindewerken als Betreiber der Anlagen natürlich Geld flöten. Der fehlende Betrag soll durch Zahlungen der Kommunen ausgeglichen werden. Am Beispiel Mittenwald beträgt der Mehraufwand wahrscheinlich um die 100.000 Euro. Durch moderate Erhöhung der Kurbeiträge sollen diese Kosten aufgefangen werden. So dass, wie von Kämmerer Heinz Stieglmeier gewünscht, am Ende ein „Nullsummen-Spiel“ unterm Strich herauskommt.

Im Zuge der Harmonisierung legten die Räte der Alpenwelt auch die Zeiten der Nebensaison fest und beschlossen, dass Kinder unter elf Jahren beim Kurbeitrag nicht herangezogen werden.

Kurbeiträge im Überblick

Mittenwald:
Hauptsaison:
Kurbezirk I (Ort) – Erwachsene: 2 Euro (bisher 1,80 Euro);
                      Jugendliche zwischen elf und 16 Jahren: 75 Cent (wie bisher);
                      Kinder unter elf Jahren: frei (neu)
Kurbezirk II (Campingplatz Isarhorn): Erwachsene: 1,50 Euro (bisher 1,30 Euro);
                      Jugendliche: 55 Cent (wie bisher);
                      Kinder: frei
Nebensaison: (1. November bis 19. Dezember und 1. bis 30. April
Kurbezirk I – Erwachsene: 1,50 Euro (bisher 1,30 Euro);
                     Jugendliche: 55 Cent (wie bisher)
                     Kinder: frei

Krün:
Hauptsaison:
Kurbezirk I (Krün, Barmsee und Klais) – Erwachsene: 1,50 Euro (bisher 1,15 Euro);
                    Jugendliche zwischen elf und 16 Jahren: 1,25 Euro (bisher 95 Cent);
                    Kinder unter elf Jahren: frei
Kurbezirk II (Elmau, Kranzbach und Gerold, 2006 eingeführt) – Erwachsene: 60 Cent
                      (bisher 45 Cent);
                    Jugendliche zwischen elf und 16 Jahren: 45 Cent (bisher 35 Cent);
                    Kinder unter elf Jahren: frei
Nebensaison:
Kurbezirk I – Erwachsene: 80 Cent (bisher 60 Cent);
                    Jugendliche: 65 Cent (bisher 50 Cent);
                    Kinder: frei
Kurbezirk II – Erwachsene: 35 Cent (bisher 25 Cent);
                    Jugendliche: 25 Cent (bisher 25 Cent);
                    Kinder: frei

Wallgau:
Hauptsaison:
Kurbezirk 1 (Wallgau) – Erwachsene: 1,40 Euro (bisher 1 Euro);
                   Jugendliche: 70 Cent (bisher 50 Cent);
                   Kinder: frei
Kurbezirk 2 (Obernach), Haupt- und Nebensaison gleich – Erwachsene: 1 Euro
                  (bisher 60 Cent);
                  Jugendliche: 50 Cent (bisher 30 Cent);
                  Kinder: Frei
Nebensaison:
Kurbezirk I – Erwachsene: 1 Euro (bisher 50 Cent);
                  Jugendliche: 50 Cent (Bisher 25 Cent);
                  Kinder: frei

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Dienstag, 5. Oktober 2010


Kiesberg bald verschwunden

Viele Krüner und Wallgauer können´s gar nicht glauben. Aber der riesige Geröllhaufen – Symbol des nervenaufreibenden Isarkies-Streites – soll noch in diesem Jahr der Vergangenheit angehören.


von Christof Schnürer


Unübersehbar lagern seit sechs Jahren in der alten Kiesgrube zigtausend Kubikmeter Kies.









                                                                                        Foto: Sehr


Krün
– Krüns Bürgermeister Thomas Schwarzenberger ist in seiner Einschätzung noch vorsichtig: „Es mehren sich die Anzeichen, dass man zum Ende kommt.“ Damit zielt er auf den sechs Jahre währenden Behörden-Marathon wegen des hässlichen Geröllhaufens auf dem Gelände der alten Kiesgrube ab. Schenkt man den Signalen aus dem Landratsamt Garmisch-Partenkirchen Glauben, wird der Schandfleck in wenigen Wochen verschwinden.

Eigentlich sollte der Kies in Krün im Oktober 2004 nur zwischengelagert werden, nachdem im Zuge des Hochwasserschutzes an der Isar 40 000 Kubikmeter Gestein aus dem Wildfluss gebaggert worden waren. Das Provisorium blieb jedoch sechs Jahre bittere Realität, weil die Gemeinden Krün und Wallgau sowie das Wasserwirtschaftsamt Weilheim (WWA) mit Naturschutzverbänden und -behörden im Dauerclinch lagen. Die entscheidende Frage dabei: Soll der Kies, der sich auf Krüner Flur meterhoch türmte, flussabwärts wieder eingebracht oder andernorts verkauft werden?

Wie nun durchsickerte, hat man sich für Variante zwei entschieden. „Denn unter Kiesmangel leidet die Gegend nicht“, meint der zuständige WWA-Abteilungsleiter Johannes Riedl und beruft sich dabei auf ein entsprechendes Gutachten.

Noch liegt der abschließende Bericht, der unter anderem über das Schicksal des Geröllhaufens, aber auch über weitere Kiesentnahmen in der Isar aufklärt, beim Landratsamt. „Der Bescheid sollte eigentlich schon Ende August da sein, wundert sich Schwarzenberger.

Für heute nun hat die Kreisbehörde eine Presse-Erklärung angekündigt, in der strittige und nervenaufreibende Fragen endgültig beantwortet werden. In dem neuen Dokument soll dann auch ausgeschlossen sein, dass künftig Muldenkipper ihre Tonnen von Kies nicht mehr auf öffentlichen Grund „zwischenlagern“ dürfen. Aus Sicht der gebeutelten Gemeinde Krün zu 100 Prozent nachvollziehbar.

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Dienstag, 8. Juli 2010

Organisationsreform lässt weiter auf sich warten

Oberes Isartal – Zu träge, zu bürokratisch – seit Jahren wird die Organisationsreform der Alpenwelt Karwendel gefordert. Doch der große Wurf im Tourismusverbund ist bis heute ausgeblieben.

Bei der Bewertung der Organisationsstruktur des Marketingverbunds Alpenwelt Karwendel sind sich die drei Isartaler Bürgermeister schon seit langem einig: „Wir haben einen zahnlosen Tiger“, konstatierte bereits im September 2006 Thomas Schwarzenberger (Krün). Ähnlich äußerte sich damals Hansjörg Zahler (Wallgau. „Der Bürger hat ein Recht auf Rentabilität“, betonte er im besten Politikerdeutsch vor Vertretern der Steuerungsgruppe, dem Zentralorgan des Tourismus-Zusammenschlusses der drei Isartal-Orte. Nicht weniger deutlich vertrat nach seinem Amtsantritt Mittenwalds Rathauschef Adolf Hornsteiner seine Meinung. „Wir müssen Gas geben“, mahnte er im Mai 2008. 

Doch momentan ist, was die so herbeigesehnte Organisationsreform der Alpenwelt Karwendel betrifft, Sand im Getriebe. Das muss auch einer ihrer wichtigsten Vordenker freimütig einräumen. „Wir sind nicht wirklich vorangekommen“, gesteht Thomas Schwarzenberger. Nicht aber weil er und seine Kollegen sich auf die faule Haut gelegt hätten, „sondern weil wir vom Tagesgeschäft so beansprucht werden“.

 Aktuell zehren sowohl die Produktion des erstmals im Herbst erscheinenden gemeinsamen Prospekts samt Gastgeberverzeichnis als auch die Überarbeitung des Internet-Auftritts an Nerven und Kräften. Die Reform müsste eigentlich ganz oben stehen, verdeutlicht nochmals Schwarzenberger, „aber der Markt gibt uns einfach nicht die Zeit“.

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Freitag, 16. April 2010

Kämmerer fordert Verschnaufpause – Einfacher als gedacht hat der Krüner Gemeinderat den Haushalt 2010 zusammengestellt. Das Finanzpaket mit einem Gesamtvolumen von knapp 5,6 Millionen Euro wurde nun einstimmig auf den Weg gebracht.

von Christof Schnürer





















                                                                              Foto: Tomaschek


Krün – Das Positive zuerst: Ende 2010 wird Krüns Schuldenberg erstmals seit zehn Jahren wieder unter die Zwei-Millionen-Grenze fallen. Doch das ist nur die halbe Wahrheit: Zur Entwicklung des Gewerbegebiets Krün-Süd hatte die Kommune über die Bau- und Landentwicklungsgesellschaft Bayern GmbH ‚(BLE) rund 1,9 Millionen Euro aufgenommen. Aktuell steht das Isartal-Dorf noch bei dem Geldgeber, bei dem unter anderem die Volks- und Raiffeisenbanken sowie die BayWa Gesellschafter sind, mit ca. 1,1 Millionen Euro in der Kreide. Wird demnächst noch Gewerbegrund verkauft, könnte der Betrag auf etwa 900.000 Euro schrumpfen. Mit anderen Worten: die Krüner Verbindlichkeiten belaufen sich Ende 2010 tatsächlich auf knapp drei Millionen Euro.

Nicht zuletzt wegen des latenten Investitionsdrucks empfahl Kämmerer Bartholomäus Reindl während der Etatdebatte im Krüner Gemeinderat: „Der Haushalt und der Bürgermeister brauchen Ruhe.“

Reindls Chef, Thomas Schwarzenberger (CSU), zeigte sich zufrieden mit der Vermarktung der Gewerbeflächen an der Bundesstraße 2 und der Neuansiedlung eines weiteren Unternehmens außerhalb von „Krün-Süd“. Deshalb erwarte die Ko0mmune bei einem „defensiven Ansatz“ im Haushalt Gewerbesteuer-Mehreinnahmen von zirka 90.000 Euro. Und die sind angesichts gravierender Einbrüche bei der Einkommenssteuer-Beteiligung (statt 600.000 nur mehr 480.000 Euro) dringend vonnöten. Zudem würde die „kommunale Familie“ (Anm.: Bezirk, Landkreis und Gemeinden) durch immer neue Leistungsgesetze des Bundes geknebelt, erläuterte Schwarzenberger. „Dese Spirale halten wir nicht mehr lange aus.“

Trotz aller Daumenschrauben, die dem kleinen Krün von übergeordneter Stelle angelegt werden, wird auch heuer wieder kräftig investiert (siehe „Etat in Zahlen“). „Mit einem Gesamtvolumen von 1,267.900 Euro ist der Vermögenshaushalt nun im fünften Jahr in Folge bei über einer Million Euro“, verdeutlichte der Rathauschef. Zum Vergleich belief sich diese Summe zwischen 2002 und 2005 auf durchschnittlich 526.000 Euro. Und von dem doppelt ausgegebenen Geld der öffentlichen Hand profitieren in erster Linie heimische Betriebe.Erfreulich für die Krüner Gemeindebürger: 2010 müssen im Gegensatz zu 2009 (Grundsteuer B) keine Steuern erhöht werden. Eine weitere Kreditaufnahme konnte ebenfalls verhindert werden. Zur soliden Finanzierung des Haushalts musste aber wie schon 2009 (468.500 Euro) erneut ein großer Batzen (305.800 Euro) aus dem kommunalen Sparschwein (Rücklagen) entnommen werden. Die stille Reserve schmolz damit binnen zweier Jahren 860.000 (2008) auf 390.000 Euro zusammen. Wenn jedoch die Kalkulation des Kämmerers stimmt, werden die Rücklagen bis 2013 auf 1,162.162 Euro anwachsen.


Etat 2010 in Zahlen

Allgemeines:
Gesamtvolumen: 5,595.000 Euro –
Verwaltungshaushalt: 4,318.100 Euro –
Vermögenshaushalt: 1,276.900 Euro.

Schulden:
Schuldenstand Dez. 2009: 1,968.000 Euro –
Pro-Kopf: 1.029 Euro.

Wichtigste Einnahmen:
Grundsteuer Ab und B: 483.0001 Euro –
Einkommensteueranteil: 480.000 Euro –
Gewerbesteuer: 420.000 Euro –
Schlüsselzuweisung: 416.000 Euro –
Kurbeitrag: 365.000 Euro –
Abwassergebühren: 292.000 Euro –
Fremdenverkehrsbeitrag: 225.000 Euro.

Wichtigste Ausgaben:
Personalkosten: 880.000 Euro –
Kreisumlage: 608.000 Euro –
Alpenwelt Karwendel: 222.000 Euro –
Kindergarten: 164.300 Euro.

Investitionen:
Erlebnispfad, Brücke und Beschilderung: 240.000 Euro –
Bahnhof Klais: 222.000 Euro –
Kurhaus-Sanierung: 212.000 Euro –
Bauhofhalle: 25.000 Euro.

Sonstiges:
Tilgungsleistungen: 261.500 Euro –
Rücklage (zum Jahresende): 390.362 Euro (2009: 696.162 Euro).

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Dienstag, 16. März 2010
 
Rechnen „mit spitzem Bleistift“ – Finanzplanung läuft auf Hochtouren: Gemeinde muss heuer zahlreiche Investitionen stemmen

von Janine Tokarski

Reif für die Modernisierung: Der Bahnhof Klais wird noch in diesem Jahr saniert. Die Hälfte der Kosten muss die Gemeinde Krün tragen.






                                                               :                         Foto: Sehr


Rechnen „mit spitzem Bleistift“ – Finanzplanung läuft auf Hochtouren: Gemeinde muss heuer zahlreiche Investitionen stemmen

von Janine Tokarski

Krün – Sie rechnen, vergleichen und kürzen – im Krüner Rathaus ist derzeit die hohe Mathematik gefragt. Kämmerer Bartl Reindl und Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) stecken mitten in den Haushaltsvorbereitungen. „Das ist eine richtige Denksportaufgabe“, sagt der Rathauschef.

Damit der Haushalt in diesem Jahr passt, wird jede Ausgabe genau abgewägt. „Wir müssen schon mit spitzem Bleistift rechnen“, betont er. Denn das Hauptziel heißt auch heuer Schuldenabbau. Das gelang Schwarzenberger seit Beginn seiner Amtszeit im Jahr 2002 sehr gut. Damals hatte Krün noch 3,3 Millionen Euro Schulden, heuer sind es nur mehr 1,9 Millionen. Hinzu kommt rund eine weitere Million für das neu erschlossene Gewerbegebiet. Die Fläche hatte die Gemeinde vom Freistaat gekauft. „Ich hoffe, dass wir dort einige weitere Grundstücke verkauft bekommen.“ Mit den beiden Discountern Aldi und Lidl haben sich bereits zwei große Betriebe gefunden, deren Ansiedlung sich positiv auf die Gewerbesteuer-Einnahmen auswirken wird.

 Zufriedenstellend wirkt sich auch auf die Finanzen aus, dass die Steuerkraft 2008 in Krün sehr schlecht war. Damit kann die Gemeinde heuer 27.000 Euro Kreisumlage einsparen. Weniger gut ist die Lage bei den Einnahmen aus der Einkommenssteuer. „Mit Prognosen von 480.000 Euro fehlen uns heuer 120.000 Euro im Vergleich zum letzten Jahr“, erläutert der Bürgermeister.

Wenn er in die Zukunft schaut, ist seine Stimmung eher „gedämpft positiv“. Denn neben dem Sparkurs muss die Kommune gleichzeitig einige Investitionen schultern (siehe unten) Aus den Kanalarbeiten muss Krün „seinen Rucksack mittragen“, sagt Schwarzenberger mit Unbehagen. Allein für die Kredittilgung fallen heuer 270.000 Euro an, weitere 90.000 Euro kommen an Zinsen hinzu. Doch einen Lichtblick gibt es. „In diesem Jahr laufen zwei große Tilgungen aus“, freut sich der Rathauschef. Ab 2012 sinkt dieser Posten auf 130.000 Euro jährlich.

 Bis dahin übt sich Schwarzenberger in Zweckoptimismus: „Es gab schon weit angespanntere Haushaltslagen als jetzt.“ Die Auswirkungen der Finanzkrise träfen alle Gemeinden, nicht nur Krün. Deswegen hofft er, mit einer gut angelegten Rechnung dieses Jahr sogar Rücklagen bilden zu können. „Wir müssen uns so aufstellen, dass wir Geld auf der hohen Kante haben, um 2011 und 2012 zu überstehen.“ Für diese Jahre sind seine Prognosen ziemlich düster. Geschick im Umgang mit den Finanzen waren es auch, die Krün dieses Jahr ein gutes Stück geholfen haben. Denn aus dem Haushalt 2008 kann die Gemeinde auf 800.000 Euro Rücklagen zurückgreifen.

 
Projekte 2010 im Überblick

Allgemeines
Volumen Verwaltungshaushalt: 3,958.200 Euro (2008: 3,833.500)
Volumen Vermögenshaushalt: 1,021.100 Euro (2008: 972.600)

Schulden
Stand Ende 2009: 2,231.000 Euro (2008: 2,389.000)
pro Kopf Ende 2009: 1.171 Euro (2008: 1.170)

Einnahmen
Einkommenssteuer-Anteil: 600.000 Euro (2008: 582.103)
Grundsteuer A + B: 448.000 Euro (2008: 399.243)
Kurbeitrag: 365.000 Euro (2008: 384.327)
Gewerbesteuer: 330.000 Euro (2008: 346.630)
Schlüsselzuweisungen: 291.000 (2008: 317.148)
Fremdenverkehrsbeitrag: 140.000 Euro (2008: 148.916)

Ausgaben
Personalkosten: 855.100 Euro (2008: 808.072)
Verwaltungs- und Betriebskosten: 575-000 Euro (2008: 543.137)
Kreisumlage: 642.000 Euro (2008: 581.089)
Etat Alpenwelt Karwendel: 175.000 Euro (2008: 159.013)

Investitionen

Erlebnispfad, Isarbrücke, Beschilderung: 250.000 Euro
Kurhaus (Mobiliar und Sanierung): 275.000 Euro
Tilgung Kredite: 259.000 Euro
Noch nicht berücksichtigt Sanierung Bahnhof Klais: ca. 400.000 Euro
 
Stimmen zum Haushalt

„Keiner ist ein Freund von Steuererhöhungen. In diese Notsituation halt ich es aber für das Sinnvollste.“
Klaus Koppe (FWG)

„Ich kann dem Haushalt nicht zustimmen, weil ich noch mehr Einsparpotential sehe. Klar, wir brauchen die Investitionen, aber man könnte sie auch noch ein Jahr schieben.“
Franz-Paul Reindl (BWG)

„In Zukunft sollten wir an uns selbst appellieren, dass wir dieses Investitionstempo so nicht beibehalten können. Wir müssen uns selbst bremsen, auch wenn wir wieder Luft haben.“
Alois Kramer (CSU)

Bestimmte Dinge müssen wir einfach angehen. Mit Zuschüssen fällt es uns sehr viel leichter als später. Aber wir sollten im Kopf behalten, dass wir die Steuern auch wieder senken, wenn es geht.“
Andreas Zick (CSU)

Ich kann nur mit der Steuererhöhung leben, wenn wir nächstes Jahr wieder über eine Senkung diskutieren.”
Georg Schober (AFK)

„Wir können es uns einfach nicht leisten, ohne Steuererhöhung auszukommen. Selbst wenn wir einiges streichen, fehlt immer noch Geld, um das laufende Geschäft zu finanzieren. Die enormen Kosten, die uns mit der Kreisumlage aufgedrückt werden, müssen wir auch weitergeben. Das haben wir jahrelang nicht getan.“
Peter Schwarzenberger (CSU)

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Samstag, 6. März 2010

 Gemeinsam gegen den Klimawandel - Hochwertige Kunstschnee-Loipen auf sonnigem Terrain – zwischen Krün und Wallgau gelegen. Das ist die Vision von Gemeinderat Georg Schober. Sein Vorschlag stößt auf reges Interesse und große Zustimmung.



von Christof Schnürer

Krün – Von unbeschwertem Winterzauber im schneesicheren Oberen Isartal kann schon lange keine Rede mehr sein. Mittlerweile bereitet der vielzitierte Klimawandel gerade den Touristikern immer größeres Kopfzerbrechen, vor allem wenn die herbeigesehnten Flocken rieseln wie heuer. „Wenn uns der Winter jetzt auch noch wegbricht, dann haben wir im Jahr noch fünf Monate Saison, davon kann keiner leben.“ Drastische Worte fand Georg Schober (Aktiv für Krün/AfK) zuletzt im Krüner Gemeinderat.

Für Schobers CSU-Kollegen Mathias Gschwendtner gibt es nur mehr zwei Möglichkeiten: „Entweder wir investieren in den Winter, oder wir lassen es bleiben!“ Im Falle zwei wird sogar das Ende des Isartaler Fremdenverkehrs heraufbeschworen. Und das will im Gemeinderat Krün keiner.

Deshalb nahm das 13-köpfige Gremium mit großem Interesse Schobers Siebenpunkte-Programm zur Kenntnis. Dabei geht es um eine künftige künstliche Beschneiung als Krün-Wallgauer Co-Produktion. „Wollen wir einen dramatischen Rückgang unserer Gäste und Übernachtungen entgegenwirken, sollten wir dies unverzüglich in die Wege leiten“, schreibt Schober in seinem dreiseitigen Antrag.

Das Ziel des 54-jährigen Hotelchefs ist, eine „fünf bis sechs Kilometer lange Loipentrasse mit hochwertigem touristischen Charakter“ zwischen den beiden Dörfern zu realisieren – mit Schneekanonen. Folgende Voraussetzungen müssen dabei berücksichtigt werden: Zusammenarbeit der Gemeinderäte, Ausarbeitung einer geeigneten Strecke, Verhandlungen mit Grundstückeigentümern, Neuanlage von fehlenden kurzen Loipenabschnitten, Suche nach zentralen Standorten zur Kunstschnee-Erzeugung abseits von Wohngebieten, eventuell Erweiterung der Maschinen-Ausstattung sowie mittel- bis langfristig die Realisierung eines Ringnetzes für die Strom- und Wasserversorgung.

„Ruhpolding leistet sich 2,8 Kilometer, und wir kommen mit sechs Kilometern daher“, wundert sich Franz-Paul Reindl (Bürgerliche Wählervereinigung). Der BWG-Mann fragt sich, ob eine künstliche Beschneiung ökologisch und ökonomisch vertretbar ist. Reindls Fraktionskollege Lothar Ragaller ist nicht grundsätzlich gegen Schneekanonen, „denn es gibt nichts schlimmeres, als grüne Weihnachtsfeiertage“. Zuspruch bekam Schober vom Zweiten Bürgermeister Klaus Koppe (Freie Wähler Klais). Das ist unabdingbar für den Fremdenverkehr.“

Der Krüner Gemeinderat stimmte in einem Grundsatz-Beschluss für die gemeinsame künstliche Beschneiung – nur Reindl votierte dagegen. Nun dürfen sich die Wallgauer damit beschäftigen.

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28.02.2010

von Christof Schnürer

150.000 Euro für Gäste von morgen: Gemeinderat Reindl spielt nicht mit




Annelies Albrecht verteidigt die Kosten für den geplanten Spielplatz

Krün – Ist der Schnee erst mal weg, soll’s losgehen mit dem Krüner Abenteuer-Spielplatz. Einer im Gemeinderat macht nicht mit: Franz-Paul Reindl.

Mittlerweile muss sich Franz-Paul Reindl (Bürgerliche Wählergemeinschaft/BWG) vorkommen wie der einsame Rufer in der Wüste. „150 000 Euro für einen Spielplatz ist gewaltig“, meinte der 57-jährige Postangestellte mit gewohnt sorgenvoller Miene. Er warnte im Gemeinderat vor einem finanzpolitischen Spagat, der „gigantisch“ sei. Einen halben Mitstreiter fand Reindl in seinem Fraktionskollegen Lothar Ragaller. Dieser forderte seine Kollegen zum „Maßhalten“ auf. Außerdem wollte er von Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) wissen, ob man sich schon Gedanken über die Unterhaltskosten gemacht habe.

Um den laufenden Betrieb wird sich allerdings der eigens hierfür gegründete Förderverein kümmern. Die Gemeinde übernimmt lediglich die Versicherung und den alle zwei Jahre fällig werdenden TÜV. Obendrein beschlossen die Volksvertreter – gegen die Stimme von Franz-Paul Reindl – mit 12:1 die Anschaffung eines Spielgeräts in Höhe von 10 000 Euro. Zuvor hatte Reindl noch geglaubt, dass sich „ein Spielplatz für 25 000 Euro doch auch sehen lassen kann“. Dem widersprach Gemeinderätin Anneliese Albrecht (CSU), gleichzeitig Vorsitzende des Fördervereins, entschieden: „Mit bis zu 250 000 Euro bist du locker dabei.“ Denn beim Bau eines zeitgemäßen Abenteuer-Parcours brauche man immer Experten – und die arbeiten nicht für Gottes Lohn. Albrechts Fazit: „Ein Wahnsinn, was ein Spielplatz kostet!“ Trotzdem meinte sie: „Vom Budget her sind wir am unteren Limit, wir planen nicht im Höhenrausch.“

Unterstützung fand sie unter anderem bei ihrem Parteifreund Alois Kramer junior. „Wir halten ein vernünftiges Maß ein und gehen nicht in den extremen Bereich.“ Seinen Gegenüber Reindl konnte der Ferl-Bauer (41), selbst Vater von drei Kindern, nicht überzeugen. Mit 12:1 segnete der Krüner Gemeinderat das von Schwarzenberger vorgestellte Grobkonzept ab.

Die erste Bauphase des 150 000-Euro-Projekts soll im Frühjahr gestartet werden und bis ungefähr Juni abgeschlossen sein. 75 000 Euro wil der Förderverein in diesem Abschnitt investieren – 45 000 Euro an Eigenmitteln und 30 000 Euro über einen fünf Jahre laufenden Kredit.

Was wird auf dem künftigen Abenteuer-Spielplatz alles verwirklicht? Unter anderem eine BMX-Bahn, eine Kletterwand, ein Floß, eine Wackelbrücke, ein Adlerhorst (Ausguck), eine Seilbahn, ein Biberbau aus Staudengeflecht, eine Rutsche, Schaukeln und ein als Fass ausgebildetes Karussell.

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Montag, 1. Februar 2010
 
Drei Tourismus-Gemeinden, ein Image-Prospekt

Oberes Isartal – Novum im Oberen Isartal: Mittenwald, Krün und Wallgau bringen im Herbst ein gemeinsames Gastgeber-Verzeichnis auf den Markt. Die Zeit der Alleingänge ist damit endgültig vorbei.

 von Christof Schnürer

Auch in Zeiten von Internet und Online-Buchungen bleiben ein professioneller Image-Prospekt und übersichtliches Gastgeber-Verzeichnis das Werbe-Medium schlechthin in der Alpenwelt Karwendel. Knapp sechs Jahre nach der Gründung des Isartaler Tourismus-Verbunds (4. Februar 2004) haben die Verantwortlichen im Zentralorgan der „Alpenwelt“, der sogenannten Steuerungsgruppe, einen weiteren Meilenstein gesetzt.

Erstmals wird es im Herbst nur mehr eine Image-Broschüre mit Gastgeber-Verzeichnis für alle drei Partnerorte geben. Das beschlossen nun die drei Gemeinderäte in Mittenwald, Krün und Wallgau jeweils einstimmig.

60.000 Exemplare sollen gedruckt werden und die Fremdenverkehrs-Saison 2010/ 2011 mit Top-Aufmachung, Bildern und Texten ordentlich anfachen. Die Kosten belaufen sich dabei auf rund 200 000 Euro.

Konzipieren und fertigen wird dieses Premieren-Print-Produkt die Schlehdorfer Agentur „Idee und Werbung“. „Die Leute haben auf uns einen richtig guten Eindruck gemacht“, betonte Wallgaus Bürgermeister Hansjörg Zahler (CSU) während der jüngsten Gemeinderats-Sitzung. Verliererin der Ausschreibung, an der sich insgesamt neun Firmen beteiligten, wovon fünf ins Finale kamen, war die Werbe-Agentur Tanner aus Nesselwang. Viele Jahre realisierten die Allgäuer den Mittenwald-Prospekt. Nun aber ist zumindest fürs Erste Schluss im Oberen Isartal. Der Krüner CSU-Gemeinderat Andreas Zick (CSU) wertete deren Präsentation als „nicht überzeugend“.

Ganz anders hatten sich nach übereinstimmender Meinung aller Steuerungsgruppen-Mitglieder die Schlehdorfer aufgestellt. „Idee und Werbung“, so der allgemeine Tenor, lieferte nicht nur das beste Konzept, sondern obendrein das billigste. „Das Unternehmen war 30 Prozent günstiger als die anderen“, erläuterte Mittenwalds Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU) vor wenigen Tagen im Marktgemeinderat. „Die haben sicherlich ein Kampfangebot gemacht“, mutmaßte dabei der Krüner Volksvertreter Alois Kramer (CSU)

 Der einheitliche Prospekt hat natürlich finanzielle Folgen für die Vermieter. Durch deren kostenpflichtige Inserate soll der Prospekt maßgeblich geschultert werden. Während sich in Krün und Mittenwald die Investitionen reduzieren, müssen die Wallgauer Gastgeber künftig tiefer in die Tasche greifen. Eine Doppelseite im Prospekt schlägt demnach mit 1320 statt 1150 Euro zu Buche. Bei einer Seite sind’s 720 (620 Euro), bei einer halben 375 (335) und bei einer Drittel-Seite 260 Euro (250). Die Verschmelzung der drei Tourismusorte hat zumindest für die Wallgauer ihren Preis.

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Samstag, 19. Dezember 2009
  
 Schwarzenberger steht hinter Kreis-GmbH

Krün – „Wie müssen dringend etwas machen.“ Mit diesen Worten drückt Krüns Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) seine positive Haltung gegenüber einer Beteiligung der Gemeinde an der geplanten Kreisentwicklungsgesellschaft aus. „Es ist eher schon zu spät als zu früh“, meint er im Hinblick auf die schlechten Ergebnisse, die der Landkreis bei einer Studie des Alpenforschungsinstituts erzielte. Trotzdem sei es besser, jetzt aktiv zu werden als gar nicht. Die Meinung seiner Gemeinderäte zu diesem Thema holte der Rathaus-Chef bei der letzten Sitzung ein. „Es herrscht eine positive Grundstimmung“, zieht Schwarzenberger Bilanz.

Bedenken des Gemeinderates Franz-Paul Reindl, dass die GmbH nicht gleich blühende Landschaften nach sich ziehe, kann der Bürgermeister nachvollziehen. „Sicherlich ist es nur ein Prozess, der angeschoben werden kann.“ Dennoch stehe er voll hinter dem Projekt.Eine Beteiligung der Gemeinde würde zunächst 733 Euro kosten, um Gesellschafter zu werden. Krün müsste dann 3.300 Euro je 100.000 Euro anfallender Kosten für die GmbH berappen. Eine endgültige Abstimmung über die Beteiligung Krüns plant Schwarzenberger für Januar oder Februar 2010 in seiner Gemeinde.

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Mittwoch, 25. November 2009

 Weiterer Discounter in Krün: Gemeinde stimmt nur widerwillig zu
 
von Wolfgang Tomaschek
 
Krün – Der dritte Supermarkt könnte bald schon in Krün eröffnen. Kein anderer 2000-Seelenort hat solch ein Lebensmittelangebot. Die Gemeinde ist nicht begeistert, aber ablehnen können sie den Bauantrag des Unternehmens nicht

Direkte Nachbarn: Der Aldi-Markt entsteht zurzeit im Gewerbegebiet Süd (h. l.).
Lidl plant eine Filiale unmittelbar daneben (Grundstück rechts mit Wald).


                                                                               Foto: tomaschek


Zirka 25.000 Artikel ständen den knapp 2000 Einwohnern Krüns zur Verfügung, wenn Lidl eine Filiale im Gewerbegebiet Süd eröffnet. Das ist im Landkreis einzigartig. Während der Rohbau für den Aldi-Markt im Gewerbegebiet Süd bereits steht, hat schon der nächste Discounter ein Auge auf das Areal geworfen – und zwar direkt daneben. Lidl stellte im Gemeinderat einen Bauantrag für das unmittelbare Nachbargrundstück. Die Gemeinde ist alles andere als begeistert.

 „Das ist kein Wunschkonzern von mir“, machte Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) in der Sitzung klar. Gleichzeitig betonte er, dass sich seine Abneigung nicht gegen das Unternehmen an sich richte, er sich aber eine andere Sparte im Gewerbegebiet gewünscht hätte. „Vielleicht aus dem Bereich Textil oder Drogerie.“ Gemeinderat Georg Schober (Aktiv für Krün/AfK) sieht bei den Plänen weitere Probleme: „Das ist ein enormer Flächenverbrauch, wo wir um jeden Quadratmeter kämpfen“, ereiferte er sich. Es gehe bei dem Bau viel ungenutzte Fläche ohne Keller verloren. „Das ist sicherlich kein Gewinn für Krün.“ Dementsprechend stimmten er und sein Fraktionskollege Ferdinand Glasl gegen das Vorhaben. Und das, obwohl eine stattliche Summe an Gewerbesteuern, die der Rathauschef nicht nennen wollte, durch Lidl in die kommunale Kasse fließt.

Wenn auch viele Gemeinderäte inklusive Bürgermeister nicht wirklich hinter dem Vorhaben stehen, werden sie es kaum verhindern können. „Wir haben keine Handhabe, um den Antrag abzulehnen“, erläuterte Schwarzenberger. Er habe bei der Aufstellung des Bebauungsplans für das Gewerbegebiet die Lage nicht so eingeschätzt, dass gleich zwei sehr ähnliche Märkte Interesse zeigen und sich dort ansiedeln wollen. „Es hätte die Möglichkeit gegeben, im Plan die Bebauung auf nur einen Discounter zu beschränken“, gibt er zu. So wie nach der Eröffnung der Edeka-Filiale am nördlichen Ortsende festgeschrieben wurde, dass kein weiterer Vollsortimenter im Gemeindegebiet gebaut werden soll. Für Lidl, Aldi und Co. haben das die Verantwortlichen versäumt.

Dass so eine Begrenzung mal nötig sein könnte, damit haben die Gemeindevertreter wohl kaum gerechnet. Noch vor rund zweieinhalb Jahren gab es mal gar keine Möglichkeit für die Krüner, im eigenen Ort einzukaufen. Nach der Schließung von Tengelmann und Spar schlossen die Froschmayers Ende März 2007 den „Dorfkramer“ – den letzten Lebensmittelladen. Bis zur Eröffnung von Edeka im Sommer 2007 kam es zu Engpässen, die durch einen mobilen Einkaufsservice in Mittenwald und Wallgau überbrückt wurden.

 Bis nun mit Lidl der dritte große Supermarkt seine Türen öffnen kann, muss der Konzern seine Pläne nochmals überarbeiten. Denn die vorgesehene Werbung entspricht nicht dem Bebauungsplan. „Maximal drei Anlagen mit drei beziehungsweise fünf Quadratmetern an Fassaden sind erlaubt“, so Schwarzenberger. Der Discounter plant vier Tafeln mit über sechs Quadratmetern. „Wir hätten die Festsetzung im Plan nicht zu machen brauchen, wenn wir jetzt sagen, dass es egal ist“, meint der Rathauschef. Der Gemeinderat forderte eine Nachbesserung der Planeingabe.

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Freitag, 13. November 2009

Grieser sind die großen Gewinner

Aufatmen im Krüner Ortsteil Gries: Die neue Schutzzone fällt nun bei weitem nicht so dramatisch aus, wie von Experten ursprünglich berechnet.

von Christof Schnürer

Krün – „Eine blöde Geschichte.“ Johann Riedl, zuständiger Sachgebietsleiter im Weilheimer Wasserwirtschaftsamt (WWA), zielt damit auf die Abstimmungs-Panne mit dem Münchner Ingenieurbüro Hafen an. Denn während die Experten für Hydrologie noch fleißig Daten für das künftige Wasserschutz Krüns sammelten, verkündete das WWA Anfang Oktober im Gemeinderat schon das Ergebnis. „Ich weiß nicht, wie das passiert ist“, rätselt Riedl. „Das Erschrecken der Bürger hätten wir uns jedenfalls sparen können.“

In der Tat herrschte vor sechs Wochen allgemeine Fassungslosigkeit unter den 15 im Rathaus erschienenen Griesern, als ihnen WWA-Mitarbeiterin Franziska Marten eröffnete, dass die künftige Tabuzone um den Trinkwasser-Brunnen statt 17,4 Hektar ab Frühjahr 2010 satte 39,8 Hektar betrage, also doppelt so groß ist wie bisher. Der Schutzbereich ragte nun bis in die Wohnviertel im Gries. Mit gravierenden Folgen: Denn laut Wasserbau-Experten sind neue Häuser, wenn überhaupt, nur mehr ohne Keller möglich. Auch das Sägewerk Simon sollte plötzlich keine Chemikalien auf seinem Grund zur Borkenkäfer-Bekämpfung mehr einsetzen (wir berichteten). „Irgendwann ist das Ende der Fahnenstange erreicht“, schimpfte damals Gemeinderat Franz-Paul Reindl (Bürgerliche Wählergemeinschaft / BWG).

Alles Schnee von gestern: Die drakonischen Einschnitte von Amts wegen wird es nicht geben. Die Ursache hierfür liegt im sogenannten Verdünnungs-Faktor. Der fehlte nämlich in den bisherigen Unterlagen des WWA. Riedl zufolge fließe unterhalb Krüns ein so mächtiger Grundwasserstrom, dass auch bei einer Flut-Katastrophe verschmutztes Wasser in ausreichendem Maße verdünnt werden würde. Die Gefahr von Keimen ist also viel geringer“, erläutert Riedl.

Kommando zurück heißt es also nun in Krün. Nutznießer sind jetzt nicht nur die etwa 15 privaten Grundstückseigentümer im Gries, sondern auch die Gemeinde. Dieser gehört nämlich eine Parzelle im vermeintlichen Schutzbereich. Dieses Grundstück kann nun ohne Vorbehalte zu Bauzwecken (für viel Geld) veräußert werden. Doch das ist für Bürgermeister Schwarzenberger (CSU) nur eine nette Begleiterscheinung. Denn die Gewinner sind eindeutig die Greiser, die während der Horror-Nachrichten aus Weilheim keineswegs polemisiert hätten. Im Gegenteil: „Alles hat sich stark auf der Sachebene bewegt.“ Die dieser Tage geplante Info-Veranstaltung für die Betroffenen konnte der Rathauschef nun getrost absagen.

Grund zur Freude haben aber auch Franz-Paul Reindl und Lothar Ragaller junior. Die beiden BWG-Volksvertreter stimmten Anfang Oktober als einzige gegen die Ausweitung der neuen Schutzzone. Zuvor hatten die zwei das WWA-Vorhaben aufs Schärfste gebrandmarkt.

„Ich bin erfreut, dass unser Widerstand zum Nachdenken geführt hat“, meint Ragaller. Wären die Pläne wirklich so zum Tragen gekommen, hätte das „einen Eingriff in persönliche Besitzverhältnisse“ bedeutet. Und nicht nur das: „Es hätte soziale Spannungen gegeben.“ Nachbarschafts-Streitigkeiten inklusive. Dank des jüngsten Rechen-Defizits sind Ragallers Befürchtungen die Grundlage entzogen – ein schönes Weihnachtsgeschenk.

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Mittwoch, 4. November 2009
 
Ein Franke schwingt im Krüner Kurhaus den Kochlöffel

Nach wochenlangen Spekulationen wurde nun eines der bestgehüteten Geheimnisse preisgegeben: Jürgen Brändlein heißt der neue Pächter des Krüner Kurhauses.

 von Rudolf Tomaschek

Bürgermeister Schwarzenberger mit der Familie Brändlein.










                                
 
                                                                              Foto: Tomaschek


Krün – Spannung im Sitzungssaal des Krüner Rathauses: Rund 15 Repräsentanten verschiedener Ortsvereine und der Großteil der Gemeinderäte warteten am Montag auf den Auftritt der neuen Pächterfamilie. Die heißt Brändlein, ist vierköpfig und kommt aus Franken, genauer gesagt aus Schweinfurt. Dort betreibt Jürgen Brändlein seit 2005 ein Restaurant (400 Plätze) samt Biergarten. „Ich kenne die Großgastronomie von Kindesbeinen an“, berichtet der gelernte Koch, denn auch seine Eltern waren in dieser Branche tätig.

„Wir haben den Eindruck, dass Herr Brändlein für uns genau der Richtige ist“, findet Krüns Bürgermeister Thomas Schwarzenberger, der den 42-Jährigen, dessen Ehefrau Valentina (42) und die zwei Söhne Pascal und Nico ins Obere Isartal lockte.

Insgesamt trudelten 15 Bewerbungen im Rathaus ein. Dass Brändlein davon Wind bekam, ist dagegen einem Zufall zu verdanken. Der Franke erfuhr nämlich kurioserweise nicht durch Inserate in zehn einschlägigen Fachzeitschriften – 5000 Euro machte die Gemeinde dafür locker –, sondern durch Mundpropaganda. Tennsee-Seniorchef Armin Zick hatte Brändlein während der Caravan-Herbstmesse in Schweinfurt auf die ausgeschriebene Stelle aufmerksam gemacht. „Dann ging alles recht zügig“, erinnert sich der neue Kurhaus-Pächter – vom ersten Kontakt bis zur Vertragsunterzeichnung.

Der Kontrakt läuft ab Dezember zunächst fünf Jahre. Die Pacht regelt sich – wie vielerorts auch – über den Umsatz. Und der ist bei bis zu 200 Veranstaltungen pro Jahr nicht zu unterschätzen. Wie wichtig das 1982 eröffnete Kurhaus inzwischen ist, umschreibt Bürgermeister Schwarzenberger wie folgt: „Es ist der absolute Dreh- und Angelpunkt für uns Einheimische, aber auch für unsere Gäste.“ Sei es bei Heimatabenden, Kurkonzerten oder bei Kabarett-Schmankerl mit Monika Gruber (800 Zuschauer). Die Wertigkeit des Kurhauses drückt sich aber auch in Zahlen aus. Zuletzt wurden pro Jahr bis zu 100 000 Euro in die Modernisierung der Anlage gesteckt. Demnächst steht über das sogenannte Konjunktur-Paket II sogar eine kostenintensive grundlegende Sanierung (330 000 Euro) des Gebäudes an.

Dass mit dem Krüner Kurhaus wohl auch Geld zu verdienen ist, belegt die geringe Zahl an Pächtern. Nach Monika und Josef Kaufmann (1982 bis 1999) sowie Amela und Albert Schöpf (1999 bis 2009) folgt nach zwei Österreichern nun mit Valentina und Jürgen Brändlein ein fränkisches Paar. „Da sieht man mal, wie international Krün ist“, meint Schwarzenberger mit einem Augenzwinkern. Das Kurhaus stehe auf alle Fälle für Kontinuität.

Die Vereinsvorsitzenden erhoffen sich jedenfalls eine Weiterführung der guten Zusammenarbeit mit den Wirtsleuten. „Mit der Familie Schöpf hat alles immer gut geklappt“, sagt etwa Trachtler-Vorstand Franz Rauth. „Jetzt müssen wir halt schauen, wie es mit dem neuen Pächter weitergeht.“Man wird das schon schaffen, zerstreut Jürgen Brändlein anfängliche Bedenken. Mit gutem Service, Freundlichkeit und nicht zuletzt fränkischen Spezialitäten möchte er in seiner neuen Heimat punkten.

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Samstag, 10. Oktober 2009
 
Kieshaufen bald schon Geschichte – Fünf Jahre verschandelte er die Landschaft im Oberen Isartal. Doch schon bald soll der monströse Kieshaufen zwischen Wallgau und Krün endgültig verschwinden.

 von Christof Schnürer



Krün – Die düstere Vorahnung von Thomas Schwarzenberger (CSU) sollte sich nicht bewahrheiten. Vor einem Jahr meinet der Krüner Bürgermeister während einer Gemeinderatssitzung: „Wenn die Schnarr-Heuschrecke dort erst mal ihr Gelege hat, wird der Kieshaufen unter Naturschutz gestellt.“ Nun aber gab es vom Wasserwirtschaftsamt (WWA) Entwarnung. „Der Kieshaufen kommt weg und wird verkauft“, teilte Sachgebietsleiter Johannes Riedl den erleichterten Krüner Volksvertretern mit.

Damit scheint die unendliche Geschichte doch noch ein glückliches Ende gefunden zu haben – zumindest für die betroffenen Dörfer Krün und Wallgau sowie die Wasserbauer. Auf Seiten der Naturschutzbehörden beziehungsweise –verbände dürfte sich die Freude darüber in Grenzen halten. Zumal in einem weiteren Punkt des Maßnahmen-Katalogs (Stufe II) explizit steht; keine Kieswiedereinbringung nach einer Räumung.

Kein Wunder also, dass der Krüner Gemeinderat die Pläne des WWA mit 12 : 0 Stimmen absegnete. Allerdings knüpften die Lokalpolitiker einige Bedingungen daran: So forderten sie unter anderem die Erhöhung des Wegs zwischen Stauwehr und Damm um 20 Zentimeter, einen regelmäßigen Informationsfluss zwischen Kommune und WWA sowie wiederkehrende Räumungen in der Isar zwischen Brücke und Wallgauer Steg.

Gemeinderat Franz-Paul Reindl (Bürgerliche Wählergemeinschaft (BWG) regte zudem an, nach Eschenloher Vorbild den Mittelpfeiler der Isarbrücke auszubauen. Da dieser Betonpfosten bei Hochwasser schnell zu einer Barriere von Treibholz oder ähnlichem werde. Mit dem Verweis von Bürgermeister Schwarzenberger, dass eine solche Maßnahme mindestens 500.000 Euro kosten würde, war der Punkt schnell erledigt. „Außerdem ist der Verbesserungseffekt nicht so groß“, ergänzte WWA-Chef Christian Wanger, „schließlich verbauen wir ja Steuergelder“. Reindl meinet trotzdem: „Hindernis bleibt Hindernis“.

In einem Punkt waren sich alle einig: Es ist gut, dass in Kürze die 30.000 Kubikmeter Geröll in der alte Kiesgrube verschwunden sind. Fünf Jahre war das Gestein Politikum und Symbol eines nicht enden wollenden Streits zwischen Naturschutz und Gemeinde. Viele im Isartal hatte gar die Hoffnung aufgegeben, dass das „neue Wahrzeichen“ irgendwann einmal Vergangenheit ist.

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Donnerstag, 8. Oktober 2009 

von Christof Schnürer

Krüner Ortsteil wird zur Wasserschutzzone – Um auch in Zukunft die Qualität des Krüner Trinkwassers zu gewährleisten, muss der Sicherheitsstreifen um die Quelle drastisch erweitert werden. Nun reicht das Schutzareal sogar bis ins Wohngebiet – mit Folgen für die Anrainer.



Krün – „Irgendwann ist das Ende der Fahnenstange erreicht“, poltert Franz-Paul Reindl (Bürgerliche Wählergemeinschaft / BWG) in der Dienstag-Sitzung des Krüner Gemeinderates. Was den streitbaren Volksvertreter so auf die Palme bringt, ist das neue Wasserschutzgebiet für den örtlichen Tiefbrunnen. Maß diese Zone bisher 17,4 Hektar, sind´s künftig – wahrscheinlich ab Frühjahr 2010 – 38,9 Hektar. Mit anderen Worten: Die vom Wasserwirtschaftsamt Weilheim vorgeschlagene Einfassung hat eine Fläche von 261 Fußball- oder 1525 Tennisplätzen. 

Die mächtige blaue Zunge in der Darstellung des beauftragten Münchner Ingenieurbüros Hafen, ragt nun sogar weit in den Krüner Wohnbereich. Betroffen sind Menschen des ohnehin hochwassergefährdeten Ortsteils Gries. Sie werden künftig riesige Probleme bekommen, in der Schutzzone den Traum vom Eigenheim zu realisieren.

„Das ist doch schizophren“, schimpft Gemeinderat Lothar Ragaller junior (BWG). „Einerseits wollen wir die Leute fördern, andererseits lassen wir sie nicht bauen.“ Die Tatsache, dass ab 2010 Boden im Greis nur noch um einen Meter abgetragen werden kann, somit Keller nicht mehr möglich sind, stellt für Ragaller eine „Entwertung von Grundstücken“ dar. Derlei Bedenken konnte auch die zuständige WWA-Expertin Franziska Marten nicht entkräften. Dafür sei aber zukünftig eine Zersiedelung vom Tisch.

 Seit Jahren brüten Behörde und Gemeinde über den Plänen der Schutzzone. Denn aufgrund einer Expertise von Hydrologen, wurde eine Erweiterung dieses 1980 zuletzt festgelegten hochsensiblen Bereichs dringend empfohlen. Es folgten zig Gespräche und harte Auseinandersetzungen – vor allem mit den Landwirten.

Sie gehören nämlich ebenso zu den Verlierern der neuen Trasse wie die Grieser. Ihnen ist künftig untersagt, ihre Rinder im engeren Bereich des Schutzgebietes (Zone II) grasen zu lassen. Das entspricht einem Flächenverlust von über zwölf Hektar. Was CSU-Gemeinderat und Weiderechtler Mathias Gschwendtner zu der süffisanten Aussage animierte: „Jeder darf bei uns ins Wasserschutzgebiet rein – nur die Kuh nicht!“ Da zum Teil kontroverse Vorgespräche mit den Behördenvertretern im Sand verlaufen waren, forderte der „Schoggl-Bauer“, dass die vor 30 Jahren gemachten Verträge des Freistaates mit den Landwirten eingehalten werden sollen. Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) verteidigte nochmals den eingeschlagenen Weg – wenn auch mit Bauchschmerzen. „Wir haben einfach alles ausgereizt.“

In nicht allzu ferner Zeit also werden auch die erweiterten Schutzzone (Abschnitt III / rund 27,5 Hektar) nicht nur Kellerbauten schwierig zu bewerkstelligen sein, auch das benachbarte Sägewerk Simon wird künftig auf besondere Chemikalien bei der Borkenkäfer-Bekämpfung verzichten müssen, um nur ein Beispiel zu nennen. „Generell genießen die Anwesen im Gries aber Bestandschutz“, unterstreicht Marten. Selbst für die, die alte Heizungen besäßen. Sogar eine Lagerung etwa von 10.000 Litern Heizöl wäre nicht zu beanstanden.

Problematischer sieht´s da mit der Isar aus, die sich 180 Meter vom Krüner Trinkwasser-Brunnen entfernt entlang schlängelt. „Die Isar ist definitiv ein Schwachpunkt“, meint Marten. Zumal der durchlässige Kiesboden eine „ganz geringe Deckschicht“ aufweise, ergänzt WWA-Chef Christian Wagner. Erreger könnten so schneller ins Erdreich Richtung Grundwasser gelangen. Gleichzeitig stellte Wagner aber klar: „Es gibt keine Alternative.“ Obendrein ist eine neue Quellfassung sehr teuer (rund 250.000 Euro). Zudem müssten bei einem Brunnenbau auch Wasserleitungen verlegt werden. „Krün ist kein Einzelfall“, so Landratsamts-Sprecher Wolfgang Olexiuk. Großweil, Murnau, Schwaigen, Uffing und Ohlstadt hätten dieses Procedere bereits hinter sich. Den Bürgern in Wallgau und Mittenwald steht´s unmittelbar bevor.

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Freitag, 26. Juni 2009

Isartaler Olympiatraum ausgebremst?
 
Wallgau/Krün – Überrascht ist Krüns Bürgermeister Thomas Schwarzenberger nicht. Er hatte schon seit längerem nicht mehr damit gerechnet, bei der Olympia-Bewerbung für 2018 zum Zuge zu kommen.

 Stattdessen liegt derzeit wohl Oberammergau gut im Rennen, die Biathlon- und Langlauf-Wettbewerbe auszurichten (wir berichteten). Krün war von den Olympiaplanern Albert Speer und Partner zwar ebenfalls als Standort für die nordischen Wettkämpfe in Betracht gezogen worden, „aber so wirklich ernsthaft haben sie sich wohl nicht damit beschäftigt“, vermutet Schwarzenberger.

Entschieden sei aber noch nichts, betont Richard Adam, Geschäftsführer der Bewerbungsgesellschaft. Doch die Pläne scheinen schon sehr weit fortgeschritten zu sein. Das in Frage kommende Areal im Norden Oberammergaus könnte wohl ohne große Eingriffe in die Umwelt mit temporären Bauten olympiatauglich gemacht werden. Ob es wirklich soweit kommt, wird sich am 9. Juli zeigen. Dann soll das endgültige Sportstättenkonzept der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Für Schwarzenberger ist die überraschende Wendung nicht ganz nachvollziehbar. Er hatte sogar eine Machbarkeitsstudie für das Gelände am Barmsee in Auftrag gegeben, nachdem die ursprünglich angedachte Sportstätte in Klais verworfen worden war. „Die Rennen wären bei uns sportlich und ökologisch möglich gewesen“, ist er überzeugt. Doch es habe zuletzt bereits vieles darauf hingewiesen, dass die Verantwortlichen in München das Obere Isartal nicht mehr auf ihrer Liste haben. „Wir haben seit Monaten nichts mehr gehört“, sagt Schwarzenberger und betont völlig ohne Neid: „So, wie es aussieht, hat Oberammergau die besten Karten.“

Ähnlich schätzt sein Wallgauer Kollege Hansjörg Zahler (CSU) die Situation ein. Seine Gemeinde war als Alternative zum Biathlon-Standort Kaltenbrunn im Gespräch. „Wir können nur warten, wie die Entscheidung ausfällt.“

 Überrumpelt von der neuen Idee ist Bernhard Kröll, Trainer der Biathlon-Asse Magdalena Neuner, Martina Beck und Miriam Gössner. „Sowohl in Krün als auch in Kaltenbrunn wären die Wettbewerbe machbar“, sagt er. Wie es in Oberammergau aussieht, kann der Biathlon-Experte nicht einschätzen. „Da habe ich überhaupt keine Erfahrungswerte.“

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Dienstag, 2. Juni 2009

von Hardl Habersetzer

„Bürgerliche“ monieren: Krüner Etat auf zu schwachen Beinen

Krün – Gut besucht war die Jahresversammlung der Bürgerlichen Wählergemeinschaft Krün im Gasthof Schöttlkarspitz. Geleitet wurde sie vom Vize Peter Neuner, weil Vorstand Lothar Ragaller wegen einer Bauauschusssitzung im Gemeinderat präsent sein musste. Den Part des Berichtes über die Arbeit im Gemeindeparlament übernahm Listenführer Franz Paul Reindl.

Gemeinderat Franz-Paul Reindl / BWG

























                                                                               Foto: Habersetzer


Der langjährige Gemeinderat zeigte sich erfreut, dass der Klaiser Bahnhof samt Vorplatz von der Gemeinde erworben werden konnte und nun Zug um Zug renoviert wird. Bis 2012 konnte zunächst ein Bestandsschutz als Haltestelle für den Gemeindebereich erwirkt werden. Auch das Gewerbegebiet läuft nach jahrzehntelangen Bemühungen mehrer Gemeinderatsgenerationen mittlerweile gut an. Die Erdbewegungen sind in vollem Gange. Ein Investor hat 19.000 Quadratmeter gekauft und bezahlt. Auch ALDI kommt jetzt sicher. Nach ursprünglicher Meinung des Landratsamtes, das Vorhaben sei zu groß, habe man sich in Garmisch-Partenkirchen jetzt doch der befürwortenden Meinung der Regierung von Oberbayern angeschlossen. Vom restlichen von der Gemeinde selbst vermarkteten Areal sind fünf Grundstücke bereits an heimische Gewerbetreibende verkauft. Es wäre recht, wenn noch zwei weitere Grundstücke verkauft werden könnten. Sonst könnte es sich bei der derzeitigen Haushaltssituation der Segen auch als Fluch darstellen. Reindl erwartet im Herbst Bautätigkeit. Auch der seit Jahren im Gespräch befindliche Naturerlebnislehrpfad soll jetzt, mit 80 Prozent bezuschusst, in Angriff genommen werden. Neben der Sanierung tut sich im Kurhaus auch etwas. Die Gemeinde sucht einen neuen Pächter, weil die Familie Schöpf gekündigt hat. (wir berichten noch). Der Haushalt 2009 wurde mit zwei BWG Stimmen abgelehnt (wir berichteten). Begründet wurde dies mit der Erhöhung der Grundsteuer B, sowie dem geplanten Kinderspielplatz, dessen Endkosten auf rund 200.000 Euro geschätzt wurden. Die Beschneiungskosten seien zu enorm, dem Verwaltungshaushalt würden 130.000 Euro fehlen. Der Haushalt stehe seiner Meinung nach auf zu schwachen Beinen, deshalb die ablehnende Haltung. Schriftführerin Jutta Teschner erinnerte an interessante Führungen in der Geigenbauschule durch Tassilo Meyer als auch Gesteinsexkursionen mit Sepp Karner in die Tuxer Berge. Mit dem Glühweinstand wurden Gelder für soziale Belange erwirtschaftet. Die Kulturfreunde förderten mit einer Veranstaltung mit Professor Helmut Zöpfl das Tourismusangebot. Kassier Jürgen Müller hatte ein ruhiges Jahr und bot scherzhaft der Gemeinde ein Darlehen an. Geplant ist eine Brauereibesichtigung der Bürgerlichen, so Braumeister Neuner. Dabei sei zu achten, dass aus der Bürgerlichen keine Bürgerliche Wählergemeinschaft wird. Mit dem Aufruf bei der Europawahl am Sonntag die Freien Wähler zu unterstützen endete die Versammlung.

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Donnerstag, 7. Mai 2009

von Alexander Schwer

Haushalt Krün

Erste Steuererhöhung in Ära Schwarzenberger

 Weil viele Investitionen anstehen, kommt Krün finanziell in Bedrängnis. Um die laufenden Geschäfte abdecken zu können, erhöht der Gemeinderat die Grundsteuer B.

Krün – Glücklich sind sie alle nicht. Trotzdem haben sich die Gemeinderäte mehrheitlich zu einer Steuererhöhung in diesem Jahr durchgerungen. Die Grundsteuer B – die Abgaben für das Eigentum an Grundstücken und deren Bebauung – wird um 50 Punkte angehoben. Damit rangiert die Kommune im Landkreisvergleich im oberen Drittel. Spitzenreiter sind Mittenwald (490) und Bad Bayersoien (480). Ein Hausbesitzer mit 1000 Quadratmeter Grundstück muss demnach heuer rund 120 Euro mehr bezahlen.

Der Haushalt hat heuer überhaupt keinen Spaß gemacht“, bringt es Kämmerer Bartholomäus Reindl auf den Punkt. „Es ist mir noch nie so schwer gefallen.“ Auch die Volksvertreter machten es sich nicht leicht, den unpopulären Schritt zu gehen. Nach reger Diskussion waren sie sich aber – bis auf drei Gegenstimmen von Franz-Paul Reindl und Lothar Ragaller (Bürgerliche Wählergemeinschaft) sowie Ferdinand Glasl (Aktiv für Krün) – einig, dass es die einzige sinnvolle Chance ist. „Ich sehe keine Möglichkeit, unsere Einnahmen auf andere Weise wirksam und dauerhaft zu verbessern“, sagt Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU). Zusätzlich werden rund 470.000 Euro aus der Rücklage entnommen und ein 100.000-Euro-Krdit aufgenommen.

Die Kostensteigerungen in den vergangenen Jahren habe die Gemeinde auffangen können. Durch Einführung der Zweitwohnungssteuer, Ausweitung des Kurbeitrags auf Kranzbach, Elmau und Gerold sowie kostenpflichtige Parkplätze wurden Einnahmen in sechsstelliger Höhe erwirtschaftet. Doch das reicht nicht. „Wir haben bei den Ausgaben gekürzt, wo es ging“, sagt Schwarzenberger. Auf geplante Investitionen wie den Ausbau des Erlebniswanderwegs oder die Sanierung des Kurhauses könne jedoch nicht verzichtet werden, weil sie an Zuschüsse gekoppelt sind. Zudem belastet die Abgabe an den Landkreis – mit 642.000 Euro rund 60.000 Euro mehr als im Vorjahr – die Gemeinde enorm.

 „In der aktuellen Situation schmeckt eine Steuererhöhung nicht gut“, räumt auch Alois Kramer (CSU) ein, „aber ich kann sie mittragen, weil wir derzeit viel machen für den Ort.“ Die Gegner des Haushalts sehen jedoch noch einiges an Sparpotential in der Finanzplanung, weshalb sie das Anziehen der Steuerschraube nicht mittragen. Finanzreferent Reindl spricht von einem fünfstelligen Betrag. Einen weiteren Gedanken, die Einnahmen zu steigern, brachte Glasl ins Spiel: „Wir sollten auch ganz konkret über eine Erhöhung des Kur- und Fremdenverkehrsbeitrags nachdenken“.


Etat 2009 in Zahlen

Allgemein
Volumen Verwaltungshaushalt: 3,958.200 Euro (2008: 3,833.500)
Volumen Vermögenshaushalt: 1,021.100 Euro (2008: 0,972.600)

Schulden
Stand Ende 2009: 2,231.000 Euro (2008: 2,389.000)
Pro Kopf Ende 2009: 1.171.000 Euro (2008: 1.170.000)

Einnahmen
Einkommenssteuer-Anteil: 600.000 Euro (2008: 582.103)
Grundsteuer A + B: 448.000 Euro (2008: 399.243)
Kurbeitrag: 365.000 Euro (2008: 384.327)
Gewerbesteuer: 330.000 Euro (2008: 346.630)
Schlüsselzuweisungen: 291.000 Euro (2008: 317.148)
Fremdenverkehrsbeitrag: 140.000 Euro (2008: 148.916)

 Ausgaben
Personalkosten: 855.100 Euro (2008: 808.072)
Verwaltungs- und Betriebskosten: 575.000 Euro (2008: 543.137)
Kreisumlage: 642.000 Euro (2008: 581.089)
Etat Alpenwelt Karwendel: 175.000 Euro (2008: 159.013)
 
Investitionen
Erlebnispfad, Isarbrücke, Beschilderung: 250.000 Euro
Kurhaus (Mobiliar und Sanierung): 275.000 Euro
Tilgung Kredite: 259.000 Euro
Noch nicht berücksichtigt Sanierung Bahnhof Klais: ca. 400.000 Euro


Stimmen zum Haushalt

„Keiner ist ein Freund von Steuererhöhungen. In diese Notsituation halt ich es aber für das Sinnvollste.“
Klaus Koppe (FWG)
 
„Ich kann dem Haushalt nicht zustimmen, weil ich noch mehr Einsparpotential sehe. Klar, wir brauchen die Investitionen, aber man könnte sie auch noch ein Jahr schieben.“
Franz-Paul Reindl (BWG)
 
„In Zukunft sollten wir an uns selbst appellieren, dass wir dieses Investitionstempo so nicht beibehalten können. Wir müssen uns selbst bremsen, auch wenn wir wieder Luft haben.“
Alois Kramer (CSU)
 
„Bestimmte Dinge müssen wir einfach angehen. Mit Zuschüssen fällt es uns sehr viel leichter als später. Aber wir sollten im Kopf behalten, dass wir die Steuern auch wieder senken, wenn es geht.“
Andreas Zick (CSU)

„Ich kann nur mit der Steuererhöhung leben, wenn wir nächstes Jahr wieder über eine Senkung diskutieren.”
Georg Schober (AFK)

„Wir können es uns einfach nicht leisten, ohne Steuererhöhung auszukommen. Selbst wenn wir einiges streichen, fehlt immer noch Geld, um das laufende Geschäft zu finanzieren. Die enormen Kosten, die uns mit der Kreisumlage aufgedrückt werden, müssen wir auch weitergeben. Das haben wir jahrelang nicht getan.“Peter Schwarzenberger (CSU)

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06.02.2009

 Christof Schnürer

Hochwasserschutz: Gemeinde Krün kritisiert taktische Spielchen


Foto: Thomas Sehr

Krün – Sicherheitsrisiko, immenser bürokratischer Aufwand – in der Wortwahl sind die Verantwortlichen im Krüner Rathaus nicht zimperlich, wenn’s um den Hochwasserschutz an der Isar geht.

Der wunde Punkt: Bürgermeister Thomas Schwarzenberger zeigt auf die aus seiner Sicht inzwischen zu niedrige Deichkrone an der Isar südlich des Krüner Ortsteils Gries.

Der Entwurf des Schreibens steht, jetzt muss der gesalzene Brief nur noch ans Landratsamt geschickt werden. Das darf sich stellvertretend für die zuständigen übergeordneten Stellen einiges anhören. Denen wirft das flutgefährdete Dorf „taktische Spielereien“ vor, wenn es um den leidigen Kieshaufen geht. Der ehemals 50 000-Kubikmeterkoloss auf der einstigen Krüner Kiesgrube ist zwar auf teils wundersame Weise auf rund die Hälfte zusammengeschrumpft, dennoch nervt er Wallgauer und Krüner seit nun mehr viereinhalb Jahren gleichermaßen.

Doch damit soll jetzt Schluss sein. „Wir fordern deshalb eine Entscheidung zur Verwendung des abgelagerten Kieses in der Form, dass er meistbietend verkauft wird und schnellstmöglich abgetragen werden muss“, steht in dem Krüner Schreiben an die Kreisbehörde. Gleichzeitig wird betont, das die gemeindeeigene Fläche „dringend anderweitig benötigt wird“ – und zwar für Grünschnitt und ähnliches.

Doch nicht nur der monströse Kieshaufen verdirbt den Krünern die Laune. Auch die jüngsten Pläne zum Hochwasserschutz an der Isar stoßen nur zum Teil auf ein positives Echo.

Zum Hintergrund: Nach der August-Flut 2005 schrammte Krün nur knapp an einer Katastrophe vorbei. Und das, obwohl die Dammkrone südlich des Ortsteils Gries spürbar erhöht wurde. „30 Zentimeter haben noch gefehlt“, erinnert sich Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU), dann wäre die Isar übergeschwappt. Die Folge waren eingehende Gespräche mit den Experten vom Wasserwirtschaftsamt Weilheim (WWA). Zudem wurde ein Gutachten vom Landesamt für Umweltschutz in Auftrag gegeben.

Mittlerweile wurde von den Fachbehörden ein Ergänzungsplan erstellt – im Fachjargon Tektur. Der sieht unter anderem die Aufstockung der Deiche, das Aufschütten von Kieswällen entlang des Wasserschutzgebietes (zum Schutz der Trinkwasserbrunnen) sowie die Erhöhung der Fluss-Sohle um gut einen Meter „mit Räumbedarf“ zwischen Stauwehr und Isarbrücke vor.

Letzteres aber würde, so der einhellige Tenor des Gemeinderats, zu einer Verschlechterung der Situation führen. „Wir sehen darin eine Sicherheitslücke und können auf keinen Fall zustimmen“, lautet in dem Schreiben die Sprachregelung. Im Ortsparlament führten die Vorschläge der Wasserbauer zu einer angeregten Debatte.

„Der Teufel steckt im Detail“, meinte etwa Georg Schober (Aktiv für Krün). Denn eine Sohle-Erhöhung sei im Grunde durchaus sinnvoll, weil sie zu einem stärkeren Gefälle führe. Das wiederum würde bedeuten, dass das Kies-Geschiebe von einer kräftigeren Strömung besser mitgenommen wird und nicht mehr verlandet. Für Schober muss aber erst der Deich an den neuralgischen Punkten erhöht werden, dann erst könne man das Thema Sohle anpacken. Das Kiesbett wie 2005 ausbaggern und damit den Deich ergänzen, schlug Franz-Paul Reindl (Bürgerliche Wählergemeinschaft/BWG) vor. „Denn man muss dort den Lebensraum an sich sehen, und dazu gehört auch der Mensch.“

Mit 11:0 Stimmen brachte der Gemeinderat die Ergänzungen auf den Weg. Vermutlich wird sich demnächst auch Bayerns Umweltminister Markus Söder vor Ort informieren. Nach seinen CSU-Kollegen Werner Schnappauf und Otmar Bernhard bereits der dritte, der sich mit dieser Problematik beschäftigen darf. „Ich hoffe“, so Bürgermeister Schwarzenberger, „dass wir nicht noch ein paar Politiker mehr verschleißen“.

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Samstag, 17. Januar 2009

von Alexander Schwer

Gewerbegrund zu Schnäppchen-Preisen

Krün – Bis Ende Februar läuft das Bewerbungsverfahren für die Grundstücksvergabe im Krüner Gewerbegebiet Süd. Am Donnerstag gab Bürgermeister Thomas Schwarzenberger erstmals Preise bekannt.

In dem gelben Areal soll das Krüner Gewerbegebiet zwischen der B2 und dem Isarkanal entstehen.

















                                                                      Foto: Ströther


Es war ein langer, steiniger Weg bis zum Gewerbegebiet Krün Süd. „Jetzt müssen wir es auch mit Leben erfüllen“, sagte Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) am Donnerstag auf einer Informationsveranstaltung im Kurhaus.

Dass das möglich ist, zeigt allein das Interesse an dem Projekt. Rund 50 Gewerbetreibende und Handwerker aus der Umgebung der Isartalgemeinde waren gekommen, um sich aus erster Hand die Fakten anzuhören. Darunter auch die Vertreter der örtlichen Sparkasse sowie der Raiffeisenbank. Das Hauptinteresse galt freilich den Preisen für die Grundstücke auf dem 4,3 Hektar großen Areal zwischen der Bundesstraße 2 sowie dem Eon-Umspannwerk und Isarkanal.

Die können sich wahrlich sehen lassen: 90 Euro kostet der Quadratmeter auf etwa zwei Drittel des Areals. Die besseren Lagen liegen bei 105 Euro pro Quadratmeter. Rund die Hälfte der Gesamtfläche vermarktet die Gemeinde selbst, den nördlichen Teil hatte sich bereits im Dezember vergangenen Jahres die „Forum Projektmanagement GmbH“ aus Garmisch-Partenkirchen gesichert (wir berichteten). Für diese Flächen sind sogar schon die ersten Bauanträge – unter anderem für eine Aldi-Filiale – eingegangen.

„Unser Ziel war es von Anfang an, Gewerbeflächen für unter 100 Euro pro Quadratmeter anzubieten“, erklärte Schwarzenberger. „Das ist uns gelungen. Wir wollen Raum schaffen für heimische Gewerbe- und Handwerksbetriebe, die auch Arbeits- und Ausbildungsplätze bringen.“ Genau aus diesem Grund soll das Gewerbegebiet auch in kleinen 500 bis 3000 Quadratmeter großen Flächen verkauft werden. Tankstellen und reine Bürogebäude sind ausgeschlossen.

Zudem umgeht die Gemeinde damit auch die Gefahr, die Grundstücke europaweit ausschreiben zu müssen – ab einer gewissen Vertragssumme ist das vorgeschrieben. „Wir haben ohnehin schon genug Bürokratie“, sagte Schwarzenberger. Denn im Sinne der Gleichbehandlung müssen die Verkäufe auch jetzt schon regional ausgeschrieben werden und können nicht von den Volksvertretern frei vergeben werden. Die Frist läuft noch bis zum 28. Februar.Sorge, dass keine Bewerbungen eingehen, hat Schwarzenberger nicht. „Es gibt schon etwa 15 Interessenten.“ Das freut den umtriebigen Bürgermeister ohne, dass er übermütig wird. „Wir wissen, dass wir nicht alles auf einmal losbekommen. Aber es ist wichtig, dass wir jetzt den Anfang machen.“

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Samstag, 27. Dezeber 2008

Weihnachtsgeschenk zum Schnäppchenpreis: Krün kauft Klaiser Bahnhof                                                                       

















                                                                     Foto: Thomas Ströter


Krün – Bald in Gemeindebesitz: Der Klaiser Bahnhof ist 2009 eine kommunale Einrichtung.

In seiner nun mehr sechseinhalb Jahre währenden Amtszeit hat Krüns Bürgemeister Thomas Schwarzenberger (CSU) schon mal eine halbe Kapelle gekauft. Nun kommt eine weitere ungewöhnliche Klaiser Immobilie dazu: der Bahnhof.

Den hatte die „DB Services Immobilien GmbH“, ein Tochterunternehmen der Deutschen Bahn AG, bereits im September 2007 für ein Mindestgebot von 100 000 Euro im Internet zum Kauf angepriesen. Es folgten zähe Verhandlungen zwischen DB und der Gemeinde Krün, die die Stillegung von Deutschlands höchstgelegener ICE-Station befürchten musste, falls das renovierungsbedürftige Objekt in die falschen Hände gerate. Dennoch sollte der Kaufpreis im „untersten sechsstelligen Bereich“ liegen, betonte seit jeher Rathauschef Schwarzenberger. Und genau das hat der 38-jährige Kommunalpolitiker nun mit den Immobilien-Managern der Bahn AG ausgehandelt. Einne genaue Summe möchte Schwarzenberger noch nicht nennen. Erst wenn der Transfer im Grundbuch offiziell eingetragen ist, will er die Zahlen offenlegen. Aus gut informierten Kreisen soll der Kaufpreis nicht einmal 150 000 Euro betragen. Ein Schnäppchen also.

Das Grundstück umfasst inklusive Bahngebäude, Wendeplatz und Zugang rund 1400 Quadratmeter. „Ziel ist es nach wie vor, den Bahnhof als Bahnhof zu sichern“, unterstreicht Schwarzenberger. Zumal das Klaiser Anwesen aus dem Jahr 1922 wichtiger Knotenpunkt für Kranzbach- und Elmau-Urlauber ist, die mit dem Shuttlebus in ihre Domizile gebracht werden.

Vier Ziele möchte die Gemeinde auf jeden Fall realisieren, erstens: den Erhalt der einzigen öffentlichen Toilette in Klais; zweitens: die Sicherung des Kartenverkaufs, drittens: die Einrichtung einer Tourismus-Info-Stelle; viertens: das Schaffen einer Einkaufsmöglichkeit. Falls die Gemeinde für die letzten zwei Punkte einen Interessenten findet, stellt der Bürgermeister diesem eine „günstige Miete“ in Aussicht. Der nötige Anbau für den kleinen Laden soll übrigens in dem Geräteschuppen verwirklicht werden, der sich westlich vom Hauptgebäude befindet.Die moderaten Investitionskosten will die Kommune in erster Linie über Mieteinnahmen – für die Wohnung im Ersten Stock, den Schalterraum und das Stellwerk – abstottern.

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Mittwoch, 3. Dezember 2008

Ab 2009 soll in Krün neuer Bauhof entstehen

Krün – Die Krüner Gemeindearbeiter müssen seit Jahren mit schlechten Arbeitsbedingungen kämpfen. Endlich ist Besserung in Sicht. Ein neuer Bauhof ist in Planung. „Die Abläufe sind in der momentanen Konstellation wirklich nicht optimal“, sagt Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU). „Viele Kleinigkeiten erschweren die Arbeit enorm.“ Das Problem: Es gibt keinen richtigen Bauhof. Über fünf Standorte verteilen sich die Gerätschaften.

 Die „Zentrale“ ist seit fast 30 Jahren an der Nordseite der Feuerwehr untergebracht. „Anfangs war es nur als Provisorium gedacht“, sagt Schwarzenberger. „Aber wie es so ist, hat sich daran nichts geändert.“ Arbeitstechnisch ist das ein großes Problem, ganz zu schweigen davon, „dass wir überall aus allen Nähten platzen“, bringt es der Rathaus-Chef auf den Punkt.

Zumindest der erste Schritt in Richtung Besserung ist inzwischen getan. Die Gemeinde hat sich in den neuem Gewerbegebiet, dass vor kurzem ausgewiesen wurde, ein 4.000 Quadratmeter großes Grundstück gesichert. „Dort wollen wir einen neuen Bauhof errichten“, sagt Schwarzenberger. Der erste Bauantrag soll also gleich einmal selbst eingereicht werden.

Alles auf einmal kann sich die kleine Gemeinde freilich nicht leisten. Mit rund 1 bis 1,5 Millionen Euro Gesamtkosten rechnet der Bürgermeister für das Projekt. „Das können wir natürlich nicht auf einmal finanzieren.“ Darum wird der Bauhof Zug um Zug zusammengeführt und erweitert.

In einem ersten Schritt soll nächstes Jahr zunächst der Untergrund hergerichtet und eine Halle gebaut werden. Dafür sind 250.000 Euro im Haushalt eingeplant. „Damit können wir dann zumindest schon einmal unsere zahlreichen Lager zusammenlegen“, sagt Schwarzenberger, „und die Maschinen an einem zentralen Ort unterstellen.“

Bis in Krün aber ein geregelter Bauhof-Betrieb möglich ist, werden sich die Mitarbeiter noch gedulden müssen. „Aber wir sind jetzt auf dem richtigen Weg“, ist Schwarzenberger überzeugt und hat dabei auch seine Mitbürger im Blick. „Denn gerade die Anwohner haben in den vergangenen Jahren ja auch darunter gelitten. Schließlich fallen oft auch lärmintensive Arbeiten an.“ Für das Verständnis ist er dankbar, „und ein Ende ist nun ja in Sicht“.

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Donnerstag, 27. November 2008

von Alexander Schwer

Wird Krün 2018 zum Olympiadorf?

 Krün – In den Planungen für die Olympiabewerbung 2018 von München mit Garmisch-Partenkirchen und Schönau spielt nun auch Krün eine gewichtige Rolle.

Die Langlauf-Wettbewerbe sollen rund um den Barmseelift ausgetragen werden. Für Krüns Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) wäre das ein „touristischer Traum“.

Bereits in der Machbarkeitsstudie, die das renommierte Planungsbüro "Albert Speer & Partner" aus Frankfurt im Herbst 2007 präsentierte, war die Gemeinde als Standort für die Langlauf-Wettkämpfe der Spezialisten und Nordischen Kombinierer im Gespräch. Damals noch mit dem Ortsteil Klais. Davon hat man inzwischen Abstand genommen und stattdessen das Areal rund um den Barmseelift im Fokus. „Klais wäre prinzipiell machbar gewesen“, erklärt Matthias Schöner, Projektleiter bei „AS&P“, „aber dort gibt es naturschutzrechtlich sehr hochwertige Flächen.“ Und wenn es nicht unbedingt sein muss, dannn möchte man diese nicht angreifen. Umwelt- und Naturverträglichkeit ist schließlich eine der wichtigsten Botschaften, die sich die Olympiabewerbung auf die Fahnen geschrieben hat.

Deshalb haben sich die Krüner auf eigene Faust auf die Suche nach einem besseren Standort gemacht. Knowhow haben sie in der kleinen Isartal-Gemeinde ja genug: Gemeinderat Bernhard Kröll, Heimtrainer der Biathlonstars Magdalena Neuner und Martina Beck sowie Max Achatz, Ex-Langläufer und jetzt Skitechniker der deutschen Weltcupmannschaft, kennen sich bestens aus mit der Materie.

Fündig wurde man schließlich rund um den Barmseelift. „Dort wäre es möglich die Loipen und die gesamte Infrastruktur mit Stadion und Pressezentrum unterzubringen“, fasst Rathaus-Chef Schwarzenberger die Ergebnisse einen eigenen Machbarkeiststudie zusammen. „Und die Flächen wären weitaus unbedenklicher.“ Zumal sämtliche Bauten nur vorübergehend errichtet werden würden. Auch bei den Olympiaplanern kam der Vorschlag gut an. „Dort ist aus sportlicher Sicht die gleiche Qualität vorhanden“, bestätigt Schöner, „und ökologisch ist es deutlich besser.“

 In einem nächsten Planungsschritt wird der neue Standort nun im Detail untersucht. Wichtigstes Kriterium dabei: Entsprechen die möglichen Loipen auch vom Schwierigkeitsgrad und Höhenprofil den hohen Ansprüchen für Olympische Winterspiele? Für Schöner jedenfalls strht fest: „Das Areal stellt sich im Moment ganz positiv dar“.

 Olympiadorf Krün – daran könnte sich Schwarzenberger gewöhnen. Selbst wenn er soweit noch gar nicht denken will. Bis November 2009 läuft die erste Bewerbungsphase, im Juli 2010 werden in einer Vorauswahl die Kandidatenstädte nominiert und erst im Sommer 2011 fällt die endgültige Entscheidung über den Ausrichter knapp sieben Jahrer später. „Es ist schon eine tolle Sache, dass wir überhaupt ernsthaft in der Bewerbungsphase dabei sind“, sagt Schwarzenberger. Selbst wenn der Ort Krün darin nicht offiziell vorkommen wird, sondern unter dem großen Nachbarn Garmisch-Partenkirchen firmiert. „Das ist überhaupt kein Problem“, findet er. „Wir finden schon einen Weg, das dann zu vermarkten.“ Olympia – das wäre nicht nur für den Landkreis, sondern auch für den Tourismus-Ort Krün langfristig sehr wertvoll.

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Donnerstag, 20. November 2008

Der Bahnhof in Klais soll noch heuer in den Besitz der Gemeinde Krün übergehen.











                                                                                        Foto: Sehr


von Alexander Schwer

Krün – Mit einem Nachtragshaushalt hat die Gemeinde Krün die Voraussetzung für den Kauf des Klaiser Bahnhofs geschaffen.

Ein wenig unter Zeitdruck standen die Krüner Gemeinderäte schon. Doch daran waren sie nicht selbst schuld. Die „DB Services Immobilien GmbH“, eine Tochter der Deutschen Bahn AG und Besitzerin des Bahnhofs in Klais, will den Verkauf der Immobilie noch heuer über die Bühne bringen. „Wir wollen das Areal kaufen, das steht fest“, sagt Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU). Der politische Wille ist die eine Seite, die Finanzierung die andere. Denn um überhaupt einen Kaufvertrag abschließen zu können, muss dieser Posten auch im Haushalt eingeplant und vom Landratsamt genehmigt sein.

Der erste Schritt dafür ist nun getan. Am Dienstag hat der Gemeinderat den erforderlichen Nachtragshaushalt einstimmig beschlossen. Das ist aufgrund der im Raum stehenden Investitionssumme so vorgeschrieben. Das ok von der Aufsichtsbehörde ist wohl nur eine Formalie. „Das haben wir im Vorfeld abgeklärt“, sagt Schwarzenberger.

200 000 Euro sind nun zusätzlich im Haushalt eingeplant. Diese werden durch einen Kredit finanziert. Ein Viertel davon fließt in die Renovierung der Kegelbahn sowie das neue Mobiliar im Kurhaus (wir berichteten). 150 000 Euro stehen für den Erwerb der Immobilie zur Verfügung. Diese ist zwar ebenfalls renovierungsbedürftig, aber für Krün wegen der vielen mit dem Zug anreisenden Touristen sehr wichtig. Ursprünglich sollte das Projekt außerhalb des Haushalts finanziert werden. „Davon haben wir aber mit Blick auf die aktuelle Finanzkrise Abstand genommen“, erklärt Schwarzenberger. Sanierung und ein geplanter Anbau für einen Laden und eine Außenstelle der Touristinfo sind vorerst auf Eis gelegt.

Zudem hat die Gemeinde derzeit mit dem rund zwei Millionen Euro teuren Gewerbegebiet eine weitere kostspielige Investition am Laufen. „Wir müssen schauen, wie sich das entwickelt, und wie der Verkauf der Grundstücke läuft“, sagt der Rathaus-Chef. Darum soll vorerst nur der Kauf des Bahnhofs in trockene Tücher gebracht werden. „Damit er uns nicht von jemand anderem weggeschnappt wird.“ In den kommenden Jahren werde man dann, je nach finanziellem Spielraum die Sanierung des Areals angehen.Im Zuge des Sitzung wurden auf weitere Nachträge in den Haushalt eingearbeitet. „Wir haben eine Reihe Punkte aufgenommen, die uns jetzt schon jetzt bekannt sind“, erläutert Schwarzenberger und spricht dabei von einer „äußerst positiven Entwicklung“. So stehen durch Steuern derzeit zum Beispiel bereits 105 000 Euro Mehreinnahmen fest. Und trotz der neuen Kreditaufnahme können heuer wohl weitere 58 000 Euro getilgt werden. „Unser Hauptziel bleibt weiterhin der Schuldenabbau“, betont Schwarzenberger. Die Rückzahlung des neuen Kredits soll übrigens größtenteils über die künftigen Mieteinnahmen für den Bahnhof aufgefangen werden.

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Ehemaliger BWG Gemeinderat Anton Holzer mit hoher Auszeichnung geehrt.

v.l.: Bürgermeister Schwarzenberger, Anton Holzer mit Frau Roswitha




























                                                                             Foto: Habersetzer


Samstag, 18. Oktober 2008

von Hardl Habersetzer

Krün – Drei tragende Säulen der Musikkapelle feierten 100 jähriges Jubiläum. Eine seltene, von donnerndem, anhaltendem Applaus des vollen Kurhauses begleitete Ehrung erhielt Anton Holzer. Seit 50 Jahren wirkt er aktiv in der Kapelle mit. Dies beinhaltet neben unzähligen Kurkonzerten, Heimatabenden, Werbefahrten und sonstigen gesellschaftlichen Anlässen nicht nur enormen Einsatz, sondern auch großen Idealismus. Die ersten fünf Jahre blies der „Manni-Toni“ die Trompete, ehe er zum Schlagzeug wechselte und seitdem die große Trommel schlägt. Den Takt gab er von 1971 bis 1978 als erster Vorstand an. Bis dato fungiert er rund 20 Jahre als zweiter Vorstand. Dem Gemeinwesen war der ehemalige Bauhofchef sechs Jahre auch als Gemeinderat der BWG und 50 Jahre der Feuerwehr verpflichtet. Darüber hinaus schlug sein Herz für den Sport. Jahrelang bekleidete er beim Sportverein das Amt des zweiten Vorsitzenden.

Der Jubilar erinnert sich in seinem schmucken Heim am Bärnbichl gerne zurück:
„Von allen ehrenamtlichen Tätigkeiten bedeutete mir die Blasmusik am Meisten.
Der 1. Oktober 1958 war ein aufregender Tag. Der Start ins Berufsleben als Maurerlehrling und der Beginn bei der Blasmusik fielen zusammen. Im Probenraum im Keller des Rathauses brachte mir Dirigent Hans Kurz die Noten bei. Bereits sechs Wochen später spielte ich beim Veteranenball mit. Das Ärgste für uns jungen Musikanten waren damals die Hochzeiten, weil es da viel zum Essen gab. Da fällt mir eine Episode ein. Bei der Hochzeit eines Musikerkollegen haben wir zu Dritt sechzig Weißwürste verdrückt. Nett waren auch die Ausflüge, besonders nach Helgoland und Bremen. Die Aufstellung des Gipfelkreuzes auf der Soiernspitze durch die Musikkapelle hat mich beeindruckt."

Zu Höhen gehören auch Tiefen.
„Beim Griff zum Instrument ging mir die Beerdigung unseres Dirigenten Herbert Becker, zu dem ich ein gutes Verhältnis pflegte, arg unter die Haut. Meine Frau hat das alles mitgetragen.

Bis 2012, dem hundertjährigen Jubiläum der Kapelle, möchte ich noch mittrommeln. Wenn  die Gesundheit mitspielt", fügt der 64 jährige noch schnell hinzu. „Und noch eins, dass meinEnkel Moritz in meine Fußstapfen steigt und bei der Musik angefangen hat, stimmt mich froh."

Dieses große ehrenamtliche Engagement, das unbezahlbar ist, würdigte der Gemeinderat mit der zweithöchsten Auszeichnung. Bürgermeister Thomas Schwarzenberger hatte die Ehre, dem Jubilar die Bürgermedaille der Gemeinde Krün zu überreichen. Dass dazu natürlich ein besonderer Partner gehört, der für die Aktivitäten Verständnis hat und den Rücken frei hält ist dabei viel wert. Für die Mühen und auch manchen Verzicht erhielt Roswitha Holzer einen Gutschein für das Gourmet Restaurant im Schloss Elmau.

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Samstag, 10. Oktober 2008 

Kieshaufen bald schon Geschichte – Fünf Jahre verschandelte er die Landschaft im Oberen Isartal. Doch schon bald soll der monströse Kieshaufen zwischen Wallgau und Krün endgültig verschwinden.

von Christof Schnürer

Krün - Die düstere Vorahnung von Thomas Schwarzenberger (CSU) sollte sich nicht bewahrheiten. Vor einem Jahr meinet der Krüner Bürgermeister während einer Gemeinderatssitzung: „Wenn die Schnarr-Heuschrecke dort erst mal ihr Gelege hat, wird der Kieshaufen unter Naturschutz gestellt.“ Nun aber gab es vom Wasserwirtschaftsamt (WWA) Entwarnung. „Der Kieshaufen kommt weg und wird verkauft“, teilte Sachgebietsleiter Johannes Riedl den erleichterten Krüner Volksvertretern mit.

Damit scheint die unendliche Geschichte doch noch ein glückliches Ende gefunden zu haben – zumindest für die betroffenen Dörfer Krün und Wallgau sowie die Wasserbauer. Auf Seiten der Naturschutzbehörden beziehungsweise –verbände dürfte sich die Freude darüber in Grenzen halten. Zumal in einem weiteren Punkt des Maßnahmen-Katalogs (Stufe II) explizit steht; keine Kieswiedereinbringung nach einer Räumung.

Kein Wunder also, dass der Krüner Gemeinderat die Pläne des WWA mit 12 : 0 Stimmen absegnete. Allerdings knüpften die Lokalpolitiker einige Bedingungen daran: So forderten sie unter anderem die Erhöhung des Wegs zwischen Stauwehr und Damm um 20 Zentimeter, einen regelmäßigen Informationsfluss zwischen Kommune und WWA sowie wiederkehrende Räumungen in der Isar zwischen Brücke und Wallgauer Steg.

Gemeinderat Franz-Paul Reindl (Bürgerliche Wählergemeinschaft (BWG) regte zudem an, nach Eschenloher Vorbild den Mittelpfeiler der Isarbrücke auszubauen. Da dieser Betonpfosten bei Hochwasser schnell zu einer Barriere von Treibholz oder ähnlichem werde. Mit dem Verweis von Bürgermeister Schwarzenberger, dass eine solche Maßnahme mindestens 500.000 Euro kosten würde, war der Punkt schnell erledigt. „Außerdem ist der Verbesserungseffekt nicht so groß“, ergänzte WWA-Chef Christian Wanger, „schließlich verbauen wir ja Steuergelder“. Reindl meinet trotzdem: „Hindernis bleibt Hindernis“.

In einem Punkt waren sich alle einig: Es ist gut, dass in Kürze die 30.000 Kubikmeter Geröll in der alte Kiesgrube verschwunden sind. Fünf Jahre war das Gestein Politikum und Symbol eines nicht enden wollenden Streits zwischen Naturschutz und Gemeinde. Viele im Isartal hatte gar die Hoffnung aufgegeben, dass das „neue Wahrzeichen“ irgendwann einmal Vergangenheit ist.

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Donnerstag, 11. September 2008 

Beschneiung der Krüner Nachtloipe: Kunstschnee für alle

von Christof Schnürer



Krün – Trotz abgespeckter Version ist die Stoßrichtung klar: Krün will Kunstschnee. Damit sollen Einheimische und Urlauber bei tristen Wintern gleichermaßen bei Laune gehalten werden.

Nur einer scherte aus: Franz-Paul Reindl (Bürgerliche Wählergemeinschaft). Vor dem Hintergrund eines sich rasend schnell ändernden Klimas mahnte der erfahrene Gemeinderat in der Dienstagssitzung: ,,Das ist eine Investition, die wir uns nicht leisten können."

Mit diesem Urteil stand der 56-jährige Postler allerdings alleine. ,,Wir haben eigentlich keine andere Wahl", stellte Hotelier Georg Schober (Aktiv für Krün/AfK) klar - unabhängig davon, wie sich in 15 Jahren die Temperaturen entwickelten. Alois Kramer junior (CSU) sprach bei der künstlichen Beschneiung der Krüner Nachtloipe sogar von einem ,,unbezahlbaren Werbeeffekt". Der Ferl-Bauer und sein CSU-Kollege Mathias Gschwendtner zählen übrigens zu jenen sechs, denen neben der Gemeinde das 13 000 Quadratmeter große Areal am Bärnbichl, wo sich auf rund 2,2 Kilometern die Nachtloipe schlängelt, gehört. ,,Sie haben mir die mündliche Zusage bereits gegeben", teilt Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) gegenüber dem Tagblatt mit. ,,Jetzt brauchen wir nur noch die Unterschriften."

Die Wahrscheinlichkeit also, dass es nach 1999 und 2003 im dritten Anlauf mit dem Projekt ,,Schneekanone" am Bärnbichl klappt, ist damit sprunghaft gestiegen. Fürs erste haben sich die Volksvertreter von der großen Lösung verabschiedet. Bevor man also für über 100 000 Euro sündteure und stabile Druckleitungen für die künstliche Beschneiung investiert, bevorzugen Schwarzenberger und Co. für diesen Winter (November bis Ende Februar) die ,,mobile Variante". Von einer Südtiroler Spezialfirma wird daher eine Hochdruckpumpe samt Kühlung und Schneekanone geordert. Diese können wahlweise an der Nachtloipe oder am Barmsee-Lift eingesetzt werden, wo ebenfalls Kunstschnee rieseln soll. Ist es kalt genug, könnte eine Schneekanone an nur vier Tagen den Bedarf für die Nachtloipe herstellen.
 
Die Kosten für das Leasing belaufen sich auf 2800 Euro. Das Gerät ist dem Bürgermeister zufolge sehr leise. Was angesichts der nahegelegenen Häuser an der Krottenkopfstraße nicht unerheblich ist, schließlich fürchtet man nichts mehr als den Groll der Nachbarn. Daher plädierte Mathias Gschwendtner dafür, das High-Tech-Gerät so weit wie möglich von Siedlungen fern zu halten. Einschränkungen gibt es auch im Norden. So darf in unmittelbarer Nähe der Hochspannungsleitung ebenso kein Kunstschnee erzeugt werden.

 Vorerst kann mit der schneesicheren Nachtloipe auch kein Geld verdient werden. Einer Anfrage von Engelbert Paschek (AfK) hinsichtlich einer Loipen-Gebühr erteilte Thomas Schwarzenberger eine Absage. ,,Das geht nicht." Der freie Zugang in der Natur müsse gewährleistet werden. Einzige Ausnahme: Die Kommune umzäunt das Areal und widmet es zum ,,Skistadion" um.

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Montag, 8. September 2008

Anschlag auf Krüner Waldfriedhof

Entsetzen, Wut und Bestürzung in Krün: Unbekannte haben in der Nacht auf Sonntag 86 Grabstätten auf dem Waldfriedhof mit Bitumen-Farbe beschmiert.

Bürgermeister Thomas Schwarzenberger mit verschmiertem Friedhofskreuz


Gegen 9.30 Uhr läutete am Sonntag bei Rathauschef Schwarzenberger das Telefon, am anderen Ende die Kriminalpolizei. Wenige Minuten später schritten der Bürgermeister, Peter Manghofer (Pfarrei), Bauhofleiter Hansjörg Mayr und der Mittenwalder Kripo-Beamte Christoph Stiller den Krüner Waldfriedhof ab - und kamen aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus. Unbekannte hatten in der Nacht unzählige Holzkreuze samt Christus-Corpus; und Reliefarbeiten mit schwarzer Bitumen-Farbe angepinselt. Der Schaden dürfte ersten Ermittlungen zufolge mehrere zehntausend Euro betragen.

Die Nachricht vom Friedhofs-Frevel machte im Isartal-Dorf schnell die Runde. Im Laufe des Vormittags pilgerten die Bewohner hinaus zum Gottesacker. „Ganz Krün war in Bewegung", schilderte Kriminaler Stiller die Szenerie. Kopfschütteln machte sich breit, etwa bei Anneliese Rauth. Die beiden Familiengräber im alten und neuen Friedhof wurden von den Vandalen heimgesucht. „Ich habe Rotz und Wasser geheult." Verbittert resümierte die tief getroffene Isartalerin: „Die Toten haben einfach keine Ruhe mehr."

 Viele dachten in diesem Moment wie Anneliese Rauth. Um die richtigen Worte rang gestern auch Pfarrer Mieczyslaw Studzienny, der noch im Heimaturlaub in Danzig (Polen) weilt, als er von dem Anschlag hörte: „Ich bin bestürzt und fassungslos."              

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Freitag, 27. Juni 2008

Gemeinde Krün macht ein Schnäppchen – Das Krüner Gewerbegebiet ist ein gutes Stück realistischer geworden. Nun hat die Gemeinde das hierzu benötigte 4,3-Hektar-Grundstück erworben. Kaufpreis: 1,68 Millionen Euro.

von Christof Schnürer

Krün – Diese siebenstellige Summe bedeutet mit anderen Worten: Der Freistaat Bayern hat der Isartal-Kommune die Fläche zwischen den Bundesstraßen 2 und 11 für einen Quadratmeter-Preis von 39,5 Euro überlassen. Ursprünglich hatte das Finanzministerium 150 Euro gefordert. Ein weiterer Etappensieg von Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) und dem Krüner Gemeinderat.

Die Wahrscheinlichkeit, nach Erschließung des Areals die Flächen an heimische Gewerbetreibende für unter 100 Euro pro Quadratmeter weiterzugeben, ist nun durchaus denkbar. "Das ist auch nach wie vor unser erklärtes Ziel", verdeutlicht der Rathauschef.

Finanziert wird der Deal mit dem Freistaat über die Bauland-Entwicklungsgesellschaft Bayern, eine 100-prozentige Tochter der Raiffeisenbanken. Die Vorteile liegen auf der Hand: Erstens belastet das nicht den laufenden Haushalt der mit 2,4 Millionen Euro immer noch hochverschuldeten Gemeinde und zweitens besteht innerhalb der nächsten zehn Jahre keine Rückzahlungspflicht. Selbstverständlich wolle die Kommune die Summe dennoch so schnell wie möglich durch Teilverkäufe zurückerstatten, um die Verzinsung so gering wie möglich zu halten. Kauf-Interessenten gibt es laut Schwarzenberger genug. Er spricht von 15 potenziellen Partnern. Wahrscheinlich werden es sogar noch mehr. "Denn wir sind noch nicht aktiv in die Vermarktung eingetreten."

Gut sieht es auch in punkto "Ausgleichsflächen" aus. Da das künftige Gewerbegebiet bekanntlich als sogenanntes ,,13d-Gebiet" – also ein streng geschütztes Naturschutzareal – klassifiziert worden ist, fordert der Freistaat für die "zweckentfremdete" 4,3 Hektar Land das Dreifache an Ersatz – also rund 120.000 Quadratmeter. Und die wurden offenbar in und um Krün inzwischen aufgetrieben.

Grund für den Zweckpessimisten Schwarzenberger, ein Stück optimistischer in die kommenden Verhandlungen mit Anliegern und ,,Trägern öffentlicher Belange" zu gehen. "Ich glaube, wir stehen knapp vor der Realisierun", lehnt sich der Bürgermeister ungewohnt weit aus dem Fenster. Anders ausgedrückt: Klappt der Rest reibungslos, wird heuer der notwendige Bebauungsplan verabschiedet und anschließend das Grundstück vollends mit Straßen, Strom etc. erschlossen. Der erste Gewerbebetrieb samt Arbeits- und Ausbildungsplätzen, der künftig ordentlich Steuern in die Gemeindekasse zahlt, könnte demnach bereits 2009 ansiedeln. Wer das sein könnte und unter welchen Voraussetzungen, entscheidet der im Mai ins Leben gerufene Wirtschaftsausschuss. Darin haben neben dem Bürgermeister Anneliese Albrecht, Peter Schwarzenberger, Andreas Zick (alle drei CSU), Lothar Ragaller junior (Bürgerliche Wählergemeinschaft) und Ferdinand Glasl (Aktiv für Krün) Sitz und Stimme – und damit viel Einfluss.

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Samstag, 31. Mai 2008

von Rudi Reiter

v.l.: Sepp Karner, Jürgen Müller, Lothar Ragaller, Andreas Schütz, Jutta Teschner, Klemens Holzer, Franz Ostler und Peter Neuner







 

                                                                                      Foto: Reiter


Ragaller junior auf Ursachenforschung für die Wahl-Pleite – Lothar Ragaller bleibt in Krün Vorsitzender der Bürgerlichen Wählergemeinschaft (BWG)

Krün – So schwach war Krüns älteste politische Gruppierung noch nie im Gemeinderat vertreten. Nur mehr zwei der zwölf Volksvertreter zählen zur BWG. Doch das hat Gründe. Der für drei weitere Jahre im Amt bestätigte Vorsitzende Lothar Ragaller junior (gesamter Vorstand siehe Kasten) deckte sie am Donnerstagabend während der Jahreshauptversammlung im "Bayerischen Hof" schonungslos auf. "Unser schwaches Abschneiden hat eine eindeutige Ursache", eröffnete Ragaller – er vertritt seit Anfang Mai mit Franz-Paul Reindl die BWG im Kommunalparlament – seine persönliche Wahlnachlese. "Mit nur elf Bewerbern schenkt man Stimmen her", rechnete der 43-jährige Bautechniker vor.

Trotz intensiven Bemühens und persönlichen Werbens von Seiten der BWG-Oberen hätte man das Vorschlagskontingent nicht ausnützen können. "Zu viele Absagen und Rücktritte haben unsere Aussichten schon vor der Wahl schwinden lassen."

Obendrein konnte der Verzicht der beiden langjährigen "Wahllokomotiven" und Erfolgsgaranten Hardl Habersetzer (54 Jahre) und Ulrich Holzer (49) nicht, wie erhofft, durch die Jugend kompensiert werden, musste der BWG-Vorsitzende ebenso konstatieren. Doch "nach der Wahl ist vor der Wahl" machte sich Ragaller und seinen Mannen Mut.

So stellte er sich auch erneut der Herausforderung, die "älteste politische Vereinigung Krüns" weiter zu führen. Ihm zur Seite steht ein gemischtes Team aus motivierten Neulingen und erfahrenen alten Hasen.

Streng genommen hätte die Führung der BWG bereits im Dezember 2007 bestellt werden müssen. Doch zu diesem Zeitpunkt befanden sich Reindl und Co. mitten in den Vorbereitungen zur Kommunalwahl im März 2008. Deshalb stellte Ragaller den Antrag, die Amtsperiode um ein halbes Jahr zu verlängern, was vor den Mitgliedern einstimmig abgesegnet worden war.

Übrigens, eines ist der BWG bei der Kommunalwahl besonders sauer aufgestoßen: Dass die Freien Wähler der Landkreisgemeinden die BWG sehr zum Bedauern und Unverständnis von Ragaller und seinen Mannen nicht eingeladen hatte, Kandidaten für die Kreistagsliste zu benennen.


GEHWÄHLT

Vorsitzender: Lothar Ragaller junior
Vize: Peter Neuner (bisher Christian Vogl)
Kassier: Jürgen Müller (wie bisher)
Schriftführerin: Jutta Teschner ((bisher Ulrich Holzer)
Beisitzer: Sepp Karner (wie bisher)
                  Andreas Schütz (wie bisher)
Revisor: Klement Holzer (wie bisher)
                Franz Ostler (bisher Sepp Karner)   

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Donnerstag, 17. April 2008

von Christof Schnürer

Wieder Griff ins Sparschwein – Wie schon im Vorjahr müssen die Krüner Volksvertreter wieder die eisernen Reserven angreifen, um einen ausgeglichenen Haushalt präsentieren zu können. Ohne Gegenstimmen wurde der Etat 2008 am Dienstagabend vom Gemeinderat auf den Weg gebracht.

Krün – "Die Finanzsituation ist nach wie vor angespannt", verdeutlichte eingangs seiner Rede Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU). Ein paar Zahlen, die das deutlich belegen: Das 1900 Seelen-Dorf drückt aktuell eine Schuldenlast von 2,4 Millionen Euro, pro Jahr muss von der Kommune über eine Viertelmillion Euro an Verbindlichkeiten getilgt werden und zu guter Letzt: Auch heuer muss ordentlich ins Sparschwein gegriffen werden, um einen soliden Etat und kostenträchtige Investitionen schultern zu können. Fischte sich der Gemeinderat 2007 knapp 400.000 Euro aus den sogenannten Rücklagen, so sind´s diesmal noch mehr. In Zahlen ausgedrückt: 579.700 Euro. Damit schrumpft das Finanzpolster für harte Zeiten auf rund 400.000 Euro.

Dafür gab´s weder eine neuerliche Kreditaufnahme noch eine Steuererhöhung. "Und das ist nicht selbstverständlich", stellt Schwarzenberger klar. Denn auch die Gemeinde Krün sei von gestiegenen Lohn- und Energiekosten betroffen. Dazu fließt weniger Geld vom Freistaat. Statt 405.000 Euro "Schlüsselzuweisung" werden diesmal aus München "nur" 317.000 Euro überwiesen. Auch der Landkreis bittet die Kommune heuer im Vergleich zu 2007 kräftig zur Kasse: So müssen 581.000 Euro an die Kreisbehörde abgeführt werden (2007: 468.000 Euro). Trotz dieser Finanzlast und dringender Investitionen wie den Hochwasserschutz kann der Schuldenberg von 3,3 Millionen (2002) voraussichtlich bis Jahresende auf 2,2 Millionen Euro abgetragen werden. nicht zuletzt deshalb, so Ulrich Holzer (Bürgerliche Wählergemeinschaft / BWG), "können wir dem Hauhalt ruhigen Gewissens zustimmen". Wobei seinem Fraktionskollegen Franz-Paul Reindl der Griff in den Spartopf "enorme Bauchschmerzen" bereitet.

Auch Krüns scheidender Finanzreferent Albert Niggl (CSU) segnete den Etat ab, mahnte allerdings seine Nachfolger, weiterhin "sparsam zu haushalten". Auch für Zweiten Bürgermeister Klaus Koppe (Freie Wähler Klais) ist das Zahlenwerk "grundsolide" und daher zustimmungsfähig.

Ein wichtiger Baustein in der Krüner Lokalpolitik ist auch das Vorantreiben des Gewerbegebietes Süd (wir berichteten). Das wird allerdings außerhalb des Haushalts finanziert – über die "Bau- und Land-Entwicklungsgesellschaft Bayern GmbH". Die BLE gehört zum genossenschaftlichen Verbund der Volks- und Raiffeisenbanken.


ETAT 2008 IN ZAHHLEN

Allgemeines
Gesamtvolumen:                  4.608.400 Euro (Ende 2007: 4.413.200 Euro)
Verwaltungshaushalt:           3.728.500 Euro (Ende 2007: 3.705.600 Euro)
Vermögenshaushalt:               879.900 Euro (Ende 2007: 707.600 Euro)

Schulden
Stand Ende 2008:                2.190.000 Euro (Ende 2007: 2,447 Euro)
Pro Kopf Ende 2008:                  1.170 Euro (Ende 2007: 1,287 Euro)

Einnahmen
Einkommensteuer-Anteil:         551.800 Euro (2007: 524.528 Euro)
Grundsteuer A/B:                    364.000 Euro (2007: 364.356 Euro)
Kurbeitrag:                              350.000 Euro (2007: 353.877 Euro)
Gewerbesteuer:                       320.000 Euro (2007: 573.674 Euro)
Schlüsselzuweisung:               317.100 Euro (2007: 405.916 Euro)
Fremdenverkehrsbeitrag:          160.000 Euro (2007: 159.829 Euro)

Ausgaben
Personalkosten:                      827.700 Euro (2007: 764.067 Euro)
Kreisumlage:                           581.100 Euro (2007: 468.733 Euro)
Tilgungsleistungen:                  258.300 Euro (2007: 270.321 Euro)

Investitionen
Beschneiungsanlage mit Miete Schnee-Erzeuger: 115.000 Euro
Wasser-/Abwasser-Versorgung: 100.000 Euro
Anteil Schlamm-Entwässerung Klärwerk Mittenwald: 62.000 Euro
Rathaus-Umbau: 50.000 Euro
Wanderwege/Erlebnispfad: 40.000 Euro

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Donnerstag, 13. März 2008

von Alexander Schwer



















                                                                                    Foto: Ströter


Rathaus-Renovierung geht weiter – 50.000 Euro für notwendigen Umbau im ersten Stock

Krün - Im Zuge der Umbaumaßnahmen im Erdgeschoss vergangenes Jahr – die Touristinformation ist in die ehemaligen Posträume umgezogen – wurde das alte Fremdenverkehrsbüro in einen Mehrzweckraum umgebaut. 100.000 Euro hat die Sanierung gekostet. Geld, das sich gelohnt hat, da sind sich die Gemeinderäte einig.

Nun folgt der zweite Schritt. Heuer soll auch das erste Stockwerk von Grund auf saniert werden. dafür werden 50.000 Euro im aktuellen Haushalt eingeplant – einstimmig vom Gemeindegremium. Im Mittelpunkt des Umbaus steht der alte Sitzungssaal. Dort werden zwei neue Verwaltungsbüros eingerichtet. Zudem ist die Renovierung des Bürgermeisterzimmers, des Kämmerers, des Treppenhauses, der Böden, sowie die Einrichtung einer Kaffeeküche und getrennter Toiletten für Frauen und Männer geplant.

"Das ist einfach dringend notwendig", bringt Alois Kramer (CSU) die Meinung auf den Punkt. Franz-Paul Reindl von der Bürgerlichen Wählervereinigung kann dem nur beipflichten: "Wenn wir jetzt alles in eine Top-Zustand bringen, dann haben wir die nächsten 50 Jahre Ruhe."

Im Hau-Ruck-Verfahren wollen die Krüner das Projekt aber nicht stemmen. "Wir müssen auch die Finanzen im Auge behalten", sagt Schwarzenberger. Darum soll der Umbau Zug um Zug umgesetzt werden. "So weit wie wir kommen", betont der Rathaus-Chef. "Den Rest können wir dann ja nach Haushaltslage im kommenden Jahr oder halt erst 2010 angehen." – Eine neue Zeitrechnung hat in Krün begonnen – zumindest was die Gemeinderatssitzungen angeht. Am Dienstag tagten die Volksvertreter zum ersten Mal im neuen Sitzungssaal. Mit moderner Einrichtung und Technik ausgestattet, ersetzt er ab sofort den altgedienten Raum im ersten Stock des Rathauses. "Der war doch aus dem Jahr 1953", erklärt Bürgermeister Thomas Schwarzenberger, "da musste dringend mal was gemacht werden."

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Dienstag, 11. März 2008

Von Christof Schnürer 

Krüner Schuldenberg wird weiter abgebaut – Der Schuldenabbau der Gemeinde Krün setzt sich auch 2008 fort. Der wiedergewählte Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) geht jedenfalls mit Optimismus in die Etat-Beratungen.

Krün – 233.000 Euro Mehreinnahmen bei der Gewerbesteuer – das Haushaltsjahr 2007 entwickelte sich prächtig. Und auch die eiserne Reserve, beamtendeutsch Rücklagen genannt, ist mit knapp einer Million prall gefüllt. Sehr zur Freude des Rathauschefs. "Das Geld tut uns schon gut", meint Schwarzenberger angesichts der anstehenden finanzpolitischen Herausforderungen.

Wenn nämlich am 15. April der Krüner Etat 2008 noch vom alten Gemeinderat verabschiedet wird, gilt es, einige kostenträchtige Posten zu schultern. So haben sich der Bürgermeister und die zwölf Volksvertreter aus den vier Fraktionen vorgenommen, zum Beispiel das 25 Jahre alte Kurhaus auf Vordermann zu bringen. 100.000 Euro sollen neue Stühle (60.000 Euro) beziehungsweise Theke und Kühlung (40.000 Euro) ausgegeben werden. nicht ganz billig wird auch der Erwerb des Klaiser Bahnhofs. Der Kauf solle allerdings nicht über den laufenden Haushalt, sondern über die Grundstücks- und Erschließungs-GmbH "Bayerngrund" abgewickelt werden.

Ein weiterer Meilenstein wird der Deal mit den Bayerischen Staatsforsten sein, von denen man im Süden Krüns 43.000 Quadratmeter Grund fürs künftige Gewerbegebiet kaufen möchte. "Da werden wir ohne Bank wohl nicht auskommen", kündigt Schwarzenberger schon jetzt die Beschaffung von Fremdmitteln an, um das Projekt vorfinanzieren zu können.

Auch für die Beschneiung am Barmseelift und an der Nachtloipe will die Kommune einen sechsstelligen Betrag in die Hand nehmen. Genauer gesagt: rund 100.000 Euro für eine Kühlanlage und zwei mobile Schneekanonen. Nach der Modernisierung der Tourist-Information soll auch in den Umbau des Rathauses investiert werden. Beide Projekte zusammen schlagen Berechnungen der Kämmerei zufolge mit 200.000 Euro zu Buche. Übrigens: Heute Abend findet die erste Gemeinderatssitzung im neuen Saal im Parterre statt.

Wie auch immer die Haushalts-Debatten die nächsten Wochen verlaufen werden, für Schwarzenberger zeichnet sich schon jetzt ein weiterer Abbau der Verbindlichkeiten ab. Klappt alles, beträgt der Schuldenstand am 31. Dezember 2008 "nur" noch 2,2 Millionen Euro.

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Mittwoch, 20. Februar 2008

BRIEFE AN DIE REDAKTION

"Wir sind froh, dass es Freiwillige gibt"

Zum Tagblatt-Artikel "Emsige Jagd nach falschen Stimmzetteln" vom 16./. Februar:"

Der Fehler in den Stimmzetteln für die Gemeinderatswahlen ist durch falsche Reihenfolgen der Kandidaten in den eingereichten Unterlagen der CSU-Krün entstanden. Dafür übernehmen wir die Verantwortungen und werden den entstandenen Schaden tragen.

Der Fehler ist uns leider bei den Vorabkontrollen nicht aufgefallen. Sofort, nachdem wir ihn erkannt haben, wurde von uns der Wahlvorsteher verständigt.

Anders als in dem Artikel vom Samstag dargestellt, sind wir froh, dass es Freiwillige gibt, die sich für ehrenamtliche Tätigkeiten, wie einen Wahlleiter oder für den Wahlausschuss, zur Verfügung stellen. Wir halten es für bedenklich, wenn ehrenamtlich tätige Personen, namentlich in einem Artikel an den Pranger gestellt werden.

Der Wahlausschuss hat den Fehler weder zu verantworten, noch sind die Beteiligten zuvor zu den Vorgängen befragt worden. Die Prüfung der Reihenfolge der Kandidaten ist nicht Aufgabe des Wahlausschusses.

Wir entschuldigen uns beim Wahlausschuss für die durch unsere Unachtsamkeit entstandenen Unannehmlichkeiten. Zusätzlich möchten wir betonen, dass sich Altbürgermeister Sepp Zahler in den letzten sechs Jahren in keiner Weise in die Ortspolitik von Krün eingemischt hat.

Allerdings hat er uns durch Übernahme von Aufgaben, wie die des Wahlleiters, immer unterstützt. Dafür sind wir sehr dankbar."

Peter Schwarzenberger
CSU-Vorsitzender Krün
Thomas Schwarzenberger
Bürgermeister Krün

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Samstag, 16. Februar 2008

von Christof Schnürer

Peinliche Wahlpanne – Rathaus-Mitarbeiter machen Jagd nach ungültigen Stimmzetteln

Krün – In Krün hat es erneut eine Wahlpanne gegeben. Nach der Stimmzettel-Fälschung von 2002 wurden nun zwei Listenplätze bei der CSU verdreht.

Jetzt müssen rund 1500 Wahlscheine neu gedruckt werden. ­ Kleiner Fehler, große Wirkung: Die CSU hatte beim Einreichen der Wahlvorschläge die Plätze elf und zwölf vertauscht. So landete Johann Kriner plötzlich vor Franz Mayer. ,,So ein Dreher ist schnell mal passiert", beteuert Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU).

Am Mittwochabend wurde der Fauxpas durch Zufall entdeckt. Das Missgeschick hätte allerdings schon früher aufgeklärt werden können, so der christsoziale Rathauschef. Und zwar durch den parteiübergreifenden Wahlvorstand, der die eingegangenen Vorschläge prüfen muss. Das Gremium besteht aus Uli Holzer, Otto Steinmaßl, Klaus Heigl und Armin Wiedemann.

So aber ist das Kind in den Brunnen gefallen – mit Folgen. Denn inzwischen verschickte die Verwaltung bereits 199 Briefwahl-Unterlagen ­ mit dem Namens-Dreher. Fieberhaft schwärmten nun die Rathaus-Mitarbeiter aus, um die unkorrekten Unterlagen wieder einzusammeln. ,,Heute und morgen ist das erledigt", beschwichtigt Thomas Schwarzenberger.

Das glaubt Georg Schober, CSU-Mitglied, aber für die Liste ,,Aktiv für Krün" (AfK) im Gemeinde-Parlament, indes nicht. ,,Rund 30 Bürger haben doch bereits gewählt und sind teilweise im Ausland."

Kein Problem für den Bürgermeister: ,,Diese Stimmen werden anerkannt und gesondert festgehalten." Das aber bereitet wiederum Schober Bauchschmerzen: ,,Dadurch wird doch das Wahlgeheimnis nicht gewahrt." Denn unter 30 Stimmzettel könne man eher ergründen, wer für wen votiert hat als bei rund 1500 Wahlberechtigten.

Die Kosten für den Neudruck belaufen sich übrigens auf 250 Euro. Und geht's nach Gemeindeoberhaupt Schwarzenberger, soll das Missgeschick der Krüner Steuerzahler begleichen.

Das sieht der Spitzenkandidat der Bürgerlichen Wählergemeinschaft (BWG), Franz-Paul Reindl, jedoch anders. ,,Das Ganze menschelt zwar", meint der 55-jährige Gemeinderat, ,,aber die Frage, wer das bezahlt, muss auf alle Fälle zur Sprache gebracht werden".

Ins gleiche Horn stößt auch Kollege Schober. Er sieht den Schuldigen übrigens in Altbürgermeister Sepp Zahler. Als CSU-Wahlleiter sei der nämlich für den Dreher im Protokoll für die Nominierungskonferenz verantwortlich. Schobers Forderung geht sogar noch weiter: ,,Die Altvorderen sollten einfach nicht mehr mitmischen." Und wer soll laut AfK-Chef nun für den Schaden aufkommen? Natürlich die CSU. ,,Die staatstragende Partei sollte soviel sein und zahlen."

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Freitag, 15.02.2008

Christof Schnürer



Peinliche Wahlpanne – Rathaus-Mitarbeiter machen Jagd nach ungültigen Stimmzetteln

Krün – In Krün hat es erneut eine Wahlpanne gegeben. Nach der Stimmzettel-Fälschung von 2002 wurden nun zwei Listenplätze bei der CSU verdreht.

Jetzt müssen rund 1500 Wahlscheine neu gedruckt werden. ­ Kleiner Fehler, große Wirkung: Die CSU hatte beim Einreichen der Wahlvorschläge die Plätze elf und zwölf vertauscht. So landete Johann Kriner plötzlich vor Franz Mayer. „So ein Dreher ist schnell mal passiert", beteuert Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU).

Am Mittwochabend wurde der Fauxpas durch Zufall entdeckt. Das Missgeschick hätte allerdings schon früher aufgeklärt werden können, so der christsoziale Rathauschef. Und zwar durch den parteiübergreifenden Wahlvorstand, der die eingegangenen Vorschläge prüfen muss. Das Gremium besteht aus Uli Holzer, Otto Steinmaßl, Klaus Heigl und Armin Wiedemann.

So aber ist das Kind in den Brunnen gefallen – mit Folgen. Denn inzwischen verschickte die Verwaltung bereits 199 Briefwahl-Unterlagen ­ mit dem Namens-Dreher. Fieberhaft schwärmten nun die Rathaus-Mitarbeiter aus, um die unkorrekten Unterlagen wieder einzusammeln. „Heute und morgen ist das erledigt", beschwichtigt Thomas Schwarzenberger.

Das glaubt Georg Schober, CSU-Mitglied, aber für die Liste „Aktiv für Krün" (AfK) im Gemeinde-Parlament, indes nicht. „Rund 30 Bürger haben doch bereits gewählt und sind teilweise im Ausland."

Kein Problem für den Bürgermeister: „Diese Stimmen werden anerkannt und gesondert festgehalten." Das aber bereitet wiederum Schober Bauchschmerzen: „Dadurch wird doch das Wahlgeheimnis nicht gewahrt." Denn unter 30 Stimmzettel könne man eher ergründen, wer für wen votiert hat als bei rund 1500 Wahlberechtigten.

Die Kosten für den Neudruck belaufen sich übrigens auf 250 Euro. Und geht's nach Gemeindeoberhaupt Schwarzenberger, soll das Missgeschick der Krüner Steuerzahler begleichen.

Das sieht der Spitzenkandidat der Bürgerlichen Wählergemeinschaft (BWG), Franz-Paul Reindl, jedoch anders. „Das Ganze menschelt zwar", meint der 55-jährige Gemeinderat, „aber die Frage, wer das bezahlt, muss auf alle Fälle zur Sprache gebracht werden".

Ins gleiche Horn stößt auch Kollege Schober. Er sieht den Schuldigen übrigens in Altbürgermeister Sepp Zahler. Als CSU-Wahlleiter sei der nämlich für den Dreher im Protokoll für die Nominierungskonferenz verantwortlich. Schobers Forderung geht sogar noch weiter: „Die Altvorderen sollten einfach nicht mehr mitmischen." Und wer soll laut AfK-Chef nun für den Schaden aufkommen? Natürlich die CSU. „Die staatstragende Partei sollte soviel sein und zahlen."

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Samstag, 16. Februar 2008

von Rudi Reiter

"Kleinstaaterei bringt uns nicht weiter" – Ragaller, Reindl und Co. Setzen auf Qualitäts-Tourismus und heimisches Gewerbe

Krün – Hans Baur ist seit jeher ein Mann deutlicher Worte. "Wir haben uns lange Zeit auf dem Tourismusbein ausgeruht", prangerte der Geschäftsführer des Bayerischen Waldbesitzerverbandes am Donnerstagabend auf einer Wahlveranstaltung der Bürgerlichen Wählergemeinschaft (BWG) an.

Ähnlich wie der Rechtsanwalt aus Starnberg, der 1972 in Wallgau die "Jungen Mitarbeiter" mit ins Leben gerufen hatte, argumentierte im Gasthof "Schöttlkarspitz" auch BWG-Chef Lothar Ragaller junior. Die Nummer zwei auf der Gemeinderatsliste forderte ein attraktives, weiterführendes Konzept für die Marke "Alpenwelt Karwendel" und den konsequenten Schulterschluss der Isartal-Gemeinden. "Kleinstaaterei bringt uns nicht weiter" Qualität und Gastfreundschaft müssen erhöht werden, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Die 50-prozentige Bezuschussung bei der Klassifizierung von Beherbergungs-Betrieben durch die Gemeinde (wir berichteten) sei ein richtungsweisender Weg. Bestärkt wurde Ragaller dabei von BWG-Spitzenkandidat Franz-Paul Reindl: "Wer Urlaub bucht ohne konkrete Vorkenntnisse, achtet auf vorhandene Sterne, um abwägen zu können, was ihn erwartet.

Neben dem Ausbau der Fremdenverkehrs-Sparte liegt dem langjährigen Gemeinderat der Erhalt und die Förderung der heimischen Wirtschaft am Herzen. Denn, so Reindl, "ein funktionierendes Gewerbegebiet bedeutet Arbeits- und Ausbildungsplätze für die Jugend sowie Steuereinnahmen". Eine sinnvolle Aufteilung des neuen Gewerbegebietes in Nutzung durch Dienstleister und Produzenten ist sein erklärtes Ziel. "Wie brauchen keine Großmärkte, sondern gesunde heimische Betriebe."

Reindls erklärtes Ziel bei der Kommunalwahl am 2. März sind drei Sitze. So viele Mandate hat die BWG aktuell auch. Angesichts einer drastischen Blutauffrischung und dem Rückzug zweier erfahrener Repräsentanten, Hardl Habersetzer und Ulrich Holzer, die 2002 zusammen 2.105 Stimmen auf sich vereinten, schätzen Beobachter diese Vorgabe als schwierig ein.

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Freitag, 25. Januar 2008

Übernachtungs-Sensation: Die Kleinen überholen das große Mittenwald

Oberes Isartal – Sensation im Oberen Isartal: Die beiden kleinen Dörfer Wallgau und Krün haben 2007 Branchenführer Mittenwald bei den Übernachtungen überholt.

Die Statistik spricht wieder mal eine deutliche Sprache: Wallgau (153.541) und Krün (406.000) erreichten 2007 knapp 560.000 Nächtigungen, Mittenwald dagegen nur 535.000. Nun steht es in Prozent ausgedrückt 51 : 49 für die beiden kleinen Orte des Tourismusverbunds „Alpenwelt Karwendel".

 Und das 2.000-Seelendorf Krün wird 2009 noch weiter Boden gut machen. Denn heuer werden Schloss Elmau und „Das Kranzbach", die erst Mitte 2007 wieder eröffneten, in der Jahresstatistik vollends zu Buche schlagen. Mit anderen Worten: Dann marschiert Krün auf bis zu 450.000 Übernachtungen zu.

Die Herbergen der gehobenen Klasse, Schloss Elmau (fünf Sterne plus), der Alpen-Caravanpark Tennsee (fünf Sterne in der Camping-Kategorie), „Das Kranzbach" (vier Sterne plus), der „Alpenhof" (vier Sterne) und die Drei-Sterne-Hotels „Zum Bad" und „Barmsee" machten in der jüngsten Bilanz den Löwenanteil aus, rechnet Krüns Bürgermeister Thomas Schwarzenberger vor. Diese sechs Beherbergungsbetriebe würden alleine rund 250 000 Übernachtungen bescheren. Hotels im Top-Segment könnte die „Alpenwelt" noch mehr gebrauchen, so Schwarzenberger. „Das wäre keine Konkurrenz, sondern ein Segen für die Region."

Von Traum-Zuwachsraten von 20.000 Gästen mehr innerhalb eines Jahres statt 47.976 (2006) nun 67.138 (2007), können die Gastgeber in Mittenwald nur träumen. Dort dümpelt man nach dem Wiedervereinigungs-Boom Anfang der 90er, als bei den Nächtigungen nur knapp die Millionengrenze geschrammt wurde, bei noch gerade mal 560.000.

 Natürlich wird unterm Karwendel der Ruf nach einem Leitbetrieb der Luxusklasse lauter denn je. „Aber das ist eine Frage des Platzes, der Investoren und der Durchsetzung", meint Tourismus-Referent Klaus Brummer. Der Chef des „Jägerhofs" und studierter Betriebswirt hat 1990 seine Diplomarbeit dem Mittenwalder Fremdenverkehr gewidmet. Darin ist noch von 13 Hotels zu lesen. „Heute gibt es nur mehr derer fünf." Und für die wird's angesichts der globalen Konkurrenz und zusätzlicher Steuerbelastungen auch immer schwerer. Brummer spricht da aus eigener leidvoller Erfahrung: „In den vergangenen fünf Jahren blieb uns kein Geld zum Investieren." Über 80 Millionen Euro haben die Macher von Elmau, Kranzbach, Tennsee und im Krüner „Alpenhof" zuletzt in die Hand genommen. Der Lohn: eine überdurchschnittlich gute Auslastung. Und davon profitieren viele in Krün.

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 Samstag, 29. Dezember 2007

Von Nick Scheder

Erste Hürden fürs Krüner Gewerbegebiet sind genommen. Das Thema Umweltschutz und Verhandlungen um die Grundstückspreise versprechen 2008 aber viel Arbeit für die Gemeinde.

Krün – Der formale Aufstellungsbeschluss war schnell gefasst. "Über den grundsätzlichen Nutzen des Gewerbegebietes herrscht breiter Konsens im Gemeinderat", versichert Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU). Die Gemeinde hat zugestimmt, das 45.000 Quadratmeter große Grundstück zwischen den Bundesstraßen 2 und 11 vom Eigentümer, den Bayerischen Staatsforsten, zu erwerben. "Die planungsrechtlichen Voraussetzungen sind damit erfüllt", sagte der Rathaus-Chef. Jetzt werde ein Entwurf für einen Bebauungsplan erarbeitet. Die Behörden sollen noch im Januar 2008 angehört werden.

Doch das Verfahren zieht sich wohl noch mehrere Monate hin. Mitschuld daran ist einerseits der Geldpoker um die Grundstückspreise. Anderseits bereiten dem Bürgermeister Fragen bezüglich des Umweltschutzes Kopfzerbrechen. Hier bestünden zwar keine grundsätzlichen Meinungsverschiedenheiten, stellt Schwarzenberger klar. Aber es drohen ein enormer finanzieller Aufwand und viel Arbeit, weil für das als so genannte 13d-Fläche klassifizierte Areal im Krüner Süden strenge Umwelt-Auflagen gelten. "Deshalb müssen wir ganz genaue Begründungen für das Gewerbegebiet liefern und sorgfältig arbeiten.", betont der Rathaus-Chef. Ausgleichsflächen sind im Verhältnis eins zu drei zu schaffen. "Wir brauchen für das Gebiet 120.000 Quadratmeterersatz", rechnet Schwarzenberger vor. "Das kostet natürlich wahnsinnig viel Geld." Auch Gespräche über die teilweise mit Weiderecht belegten Flächen stehen auf dem Programm.

Ausgebaut werden müssen zudem die Zufahrtswege des Areals, um das Gelände zu erschließen. Die Arbeiten an der 500 Meter langen Wasserversorgung konnten allerdings wegen des frühen Wintereinbruchs noch nicht beendet werden. "Das Material haben wir aber schon gekauft", sagte der Rathaus-Chef, der sich damit gegen den steigenden Stahlpreis absichern wollte.

Auch wenn der Gemeinde im kommenden Jahr noch viel Arbeit blüht – der Aufwand lohnt sich, meint Schwarzenberger. Das Gewerbegebiet gewährleistet die einmalige Möglichkeit für Krün, sich ein zweites Standbein neben dem Tourismus zu sichern. Nur so siedeln sich Firmen an, die ihrerseits für Arbeitsplätze im Ort sitzen. "Das Vorhaben eröffnet unseren Bürgern die Chance auf Jobs, mit denen sie auch eine Familie ernähren können", hebt Schwarzenberger hervor. Gerade jüngere Krüner müssen derzeit weite Wege in Kauf nehmen, um eine geeignete Stelle zu finden. Viele pendelten darum bis nach München, meinte Gemeinderat Leonhard Habersetzer (Bürgerliche Wählergemeinschaft). "Bei steigenden Energiepreisen können sie sich das bald nicht mehr leisten." Die Folge: Viele wandern ab. "Es wird immer schwieriger, gerade junge Familien hier zu halten", befürchtet Schwarzenberger.

Das könnte sich ändern, wenn sich im Gewerbegebiet lukrative Betriebe ansiedeln. Das sollen zum Teil heimische Firmen sein. Die Hälfte des Areals wird an die privatwirtschaftliche Firma "Forum" abgegeben. Die, so hofft Schwarzenberger, zieht Unternehmen an Land, die die Gemeinde alleine nicht geworben hätte. Bis es soweit ist, steht Krün zwar noch viel Arbeit bevor. Die ersten Hürden auf dem steinigen Weh sind aber genommen.

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Dienstag, 4. Dezember 2007

von Rudi Reiter

Blutauffrischung bei den "Bürgerlichen" – Holzer und Habersetzer sage Servus zur Lokalpolitik – Reindl zum Listenführer gekürt

Krün – Viele bei der Bürgerlichen Wählergemeinschaft (BWG) hatten es befürchtet, aber4 nicht wahr haben wollen. Nun ist es raus: Mit Leonhard Habersetzer (53 Jahre) und Ulrich Holzer (49 Jahre) verabschieden sich zwei ihrer Flaggschiffe aus der Krüner Kommunnalpoitik.

"Der Rücktritt ist seit langem vorbereitet", betont Holzer, der nach "Nur" sechs Jahren "aus rein privaten, aber keinen politischen Gründen" Ende April 2008 aus dem Gemeinderat ausscheidet. Der Verlust von Hardl Habersetzer, der als Gegenspieler von Bürgermeister Sepp Zahler (1972 bis 2002) in der Vergangenheit viele Sympathiepunkte sammeln konnte, tut der BWG richtig weh. Denn der unverbiegbare Bankkaufmann, der im Frühjahr 2003 sogar den Wahlfälscher-Skandal aufdeckte, fuhr stets die besten Ergebnisse aller Kandidaten ein. Zu r Erinnerung: Im März 2002 gab´s für den damaligen Listenführer 1226 Stimmen. Weit abgeschlagen folgte erst Hotelier Georg Schober (Aktiv für Krün) mit 1065 Stimmen. Äußern wollte sich der BWG-Mann gegenüber dem Tagblatt nicht: "So wichtig bin ich nicht", meinte er in bester Habersetzer-Manier.

So ruhen die Hoffnungen nun auf dem "letzten Mohikaner" im Gemeinderat Postler Franz-Paul Reindl (55) und BWG-Vorsitzenden Lothar Ragaller junior (43). Die beiden führen die Liste in die kommunalpolitische Auseinandersetzung. Das ergab die Aufstellungsversammlung im Vereinslokal "Schöttlkarspitz". Eine Mischung aus Erfahrung und Jugend soll offenbar den Erfolg bringen. Den viele der bürgerlichen Kandidaten sind noch unterhalb der 40er-Marke. Elf davon sind Männer, zwei sind Frauen.

"Wir geben unser Bestmögliches für den Bürger. Wählt unsere Liste, denn wir brauchen jede Stimme, um die Sitze zu halten und zu verhindern, dass irgendeine Gruppierung mit einer absoluten Mehrheit allein Entscheidungen treffen kann", rief Ragaller den 32 anwesenden von insgesamt 36 BWG-Mitgliedern beim "Gansler" zu. Übrigens: Die älteste "Partei" in Krün tritt wie schon 2002 ohne Bürgermeisterkandidaten an. Es folgt am 2. März 2008 alsoerneut eine "One-Man-Show" von CSU-Rathauschef Schwarzenberger.

Junge Liste mit einem "alten Hasen":
Von den BWG-Granden ist nur mehr Franz-Paul Reindl (vorne l.) übrig geblieben,
Jutta Teschner, Thomas Reindl,
(hinten v.l.) Michael Heinfling, Stephan Heinfling, Peter Neuner, Martin Ceeh, Andreas Schütz junior und Lothar Ragaller junior wollen frischen Wind ins Rathaus bringen.
                                                                                     Foto: Reiter

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Donnerstag, 22. November 2007
 
Lawinen-Verbauung an der Grenze: Klares Krüner Nein für Mittenwald – Nach Wallgau wird sich auch Krün nicht am Lawinen-Schutz in der Marchklamm beteiligen. Ein weiteres Nein also für den großen Nachbarn Mittenwald.

von Christof Schnürer

Kurz und schmerzlos wurde das Bittgesuch aus Mittenwald am Dienstagabend im Krüner Gemeinderat mit 11:0 Stimmen abgeschmettert. ,,Wir haben keinen zwingenden Grund dazu", sagte Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU). Er könne sich zudem nicht erinnern, dass Krün beim Hochwasserschutz im Gries finanzielle Unterstützung von den Nachbarorten erhalten habe. ,,Das muss Bundessache sein, das können wir nicht ausgleichen", bat auch Alois Kramer (CSU) die Mittenwalder um Verständnis.

Nach Wallgau erteilte nun also die zweite Partnergemeinde der ,,Alpenwelt Karwendel" dem Geigenbauort eine Absage. Für Mittenwalds Rathauschef Hermann Salminger (Freie Wähler) nicht weiter überraschend: ,,Damit mussten wir rechnen."

Das Gemeindeoberhaupt bleibt nun nur noch die Hoffnung auf die Tiroler Nachbarn. Die haben ja bereits signalisiert, den Großteil des Mittenwalder Kuchens (500 000 Euro) bei der Lawinen-Verbauung in der Marchklamm ­ Gesamtkosten mindestens vier Millionen Euro ­ zu übernehmen (wir berichteten). Das bestätigte erst gestern noch einmal Seefelds Bürgermeister Werner Frießer gegenüber dem Tagblatt: ,,Wir wollen das Projekt nicht sterben lassen." Hierzu gebe es auch einen einstimmigen Beschluss der Plateau-Gemeindechefs.

Ein wegweisender Termin, möglicherweise der Tag der Entscheidung, findet nun am 20. Dezember im Tiroler Landtag in Innsbruck statt. Landesrat Toni Steixner (ÖVP) hat hierzu neben zahlreichen österreichischen Vertretern (Wildbach- und Lawinen-Verbauung, Bahn etc.) auch den zuständigen Sachgebietsleiter Peter Frei vom Bayerischen Umweltministerium sowie Hermann Salminger eingeladen.

Parallel dazu ist Frei weiter mit Vertretern der Deutschen Bahn im Gespräch, die sich partout nicht an dem Lawinenschutz an der Landesgrenze beteiligen will. Viel Zeit bleibt den Verantwortlichen in Tirol und Bayern nicht mehr, falls man bis zur alpinen Ski-WM 2011 in Garmisch-Partenkirchen fertig sein will. Denn die Maßnahmen in der Rainlähne und der Marchklamm erfordern eine einjährige Planung und eine zweijährige Bauphase.

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Samstag, 17. November 2007

Hart umkämpft, aber günstig: Krüner Gewerbegebiet zum Schnäppchenpreis

Krün – Jetzt ist das Krüner Gewerbegebiet nur mehr eine Frage der Zeit. Und die Gemeinde scheint das 43000-Quadratmeter-Areal äußerst günstig vom Forst zu bekommen.

"Wir sind so kurz vor der Realisierung wie noch nie." Krüns Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) ist kein Freund überschwenglichen Pathos', dennoch klang bei seinem Rechenschaftsbericht während der Bürgerversammlung spürbar Stolz heraus, als er den rund 100 Zuhörern im Kurhaus die neueste Entwicklung zum Thema Gewerbegebiet mitteilte.

Die Erschließung des Forst-Areals zwischen den Bundesstraßen 2 und 11 zu wirtschaftlichen Zwecken ist nicht nur zum Greifen nah, sondern auch extrem günstig. ,,Der Verkaufspreis steht noch nicht fest", meinte Schwarzenberger. ,,Nur so viel: Er liegt deutlich unter 100 Euro." Das heißt: Die Gemeinde kann interessierten Handwerkern eine voll erschlossene Parzelle mit bester Anbindung zu äußerst moderaten Konditionen weiter veräußern. Ein für Krün erfreulicher Umstand, der beim großen Nachbarn sicher nicht nur für Jubelstürme sorgen dürfte. Denn in Mittenwald versucht die Marktverwaltung seit Jahren, das Gelände rund um die alte, inzwischen abgerissene Kläranlage für 155 Euro plus Erschließungskosten an den Mann zu bringen. Bis dato vergeblich. Anders in Krün: Dort haben laut Bürgermeister bereits fünf Unternehmer reges Kaufinteresse bekundet.

Damit könnte der Enkel das zu Ende führen, was der Großvater vor 40 Jahren begann. Bürgermeister Hans Neuner (1956 bis 1972) gab nämlich in den 1960ern den Anstoß für ein Gewerbegebiet. Er scheiterte mit diesem Vorhaben ebenso wie später sein Nachfolger Sepp Zahler (1972 bis 2002). Den letzten Versuch unternahm der 1997.

Fünf Jahre später griff der neugewählte Gemeinderat um Schwarzenberger dieses Politikum erneut auf. Der Kampf gegen bürokratische Windmühlen war das eine, der restriktive Naturschutz das andere Problem. Auch der Geldpoker mit dem Bayerischen Finanzministerium über den Kaufpreis gestaltete sich zäh. Das erste Angebot (150 Euro) soll Schwarzenberger so in Rage gebracht haben, dass er aufgesprungen ist und zu seinem Vize Koppe gesagt hat: ,,Komm' Klaus, fahr' ma heim!" Nach weiteren Verhandlungen purzelte das Angebot zunächst auf 122 Euro und vor einigen Wochen sogar auf unter 100 Euro. In einer nicht-öffentlichen Sondersitzung soll der Gemeinderat nun letzte Grundstücks- und Vertragsangelegenheiten klären sowie den endgültigen Kaufpreis festlegen. Und dann können Schwarzenberger und Co. getrost Weihnachten feiern.

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Mittwoch, 5. September 2007

Weg frei für Krüner Gewerbegebiet

Krün – Der Weg ist frei fürs Gewerbegebiet in Krün. Die 45.000 Quadratmeter zwischen der B2 und B11 bietet Raum für heimische Betriebe. Einen großen Teil vermarktet die Firma „Forum". Die Gemeinde Krün behält aber die Planungshoheit über das Areal. „Wir bestimmen letztlich, welche Firmen sich ansiedeln", stellt Krüns Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) klar. Seine Gemeinde verfüge allerdings nicht über entsprechende Firmenkontakte wie „Forum".

 Deshalb ist er froh über die Zusammenarbeit, die auch dabei helfen könne, den Bauland-Grundstückspreis unter 120 Euro pro Quadratmeter zu halten. „Wir wollen unseren Betrieben keinen Preisaufschlag weitergeben", versichert Schwarzenberger. Das Gewerbegebiet sieht er als wichtigen Schritt zu einer wirtschaftlichen Stabilität der Gemeinde. „Ein zweites Standbein neben dem Tourismus kann nichts schaden.

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Samstag, 4. August 2007

Krün – Feiertag in Krün: Um sich persönlich ein Bild von der Gemeinde im Landkreis Garmisch-Partenkirchen zu machen, stattete Dr. Edmund Stoiber dem Ort Krün jetzt einen Kurzbesuch ab.

Ministerpräsident Edmund Stoiber in der Krüner Tourist-Information


„Es war ein gutes und sachliches Gespräch mit ihm", berichtet der Krüner Rathauschef Thomas Schwarzenberger (CSU). „Uns ist es darum gegangen, ihn für die Probleme zu sensibilisieren, die uns beschäftigen, und ich glaube, dass er uns weiter unterstützt."

Doch bevor es im Krüner Rathaus gemeinsam mit den Gemeinderäten sowie Landrat Harald Kühn und dem CSU-Landtagsabgeordneten Johann Neumeier um Politik im Großen und Kleinen ging, trug sich Stoiber bei niederprasselndem Regen ins Goldene Buch der Gemeinde ein. Mit dabei waren da auch Klaus und Annelie Mingers aus Alsdorf. Die Urlauber aus Nordrhein-Westfalen nutzten den Stoiber-Besuch im Kurpark, um schnell noch ein Foto von dem in allen Teilen der Republik bekannten Politiker zu machen. „Man sieht ihn ja bald nicht mehr so oft", scherzte der 58-Jährige dabei.

Und Stoiber? Er gab sich wie gewohnt gelassen und souverän, schüttelte im Vorbeigehen einigen Urlaubern die Hände und verstand es, mit geschickt eingesetzten Komplimenten Bürgermeister Schwarzenberger und die Krüner für sich zu gewinnen: „Ich kenne Krün schon seit meiner Bundeswehr-Zeit in Mittenwald", schwärmte er von einem seiner Meinung nach „Paradeort in Bayern". Nachdem sich Stoiber im Anschluss die gerade fertiggestellte, neu renovierte Krüner Tourist-Information zeigen ließ, ging es hinter verschlossenen Türen weiter. „Unser wichtigstes Thema war der Tourismus, denn der krankt bei uns etwas", berichtete der Rathauschef. Das konnte Stoiber nur bestätigen: „Wir haben den Wettbewerb etwa gegen Österreich und die Schweiz etwas verloren, haben aber auch mit der höhere Mehrwertsteuer andere Rahmenbedingungen", sagte der scheidende Landesvater.

 Eine Lösung für Schwarzenberger: „Das Förderprogramm der Staatsregierung in den Tourismus ist zwar bewundernswert, aber wir brauchen keine Kreditprogramme, sondern Zuschüsse", sagte der Bürgermeister. Denn vor allem kleinere und mittlere Betriebe hätten das Problem, gar keine neuen Kredite aufnehmen zu können.

„Herr Stoiber hat zugesagt, dass zukünftig die Zuschüsse für die Regionalprogramme nicht mehr zu zwei Dritteln nach Ostbayern, sondern in größeren Teilen auch in unsere Region fließen", freute sich Schwarzenberger, ein relativ konkretes und positives Ergebnis des Stoiber-Besuches vermelden zu können.

 
Vom krankenden Tourismus ausgehend, besprachen die Gemeinderäte mit dem Ministerpräsidenten auch ein weiteres, ihnen am Herzen liegendes Problem: „Wir brauchen wirtschaftlich ein zweites Standbein und wollen das Gewerbegebiet Krün-Süd zwischen dem Umspannwerk und Mittenwald realisieren", habe man Stoiber mit auf den Weg gegeben.

 Bisher, so Schwarzenberger, seien die Verhandlungen mit dem Freistaat als Grundstückseigentümer am zu hohen Preis für das Areal gescheitert. Jetzt aber sei man bei einem „annehmbaren Preis" angelangt und hoffe weiter auf die Unterstützung des Ministerpräsidenten. „Denn wir brauchen dringend Arbeits- und Ausbildungsplätze in anderen Bereichen als dem Tourismus", forderte der Krüner Bürgermeister.

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21.06.2007

Sterndl-Offensive; findet nicht nur Freunde – Gegen die Bezuschussung von Kosten für die Klassifizierung regt sich Widerstand. Trotzdem gaben die Gemeinderäte grünes Licht.

Christof Schnürer

Krün – Die Gemeinde Krün möchte den rückläufigen Trend bei den Übernachtungszahlen im Oberen Isartal stoppen. Eine Möglichkeit sieht sie darin, die Qualität der Übernachtungsbetriebe sicherzustellen. Deshalb beschlossen die Räte während ihrer Sitzung mit 11:2 Stimmen, die Kosten für die Klassifizierung, also die Bewertung von Hotels und Pensionen mit Sternen, zu 50 Prozent zu bezuschussen.

Je nach Kategorie werden Gebühren in unterschiedlicher Höhe fällig. Diese übernimmt zur Hälfte die Gemeinde. „Das soll ein Anreiz sein, dass sich möglichst viele Betriebe klassifizieren lassen", sagt Mathias Gschwendtner (CSU). Nur so sei Qualität gewährleistet. „Am Ende entscheidet der Gast", gibt Georg Schober (Aktiv für Krün) zu bedenken. "Und der sucht sich das beste, was er am Markt bekommen kann." Das spiegelt sich auch in der Statistik wider. "Die Zahlen bei drei- oder mehr-Sterne-Betrieben steigen", hebt Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) hervor. „Während alle anderen fallen."

Die Förderung bekommt eine Laufzeit von drei Jahren und gilt rückwirkend ab Beginn des Jahres. „Damit keiner ausgegrenzt wird", meint Schwarzenberger. Doch genau das befürchten Christl Wurmer (CSU) und Franz-Paul Reindl (Bürgerliche Wählergemeinschaft Krün, BWG). Die beiden votierten gegen das Vorhaben und sehen eine Ungleichbehandlung der Vermieter durch die Förderung. „Das sind Gelder der Gemeinde, die nicht jedem zu Gute kommen", klagt Wurmer. Die Vermieter sollten selbst entscheiden können, ob sie sich klassifizieren lassen oder nicht.

Das können sie ja auch, meint Ulrich Holzer (BWG), ein glühender Verfechter des Programms. „Vermietern, die sich dagegen wehren, entstehen keine Nachteile." Die Gemeinde müsse sich am Tourismus-Markt besser präsentieren. Die Förderung solle möglichst viele Betriebe zur Klassifizierung ermutigen. „Wir haben zu wenig, Qualitätssteigerung bringt uns nach vorne", betont Holzer.

Viele Vermieter wissen allerdings zu wenig über die Möglichkeiten und Voraussetzungen der Klassifizierung Bescheid. Sie meinen, es kämen horrende Kosten auf sie zu. Wie auch Wurmer: „Es wäre sehr teuer für mich, wenn ich mich klassifizieren ließe", klagt sie. Das hängt mit der Größe ihres Betriebes zusammen. „Ich fühle mich nicht als gewerblicher Vermieter." Es gebe aber klare Richtlinien, hebt Schwarzenberger hervor. „Es geht leider nicht darum, wie du dich fühlst."

Oft müssen die Vermieter nicht viel investieren, um in den Genuss von Sternen auf ihrem Haus zu kommen, betont Gschwendtner. „Eventuell fehlt bloß ein Wecker im Zimmer." Die Förderung diene auch dazu, „eine eventuelle Hemmschwelle der Gebühren für die Klassifizierung durch einen Zuschuss zu vermindern", meint Luis Kramer (CSU). Ein durchaus gewünschter Nebeneffekt sei die Qualitätssteigerung. „Es kann ja nicht falsch sein, wenn Vermieter ihre Betriebe auf den neuesten Stand bringen", meint Schober. „Das wollen wir doch alle."

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Donnerstag, 2. August 2007

Selber Schnee machen oder leere Betten
– Krün will sich gegenüber seinen Nachbargemeinden einen Vorteil verschaffen und denkt über eine Beschneiungsanlage nach.

von Alexander Schwer

Krün – Den Krüner Gemeinderäten liegt die Zukunft ihres Ortes am Herzen. Die Abhängigkeit vom Tourismus ist bekannt, und gerade im Winter steht dieser in direkter Verbindung mit der aktuellen Schneelage. Deshalb will die Gemeinde jetzt auf Nummer sicher gehen und beschäftigt sich ernsthaft mit einer Beschneiungsanlage für die Langlauf-Nachtloipe und das Gebiet um den Barmseelift. In den kommenden Wochen sollen entsprechende Konzepte für die Anschaffung und den Betrieb erstellt werden. jetzt liegen erste Pläne von drei Unternehmen vor, und die stoßen bei den Kommunalpolitikern auf große Zustimmung. "Diese Investition wäre sehr zu begrüßen", findet Franz Schropp (Freie Wählergemeinschft Klais). "Gerade unter touristischen Aspekten wäre Kunstschnee ein wahnsinniger Fortschritt gegenüber unseren Nachbarn." Mathias Gschwendtner (CSU) gibt es aus Sicht des Fremdenverkehrs keine Alternative: "Wir müssen uns entscheiden, ob wir im Konzert mitspielen oder leere Betten wollen."

Lediglich Franz-Paul Reindl (Bürgerliche Wählergemeinschaft) befürchtet, dass die Gemeinde "in etwas investiert, was nicht zukunftsträchtig ist". Die Klimaerwärmung könnte auf Dauer Wintersport unmöglich machen. "Aber genau deshalb brauchen wir ja eine Beschneiung", entgegnete Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU). Der Skilift sei ohnehin schon ein Defizitbetrieb. "Wenn die Hauptsaison an Weihnachten und Fasching auch noch ausfällt, dann wäre es wirtschaftlich nicht machbar." Georg Schober (Aktiv für Krün) ergänzt: "Wir sind eine Langlauf-Region und wollen es auch bleiben. Deshalb sollten wir es machen, wenn es finanzierbar ist."

Insgesamt beläuft sich das Vorhaben auf rund 140.000 Euro. Dazu kommen noch nicht kalkulierbare Kosten für die Verlegung der Wasserleitungen. Doch dabei gibt es Einsparpotential, weil sowohl der Skiclub wie auch die Skischule erklärt haben, sich mit Eigenleistungen einzubringen. Günstiger würde die Kunstschnee-Erzeugung auch durch einen Mietkauf der Schneekanonen. "Dadurch sparen wir uns die Anschaffung", erklärte der Rathaus-Chef, 2hätten dafür aber in den Folgejahren weitere Kosten." Diese Variante bevorzugt Ferdinand Glasl (Aktiv für Krün), "weil wir dann nach vier Jahren neue Maschinen bekommen und immer auf dem neuesten Stand wären". Das derzeitige Konzept umfasst zwei mobile Schneekanonen, die sowohl an der zwei Kilometer langen Loipe als auch auf der Skipiste eingesetzt werden können. "Damit könnten wir alles innerhalb von vier Tagen beschneien", erläuterte Schwarzenberger die Leistungsfähigkeit. Pro Jahr würden für Strom und Wasser Zusatzkosten in Höhe von 6.000 Euro entstehen. Woher das Wasser kommt, ist bislang nur für die Loipe klar: Ws gibt keine Alternative zum Trinkwasser. Am Barmseelift dagegen könnte der Grubsee angezapft werden. vom Naturschutz her scheint das Verfahren unproblematisch, doch die Gemeinde würde eine Filteranlage benötigen um das Wasser zu reinigen.

Eile ist indes nicht geboten. Schwarzenberger rechnet nicht damit, "dass das in diesem Winter noch was wird". Allein der Genehmigungsprozess beim Landratsamt dauert ein halbes Jahr.

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Mittwoch, 30. Mai 2007

Jetzt wird wertvolle Energie gespart - Energiefressern im Kurhaus Krün geht es an den Kragen. Ein Gutachten zeigt auf, wo Einsparmöglichkeiten liegen.

von Nick Scheder

Krün – Für die kommenden Jahre plant die Gemeinde Krün Investitionen zwischen 250.000 und 300.000 Euro für Maßnahmen gegen Energieverschwendung im Gebäude. "Die Summe klingt gewaltig, aber so können wir Ausgaben reduzieren", betont Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU). Viel Energie geht durch defekte und veraltete Technik oder durch fehlende Isolierung des Gebäudes verloren. Das Gutachten habe die Schwachpunkte aufgezeigt, sagt der Rathauschef. "Wir wissen jetzt, wo Handlungsbedarf besteht."

Weil im Kurhaus viele Baustellen offen sind, möchte Schwarzenberger die Maßnahmen auf mehrere Haushaltsjahre verteilen. Investiert wird jedoch auch noch im laufenden Jahr. 70.000 Euro hat die Gemeinde für Energiesparmaßnahmen im Etat 2007 eingeplant. Auch kleinere Reparaturen oder Isolierungen können sofort vorgenommen werden.

Größte Baustelle ist die Kühlanlage. "Da gibt es keinen Aufschub mehr", stellt der Bürgermeister klar. Die Technik der Räume und Gefriertruhen werden noch heuer erneuert. Kostenpunkt: 40.000 Euro, doch die laufenden Kosten nehmen ab. "Schon nach sechs Jahren hat sich das amortisiert", versichert Schwarzenberger. Auch die Nachtbeleuchtung werde bald in Angriff genommen. "Die wird automatisiert, weil nicht immer Licht brennen muss." Die Heizung im Musikpavillon (10.000) sowie die Lüftung (16.000 Euro) müssen ebenfalls dringend erneuert werden. "Das ist der größte Energiefresser", sagt der Bürgermeister.

Großes Einspar-Potenzial sieht Ulrich Holzer (BWG) bei der Heizung im Kurhaus. Ursprünglich haben zwei Kessel für Wärme gesorgt. Jetzt wurde einer abgeschaltet. "Bei einem Winter wie diesem reicht das aus", sagt Schwarzenberger. Wenn einer der beiden ausfällt, stehe noch der andere zur Verfügung. Mittelfristig sei aber eine neue Anlage unumgänglich. Möglich sind eine Brennwert-Gasheizung (65.000 Euro) oder ein Blockheizkraftwerk, das mit rund 100.000 Euro zu Buche schlagen würde. "Die höhere Investition gleicht sich aber durch Rückvergütung bei der Stromgewinnung aus", betont der Bürgermeister. Holzer sieht gar ein Potenzial von 5.000 Euro pro Jahr.

Außerdem besteht für die Neuanschaffung der Heizung die Möglichkeit des so genannten "Contractings". Das bedeutet, eine Firma oder ein Privatanbieter kauft das Gerät und stellt nur die Wärme zur Verfügung. Natürlich nicht umsonst, sagt Schwarzenberger. "Die Preise sind etwas höher als üblich." Doch sei diese Form durchaus eine Möglichkeit. Der Vorteil: Der Haushalt wird nicht unmittelbar belastet. "Es ist ähnlich wie eine Kreditaufnahme", sagt Schwarzenberger.

Fest steht: Die Investitionen rechnen sich – aus ökologischer und aus wirtschaftlicher Sicht. Schwarzenberger vergleicht die Anlagen aus den 1980er Jahren mit einem alten Auto. "Ständig fallen Reparaturen an."

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Samstag, 28. April 2007

Kräftiger Griff ins kommunale Sparschwein – Das Isartaldorf Krün befindet sich weiter auf Konsolidierungskurs: Heuer wird der Schuldenberg bis zum Jahresende erneut um 270 600 Euro abgetragen. Um aber einen ausgeglichenen Etat präsentieren zu können, musste kräftig ins kommunale Sparschwein gegriffen werden.

von Christof Schnürer

Krün – 395.000 Euro holten sich die Verantwortlichen im Rathaus aus der stillen Reserve. Bis dahin lagerten in den so genannten Rücklagen 815.000 Euro. Jetzt sind’s noch 420.000 Euro. "Doch das Geld ist nicht weg", betonte Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) in seiner Haushalts-Rede. Da man damit unter anderem ein Baugrundstück erworben habe, seien durch diese Umschichtung die Finanzmittel lediglich "von flüssig in immobil" umgewandelt worden.

Alles in allem, so der Rathauschef weiter, könne man den Krüner Bürgern "dank der sparsamen und vorausschauenden Finanzpolitik in den letzten Jahren" einen soliden Haushalt präsentieren. Schwarzenbergers Fazit: "Auch wenn die Finanzprobleme noch nicht gelöst sind, befinden wir uns auf einem gutem Weg."

Das Zahlenwerk mit einem Gesamtvolumen von 4,4 Millionen Euro weist weder Steuererhöhungen noch zusätzliche Kreditaufnahmen auf. Kein Wunder also, dass das Budget 2007 nach kurzer Aussprache mit 12:0 einstimmig vom Krüner Gemeinderat abgesegnet wurde. Positiv bei diesem Etat: Die Personalkosten machen "nur" 20 Prozent des Verwaltungsbudgets aus. Im Landkreis-Durchschnitt liegt dieser Wert bei immerhin 31 Prozent.

Erfreulich ist auch, dass trotz angespannter Finanzlage in bescheidenem Maße investiert wird. So sollen in den kommenden Monaten das Kur- beziehungsweise Lehrerhaus partiell (100.000 Euro) saniert werden. Für den dringend erforderlichen Umbau der Tourist-Information sind Mittel in Höhe von 60.000 Euro vorgesehen.

Auch beim wirtschaftlichen Schlüsselzweig Fremdenverkehr – 2006 sanken die Übernachtungszahlen drastisch von ohnehin mageren 402.000 auf 350.000 – wollen die Gemeinderäte klotzen und nicht kleckern. Für den 400.000-Euro-Etat des Isartaler Marketingverbunds "Alpenwelt Karwendel" buttert Krün erstmals 135.000 Euro rein. Zusätzlich darf sich Verkehrsamtsleiter Sepp Winzinger über 90.000 Euro für sein Werbe- und Marketing-Kontingent freuen.

Eine Stoßrichtung, die vor allem Ulrich Holzer (Bürgerliche Wählergemeinschaft) gefällt: "Es ist entscheidend und wichtig, dass wir keine Steuererhöhungen vorgenommen haben und in den Tourismus investieren", betonte der 48-Jährige. Er kommt zu dem Schluss: "Dieser Haushalt ist mit Augenmaß geschmiedet worden."

Der finanzpolitische Sprecher der CSU, Albert Niggl, konnte seinem Vorredner nur beipflichten. "Mit Blick auf die Zukunft stellt sich die Situation besser dar." Der Kreisbrand-Inspektor spielt damit auf 2011 an. Das Jahr, in dem die gewaltige Zins- und Tilgungslast des 2000-Seelenorts von rund 370.000 Euro spürbar abnehmen wird – vorausgesetzt, es müssen in der Zwischenzeit keine zusätzlichen Kredite aufgenommen werden. Davor warnt auch Niggl. "Wir müssen weiterhin sparsam haushalten, denn es könnten über Nacht Ausgaben kommen."

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Krün, 27. März 2007

von Christof Schnürer

Schneekanonen in weiter Ferne - Ernüchterung nach Informations-Besuch in Ruhpolding

Krün/Ruhpolding – Das Thema "Schneekanonen" wird die Verantwortlichen im Krüner Rathaus noch länger beschäftigen. Nach dem Informationsbesuch in Ruhpolding zeigte sich Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) jedenfalls etwas ernüchtert. "Das ist alles nicht so einfach", resümierte er. Vor allem die sechsstelligen Folgekosten, die die künstliche Beschneiung mit sich bringt, macht ihm Sorgen.

In Deutschlands Biathlon-Stützpunkt Ruhpolding muss dafür pro Jahr ein Betrag von 250.000 Euro hingeblättert werden. 70 Prozent dieser Kosten werden allerdings bezuschusst. Die Gemeinde muss "nur" 30 Prozent dieser Summe aufbringen. "Das ist für uns einfach ein paar Hausnummern zu groß", bringt es Schwarzenberger auf den Punkt.

Anfang Februar hatte CSU-Gemeinderat Mathias Gschwendtner angesichts des ausgefallenen Winters gefordert, den Barmsee-Lift und die Nachtloipe am Bärnbichl mit Schneekanonen auszurüsten. "Damit könnten wir gewährleisten, dass der Skibetrieb gesichert und für unsere Gäste zumindest ein kleines Langlaufangebot vorhanden ist", impfte der "Schogglbauer" seinen Kollegen damals ein.

Um Erfahrungswerte einzuholen, machte sich nun ein Drittel des Krüner Gemeinderats auf Anregung von Leonhard Habersetzer (Bürgerliche Wählergemeinschaft/BWG) nach Ruhpolding auf. Begleitet wurden die Volksvertreter unter anderem von Manuela Kriner und Herbert Emmerdt vom Skiclub, Bauhofleiter Hans-Jörg Mayr, Carla Sieß aus Kaltenbrunn und Marktgemeinderat Hannes Krätz aus Garmisch-Partenkirchen. Die beiden loteten Möglichkeiten der Beschneiung für den Nordic-Park Kaltenbrunn aus. Erwartet wurden sie von Ruhpoldings Bürgermeister Andreas Hallweger und dem hiesigen Skiclubchef und Betriebsleiter der Chiemgau-Arena, Engelbert Schweiger. Die beiden erläuterten der Werdenfelser Delegation, dass die Chiemgauer sich schon seit acht Jahren den winterlichen Betrieb dank Schneekanonen sichern. "In den vergangenen zwei Jahren arbeiten wir erfolgreich mit Schneedepots", teilte Schweiger mit.

In Krün bevorzugt man dagegen eher die "dezentrale Lösung" mit sechs kleineren Schneekanonen. Doch das würde alles in allem auch mit zirka 150 000 Euro zu Buche schlagen, rechnet Gemeindeoberhaupt Schwarzenberger vor. Nun wolle man noch Erfahrungswerte in Hohenschwangau einholen, bevor erneut im Gemeinderat diskutiert wird. Die Wahrscheinlichkeit, dass heuer im Winter Schneekanonen zum Einsatz kommen, ist gering. Ein Indiz dafür: Im aktuellen Haushalt wurden dafür keine Mittel vorgesehen.

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Dienstag, 6. Februar 2007

von Christof Schnürer

Haushalt 2007: 800.000 Euro als stille Reserve Bürgermeister will weiter sparen

Krün – Keine Neuverschuldung, keine Steuererhöhung – "das ist unser erklärtes Ziel", unterstreicht Krüns Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) vor den anstehenden Haushaltsberatungen. Der Optimismus des Rathauschefs scheint dank saftiger Steuer-Mehreinnahmen und einem fetten Rücklagenpolster nicht unbegründet. Gleichzeitig warnt das Gemeindeoberhaupt vor finanzpolitischem Leichtsinn. Die schweren Jahre stehen dem Isartal-Dorf erst noch bevor.

Denn die in der Ära von CSU-Patriarchen Sepp Zahler (1972 bis 2002) um die Jahrtausendwende realisierte Kanalisierung Krüns schlägt zwischen 2007 und 2011 so richtig zu Buche. In dieser Zeit müssten ausschließlich für dieses Projekt pro Jahr 100.000 Euro plus Zinsen an die Bank zurückgezahlt werden.

Auf der anderen Seite will der Bürgermeister auch in den kommenden Jahren in notwendige, aber kostenträchtige Sanierungen bestehender Immobilien investieren. So sollen im Etat 2007 rund 75.000 Euro für die Erneuerung der Kühl-, Heizungs- und Lüftungsanlage im 25 Jahre alten Kurhaus bereitgestellt werden. Nicht ganz billig wird der Einbau neuer Fenster im sogenannten "Lehrer-Haus", das obendrein ein neues Dach erhält. Zudem bestehe dringender Handlungsbedarf bei den 38 Jahre alten Bauhof-Toren, meint Schwarzenberger. "Da blasen wir Energie nur noch so hinaus."

Diese Herausforderungen und noch einige mehr will der Gemeinderat ohne zusätzliche Kredite schultern. Angesichts unerwartet hoher Steuer-Einnahmen von rund 250.000 Euro und teilweise deutlich geringerer Ausgaben, etwa beim Kindergarten, kann die Kommune spürbar mehr Geld ins Haushaltsjahr 2007 hinüber retten. Im Rücklagentopf – das Rathaus-Sparschwein, in dem mindestens 33.000 Euro als stille Reserve deponiert sein müssen – haben sich inzwischen über 800.000 Euro angesammelt. Was Schwarzenberger nicht weiter verwundert. "Denn darauf haben wir vier Jahre hingearbeitet." Der Konsolidierungskurs hat sich inzwischen auch bei den Verbindlichkeiten bemerkbar gemacht. Hatten am 31. Dezember 2002 die Schulden noch 3,3 Millionen Euro betragen, sank dieser Wert in vier Jahren auf 2,7 Millionen Euro. Und das trotz gewaltiger Ausgaben, wie etwa dem Hochwasserschutz an Isar und Kranzbach.

Das Sparprogramm soll auch heuer weiterlaufen, 260.000 Euro Tilgung sind vorgesehen. Parallel dazu möchte man den Wirtschaftszweig Nummer eins finanziell besser ausstatten. Statt 150.000 wird die Gemeinde für den hiesigen Fremdenverkehr und die "Alpenwelt Karwendel" 200.000 Euro locker machen.

Da zudem mit einem nochmaligen Rückgang der Kreisumlage – das ist der jährliche Obolus, den die Gemeinden an den Landkreis zahlen müssen – zu rechnen sei, könne irgendwann auch mal das Wort Steuersenkung in den Mund genommen werden, findet der Bürgermeister. Eine Reduzierung des Gewerbesteuersatzes könnte dann mehr Unternehmer locken – ins künftige Gewerbegebiet. Auch da kämpft Schwarzenberger weiter.

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Steigende Gästezahlen erhofft – Organisations-Reform der "Alpenwelt Karwendel" in Startlöchern

Oberes Isartal – Die ersten Hürden sind bewältigt. Die drei Orte Mittenwald, Krün und Wallgau haben die Organisations-Reform der "Alpenwelt Karwendel" per Gemeinderatsbeschluss abgesegnet (wir berichteten). Eine neue Geschäfts-Form soll für klare Strukturen und Zuständigkeiten sorgen und die Maßnahmen der Partner bündeln. Ziel ist eine effizientere Arbeit der "Alpenwelt" und damit eine bessere Vermarktung der drei Gemeinden. "Die Reform ist eine gute Sache", findet Mittenwalds Bürgermeister Hermann Salminger.

"Die Resultate spiegeln sich hoffentlich in steigenden Übernachtungszahlen wieder", wünscht sich Wallgaus Rathauschef und "Alpenwelt"-Vorsitzender Georg Jennewein. Doch bevor es soweit ist, kommt viel Arbeit auf die Gemeinden zu. Gespräche mit den drei Tourismus-Direktionen und den Gespräche für Mitte Januar angesetzt

beiden Marketing-Experten Prof. Thomas Bausch und Martin Weidehaas, deren Firma das Konzept ausarbeitet, sind für Mitte Januar angesetzt. "Da werden die Ziele abgesteckt", sagt Schwarzenberger. In kleinen Arbeitsgruppen im Anschluss werden eventuell auch Vertreter aus der Wirtschaft mitwirken.

Durch die geplante Organisations-Form – eine GmbH ist angedacht – sieht Krüns Bürgermeister Thomas Schwarzenberger durchaus einen gewissen Eingriff in die Verwaltungen der Gemeinden. "Immerhin wird ein wichtiger Bereich quasi ausgegliedert."

Doch von der effizienteren Arbeit durch die Bündelung von Maßnahmen profitieren letztlich die Orte wieder. "Einen Vorsitzenden der ,Alpenwelt‘ gibt es weiterhin", sagt Schwarzenberger. Die Position wechselt jährlich zwischen den drei Partnern. Bei der Finanzierung greift die "Euregio" den Gemeinden unter die Arme. "Wir bekommen den Zuschuss über 12 500 Euro", freut sich Schwarzenberger. "Damit sind die Kosten schon zur Hälfte abgedeckt."

Los gehen soll es möglichst bald, betont Schwarzenberger. "Je schneller wir ein Ergebnis vorweisen können, desto besser." Bis sich erste Resultate der Reform abzeichnen, vergeht allerdings noch einige Zeit. Jennewein rechnet damit nicht vor 2008. "Unser Ziel ist es, ein umsetzungsfähiges Konzept bis Ende 2007 zu erstellen", sagt Schwarzenberger. "2009 als Startpunkt halte ich für realisitisch, wenn es vorher klappen sollte, umso besser."

Schnellere Ergebnisse liefert ein Marketingplan der "Alpenwelt", den ebenfalls Bausch angefertigt hat. "Der erstellt uns ein Grobgerüst dessen, was im Tourismus-Bereich bereits getan beziehungsweise wo zu wenig unternommen wurde", sagt Schwarzenberger.

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Freitag, 17. November 2006

von Nick Scheder

Wasserschutz: Betriebe fühlen sich bedroht – Neue Zone um Krüner Brunnen

Krün – Krün hat großes Glück. "Hier gibt es Trinkwasser in Adelholzener-Qualität", bescheinigte Eduard Eichenseher vom Wasserwirtschaftsamt Weilheim dem Tiefbrunnen. Damit das so bleibt, sollen Leitlinien zum Wasserschutz umgesetzt werden. Die Konsequenz wurde den Betroffenen auf der Info-Veranstaltung am Mittwochabend im Kurhaus nach und nach klar: Das Schutzgebiet rund um die Quelle vergrößert sich. "In dem Bereich gelten nun einige Einschränkungen und Verbote", sagte Eichenseher.

Die Zone reicht vom Tiefbrunnen nach Süden bis kurz vor das Stauwehr. Innerhalb des Gebietes müssen künftig einige Vorgaben beachtet werden. Beispielsweise ist bei neuen Öltanks nur noch der Jahresbedarf an Brennstoff erlaubt. Größere Gebäude dürfen ebenso wenig errichtet werden wie neue Wege und Straßen. Besorgte Anlieger versuchte Thomas Schwarzenberger zu beruhigen. "Es gilt Bestandsschutz", versichert der Krüner Bürgermeister. "Was jetzt in der Zone steht, bleibt."


Franz Simon überzeugte das allerdings nicht. "Kann ich meinen Laden dann zumachen?" wollte der Sägewerksbesitzer wissen, dessen Betrieb in der neuen Schutzzone liegt. Für den ehemaligen Gemeinderat Lothar Ragaller geht die Ursache des Problems 30 Jahre zurück. "Warum ist der Brunnen überhaupt an diesem Standort?" Schwarzenberger wollte die Entscheidung aus den 70er Jahren nicht rechtfertigen. Eines sei aber klar: Die Gemeinde müsse die Richtlinien umsetzen.


Zuständig für das anstehende Verfahren ist das Landratsamt Garmisch-Partenkirchen. "Bevor es los geht, erhalten die Betroffenen ausreichend Gelegenheit für schriftliche Einwände", versichert Albert Kohnle, zuständig fürs Wasserrecht in der Behörde. Erst wenn die Änderungswünsche der Anwohner eingearbeitet sind, könne die Verordnung erlassen werden. Doch negative Auswirkungen des Wasserschutzes zu verhindern, sei für Betroffene schwierig, gibt Eichenseher zu. "Rechtliche Grundlagen gibt es keine."


Deswegen macht sich Simon Sorgen um die Zukunft seiner Firma. "Ich sehe künftig schon wahnsinnige Einschränkungen für meinen Betrieb." Außerdem befürchtet er, dass "plötzlich ein Haufen neuer Vorschriften" auf ihn zukommen. Unerwartete Restriktionen nach Inkrafttreten der Verordnung schließt Eichenseher aber aus. "Die Regelung gilt bestimmt 20 Jahre lang." Zwischendurch werde sich nichts ändern, ist er sich sicher.

Jubelstürme der Betroffenen hatte Schwarzenberger schon vor der Veranstaltung nicht erwartet. Als Glücksfall schienen sie die Adelholzener-Wasser-Qualität in Krün nicht zu empfinden.

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Montag, 30. Oktober 2006

Privatisierung: Professor Bausch soll’s richten – Marketingkonzept für Alpenwelt

von Nick Scheder

Krün - Für die einen war es fünf vor, für die anderen bereits fünf nach zwölf.

"Dass etwas passieren muss, ist doch klar", fasste es Franz-Paul Reindl (Bürgerliche Wählergemeinschaf/BWG) während der jüngsten Sitzung des Krüner Gemeinderats zusammen. Damit sprach er den dringenden Handlungsbedarf beim kränkelnden Wirtschaftsfaktor Nummer eins, dem Fremdenverkehr im Oberen Isartal an. Soforthilfe versprechen sich die Volksvertreter vom Marketingverbund Alpenwelt Karwendel.

Wie wichtig der Tourismus zwischen Walchensee und Karwendel ist, unterstrich zum wiederholten Male Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU). Beinahe schon gebetsmühlenartig meinte er: "Der Gast gibt durchschnittlich 95 Euro täglich in der Region aus." Immer mehr bewahrheitet sich dabei im Oberen Isartal die zentrale Erkenntnis der vernichtenden "Alarmstudie" der Kreissparkasse: Die Österreicher haben uns endgültig abgehängt. Für Skischul-Betreiber Franz Schropp (Freie Wähler Klais) nicht weiter verwunderlich. "Tirol hat einfach ein besseres Marketing."

Mehr Qualität, mehr Urlauber

Um den Abwärtstrend zu stoppen, hat Schwarzenberger den Volksvertretern nun ein dreistufiges Konzept präsentiert. Die Privatisierung der "Alpenwelt Karwendel" (wir berichteten) sei nur ein Schritt dieses Prozesses, "der realistisch gesehen erst 2009 vollendet sein kann". Sprich: nach den Kommunalwahlen 2008. Der Bürgermeister fordert aber noch zwei weitere Maßnahmen ein. Er möchte zum einen die Qualität der Betriebe steigern und nach außen besser darstellen. "Der Gast muss sich bei uns wohl fühlen", umschreibt Schwarzenberger die heiß diskutierte "Klassifizierung", die vielen Gastgebern trotz aller Experten-Ratschläge ein Dorn im Auge ist.

Zum anderen wünscht sich der Bürgermeister ein professionelleres Marketing. Das Potenzial sei vorhanden, die Gemeinden müssen die Qualität nur besser vermarkten. "Wir bieten satellitengestützte Radtouren an, aber keiner weiß es", klagt Schwarzenberger. Um das zu ändern, möchte er auch verstärkt das Internet einbinden. "Wir sollten die Adresse der Alpenwelt Karwendel überall draufschreiben."

Um den Abwärtstrend zu stoppen, hat Schwarzenberger den Volksvertretern nun ein dreistufiges Konzept präsentiert. Die Privatisierung der "Alpenwelt Karwendel" (wir berichteten) sei nur ein Schritt dieses Prozesses, "der realistisch gesehen erst 2009 vollendet sein kann". Sprich: nach den Kommunalwahlen 2008. Der Bürgermeister fordert aber noch zwei weitere Maßnahmen ein. Er möchte zum einen die Qualität der Betriebe steigern und nach außen besser darstellen. "Der Gast muss sich bei uns wohl fühlen", umschreibt Schwarzenberger die heiß diskutierte "Klassifizierung", die vielen Gastgebern trotz aller Experten-Ratschläge ein Dorn im Auge ist.

Zum anderen wünscht sich der Bürgermeister ein professionelleres Marketing. Das Potenzial sei vorhanden, die Gemeinden müssen die Qualität nur besser vermarkten. "Wir bieten satellitengestützte Radtouren an, aber keiner weiß es", klagt Schwarzenberger. Um das zu ändern, möchte er auch verstärkt das Internet einbinden. "Wir sollten die Adresse der Alpenwelt Karwendel überall draufschreiben."

Schon 2007 konkrete Maßnahmen

Der bisherige Verbund "dümpelt vor sich hin", nennt Franz-Paul Reindl (BWG) das Problem beim Namen. Nutzlos sei sie zwar nicht gewesen, sinniert Alois Kramer (CSU). "Sie hat die Grundlage dafür geschaffen, dass die nächsten Schritte möglich sind." Die drei Isartal-Gemeinden Mittenwald, Krün und Wallgau haben sich erst einmal kennen gelernt. "Sie mussten erfahren, nicht gegen-, sondern miteinander zu arbeiten.", sagt Kramer. Jetzt bestehe Handlungsbedarf, den eingeschlagenen Weg auszubauen.

Dazu avisierte der Gemeinderat ein Projekt, das bereits in naher Zukunft Früchte tragen soll – trotz Kommunalwahlen und damit verbundenen möglichen anderen Mehrheitsverhältnissen. Doch das ist Schwarzenberger egal. "Wir leben nicht vom Wahlkampf, sondern vom Tourismus", zitierte der Bürgermeister einen Mittenwalder Kollegen. "Davon dürfen wir uns nicht beeinflussen lassen", meinte auch Ulrich Holzer (BWG). "Wir brauchen einen Grundsatzbeschluss für dieses Konzept noch 2006."

Deshalb möchte Schwarzenberger einen MarketingPlan von Tourismus-Experten Professor Thomas Bausch, der schon Geburtshelfer bei der "Alpenwelt Karwendel" war, in die Wege leiten. "Er entwickelt eine Strategie für die kommenden drei Jahre", erläuterte der Rathauschef den Vorschlag. "Für 2007 gibt er bereits konkrete Maßnahmen." Das Ganze soll 9500 Euro kosten, aufgeteilt nach einem bestimmten Schlüssel für Krün, Wallgau und Mittenwald. Dieser Idee pflichteten die Gemeinderäte bei. Egal ob fünf vor oder fünf nach zwölf – es ist höchste Zeit.

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Donnerstag, 19. Oktober 2006

von Christoph Schnürer

Isar-Kies-Streit: Jetzt soll Stoiber helfen – Neumeier fordert rasches Handeln

Isartal / München – Der Streit um den Isar-Kies hat nun auch die politische Schaltzentrale des Freistaats erreicht: In der Bayerischen Staatskanzlei in München brütet der Stab von Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber seit Dienstag über ein Schreiben des CSU-Landtagsabgeordneten Johann Neumeier. Darin fordert der Unterammergauer seinen Parteifreund auf, den von der Regierung von Oberbayern ins Spiel gebrachten, "alle Grenzen der Verhältnismäßigkeit" sprengenden "Naturversuch" (wir berichteten) zu unterbinden.

Der Vorschlag, der am vergangenen Freitag Vertretern der beiden betroffenen Gemeinden Krün und Wallgau beim "Runden Tisch" eröffnet wurde, sieht folgendes vor: Künftig sollen je nach Notwendigkeit 20 000 Kubikmeter Kies ausgebaggert werden können, um sie flussabwärts wieder einzufüllen. Die bis zu 4000 Lkw-Fuhren sollen auf einer rund vier Kilometer langen Strecke durch Naturschutzareal bewältigt werden. Eine Idee, die nicht nur den Isartaler Kommunalpolitikern mächtig Kopfschmerzen bereitet.

"Wahnsinn" auf Kosten der Steuerzahler

"Diese Maßnahme führt dazu, dass ein sehr sensibles Gebiet, das für den Tourismus im Isartal und die Wasserversorgung der Gemeinde Wallgau von besonderer Bedeutung ist, unverhältnismäßig und auch aus Naturschutzgründen nicht vertretbar beeinträchtigt wird", schlussfolgert Landtagsabgeordneter Neumeier. Überhaupt nicht nachvollziehbar für den christsozialen Volksvertreter ist, "dass dieser Wahnsinn auch noch mit Steuermitteln in Höhe von 250 000 Euro finanziert wird". Des Weiteren werde die Kieseinbringung zu einem deutlich erhöhten Geschiebetransport zum Sylvensteinspeicher führen. "Das hat dann zur Folge, dass dort der in Wallgau entnommene und wieder eingebrachte Kies erneut entnommen werden muss oder eine erneute Dammerhöhung notwendig ist." Eine Vorgehensweise, die Neumeier nun zum Handeln zwingt. Darin hätten ihn auch bei zahlreichen Veranstaltungen besorgte Bürger bestärkt.

"Der Herr Ministerpräsident wird die Sache aufgreifen." Dr. Alfred Rührmeier, Referent/Staatskanzlei

Nun also hat der Dauerbrenner "Isarkies" endgültig die Verwaltungsebene verlassen. Jetzt beschäftigt sich die "große Politik" mit dem Disput zwischen Wasserrechtlern und Naturschützern. Wann und ob überhaupt den Krünern und Wallgauern von Seiten des Stimmkreisabgeordneten Stoiber geholfen werden kann, bleibt allerdings die spannende Frage.

"Wir haben das Schreiben erhalten", bestätigte gestern Dr. Alfred Rührmeier vom Büro des Ministerpräsidenten gegenüber dem Tagblatt. Schon jetzt versichert der Referent in der Staatskanzlei: "Der Herr Ministerpräsident wird die Sache aufgreifen." Zunächst jedoch müsse der Vorgang geprüft werden. Wer weiß: Vielleicht erkundigt sich Stoiber, der aus seinem Faible für diese Region nie einen Hehl gemacht hat, einmal selbst vor Ort?

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Dienstag, 17. Oktober 2006

Isar-Ufer bald nur noch eine Schotterwüste? – Regierungspläne ernüchternd

von Christof Schnürer

Krün/Wallgau – Die Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (Krün) und Georg Jennewein (Wallgau) haben schon mal fröhlicher drein geschaut. Das, was unterm Strich am "Runden Tisch" herausgekommen ist, kann einem in der Tat die Sorgenfalten auf die Stirn treiben. Zwar soll Kies – je nach Notwendigkeit – künftig aus der Isar gebaggert werden können, aber flussabwärts, nahe des Wallgauer Trinkwasserbrunnens, wieder hinein geschüttet werden.

Die Vorgabe der Experten der Regierung von Oberbayern, die zu diesem nicht-öffentlichen Forum ins Krüner Kurhaus geladen hatten, behagt Jennewein nicht. Schon eingangs habe er "massiv" auf die Trinkwasser-Problematik hingewiesen. Jedesmal, wenn die Pegel bei Unwetter steigen, schiebt sich die Isar ein Stück näher an die lebenswichtige Quelle an der Au-Hütte.

K Haftungsfrage? Keine Antwort

Falls nun irgendwo zwischen Krün und Wallgau 20 000 Kubikmeter Gestein – so sieht es der zunächst einmalige "Naturversuch" der Regierung vor – entnommen und an der "Weberwiese", unweit der Au-Hütte, wieder entladen werden kann, werde der Brunnen unnötigen zusätzlichen Gefahren ausgesetzt, etwa durch Auflandung und Rückstau. "Und wer in diesem Fall die Haftung übernimmt, konnte mir keiner der Herren sagen", bemerkt Jennewein gegenüber dem Tagblatt.

Mindestens genauso schlimm ist für Wallgaus Gemeindeoberhaupt der Plan, zwischen der Entnahmestelle und der Weberwiese eine Art Straße entlang der Isar anzulegen. Darauf sollen die riesigen Muldenkipper den Kies rund vier Kilometer flussabwärts befördern. "Das wird eine einzige Schotterwüste", befürchtet Jennewein, "aber das ist offenbar mit dem Naturschutz zu vereinbaren." Dabei zählt dieser Bereich zu den schönsten Wandergebieten. Dort wachsen seltene Pflanzen, etwa der Enzian.

Der gehört dann zu den Verlierern. Gewinner sind für Jennewein einzig und allein die Fuhrunternehmen. "Die machen ein gutes Geschäft." Bei 20 000 Kubikmeter Kies müssten sie mit einem normalen Lkw nämlich bis zu 4000 Mal hin- und herfahren – Dreck, Auspuff und Staub für Kurgäste inklusive. Ganz abgesehen von dem enormen Flurschaden an den Ufern des "letzten Wildflusses Deutschlands". Positiv an dieser Variante sei nur, dass die Kosten von 250 000 Euro vom Freistaat getragen werden, stellt Krüns Bürgermeister Schwarzenberger fest. Doch zu bezahlen hat es letztlich der Steuerzahler.

Entschädigt müssten auch die Isartaler Landwirte werden. Denn um den Kies-Transport überhaupt zu ermöglichen, brauchen die Strategen von der Regierung auch Teile wertvoller Weideflächen. Auch das sei thematisiert worden, berichtet Schwarzenberger. Trotz der Brisanz im Vorfeld hätten die rund 40 Teilnehmer am "Runden Tisch" "sachlich, aber bestimmt" miteinander gestritten. "Da ist keiner dem anderen an die Gurgel gegangen." Wenigstens können die Bewohner im Krüner "Gries" zufrieden sein. Laut Expertise soll der neue Deich an bestimmten Passagen um 40 bis 90 Zentimeter aufgestockt werden.

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang die Stellungnahme der federführenden Kreisbehörde. Landrat Harald Kühn ließ am Kirchweihmontag in einem satten Siebenzeiler zu dieser hochsensiblen Sache unter anderem lapidar verlautbaren: "Da das Landratsamt im derzeitigen Verfahrensstand nicht gefordert ist, bitten wir Sie, sich wegen der weiteren Details mit den Fachbehörden direkt in Verbindung zu setzen..."

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Mittwoch, 4. Oktober 2006

Qualität zählt: Gemeinderat startet Offensive - Förderung klassifizierter Häuser

von Nick Scheder

Krün – Touristen sind für einen Ort wie Krün ein wichtiger Faktor. Und Krün nimmt den Kampf um den Gast auf. Mit einem Antrag zur Förderung der Klassifizierung ansässiger Betriebe möchte Gemeinderat Ulrich Holzer (Bürgerliche Wählergemeinschaft / BWG) versuchen, den sinkenden Übernachtungszahlen entgegenzuwirken. „Nur dadurch haben wir die Chance zu überleben.“

„In anderen Regionen sind bis zu 80 Prozent der Betriebe klassifiziert, in Krün nicht mal ein Viertel“, klagt Holzer. „Das muss sich ändern.“ Dazu hat er einen Plan ausgearbeitet. Zunächst will er die Gastgeber umfassend über Möglichkeiten der Klassifizierung informieren. Wer sich zur Qualitätssteigerung entschließt, bekommt Vorrang im Gastgeberverzeichnis, die Gemeinde soll sich mindestens zur Hälfte an den Kosten für die Aufrüstung beteiligen, auch die Banken könnten einsteigen.

Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) unterstützt den Antrag. „Wir haben zwar eine hohe Qualität bei den Betrieben, aber nach außen wird das zu wenig wahrgenommen.“ Gerade bei Buchungen übers Internet möchten potenzielle Gäste oft Standards vergleichen. „Ohne Klassifizierung fragen sie sich doch, warum der Betrieb keine Sterne hat“, gibt er zu bedenken. Bei der Online-Suche sollten solche Betriebe deshalb Vorrang erhalten.

Diesem Punkt räumt Leonhard Habersetzer (BWG) eine gewisse Brisanz ein. Christl Wurmer (CSU) sieht eine Benachteiligung für nicht klassifizierte Herbergen. „Als Gemeinde sollten wir keinen Druck auf Betreiber von Ferienwohnungen ausüben, die Kosten für einen solchen Schritt scheuen.“ Diese dürfe man nicht bestrafen. Dem widerspricht Hotelier Georg Schober (Aktiv für Krün) entschieden. „Das ist keine Benachteiligung, das Suchkriterium nach Sternen kommt erst an dritter Stelle.“ Da sei es doch nur gerecht, wenn klassifizierte Betriebe zuerst erschienen.

Mit Wurmer und Habersetzer stimmte auch Franz-Paul Reindl (BWG) dagegen. Er hält die Bevorzugung klassifizierter Unterkünfte für einseitige Werbung. „Ich sehe nicht ein, warum wir das mit Geld aus dem Haushalt finanzieren sollten.“ Der Bürgermeister sieht die Hilfe der Gemeinde aber nur als Anreiz zur Klassifizierung. „Das steigert die Motivation.“

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Montag, 14. August 2006

Teilhauptschule - Zwei Dörfer proben Aufstand, Krün fordert Mehrkosten zurück!

von Nick Scheder

Krün - Ganz Bayern beugt sich der Landesregierung bei der Auflösung der Teilhauptschulen. Ganz Bayern? Nein, ein Dorf widersetzt sich. Die Gemeinde Krün möchte sich die durch die Neuregelung entstehenden Mehrkosten ersetzen lassen. "Nach dem Motto ,Friss oder stirb‘ geht es nicht", meinte Bürgermeister Thomas Schwarzenberger während der Sitzung des Gemeinderates. "Wir sollten auf jeden Fall den Verursacher zur Kasse bitten", bestätigte Franz-Paul Reindl (Bürgerliche Wählergemeinschaft Krün).

Der Urheber ist in diesem Fall die Regierung von Oberbayern, die die Auflösung der Teilhauptschule beschlossen hatte (wir berichteten). "In einem Kompromiss haben wir erwirkt, das die künftige sechste Klasse im kommenden Jahr noch bei uns in die Schule geht", stellt Schwarzenberger klar. "Doch danach fahren die Kinder definitiv nach Mittenwald." Daraus entsteht der Gemeinde Krün eine finanzielle Belastung durch den Schulbeitrag, den sie an die Marktgemeinde zahlen muss, und die Fahrtkosten der Schüler. Die Posten summieren sich mit der Gemeinde Wallgau auf etwa 40 000 Euro. "Die wollen wir uns zurückholen", hebt der Bürgermeister hervor.

Von der Auflösung der Teilhauptschulen betroffen waren 470 Gemeinden in Bayern. "Aber bei denen herrscht Schweigen", klagt Franz Schopp (Freie Wähler). "Ihnen scheint es egal zu sein, dass hohe Zahlungen auf sie zukommen." Lediglich Bellenberg in Schwaben erhebt sich ebenfalls gegen die Landesregierung. "Sie haben bereits eine Rechnung geschrieben."

Beide Gemeinden berufen sich auf das so genannte Konnexitätsprinzip, das erst seit 2003 in der bayerischen Verfassung verankert ist. "Demnach gilt: ,Wer anschafft, soll auch zahlen‘", weiß Schwarzenberger. Sollte die Regierung den Antrag allerdings ablehnen und es zur Klage kommen, müsse man den Prozess auf jeden Fall gewinnen. "Eine Niederlage würde ein Exempel statuieren", warnt Schwarzenberger. "Der Gemeindetag möchte das auf jeden Fall vermeiden." Aber er begrüße die Vorgehensweise der beiden Zwerge gegen den bayerischen Goliath. "Für eine der beiden Gemeinden übernimmt eine Rechtsschutzversicherung die Prozesskosten."

Das macht den Volksvertretern Mut. Ihre Entscheidung: "Wir schließen uns Bellenberg an", sagt Schwarzenberger. "Wir fordern bis Dezember die Ausgleichszahlung von der Regierung zurück." Nach Ablauf der Frist wird sich erweisen, ob ein kleines Dorf dem "Bayerischen Imperium" trotzen kann.

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Donnerstag, 10.08.2006

von Nick Scheder

Caravan-Park: Letzte Bedenken ausgeräumt

Krün – Großprojekte haben momentan Hochkonjunktur im Oberen Isartal. Die Therme im Mittenwalder Riedboden ist beschlossene Sache (wir berichteten). Und auch die Erweiterung des „Alpen-Caravan-Park Tennsee" nimmt konkrete Formen an. Der Gemeinderat Krün hat einstimmig beschlossen, den Bau fortzusetzen, nachdem verschiedene Bedenken und Abwägungen beteiligter Behörden ausgeräumt wurden.

„Wünsche oder Einsprüche von Bürgern zur Änderung des Flächennutzungsplanes gab es keine", sagte Bürgermeister Thomas Schwarzenberger auf der Sitzung. „Dafür kamen einige Anmerkungen von Seiten der zuständigen Ämter." Das Baurecht des Landkreises erfordert eine Beschränkung auf zwei Wohnungen im geplanten Privathaus. „Nach bisherigen Vorgaben wären unbegrenzt Appartments möglich gewesen", stellte der Bürgermeister klar. Der Naturschutz möchte die Ausgleichsflächen für neu erschlossenes Gebiet festgeschrieben wissen. „Innerhalb von fünf Jahren soll das Areal in den Buckelwiesen wieder hergestellt werden", betont Schwarzenberger.

Bedenken gegen das Vorhaben brachte das Wasserwirtschaftsamt hervor. „Die haben mittlerweile in einem – sehr teuren – Gutachten den Hochwasserschutz sicher gestellt." Erstaunen rief bei den Volksvertretern die Bestimmungen zu Kupfer-Dächern und -Abwasserrohren hervor. „Darf man das Material jetzt für Regenrinnen nicht mehr verwenden?", wunderte sich Franz-Paul Reindl. „Es ist ökologisch bedenklich", klärte Ferdinand Glasl auf. „Die Ionen wandern ins Grundwasser."

Probleme mit der Rodung des Gebietes am Caravan-Park hatte schließlich das Amt für Landwirtschaft und Forsten. „Es hat dem Plan grundsätzlich zugestimmt, aber hatte Bedenken mit den betriebsnahen Ausgleichsflächen", sagte Schwarzenberger. „Wir konnten ihnen aber klar machen, dass es für die Urlaubsgäste gut ist, wenn sie die Flächen gleich nebenan vorfinden."                          

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Samstag, 13. Mai 2006

Kontrolleur fahndet nach schwarzen Schafen – Vermieter sollen pünktlicher melden
von Veronika Schandl

Krün – Es soll keine Überwachung sein, nicht die absolute Kontrolle. Doch den Vermietern auf die Finger zu schauen und manches schwarze Schaf zu entlarven, das erhofft sich Krüns Bürgermeister Thomas Schwarzenberger schon von dem Kontrolleur, der bis Mai 2007 nun die Meldemoral unter die Lupe nimmt. Darauf einigten sich die Gemeinderäte. Auch wenn die meisten – den Rathauschef ausgenommen – der Entscheidung skeptisch gegenüber stehen. Mindestens viermal in den nächsten zwölf Monaten wird der Kontrolleur unangemeldet auf die Klingel einiger Vermieter drücken. "Er hat Zutrittsrecht", erläuterte Schwarzenberger, allerdings nur in Gästezimmer, die nicht belegt sind. Außerdem muss ihm der Vermieter genau aufschlüsseln, welche seiner Wohnungen zu diesem Zeitpunkt vergeben sind, und ob die nicht gemeldeten Räume auch tatsächlich leerstehen –Informationen, die ihren Gang über die Gemeindeverwaltung machen und in der Tourist-Information abgeglichen werden.

"Ich bin dagegen, war schon immer dagegen", vertrat Georg Schober (Aktiv für Krün) seinen Standpunkt. Er habe für einen "Polizeistaat" nichts übrig. Und auch Franz Schropp (Klais) hatte "Bauchschmerzen bei der Geschichte", der die Touristik-Branche derzeit als gebeutelt genug empfindet. "Es entstehen nur Streit und Missgunst" – Gründe, weshalb er sich der Meinung des Bürgermeisters nicht anschließen konnte, "auch wenn es finanziell lukrativ wäre".

Dass sich ein solcher "Ermittler" rechnet, zeigt das Beispiel Grainau. Seit 2004 erhalten die Vermieter dort unangemeldete Stippvisiten, inzwischen war der Kontrolleur 21 Mal aktiv, überprüfte 168 Betriebe. 30 Verfahren (mindestens eine Verwarnung) hat die Gemeinde derzeit am Laufen. "Wir sind durchwegs zufrieden", sagte Franz Fritz, stellvertretender Tourismus-Direktor in Grainau. Mit dieser Methode möchte man niemanden in die Pfanne hauen, sondern neben den paar Beitrags-Verweigerern vielmehr Vermieter, die es "bei der Anmeldung öfter schleifen ließen", ein "wenig erziehen".

Auch in Farchant, Murnau und Wallgau versucht man, so den schwarzen Schafen unter den Vermietern das Handwerk legen. Allein Mittenwald hat nach einer Probezeit das Experiment abgebrochen. " Es brachte nicht den erwarteten Erfolg", sagte Bürgermeister Hermann Salminger. Doch die Krüner wollen es versuchen. Nach zwölf Monaten wägen die Kommunalpolitiker erneut ab, ob sich die Sache rentiert. Denn Schober bezweifelt, dass die Kontrolle der Kommune finanzielle Mehreinnahmen bringe – auch wenn nach Schwarzenbergers Informationen in Grainau erheblich mehr Übernachtungen in den ersten Monaten verzeichnet wurden. Die Kraft der Abschreckung soll’s nun in Krün richten.

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Freitag, 12. Mai 2006

von Veronika Schandl

Reservierung: Gleiche Gebühr für alle Vermieter – Gemeinderat erzielt Kompromiss

Krün – Rathauschef Thomas Schwarzenberger hatte es gut gemeint. Doch dieser Schuss ging nach hinten los. Er und seine Bürgermeister-Kollegen im Oberen Isartal verfolgten den Plan, dass Vermieter, die sich bereits einer freiwilligen Qualifizierung unterzogen hatten, für das Reservierungssystem "Deskline" nur die Hälfte zahlen müssen. Doch das löste in Krün Widerstand aus, nachdem auch der Gemeinderat darüber nicht explizit informiert wurde. Nun ruderte Schwarzenberger zurück und einigte sich auf einen Kompromiss.

Vor allem mangelte es an Information, gestand der Bürgermeister ein, der sein Vorhaben über einen Info-Brief an alle Vermieter versandt hatte. Ein Gemeinderatsbeschluss über die Gebühren von "Deskline" jedoch war, als das Schreiben in den Briefkästen landete, nicht vorhanden. Die Kosten lagen ursprünglich zwischen 30 und 70 Euro für das Reservierungssystem; die registrierten Vermieter hätten noch in diesem Jahr das Geld überweisen müssen.

Eine Vereinbarung, die Georg Schober (Aktiv für Krün) nicht abnicken konnte. Er legte statt dessen einen Antrag zu diesem Thema vor: Zum einen forderte er für alle Betriebe den gleichen Betrag, zum anderen sollen die Gebühren heuer nicht erhoben werden. "Der Vermieter hat doch erst ab 2007 einen Nutzen davon."

Die Sonderbehandlung einiger Betriebe stieß nicht nur Schober sauer auf. "Es müssen einheitliche Tarife veranschlagt werden", plädierte Franz-Paul Reindl (BWG). Eine finanzielle Bevorzugung einiger Vermieter sei nicht haltbar, betonte Christl Wurmer (CSU). "Die Gemeinde darf auf diese Weise keinen Druck auf die Vermieter ausüben", sagte Wurmer, die die Klassifizierung für "reine Abzocke" hält.

Dass mehr Betriebe Sternchen sammeln, genau das wollte Schwarzenberger mit der Initiative bezwecken. "Die Qualität der Häuser ist vorhanden; wir zeigen sie nur zu wenig", rechtfertigte sich Schwarzenberger. Nur so könne Krün auf dem Markt bestehen und Neukunden anlocken, unterstützte Ulrich Holzer (BWG) den Rathaus-Chef. Nur eben der Weg, auf dem die Subventionierung fußt, sei der Falsche.

Nicht über die "Deskline"-Beiträge soll die Unterstützung künftig laufen, die Gemeinde will sich auf Alternativen einigen. Die Kommunalpolitiker verständigten sich im Sitzungssaal deshalb auf einen Kompromiss: Jeder Vermieter zahlt für 2006 den ermäßigten Betrag, der liegt bei Beherbergungsbetrieben mit über 40 Betten bei 35 Euro. Außerdem wollen Schwarzenberger und Co. für die Krüner einen Informations-Abend veranstalten, wo letzte Fragen geklärt werden sollen. Ganz nach dem Motto: Besser spät als nie.

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Donnerstag, 11. Mai 2006

von Veronika Schandl

Knappe Kassen: Krün lebt von den Rücklagen – für viele Projekte fehlt das Geld

Krün – Es gab für die Krüner Gemeinderäte nur einen Trost: "2007 wird´s besser", sagte Thomas Schwarzenberger, als er dem Gremium den Haushalt für 2006 vorlegte. Denn der ist vor allem durch eines geprägt: den tiefen Griff in die kommunalen Kassen. Schon allein um die Tilgung der Kredite aufbringen zu können, müssen die Rücklagen angepackt werden. Und trotzdem reicht das Geld nicht für notwendige Baumaßnahmen.

Weder die Funktionshütte an der Loipe, noch die neuen Fenster im Lesesaal können heuer realisiert werden. Auch die Urnenwand am Friedhof, die der Krüner Bürgermeister Thomas Schwarzenberger in diesem Jahr realisieren wollte, muss zurückgestellt werden. "Wir haben überall dort gekürzt, wo es noch ging", sagte Schwarzenberger. Doch allein um die Kredit-Tilgung stemmen zu können, muss der Rathaus-Chef den Griff in die Rücklagen wagen. Das finanzielle Polster schmilzt deshalb um 433.500 auf 450.235 Euro.

Damit wollen Schwarzenberger und Co. den Bau einer Brücke finanzieren sowie einige Grundstückserwerbe abwickeln. In diesem Jahr steht ebenfalls die Renovierung und Erweiterung der Tourist-Information an – eine Maßnahme, die Kämmerer Reindl mit rund 40.000 Euro im Etat veranschlagt hat. Auch der Fuhrpark des Bauhofs muss teilweise erneuert werden. "Die Schneefräse fällt schon fast auseinander", sagte Schwarzenberger.

Dass es 2006 "sehr eng" werde, prophezeite bereits der ehemalige Kämmerer Helmut Kieweg. Deshalb habe man in den vergangenen Jahren auch versucht, etwas auf die hohe Kante zu legen, sagte der Rathaus-Chef. "Sonst wären wir jetzt auf die Nase gefallen." Doch Schwarzenberger geht für die kommenden Jahre fest von einer Verbesserung der finanziellen Situation aus. Neben der Pro-Kopf-Verschuldung, die seit 2002 stets sinkt, verringern sich laut Kämmerer Reindl auch die Schulden bis zum Jahr 2012 um 147.000 Euro – "außer es ist irgendwo der Teufel los".

Und so hoffen die Krüner dass dieser Haushalt die Ausnahme bleibt. Ulrich Holzer (BWG): "Denn ein solch enormer Eingriff in die Rücklagen wäre ein zweites Mal nicht drin."


Hauhalt in Zahlen

Allgemeines:
Gesamtvolumen:        4,877.800 Euro
Verwaltungshaushalt: 3,449.000 Euro
Verwaltungshaushalt: 1,428.800 Euro

Schulden:
Stand Ende 2006:                        2,717.000 Euro
Pro-Kopf-Verschuldung (Ende 2006): 1.361 Euro

Einnahmen:
Grundsteuer A + B: 355.000 Euro
Gewerbesteuer:      260.000 Euro
Kurbeitrag:              360.000 Euro

Ausgaben:
Personalkosten:  784.300 Euro
Kredittilgung:       262.500 Euro

Investitionen:
Brückenbau:                        120.000 Euro
Umbau Tourist-Information:     40.000 Euro
Parkplatz-Anlagen:                60.000 Euro

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Donnerstag, 27. April 2006

Aus und vorbei: Teilhauptschule wird aufgelöst – Frust in Krün und Wallgau

von Christof Schnürer

Krün – Schulamtsleiter Peter Brandt überbrachte gestern die schlechte Nachricht: Für die Teilhauptschule Wallgau-Krün hat die letzte Stunde geschlagen. Ab September ist endgültig Schluss, dann geht`s für die aktuell 41 Fünft- und Sechstklässler nach Mittenwald. Zu allem Überfluss wurde von der Regierung von Oberbayern der Vorschlag abgelehnt, die 6. Jahrgangsstufe im kommenden Schuljahr noch in Wallgau zu belassen.

Der Frust bei den Bürgermeistern Thomas Schwarzenberger (Krün) und Georg Jennewein (Wallgau) sowie Rektorin Christine Hundsdorfer saß natürlich tief, als sie am Mittwoch, kurz nach 15 Uhr, im Krüner Rathaus die bittere Pille schlucken mussten. "Wenigstens brauchen wir uns nicht vorwerfen lassen, nicht alles probiert zu haben", versucht Schwarzenberger dem Ganzen etwas Positives abzugewinnen. "Jetzt müssen wir endgültig in den sauren Apfel beißen", meint wiederum Jennewein.

Der Wallgauer Rathauschef wird die jüngste Entwicklung heute abend im Gemeinderat thematisieren. Gesprächsbedarf in beiden Volksvertretungen wird es noch genug geben. Durch den künftigen Transfer der Buben und Mädchen in die Grund- und Hauptschule nach Mittenwald müssen die beiden kleinen Isartalorte pro Kind rund 1000 Euro so genannten "Kostenersatz" an die Marktgemeinde überweisen. Alles in allem: 40 000 Euro. Dazu kommen jährlich noch zirka 30 000 Euro für den Schulbus-Einsatz.

Wallgau und Krün wollen daher vom Gemeindetag prüfen lassen, ob ein Normenkontrollverfahren, sprich eine Klage gegen den Freistaat, sinnvoll ist. "Aber wir müssen uns das genau überlegen", meint Schwarzenberger. Denn eine Niederlage vor dem Verwaltungsgericht könnte teuer werden, weil sie nicht durch eine Rechtschutz-Versicherung abgedeckt werden kann. Falls der Gang vor den Kadi erfolgversprechend beurteilt wird, wolle man sich auf das "Konnexitätsprinzip" (Wer anschafft, muss zahlen) berufen. Mit anderen Worten: Der Urheber dieser Entwicklung, die Staatsregierung, soll die Mehrbelastung übernehmen, zumindest solange Krün und Wallgau die zur Klassenbildung erforderliche Mindestschülerzahl von 15 nicht unterschreiten. Derzeit sind `s noch über 19 Buben und Mädchen.

Enttäuscht ist Krüns Bürgermeister von Kultusminister Siegfried Schneider (CSU). Der habe nämlich bei der Sonderregelung, die Sechstklässler noch ein Jahr in Wallgau zu belassen, seine Hilfe zugesagt. Schwarzenberger: "Da werden wir noch mal nachfassen."

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Freitag, 24. Februar 2006

Der Hansmartl hat´s gehört!

Grüß Gott liebe Leser!

"Bitte was?!" Dem Reindl Franz-Paul verschlug es fast die Stimme, als ihn sein Krüner Gemeinderatskollege Klaus Koppe, seines Zeichens Architekt, mit einem Fachausdruck aus einer anderen Galaxis konfrontierte: "Rooftop-Infinity-Pool". Gemeint ist damit ein unendlich scheinenes Schwimmbecken auf dem Dach eines Hauses. Entstehen soll´s noch heuer auf Schloss Elmau. Und da wird mitunter zuletzt wegen des internationelen Klientels schon mal ein bisschen globaler parliert. "Alt-Elmauerisch" sagt Bürgermeister Thomas Schwarzenberger dazu.

Euer Hansmartl

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Freitag, 24. Februar 2006

Sparschwein der Gemeinde prall gefüllt – Krün für Notfall gut gerüstet

von Christof Schnürer

Krün  – Die Finanzsituation in Krün bleibt angespannt: 2,3 Millionen Euro Schulden drücken auf den Gemeindesäckel. Dennoch kreist der Pleitegeier nicht mehr direkt überm Rathaus. Für ihn gibt`s momentan nichts zu holen, da das Isartal-Dorf fleißig Geld auf die Seite gebracht hat. "Im Gegensatz zu vielen anderen können wir noch beruhigt schlafen", verdeutlichte Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) bei der Präsentation der Jahresrechnung 2005.

Das, was eine Kommune im Sparschwein hat, nennt der Experte im Fachjargon "Rücklagen". Davon hortete die Gemeinde bis Ende des Vorjahres knapp eine Million Euro. Exakt ausgedrückt: 923.735,21 Euro. Allein 246.000 Euro konnten 2005 zusätzlich in die "Notfall-Box" gesteckt werden. Da können die Wallgauer Nachbarn nur mit Neid nach Krün blicken. Deren Polster für schlechte Zeiten ist nämlich bis auf den Mindestsatz komplett aufgebraucht.

Warum sich der Krüner Haushalt "grundsätzlich positiv" entwickelte, so Schwarzenberger während der jüngsten Gemeinderatssitzung, habe freilich seine Gründe. Zum Beispiel bei den Steuern. So verbuchte Kämmerer Bartholomäus Reindl etwa bei der neu eingeführten Zweitwohnungssteuer ein Plus von 19.000 Euro. Bei der Gewerbesteuer waren es 14.500 Euro mehr.

Eine gut gefüllte Kasse ist aber angesichts unaufschiebbarer Investionen in diesem Jahr zwingend vonnöten. Schwarzenberger bringt dabei die neue Brücke über die Flutmulde, einen dringend gebrauchten Schneepflug (15.000 Euro), Dachsanierung des Feuerwehrgebäudes und die Renovierung des sogenannten "Lehrerhauses" ins Spiel, um nur die wichtigsten Punkte zu nennen.

"Wir müssen auch heuer große Herausforderungen meistern." Bürgermeister Thomas Schwarzenberger

Und bei einer Pro-Kopf-Verschuldung von 1.464 Euro - als Schwarzenberger 2002 das Ruder von Sepp Zahler übernahm, waren es noch knapp 1.700 Euro - ist es für eine Gemeinde wie Krün nicht mehr so einfach, Projekte über einen Kredit zu finanzieren. Das weiß auch Schwarzenberger. Gegenüber dem Tagblatt betonte er: "Wir müssen auch heuer große Herausforderungen meistern." Über eines freut er sich aber schon jetzt: 2007 wird die letzte Rate fürs Kurhaus fällig. "Dann", so Gemeinderat Franz-Paul Reindl (Bürgerliche Wählergemeinschaft) treffend, "gehört es uns."

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Donnerstag, 8. Dezember 2005

von Christof Schnürer

Loipen-Entgelt: Nach Wallgau auch in Krün ? – Habersetzer bringt Antrag ein

Krün – Wallgau hat`s vorexerziert, nun soll`s Krün nachmachen. Die Rede ist von dem freiwilligen Loipenentgelt. Leonhard Habersetzer (Bürgerliche Wählergemeinschaft / BWG) reichte hierzu einen entsprechenden Antrag im Rathaus ein. Am Dienstag soll er in der Krüner Gemeinderatssitzung behandelt werden.

"Das ist keine Abzocke", versichert Habersetzer. "Wenn ich ins Kino gehe, muss ich doch auch zahlen." Der Mann von der BWG hatte schon in der Ära von Bürgermeister Josef Zahler einen ähnlichen Vorstoß unternommen, scheiterte damals jedoch mit seinem Ansinnen.

Im Grunde wäre ihm das Modell von Reit im Winkl am liebsten, bekundet der 51-jährige Volksvertreter, selbst begeisterter Langläufer. Danach erhalten Gäste einen zeitlich befristeten Pass zum Nulltarif, den sie sich in der Loipe umhängen.

"Dadurch würde die Meldemoral angehoben und die Kurkarte aufgewertet werden", zeigt sich Habersetzer überzeugt. Nachdem sich die Wallgauer aber nun schon in eine andere Richtung bewegt hätten – freiwilliges Loipenentgelt, einzuzahlen in entsprechende Automaten –, müsse man sich nun mit den Nachbarn abstimmen.

Vor der Debatte am Dienstag wollte Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) noch nicht zu sehr ins Detail gehen. Dennoch ließ er durchblicken: "Ich sehe das Ganze kritisch." Das hat er im Übrigen in Vorgesprächen mit seinem Kollegen Georg Jennewein schon anklingen lassen, wie während der jüngsten Wallgauer Gemeinderatssitzung herauszuhören war. Schwarzenbergers Skepsis hat natürlich einen Grund: Während in Wallgau lediglich zwei Loipenautomaten à 4.000 Euro an guten Einstiegsmöglichkeiten am Isarsteg und am "Haus des Gastes" aufgestellt werden müssten, wären es in Krün mindestens derer sieben: an der Krottenkopfstraße, am Maximilianhof, kurz vor Wallgau, in Gerold, am Barmsee, zwischen Barmsee und Krün sowie an der Nachtloipe an der Finzbachstraße. Im Grunde, so Schwarzenberger, sei es eigentlich ein "Wettbewerbsvorteil" im Gegensatz zu den Nachbarn in Tirol, mit kostenlosen Loipen für Naherholer zu werben.

Auch Ludwig Knilling, Vorsitzender des Mittenwalder Tourismus-Vereins, sieht in dem Loipen-Entgelt "ein zweischneidiges Schwert". Im Zeitalter der "Alpenwelt Karwendel" verstehe er ohnehin nicht, "warum Wallgau einen Alleingang macht".

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Samstag, 19. November 2005

Mobilfunkmast wird aus dem Dorf verbannt - Klaiser Protest zeigt Wirkung

von Christof Schnürer

Krün - Im Streit um die neue Klaiser Mobilfunkanlage zeichnet sich eine Lösung ab. Nachdem Anwohner in dem Krüner Ortsteil per Unterschriftenaktion gegen den auf einem Privatanwesen an der Kirchleiten geplanten Handymasten mobil gemacht hatten, wurde nun ein neuer Standort ins Spiel gebracht: oberhalb des kleinen Sporthotels. Der Gemeinderat stimmte in seiner jüngsten Sitzung dem Vorschlag mit 9:0 zu. Jetzt hängt alles von T-Mobile ab.

"Das ist keine gute Lösung, aber wenigstens eine beruhigendere", meinte Franz Schropp (Freie Wähler Klais) im Verlauf der Debatte. Der 59-Jährige und sein Klaiser Listenkollege Klaus Koppe hatten im Vorfeld den entsprechenden Antrag eingebracht. "Wir sind nicht ganz glücklich darüber, aber es ist das kleinere Übel", verdeutlichte Koppe. Wenigstens sei der Mast aus dem Dorf draußen, so der einhellige Tenor im Gemeinderat. "Und technisch scheint der Standort auch geeignet zu sein", ergänzte Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU).

Das kleine Sporthotel, wo die genehmigungsfreie, umstrittene Anlage installiert werden soll, ist unbewohnt und befindet sich an der Bundesstraße in der Nähe der Klaiser Tankstelle. Nach zahlreichen Gesprächen und Briefwechseln deutet vieles mittlerweile daraufhin, dass T-Mobile mit dieser Position einverstanden ist, zumal damit sowohl der Krüner Ortsteil als auch das Gebiet an der B 2 Richtung Garmisch-Partenkirchen und nach Westen sendemäßig abgedeckt werden kann.

Damit könnte das monatelange Hickhack zwischen dem Gemeinderat Krün und aufgebrachten Klaisern auf der einen und dem Mobilfunkanbieter auf der anderen Seite endgültig beendet werden. Bei Franz Schropp mag trotzdem keine rechte Freude aufkommen. Er sieht beim Thema Mobilfunkstrahlen und möglicher Gesundheitsbelastungen nach wie vor eine "große Verunsicherung" in der Bevölkerung. Solange diese latente Angst mitschwingt, müsste Kommunen beim Aufstellen der Sendeanlagen stärkere Instrumente in die Hand gegeben werden. "Bei jedem Stadel und jeder Schupf brauchst ja auch eine Genehmigung."

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Mittwoch, 16. November 2005

Gewerbegebiet: Ministerium präsentiert Zahlen – 122 Euro pro Quadratmeter

von Christof Schnürer

Krün/München – Das Krüner Gewerbegebiet wird ein Stück weit realistischer. Gestern erhielt die Gemeinde einen vorläufigen Bauland-Quadratmeterpreis für das südlich gelegene Areal zwischen den beiden Bundesstraßen. Alles in allem verlangt das zuständige bayerische Finanzministerium 122 Euro. "Da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen", meint Bürgermeister Thomas Schwarzenberger.

Der 35-jährige Rathauschef war gestern mit seinem Vize Klaus Koppe zu Verhandlungen nach München gereist. Neben den Krünern haben jeweils zwei Ministeriale und Vertreter des Landesamts für Finanzen daran teilgenommen. Über den in den Raum gestellten Preis "bin ich noch nicht ganz zufrieden", bemerkte Schwarzenberger. Denn in die Summe seien noch nicht die anfallenden Erschließungskosten eingerechnet. Ziel des Bürgermeisters ist es, den künftigen Gewerbegrund unter 150 Euro pro Quadratmeter an Unternehmer zu veräußern. Ansonsten würde es aufgrund der angespannten wirtschaftlichen Lage schwer werden, mit ihnen ins Geschäft zu kommen. Das Gute an dem jüngsten Deal: Die Gemeinde muss nicht wie früher die kompletten 25 000 Quadratmeter Grund dem Land Bayern abkaufen, sondern nur nach Bedarf. Massive Vorfinanzierungskosten fallen demnach also nicht an.

Im nächsten Schritt wird Schwarzenbergers Stellvertreter Koppe - der Klaiser ist bekanntlich Architekt - eine Skizze für das Gewerbegebiet anfertigen, sozusagen als Grundlage für einen späteren Bebauungsplan. Spätestens Mitte 2006 wolle man einen verbindlichen Quadratmeterpreis präsentieren, so Schwarzenberger, "eher aber früher". Vielleicht ist der Grund dann so verlockend, dass es mehr als momentan fünf Interessenten gibt. Dem Bürgermeister ist aber noch nicht nach Jubel zumute. Im Gegenteil: "Es bleibt noch einiges zu tun."

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Donnerstag, 15. November 2005

Loipengebühr abgeschmettert – Statt dessen bittet Krün die Autofahrer zur Kasse

von Birgit Botzenhart

Krün - Mit dem Ergebnis seines "Stiches ins Wespennest" sei er zufrieden, sagte Leonhard Habersetzer. Das verriet der Krüner Gemeinderat von der Bürgerlichen Wählergemeinschaft (BWG) erst am Ende der Sitzung. Er hatte den Antrag für eine freiwillige Loipengebühr eingebracht. "Jetzt herrscht Klarheit", fasste er das Ergebnis der Abstimmung zusammen. Krün sagt eindeutig "Nein" zu diesen Plänen.

Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) hatte sich bereits zuvor kritisch dazu geäußert, die Langläufer zur Kasse zu bitten. In der Gemeinderatssitzung begründete er ausführlich seine Bedenken: "Der einzige positive Aspekt ist, dass wir ein bisserl Geld einnehmen würden, aber das Negative überwiegt." Als ersten Hinderungsgrund nannte er die Bayerische Verfassung: "Jeder Bürger hat freien Zutritt zur Natur." Deshalb fehle die Grundlage für eine Gebührenerhebung.

Wenn die Gemeinde außerdem mit den Langläufern ein Geschäft mache, würden die Grundbesitzer gleich ihren Anteil einfordern. "Damit wären die Einnahmen sofort wieder relativiert, oder wir müssten noch draufzahlen", meinte Schwarzenberger. Außerdem sei das kostenlose Angebot in Krün "ein klarer Wettbewerbsvorteil, auf den wir noch mehr aufmerksam machen müssen." Bei diesem Gedanken ging er über die Grenze der Alpenwelt Karwendel hinaus: Die kostenfreien Loipen sollten gemeinsam mit dem Gebiet Kaltenbrunn bei Garmisch-Partenkirchen und mit Grainau vermarktet werden. "Das Risiko ist groß, die Leute mit einer Gebühr zu vergraulen, so dass sie nicht mehr kommen."

Generell will sich Schwarzenberger aber Einnahmen nicht durch die Lappen gehen lassen. Die Alternative zur Loipengebühr: Parkautomaten - vorerst probeweise. "Damit erreichen wir nicht nur die Langläufer, sondern auch die Wanderer, für die wir ja auch einen Aufwand betreiben", argumentierte er. Die Kosten: zwei Euro für drei Stunden, darüber vier Euro – außer, man ist im Besitz einer Jahres- oder Gästekarte.

Franz Schropp (Freie Wähler) sah keinen großen Unterschied zwischen dem "Loipenzoll" und der Parkgebühr. "Ist das denn wirklich nötig? Bisher lief auch alles über die Kurtaxe", meinte der Gemeinderat.

Schwarzenberger hielt ihm entgegen, dass die Gemeinde 60.000 bis 80.000 Euro pro Jahr für die Loipen aufwende. Die Gemeindeeinnahmen stiegen aber nicht, und es falle auch nicht leicht, mehr Urlauber in den Ort zu holen. "Wie können wir unsere Leistungen erhalten?", fragte der Bürgermeister. Durch die Parkgebühren könnte auch der Münchner beteiligt werden, der keine Kurtaxe zahle.

Nach der Diskussion bestimmten die Räte einstimmig, keine Loipengebühr einzuführen. Der Entschluss für das kostenpflichtige Parken wurde mit einer Gegenstimme verabschiedet, und Schwarzenberger bekam das Mandat, mit weiteren Gemeinden über die Loipenvermarktung Gespräche zu führen.

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Freitag, 7. Oktober 2005

Kritische Stimmen aus Krün – Ja zu Wellnesshotel auf Buckelwiesen, aber es bleiben Zweifel

von Christof Schnürer

Mittenwald/Krün - Unterhaltungshotel, Erlebnisgastronomie - Christian Dudek hat Großes vor mit seinem "Tonihof". "Wenn ich was mache, dann vernünftig", betont der Architekt. Wann und wie sein Wellnesstempel auf den Buckelwiesen (wir berichteten) Realität wird, steht noch in den Sternen. Das Bauleitverfahren für das Millionen-Projekt hat erst begonnen. Als Nachbarort wurde hierzu nun Krün gehört. Und dort gibt es zu diesem, auf Mittenwalder Flur bis dato einmaligen Vorhaben auch kritische Stimmen.

Christian Dudek hatte es eilig. Unmittelbar nachdem sein Punkt vom Krüner Gemeinderat abgehandelt worden war, suchte der Mittenwalder den Ausgang. Ein Blick zurück, ein kurzes Lächeln, weg war er. Dabei wird er beim Verlassen des Rathauses wohl eher leicht angefressen gewesen sein. Denn das, was einige Volksvertreter zu der geplanten Umwandlung seines 22-Zimmer-Tonihofs in eine 150-Suiten-Luxusherberge zu sagen hatten, konnte ihm nicht gefallen. Zwar hatte das Gremium - es muss angehört werden wegen der Änderung des Flächennutzungsplans in diesem Bereich - grundsätzlich nichts gegen das Projekt, vereinzelt hörte man dennoch Bedenken heraus, vornehmlich von Georg Schober.

"Wir sollten uns mal vor Augen führen, was da entsteht", sagte der Hotelier. Der künftige "Tonihof" im Hauptwandergebiet der Region werde in exponierter Lage und in einem von Landwirtschaft geprägten Terrain ums Vierfache anwachsen. Das Wellness-Luxushotel habe dann die Größe der Luttensee-Kaserne. "Das muss man sich mal vorstellen", verdeutlichte der Tourismus-Referent. Und wie soll der Betrieb mit solchen riesengroßen Suiten bis zu 110 Quadratmetern überhaupt laufen?, fragt sich Schober. "Im Nu sind das doch Eigentumswohnungen."

Franz-Paul Reindl wiederum wies den Bauwerber auf die Konkurrenz in Elmau und Kranzbach hin, die in Kürze ihre Herbergen in Top-Wellness-Adressen umwandeln werden. Und dann wurde auch die Frage nach dem Investor laut. Der Ölmilliardär Roman Abramowitsch, der über eine Holding schon das Partenkirchner Leitenschlössl gekauft hat, ist es jedenfalls nicht, wie Christian Dudek klarstellt. "An dem Gerücht ist überhaupt nichts dran." Schon seit längerem kursiert der Name des steinreichen Russen an den Mittenwalder Stammtischen.

Über die Argumentation einiger Krüner Gemeinderäte wollte sich Dudek, dessen Großvater vor 50 Jahren den "Tonihof" errichtet hatte, nicht äußern. "Es gibt immer welche, die sich profilieren wollen." Er verfolge diese Idee von Wellness auf den Buckelwiesen schon seit 20 Jahren. "Es geht ja nicht nur um uns, sondern um die ganze Region." Und in der fehle einfach seit langem ein Leithotel. Solche gebe es in Seefeld zuhauf. Ihm schwebt vor, dass auf seinem acht Hektar umfassenden Anwesen eine Luxusherberge entsteht, die bis zu 220 Menschen in Arbeit und Brot bringt. Momentan zählt man im "Tonihof" vier Angestellte. Doch Dudek will noch weiter gehen. In Ermangelung eines Mittenwalder Kurhauses möchte er in dem künftigen Spitzenhotel einen Theatersaal unterbringen. Auch dem von Krüns Gemeinderat Franz Schropp ins Spiel gebrachten kleinen Café für Spaziergänger ist Dudek nicht abgeneigt. Zur Erinnerung: Vor zwei Jahren wurde der beliebte Ausschank für Wanderer am "Tonihof" geschlossen.

Eines ist für Christian Dudek aber auch klar: "Entweder wir helfen uns gegenseitig oder wir lassen`s, gegen Windmühlen werde ich nicht kämpfen."

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Donnerstag, 6. Oktober 2005

von Christof Schnürer

Morgen fällt die endgültige Entscheidung – Totalabriss der Schlossflügel?

Der Krüner Gemeinderat steht jedenfalls hundertprozentig auf der Seite von Schlossherrn Dietmar Müller-Elmau. Das war die eindeutige Botschaft der Volksvertreter während der jüngsten Sitzung am Dienstagabend. Ohne Gegenstimmen (12:0) segnete das Gremium den eingereichten Bauantrag ab.

Der Plan, der laut Müller-Elmau demnächst noch in einigen Punkten modifiziert werden soll, sieht "im Prinzip" die Rekonstruktion der beiden zerstörten Flügel vor. Der 1:1-getreue Wiederaufbau beziehe sich auf die Fassade und die öffentlichen Räume. Die beiden künftigen Trakte weisen allerdings 40 Zimmer weniger auf als der ursprüngliche Bau. Mit anderen Worten: Die neuen Suiten mit durchschnittlich 40 Quadratmetern werden größer, moderner und komfortabler als jene fast 90 Jahre alten Quartiere, die am 7. August in Rauch und Flammen aufgegangen sind.

Ob aber am kommenden Montag mit dem mehrwöchigen Totalabriss von West- und Südflügel begonnen werden darf und Mitte November der Wiederaufbau gestartet werden kann, hängt nun vom obersten Denkmalschützer Dr. Könner in München ab. Dass die von ihm verteidigten Holzdecken (wir berichteten) nicht mehr zu retten sind, dass steht für Krüns Bürgermeister Thomas Schwarzenberger außer Zweifel. "In den beiden betroffenen Flügeln sind inzwischen bis in den Keller giftige und krebserregende Keime aufgetaucht", berichtete er dem Gemeinderat. Diese unvermeidbare Durchfeuchtung sei nicht zuletzt das Resultat des massiven Löschwassereinsatzes der Feuerwehr am Katastrophentag. Daher schlussfolgert Schwarzenberger: "Das muss alles komplett abgerissen werden."

Nach den Erfahrungen mit dem Landesamt für Denkmalpflege im Falle Schloss Kranzbach wünscht sich der Rathauschef, dass beim Bauvorhaben Elmau auftretende Probleme "schneller" gelöst werden können. "Die Vorzeichen dafür stehen zumindest besser."

Elmau – Morgen fällt die endgültige Entscheidung: Dann lüftet das Landesamt für Denkmalpflege das Geheimnis, ob sie gegen den beantragten Komplett-Abriss des brandgeschädigten West- und Südflügels von Schloss Elmau sein Veto einlegt. Vorab wollte der zuständige Gebietsreferent Dr. Nikolaus Könner, der vermutlich heute das Objekt in Augenschein nimmt, zur Causa "Elmau" nicht Stellung nehmen. Sein lapidarer Kommentar: "Wir können nullkommanull dazu sagen."

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Ein Geschenk für Mutter Kirche - Diözese und Gemeinde Krün sollen sich Klaiser Kapelle teilen

von Christof Schnürer

Klais/Mittenwald - Heutzutage kommt es eher selten vor, dass eine Gemeinde ein Gotteshaus erwirbt, ein halbes noch dazu.

So geschehen in Krün. Einem "glücklichen Umstand", betont Bürgermeister Thomas Schwarzenberger, sei es zu verdanken, dass per Eilentscheid die Hälfte der Kapelle im Ortsteil Klais in die Hände der Kommune überging. Auch der zweite Eigentümer, Max Baader aus Mittenwald, möchte seinen Teil nun der Kirche schenken.

"Das wäre eine sehr gute Konstellation", verdeutlicht Schwarzenberger. Denn so könnte der Erhalt des über 400 Jahre alten Kircherls (siehe Kasten) dauerhaft gesichert werden. Max Baader, langjähriger Mittenwalder Gemeinderat (1972 bis 1990) und Kreisrat der Freien Wähler (1984 bis 1996), sieht es ähnlich.

"Für mich ist es wichtig, dass meinen Anteil die Pfarrgemeinde St. Peter und Paul bekommt. "Doch so einfach lässt sich Mutter Kirche aber nichts schenken. Das sei vor einiger Zeit sogar in einem Grundsatzbeschluss geregelt worden, informiert Mittenwalds Dekan Thomas Gröner. Das hat natürlich seine Ursache: Die Erzdiözese München-Freising besitzt 3.100 Kirchen und Kapellen. Jährlich fallen da 71 Millionen Euro Sanierungs- und Erhaltungskosten an. Das ist viel Geld, "reicht aber hinten und vorne nicht", erläutert Gröner. Daher verzichtet die Diözese auf ihr angebotene, meist baufällige oder renovierungsbedürftige Gotteshäuser, weil die nur noch mehr Kosten verursachen. Im Falle Klais sei das freilich ganz was anderes, stellt der Mittenwalder Geistliche klar. "Die Kapelle dort ist nicht irgendeine." Sie gehe auf den legendären zweiten Bischof der Diözese München-Freising, Arbeo (764/765 bis783), zurück. "Das ist kirchengeschichtlich ungemein wertvoll." Dieser Argumentation schließt sich die Kirchenverwaltung der Pfarrei vollends an.

Einstimmig beschloss das Gremium, den Verantwortlichen in München und Freising nahezulegen, das Geschenk von Max Baader anzunehmen. Zumal die kleine Kapelle, in der sogar schon Taufen und Hochzeiten gefeiert wurden, baulich in gutem Zustand ist. "Nur das Schindeldach muss erneuert werden", schränkt Bürgermeister Schwarzenberger ein. Er holte sich nachträglich das einstimmige Placet des Krüner Gemeinderats.

Denn die Übernahme des Anteils der Klaiser Familie Kriner, die seit 1898 in Besitz der Kapellenhälfte war, musste aus finanziellen Gründen schnell über die Bühne gehen. "Ich bin froh, dass ich hart geblieben bin " Max Baader.

Damit gelang dem jungen Rathauschef ein Handel, der seinem Vorgänger Sepp Zahler trotz vielfacher Versuche in den 30 Jahren seiner Amtszeit nicht geglückt war. Er hatte es damals auf Max Baaders Hälfte abgesehen. Mehrfach sprach Zahler seinen Kreistagskollegen darauf an. "Ich bin froh, dass ich hart geblieben bin." Auch der ehemalige Mittenwalder Pfarrer Ludwig Hauf ist Baader damit "immer in den Ohren" gelegen.

Der heute 73-jährige Baader entstammt der Brauer-Dynastie Neuner. Seine Mutter ist eine Schwester des alten "Posthalters" Johann Neuner (1916). Im Zuge einer Erbauseinandersetzung erhielt sie die "Post" in Klais samt der dazugehörigen Kapellenhälfte. Später wurde das Gotteshaus aus dem Grundstück der Gastwirtschaft und des benachbarten Bauernhofes der Familie Kriner heraus gemessen und bekam eine eigene Flurnummer. So also darf sich Max Baader heute noch Kapellen-Miteigentümer nennen, obwohl im Laufe der Zeit die "Post" wieder verkauft wurde.

Nun aber möchte der kinderlose Mittenwalder die Schenkung an die Kirche über die Bühnebringen - rasch, am besten schon morgen. Falls die Diözese das Angebot ausschlägt, muss sich der gelernte Einzelhandelskaufmann was Neues überlegen. Dann sei es auch gar nicht mehr so abwegig, dass die Klaiser Kapelle ganz an die Gemeinde Krün geht. Baaders Wunsch ist aber ein anderer: "Ich möchte, dass mein Anteil in Mittenwald bleibt."

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Donnerstag, 29. September 2005

Kies, so weit das Auge reicht – Heute rollen im Krüner Gries wieder die Bagger an

Von Christof Schnürer

Krün/Wallgau - Wieviel tausend Kubikmeter Kies das August-Hochwasser angeschwemmt hat, darüber kann nur spekuliert werden. Krüns Bürgermeister Thomas Schwarzenberger schätzt, dass es eine satte sechsstellige Zahl ist. Um so glücklicher ist das 35-jährige Gemeindeoberhaupt, dass heute wieder die Bagger anrollen und Gestein im großen Stil aus der Isar holen.

Wie schon vor einem Jahr hat die Wallgauer Firma von Erwin Mayr den Zuschlag für die tonnenschwere Aufgabe erhalten. Mit Muldenkipper und Dreiachsern soll der Fuhrunternehmer mit seiner Belegschaft zwischen Stauwehr und Sägewerk rund 50.000 Kubikmeter Kies ausbaggern. Ein Teil davon wird an dem schon bestehenden Geröllberg in der alten Kiesgrube zwischengelagert, der andere Teil verkauft. Bis 15. Oktober muss die Aktion abgeschlossen sein. Das ist zweifellos mit Schmutz und Lärm verbunden, daher wirbt Bürgermeister Schwarzenberger bei den Anwohnern im Gries schon jetzt um Verständnis. "Sie müssen definitiv wieder mit Belästigungen fertig werden."

Rechnet man das im Vorjahr herausgeholte Gestein hinzu, werden nach Ende der aktuellen Arbeiten 100.000 Kubikmeter Kies der Isar entnommen worden sein. Wieviel das ist? Laut Schwarzenberger die Fläche eines Fußballplatzes und das Ganze 17 Meter hoch. Dieses Bild wird der Rathauschef auch am Sonntag verwenden, wenn er in Ohlstadt bei einer Podiumsdiskussion spricht.

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Samstag, 24. September 2005

Schlossherren von Kranzbach atmen auf - Bauarbeiten starten im Oktober

von Christof Schnürer

Kranzbach - Darauf hat Dr. Jakob Edinger eineinhalb Jahre gewartet. Nun ist sie da, die Baugenehmigung für Schloss Kranzbach.

Der Investor aus Tirol holte sie höchst persönlich im Landratsamt ab. Nun sollen in den nächsten Tagen noch letzte Details geklärt werden, dann, so Edinger, "können wir im Oktober anfangen". 21 Monate zog sich das Bauleitverfahren für das herrschaftliche Anwesen auf 1100 Metern Höhe hin. Am 27. Januar beschloss der Krüner Gemeinderat die Aufstellung eines Bebauungsplans für das 13 Hektar umfassende Areal, das zum Teil naturgeschützte Buckel- wiesen aufweist und deshalb auch ins Visier der Naturschutzbehörden geriet.

"Damit kommen wir dem Naturschutz entgegen "Dr. Jakob Edinger Weitaus mehr Bedenken hegte dagegen das Landesamt für Denkmalpflege in München. Erst nach zähen Verhandlungsrunden war dessen Gebietsreferent Dr. Nikolaus Könner bereit, dem eingereichten Aus- und Umbau des Schlosses in ein 170-Betten-Wellnesshotel zuzustimmen. Allerdings unter strengen Auflagen.

Sie finden sich in der Baugenehmigung auf 14 Seiten und in 80 Punkten. Diese zielen unter anderem auf Sicherheitsfragen oder ästhetische Kriterien (Dachfenster und -gauben) ab. "Das was halt die deutsche Bauordnung so vorsieht", ergänzt Edinger mit einem Schuss Süffisanz in der Stimme. "Aber wir werden das akzeptieren.
"Vielleicht schon in zwei Wochen wird mit den ersten vorbereitenden Arbeiten begonnen. So soll nordseitig ums Anwesen die geforderte Feuerwehrzufahrt realisiert, die landwirtschaftlichen Gebäude im Süden sollen abgerissen und Strom- und Telefonkabel in die Erde verlegt werden. "Damit", so der Unternehmer, "kommen wir auch dem Naturschutz entgegen". "Ich bin froh, dass das abgeschlossen ist "Thomas Schwarzenberger. Spielt der Wettergott mit, wird zudem im November mit dem Aushub für die große Garage begonnen. "Ansonsten motten wir alles für den Winter ein und heizen wieder mehrere Monate durch." Was bei den heutigen Energiepreisen, so Edinger, wahrlich kein Zuckerschlecken mehr sei.

Im April soll dann mit Vehemenz weiter gewerkelt werden, dass zwei Drittel des Millionen-Projekts bis Ende 2006 fertiggestellt sind und man an Weihnachten bereits wieder eröffnen kann. Der Rest soll bis Sommer 2007 fertiggestellt sein.

Edinger betont dabei, dass auch heimisches Handwerk bei der Umgestaltung des 90 Jahre alten Landsitzes zum Zuge kommen wird. Bereits jetzt arbeite man mit einer Zimmerei und Brauerei aus Mittenwald hervorragend zusammen, unterstreicht der Tiroler Investor. Aufatmen auch im Krüner Rathaus: "Ich bin froh, dass das abgeschlossen ist", meint Bürgermeister Thomas Schwarzenberger. Zumal das Unternehmen "Kranzbach" auch der Region positive wirtschaftliche Impulse bringen werde.

Nun kann sich der Gemeinderat mit ganzer Kraft dem Wiederaufbau von Schloss Elmau widmen.

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Samstag, 24. September 2005

Bescheidener Förderer des Isartaler - Sparkassen-Direktor Hubert Märkl wird 60

von Hardl Habersetzer

Krün - Sparkassendirektor Hubert Märkl feiert am morgigen Sonntag seinen 60.Geburtstag.

Der Isartaler leistete getreu seinem Motto "mehr sein als Schein" in bescheidener Weise viel für den Landkreis und das Isartal.

In einfachen Verhältnissen als Sohn einer Kriegerwitwe aufgewachsen, lernte er nach Eintritt in die Mittenwalder Geschäftsstelle seinen Beruf von der Pike auf. Die Kreissparkasse Garmisch-Partenkirchen kennt er wie seine Westentasche und wurde zum Personalratsvorsitzenden gewählt. In seiner Ära setzte er - für die damalige Zeit bahnbrechend - die variable Arbeitszeit durch.

Auf der Karriereleiter ging es für ihn bis zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden hinauf. "Die Selbständigkeit der Kreissparkasse und die Erhaltung der Arbeitsplätze in der Region sind mein ständiges Bestreben.

Die Entscheidungen dafür sollen in Garmisch-Partenkirchen und nicht, wie in einem Konkurrenzunternehmen, in Rom getroffen werden", sagte Märkl. Der sozial engagierte gläubige Katholik brachte sich 18 Jahre als Kirchenpfleger in der Pfarrei St. Sebastian ein. Er wirkte mit an Projekten wie der Kirchenrenovierung, dem Grundstückstausch für Schule und Kindergarten, der neuen Orgel und nicht zuletzt an der Entstehung der Kapelle Maria Rast auf den Buckelwiesen.

Oftmals war der Durchbruch bei Gesprächen seiner Ruhe und Beharrlichkeit gegenüber der Diözese zu verdanken. Vielseitig wie sein Leben ist auch seine Vereinstätigkeit. Als langjähriger Spieler und Gründungsmitglied hob er den Mittenwalder Eishockeyverein mit aus der Taufe, war Mitbegründer des Hospizvereins und ist heute noch Schatzmeister. Über das BRK, den Krippenverein, Kolping, die Fingerhakler, den Rosserverein und seinen Stammtisch in der Alpenrose hält der in Krün lebende Vater von drei Kindern regen Kontakt zu seinem Geburtsort.

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Mittwoch, 21. September 2005

Neue Flügel für Schloss Elmau? - Totalabriss von West- und Südtrakt ist beantragt

von Birgit Botzenhart

Krün -  "Der Totalabriss des West- und Südflügels ist beantragt", verkündet Dietmar Müller-Elmau. "Der Schaden ist doch größer als ursprünglich vermutet."

Die Unmengen an Löschwasser, die in der Brandnacht vor einem Monat auf die Gebäudeteile niedergingen, haben vor allem in den unteren Stockwerken großflächig Schimmel hervorgerufen. Krüns Bürgermeister Thomas Schwarzenberger bestätigt die Abrisspläne.

Die liegen ihm inzwischen vor. Der Gemeinderat muss sie aber als erste Instanz genehmigen. "Ich gehe davon aus, dass die Räte dagegen nichts einzuwenden haben", erklärt der Rathauschef.

Nach dem "Ja" aus Krün muss aber erst noch das Landratsamt die Denkmalpfleger anhören und danach zustimmen. Dabei sahen die anfänglichen Pläne wenige Tage nach der Zerstörung durch das Feuer vor, nur den Dachstuhl und die obersten Etagen abzureißen (wir berichteten).

90 Jahre alte Holzbalkendecken im Erdgeschoss und im ersten Stock sollten dadurch nach Wunsch des Landesamtes für Denkmalpflege erhalten bleiben. "Sie sind aber gar nicht sichtbar", erklärt Müller-Elmau, "sondern zwischen Fußboden und verputzter Decke versteckt."

Sie sollen inzwischen von einem Pilz befallen sein. Die Decken hätten einen Totalschaden, war das Ergebnis einer Untersuchung vor Ort mit Baubiologen. Bei den Neubauplänen soll nicht zuletzt wegen des Feuers, das glücklicherweise keine Opfer forderte, besonderes Augenmerk auf den Brandschutz gelegt werden. "Drei Dinge sind uns beim Einsatz aufgefallen", erklärt Kreisbrandrat Johann Eitzenberger.

Das Gebäude hat keine Brandabschnitte. Damit sind Wände gemeint, die durch alle Stockwerke gehen, um ein Ausbreiten der Flammen zu verhindern. Des Weiteren gibt es kein Treppenhaus, dass alle Etagen verbindet. Fluchtwege ziehen sich dadurch in die Länge. "Außerdem muss für bessere Aufstell- und Bewegungsflächen für die Feuerwehren gesorgt werden", führt Eitzenberger aus. Dass diese Verbesserungen des Brandschutzes von Schloss Elmau mit der Denkmalpflege kollidieren könnten, fürchtet er nicht. "Heutzutage gibt es viele bauliche Möglichkeiten, diesem Konflikt aus dem Weg zu gehen."

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Mittwoch, 21. September 2005

..als hätte eine Bombe eingeschlagen - Sanierung der Hochstraße beschlossen

von Christof Schnürer

Krün - Bei Wanderern und Radlfahrern ist sie gleichermaßen beliebt: die Hochstraße, die von Bärnbichl über die Buckelwiesen nach Mittenwald führt.

Inzwischen aber nagt der Zahn der Zeit am Fahrbahnbelag. Gerade im Bereich der kleinen Kapelle Maria Rast reiht sich auf einer Länge von rund 300 Metern Schlagloch an Schlagloch. "Da schaut's aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen", fasst es Krüns Bürgermeister Thomas Schwarzenberger in drastische Worte. Sein Appell an den Gemeinderat: "Da müssen wir dringend was tun."

Einstimmig votierten die Volksvertreter für eine baldige Sanierung. "Der Auftrag ist mittlerweile erteilt", betonte Schwarzenberger am Montag gegenüber dem Tagblatt. Er rechnet für Ende Oktober mit dem Baubeginn. Dann wird der Straßenbelag im Bereich von der Unterführung bis oberhalb des Kircherls zunächst abgefräst und dann eingeebnet. Anschließend wird frisch geteert. "Auf diese Art müssen wir nicht in den Unterbau eingreifen", verdeutlicht der Bürgermeister. Das Projekt "Hochstraße" wurde auf 33.000 Euro taxiert. Da der Gemeinderat sich aber dafür aussprach, beide Bauabschnitte noch heuer zu erledigen, wurde von der beauftragten Firma ein Rabatt von 15 Prozent gewährt. Das heißt: Es fallen Kosten in Höhe von 28.000 Euro an.
Die Kommune kann die Mittel dank einer Haushalts-Umschichtung bereitstellen.

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Dienstag, 20. September 2005

Pächtersuche von Erfolg gekrönt - Gemeinde Krün findet für Sparmarkt einen Nachmieter

von Christof Schnürer

Krün – Bürgermeister Thomas Schwarzenberger an der Supermarktkasse ? Eine ungewohnte aber ebenso utopische Vorstellung. Denn so weit soll´s nicht kommen, betont der junge Rathauschef.

Er spielt damit auf mögliche Versorgungsengpässe in Krün an, die sich durch die drohende Schließung des Sparmarkts ergeben könnten. Die Gemeinde erwog sogar, kurzfristig selbst einzuspringen und eine „Lebensmittel-Gesellschaft“ zu gründen.

Nach intensiven Gesprächen zeichnet sich nun jedoch eine bessere Lösung ab.

Es ist noch gar nicht lange her, da gab´s in Krün zwei Supermärkte. Der eine an der Walchenseestraße ist jetzt ein Getränkeladen, beim anderen musste der gesundheitlich schwer angeschlagene Pächter nun die Notbremse ziehen.

Er kündigte seinen Pachtvertrag zum 31. Oktober. Um die endgültige Schließung des letzten Lebensmittelgeschäfts im 2.000-Seelendorf zu verhindern, begaben sich die Verantwortlichen im Rathaus auf intensive Nachfolger-Suche.

Doch die gestaltete sich alles andere als leicht. „Es ging sogar soweit, dass wir uns mit einer Kette in Österreich in Verbindung gesetzt haben“, verrät Schwarzenberger.

Das Problem: Für Konzerne wie Tengelmann, REWE oder Edeka ist die Ladenfläche im Sparmarkt mit rund 400 Quadratmetern einfach zu klein. „Die rechnen in Kategorien von 800 Quadratmetern aufwärts“, rechnet der Bürgermeister vor. Eines sei ab ebenso klar: Eine Touristmus-Hochburg wie Krün braucht einen Lebensmittelgeschäft. „Ansonsten verlieren wir an Attraktivität.“

Die Gerüchte von der Schließung halten sich ohnehin hartnäckig im Ort. „Das geht sogar so weit, dass Gäste in der Tourist-Info nachfragen“, berichtet Schwarzenberger.

Das Schreckgespenst, dass die Gemeinde in Ermangelung eines Nachpächters in die Bresche springen und via Gesellschaft samt Geschäftsführer den Laden selber schmeißen muss, scheint jedoch ad acta gelegt.

Verhandlungen mit einem Nachmieter – einem Krüner Neubürger – seien „ziemlich weit“, verrät der Bürgermeister. Auch die Eigentümerin der Immobilie, die Familie Kramer, zeige sich in puncto Modernisierung gesprächsbereit. „Die wollen investieren“. Bis Ende September hofft Schwarzenberger, vertraglich alles geregelt zu haben.

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Samstag, 17. September 2005

von Wolfgang Kunz und Christof Schnürer

Isar-Kies bis 15. Oktober draußen – Wasserwirtschaftsamt verspricht bei Ortstermin rasche Lösung

von Wolfgang Kunz und Christof Schnürer

Krün – "Der Kies kommt raus." Man hört die Erleichterung förmlich heraus, als Krüns Bürgermeister Thomas Schwarzenberger diesen Satz spricht. Insgesamt sollen in der Isar bis spätestens 15. Oktober zwischen Stauwehr und Sägewerk 53.000 Kubikmeter Gestein ausgebaggert werden, um so im Ortsteil Gries die Hochwassergefahr weiter einzudämmen. Das versprach am gestrigen Freitag Peter Frei, Chef des Wasserwirtschaftsamts Weilheim (WWA) bei einem Ortstermin.

Dem Ruf an den letzten Wildfluss Deutschlands war aber nicht nur Frei gefolgt. Die Regierung von Oberbayern entsandte Abteilungsleiter Peter Hütten und dessen Mitarbeiter Christoph Broda (Naturschutz) und Peter Huber (Wasserwirtschaft). Landrat Harald Kühn wiederum rückte mit Peter Bauer (Abteilungsleiter), Peter Strohwasser (Untere Naturschutzbehörde) und Thomas Saltner (Wasserrecht) an. Ebenfalls vor Ort war Anton Grünauer von der Flussmeisterei Oberau.

Starkes Interesse an der Expertenrunde hatten auch die Nachbarn aus Wallgau. Rathauschef Georg Jennewein und zahlreiche Gemeinderäte brachten in Krün ihre Sorgen und Bedenken zum Ausdruck. "Krün ist bei einer Kiesentnahme sicher, für Wallgau beginnen dann erst die Probleme", nannte Vize-Bürgermeister Hansjörg Zahler die Dinge beim Namen. Die Isar werde in Wallgau breit und habe kein Geschiebe mehr, ergänzte Jennewein. "Der einfachste Schutz wäre die Absenkung der Isar." Dann, so der allgemeine Tenor, wäre auch der Tiefbrunnen an der Auhütte sicher und der Rückstau der Finz bei Starkregenfällen ebenfalls besser in den Griff zu kriegen.

Ein Gutachten, das vom bayerischen Umweltministerium ausgearbeitet wird, soll nun klären, wie sich die grundsätzliche Räumung des Flusses auf die Gemeinde Wallgau auswirkt. Das Schöne dabei: Die Expertise kostet weder Krün noch Wallgau einen Cent. Bezahlen tut`s der Freistaat, der die Isar als Gewässer erster Ordnung unterhalten muss.

Durch die jüngste Flut hat sich der Kies im Flussbett um durchschnittlich einen Meter erhöht. Das WWA errechnete einen Überschuss von über 50.000 Kubikmeter. Jene Menge also, die schon vor einem Jahr ausgebaggert wurde. Nur wird diesmal das Geröll nicht auf den Kiesberg verfrachtet, sondern "wirtschaftlich sinnvoll verwertet", verdeutlicht Schwarzenberger. Mit anderen Worten: Der Kies wird verkauft. Eine Uraltforderung, die bis dato von Naturschutzverbänden torpediert wurde, geht damit für Vertreter des Wasserbaus und der Lokalpolitik in Erfüllung.

Ein ganz anderes Problem stellte der Krüner Gemeinderat Mathias Gschwendtner stellvertretend für die Weidegenossenschaft zur Diskussion. "Wir sind trotz der Überschwemmung von 30 Hektar Lichtweide auf unserer Heimwiese ruhig geblieben." Bei weiteren Flurschäden, so der "Schoggl-Bauer", "denken wir über die Kündigung unseres Vertrages nach". Der Kontrakt mit dem Staat sichert den Landwirten das Weiderecht zu. Macht der angeschwemmte Kies aber Flächen im Tal unbrauchbar, könnten Bauern auf ebenfalls vertraglich garantierte Gebiete in höheren Regionen (Schutzwald etc.) ausweichen. Das wiederum wird von den Naturschutzbehörden nicht gerne gesehen. Nicht zuletzt deshalb versicherte WWA-Chef Peter Frei: "Wir bieten der Weidegenossenschaft Zusammenarbeit bei weiteren Entscheidungen an."

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                                                                                     Samstag, 3. September 2005

In die Höhe des Löwen - Krüner Gemeinderat spricht Einladung an Naturschützer aus

von Christof Schnürer


 



Krün - Ein Name machte während der jüngsten Krüner Gemeinderats-Sitzung die Runde: Schödl. Michael Schödl ist Mitarbeiter beim Landesbund für Vogelschutz (LBV) und für viele Isartaler Volksvertreter in der Vergangenheit im Streit um die Isarkies-Ausbaggerung zum Inbegriff eines Öko-Fundamentalisten geworden. Nun soll auf Anregung von Gemeinderat Leonhard Habersetzer ein klärendes Gespräch zwischen beiden Parteien stattfinden.

"Mir ist an einer sachlichen Auseinandersetzung gelegen", betont der Kommunalpolitiker der Bürgerlichen Wählergemeinschaft (BWG), der sich seit vielen Jahren mit dem Phänomen Isar beschäftigt. Habersetzers Vorschlag, sich mit den Wallgauer Kollegen und dem Landesbund an einen Tisch zu setzen, wurde von den übrigen Gemeinderäten begrüßt. Allerdings hegte so mancher in der Runde Zweifel, ob sich der oft gescholtene Schödl in die "Höhle des Löwen" überhaupt wagt.

Der Naturschutz-Experte aus Garmisch-Partenkirchen nimmt die Offerte gerne an und sieht dem Kampf 26 gegen eins gelassen entgegen: "Ich war schon öfters in einem Gemeinderat, das Ganze muss natürlich auf sachlicher Ebene bleiben." Auch Wallgaus Bürgermeister Georg Jennewein ist einem Treffen mit Schödl nicht abgeneigt. "Einen Versuch ist es allemal wert."

Ein Termin wurde noch nicht festgelegt, dafür aber für ein Treffen zwischen den Gemeinden Krün und Wallgau sowie Vertretern aus dem bayerischen Umweltministerium, der Regierung von Oberbayern und dem Landrats- beziehungsweise Wasserwirtschaftsamt (Treffpunkt: Freitag, 16. September, 9.30 Uhr an der Krüner Isarbrücke). Arrangiert hat die Gesprächsrunde Bürgermeister Thomas Schwarzenberger. Er möchte nach den jüngsten Hochwasser-Ereignissen im Juli und August endlich Klarheit darüber haben, was mit dem Isarkies passiert. Und zwar mit dem, der bereits ausgebaggert wurde (50.000 Kubikmeter) und dem, der durch die Fluten im Juli und August sowie die jüngste Spülung am Stauwehr durch E.ON (mindestens 150.000 Kubikmeter) in die Isar gelangte.

"Wir haben 500.000 Kubikmeter Kies Überschuss und jetzt kommt noch mal was dazu", rechnet Schwarzenberger vor. Würden große Teile nicht bald ausgebaggert werden und sich die Isar durch immer höher werdende Kiesbänke verlagern, bestehe "Gefahr erster Ordnung" für den Wallgauer Trinkwasserbrunnen. Lediglich 40 Zentimeter fehlten bei der jüngsten Flut noch, dann wäre Isarwasser dort eingedrungen.

"Das ist doch alles Ideologie." Bürgermeister Thomas Schwarzenberger

Laut Habersetzer müsste der Wildfluss aber nicht nur "tiefer gelegt", sondern der überschüssige Kies auch verkauft werden. "Was in Fall und Scharnitz geht, muss doch bei uns auch möglich sein." Man könnte das Gestein ja auch sehr sinnvoll verwenden, so Schwarzenberger, zum Beispiel zum Verfüllen der Mittenwalder Altdeponie. Statt dessen - wie laut Bescheid vorgesehen - 5.000 Lkw-Ladungen Richtung Norden durch FFH- und Naturschutzgebiet zu karren und wieder in die Isar stromabwärts zu kippen sei "widersinnig", erregt sich der Krüner Bürgermeister. "Das ist doch alles Ideologie." Die letzte Wildfluss-Landschaft Deutschlands sei diesen Aufwand wert, findet LBV-Mann Schödl. "Es ist der letzte Rest, den wir haben." Das Geschiebe sei dort für viele Tier- und Pflanzenarten, zum Beispiel die gefleckte Schnarrschrecke, die deutsche Tamariske (Strauch) oder den Kiesbank-Grashüpfer, die Lebensader schlechthin. Für weiteren Diskussionsstoff - vielleicht schon in wenigen Tagen - ist also gesorgt.


Kommentar: Die Stunde der Sachlichkeit

Mal ehrlich, es gibt ein ganz probates Mittel, den Streit zwischen Naturschützern und Gemeinde ein für allemal zu beenden. Das Stauwehr südlich von Krün muss weg. Das nämlich hat sich folgenschwer auf die Dynamik dieses so genannten Wildflusses ausgewirkt.

Die Isar besitzt durch diese künstliche Barriere einfach nicht mehr die Power, den Kies in der ursprünglichen Form flussabwärts zu transportieren. Die Folge: Die Kiesbänke werden immer höher und damit auch das Risiko von Hochwasser. Der Mensch hat zwecks Stromgewinnung nachhaltig in das Gleichgewicht dieses Ökosystems eingegriffen.

Die Crux: Energiegigant E.ON würde gar nicht begeistert sein von einer Renaturierung, liefert die aufgestaute Isar doch seit vielen Jahren hochwertigen Strom und füllt damit die Kassen. Zum Glück für den Konzern läuft die Konzession ja noch bis 2030. Bis mindestens dahin müssen hitzige Kommunalpolitiker auf der einen und "Öko-Fundamentalisten" auf der anderen Seite einen Konsens gefunden haben, um den Belangen des Naturschutzes Rechnung zu tragen.

Das nun anvisierte Gespräch könnte jedenfalls ein Anfang sein, die Fronten ein wenig aufzuweichen. Jetzt sind Argumente gefragt.                                   Christof Schnürer

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Freitag, 2. September 2005

90 Gesetze müssen abgearbeitet werden - Schloss-Umbau ein "Mammutprojekt"

von Christof Schnürer

Geduld hat ihre Grenzen. Das gilt auch für Dr. Jakob Edinger und Bernhard Heitzmann.
Vor knapp zwei Jahren erwarben die beiden Tiroler Investoren von den "Vereinigten Kirchenkreisen Dortmund und Lünen" Schloss Kranzbach, um es für viel Geld in ein Vier-Sterne-Wellness-Hotel umzuwandeln.

Das ist bis heute nicht geschehen. In erster Linie wegen Bedenken der Denkmalschutzbehörde. Was den Geschäftsleuten inzwischen sauer aufstößt. "Das kann ich verstehen", meint Krüns Bürgermeister Thomas Schwarzenberger, "ihre Geduld wurde ja aufs Äußerste strapaziert. "Der Rathauschef ist am Mittwoch mit den Tirolern nach München zu Wissenschaftsminister Thomas Goppel gefahren, um einen weiteren Fürsprecher für das Projekt zu gewinnen und den Druck auf die Fachbehörden zu erhöhen.

"Es war definitiv die letzte Pilgerreise", betont David Edinger, Sohn des Investors. Gleichzeitig hebt der künftige Architekt des Kranzbach-Umbaus die positive Grundstimmung des Treffens hervor. "Wir sind nur auf Unterstützung gestoßen, die Gespräche waren freundlich und hilfreich. "Jetzt aber sollten endlich Nägel mit Köpfen gemacht werden, um dieses "Mammutprojekt" abzuschließen, meint Schwarzenberger.

Zur Baubewilligung von Seiten des Landratsamtes müssen nämlich 90 Gesetze abgearbeitet werden, die von dem Vorhaben tangiert werden. David Edinger kann davon ein Lied singen. Er durfte in der Vergangenheit 19 Baupläne, jeweils 1,5 bis zwei Quadratmeter groß, der Verwaltung vorlegen. Und nun komme auch der Wiederaufbau von Schloss Elmau hinzu, ergänzt Edinger, "da kommt für die Behörden schon viel zusammen". Vom Landratsamt ließ nun dessen Sprecher Albrecht Ott verlauten: "Das Kreisbauamt hat keine grundsätzlichen Bedenken gegen das Vorhaben."

Jedoch habe das Denkmalschutzamt weitere Unterlagen des Bauherrn angefordert. Ein Spiel ohne Ende? Der Bürgermeister glaubt das nicht und hofft auf eine baldige Baugenehmigung. Vielleicht könne dann mit den Vorarbeiten - Realisierung der Feuerwehr-Umfahrung, Verlegen der Gasleitungen und Aushub  - noch heuer begonnen werden.

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Donnerstag, 1. September 2005

von Christof Schnürer

Dynamisch, modern und elegant – Werbeagentur präsentiert neues Logo

Krün – "Ein gutes Produkt, mit dem Krün – so hoffe ich zumindest – sehr zufrieden sein wird", meint Martin Weidehaas von der Werbe-Agentur Tanner zum neu entwickelten Logo für die Isartalgemeinde. Der stellvertretende Geschäftsführer überreichte am Montag Bürgermeister Thomas Schwarzenberger und dem Chef der Tourist-Information, Sepp Winzinger, die schwungvolle Grafik. Tags darauf präsentierte der Rathauschef sie dem Gemeinderat.

"Es war ein sehr harmonisches Miteinander", versichert Weidehaas. In der Entwicklung des Logos würden "etliche Arbeitstage" drin stecken. Allerdings mussten sich die Experten aus Nesselwang erst gegen Konkurrenten aus Mittenwald durchsetzen, ehe sie zum Zug kamen. Über die Kosten wollte man sich noch nicht äußern. Es dürfte sich allerdings um einen Betrag von rund 2.000 Euro handeln.

Ende Februar hatte der Gemeinderat beschlossen, dass altbackene Logo durch ein neues zu ersetzen. In der Folge traten die Mitglieder des Fremdenverkehrsausschusses siebenmal zusammen, um aus etwa 100 Vorschlägen den Richtigen auszuwählen. "Wir haben es uns nicht leicht gemacht", berichtete Ulrich Holzer (Bürgerliche Wählergemeinschaft/ BWG) am Dienstagabend seinen Kollegen. "Wir haben uns langsam vorgetastet." Das neue Logo sei "ein Produkt einer gemeinsamen Entscheidung". "Eine bärige Sach´", urteilte Franz-Paul Reindl (BWG).

Ähnlich sieht es der Bürgermeister. "Wir haben uns für einen dynamischen, modernen, aber auch eleganten Schriftzug entschieden", erläuterte Schwarzenberger. Die Farbgebung orientiert sich am Image-Prospekt der "Alpenwelt Karwendel". Das kräftige Gelb signalisiert Freundlichkeit, das deftige Grün wiederum "das saftige Hochtal", so Schwarzenberger weiter, sei das geschwungene und markante K beim Wort Krün.

Die Rechte an dem Tanner-Produkt habe man sich bereits gesichert. Etappenweise soll das alte durch das neue Logo ersetzt werden. Der Anfang soll dabei im Internet gemacht werden.

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Donnerstag, 1. September 2005

von Christof Schnürer

Mit blauem Auge davon gekommen – Hochwasser-Bilanz in Krün / Gemeinde stellt 80.000 Euro bereit

Krün - Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) nennt die Dinge beim Namen: "Wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen." Am Dienstagabend nahm er vor dem Gemeinderat zum jüngsten Hochwasser Stellung. Mit 12:0 Stimmen bewilligte das Gremium Mittel in Höhe von 80 000 Euro, um entstandene Schäden in Isar- und Kranzbachnähe umgehend zu beseitigen. Das Geld konnte die klamme Kommune lediglich durch Haushalts-Umschichtungen aufbringen.

Die zuletzt getätigten Investionen rund um den Hochwasserschutz hätten sich voll und ganz rentiert, bilanzierte Schwarzenberger. "Der Ausbau und die Tieferlegung der Isar sind die Rettung fürs Gries gewesen." Ansonsten wäre der Ortsteil ähnlich wie Eschenlohe ein Opfer der Fluten geworden.

Doch trotz aller Vorkehrungen gibt es nach wie vor Schwachstellen in Krün. So zerstörten die Wassermassen den Wanderweg zwischen Grubsee und Klais und drangen sogar in die Kellerräume des Anwesens Wurmer neben der Tankstelle ein. Am Kranzbach registrierten Schwarzenberger und seine Helfer viele Uferabbrüche und Auswaschungen. Zudem müsse zwischen der Murfangsperre und Klais an manchen Stellen des Wildbachs neu verbaut werden und obendrein jede Menge neu angeschwemmter Kies ausgekoffert werden. Momentan sei es allerdings schwierig, einen Bagger aufzutreiben. "Die", so Schwarzenberger, "sind wegen der vielen Straßenschäden anderweitig im Einsatz."

Glaubt man dem Bürgermeister, ist diese Maßnahme auch schon wieder in der Isar notwendig. Messungen zufolge befinde sich ein Meter mehr Kies im Flussbett. Und der muss schleunigst raus, betont Leonhard Habersetzer (Bürgerliche Wählergemeinschaft/BWG). Sein Credo: "Überall dort, wo der Kies draußen ist, ist nichts passiert." Als Beispiel nennt er neben seiner Heimatgemeinde auch Oberammergau.

Kritisch war´s auch an den Pumpwerken Klais und Bärnbichl, wo das Wasser hinein strömen konnte. Dort soll ebenso rasch gehandelt werden wie an der Flutmulde zwischen Krün und Wallgau, die in den Chaostagen randvoll gelaufen war. Der künstliche Kranzbach-Überlauf, der Unmengen von Wasser Richtung Finz transportierte, soll laut einstimmigen Beschluss alsbald ausgebaggert werden. Zudem soll das geplante Wehr am Barmsee realisiert werden. Damit will man Hochwasser in einem Rückhaltebecken aufstauen und es im Barmseemoos versickern lassen.

Von einer Erhöhung der Finzbachstraße, wie es der abwesende Gemeinderat Georg Schober (Aktiv für Krün) in einem schriftlichen Antrag gefordert hatte, nahm die Volksvertretung einhellig Abstand.

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Freitag, 19. August 2005

von Christian Fellner

48.000 Kubik Kies "gehören wieder raus" – Viel Arbeit mit Hochwasserschäden

Krün - Noch immer ist die Gemeinde Krün damit beschäftigt, Schäden zu beseitigen, die durch das Hochwasser Anfang Juli entstanden sind. Da der Kommune Hilfskräfte nicht im Überfluss zur Verfügung stehen, zudem einige Mitarbeiter des Bauhofs ihren wohl verdienten Urlaub im Sommer nehmen, hat sich der Gemeinderat dazu durchgerungen, Verstärkung von außen zu besorgen: Einstimmig wurde entschieden, Franz Kriner als Aushilfe bis zum 30. September anzustellen. Um Wege wieder herrichten oder Bachsohlen tiefer legen zu können, hat der Gemeinderat den Bau des Funktionsgebäudes für den Langlauf "Am Zipfl" verschoben. 30.000 Euro werden laut Bürgermeister Thomas Schwarzenberger nun im Haushalt umgeschichtet.

Es gibt noch einiges zu tun in Krün. Am Dorfplatz standen im Juli wieder die Gehwege unter Wasser. "Die Gullys packen das ganze Oberflächenwasser einfach nicht", weiß Schwarzenberger. "Da hat es sogar verschraubte Deckel richtiggehend rausgerissen." Als Lösung könnte sich der Bürgermeister zwei Gruben vorstellen, die am Dorfplatz eingebaut werden. "Da müssen wir mit dem Straßenbauamt reden." Am Bärnbichl und an der Fischbachalmstraße liefen zudem die Fäkalien über die Fahrbahn.

An der Isar habe der Hochwasserschutz "seine Feuertaufe bestanden", betonte der Bürgermeister. Gegen 22 Uhr sei am 11. Juli aber ein enormen Abfluss von 110 bis 120 Kubikmetern pro Sekunde gemessen worden. "Die Auskiesung hat sich bewährt", sagt Schwarzenberger, durch die Wassermassen seien aus dem Stausee laut Messungen der Firma E.ON. aber schon wieder 150.000 Kubikmeter Kies herausgespült worden. "48 000 Kubikmeter gehören allein bei uns wieder raus."

Material aus Kranzbach verkaufen

Im Kranzbach wurde oberhalb von Klais teilweise die Böschung weggerissen. "Die war noch nicht ganz angewachsen", sagt der Gemeinde-Chef. Sonst aber habe der Schutz funktioniert. Im weiteren Verlauf wurde und wird in nächster Zeit noch ausgekiest. Das Material haben die Arbeiter außerhalb aufgeschüttet. Denn, so Schwarzenbergers Idee: "Auch den Kies könnten wir verkaufen." Zunächst werden aber auch noch alle Wege rund um die Seen wieder hergerichtet.

Im Verlauf der Flutmulde kam es an der Finzbachstraße zu Ausspülungen. "Da hing eine Straßenlaterne komplett in der Luft", weiß Schwarzenberger. Die ist mittlerweile wieder fixiert. "Wir müssen aber auf der gesamten Länge schauen, dass wir die Sohle wieder tiefer legen." Die Arbeit geht nicht aus.

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Samstag, 2. Juli 2005

von Christof Schnürer

Erboste Krüner fürchten um ihre Grundstücke – Ärger am Buckelwiesenweg

Krün - Am Buckelwiesenweg rumort`s. "Das ist der Versuch der entschädigungslosen Enteignung", schimpft Anwohner Hans Sand. Hier werde Politik nach "Gutsherrenart" betrieben. Der ehemalige Apotheker spielt auf den Bebauungsplan "Bärnbichl" an, der seit einiger Zeit in Arbeit ist. Sand und einige Mitstreiter wollen gegen diesen Entwurf - möglicherweise per Anwalt - zu Felde ziehen. Begründung: Ungleichbehandlung und Ungerechtigkeiten. Die Gemeinde Krün sieht einer gerichtlichen Auseinandersetzung gelassen entgegen.

"Die Sache ist absolut legitim", betont Zweiter Bürgermeister Klaus Koppe. "Wir haben uns nichts zu Schulden kommen lassen." Der Klaiser Architekt vertritt seit einigen Tagen nicht nur den urlaubenden Rathauschef Thomas Schwarzenberger, sondern zeichnet auch seit einigen Monaten für die Realisierung des Bebauungsplans verantwortlich. "Der", so Koppe, "wurde übrigens auf Anregung des Kreisbaumeisters beschlossen."

Nachdem sich auch die Untere Naturschützbehörde wegen der am Bärnbichl vorkommenden Buckelwiesen eingeschaltet hat, befürchten die Anwohner, die westlich des Buckelwiesenwegs leben, dass ihre großzügig geschnittenen Grundstücke in Mitleidenschaft gezogen werden könnten; schlimmstenfalls sogar als Ausgleichsflächen für naturgeschützte FFH-Gebiete (Fauna-Flora-Habitat) herhalten müssen. Das wiederum wurde ein Verschlechterungsverbot für den eigenen Garten nach sich ziehen.

"Dann kannst nicht mal mehr einen Schuppen draufstellen", schwant Franz Keller Übles. Der Krüner wohnt vis à vis von Hans Sands Villa. Auf Kellers Areal finden sich drei Häuser. Ein viertes sollte irgendwann einmal in der verbleibenden Lücke entstehen. Doch da haben die Behörden bereits den Riegel vorgeschoben. "Das ist eine 13-D-Fläche (Anm. d. Red.: streng naturgeschützte Zone)", bestätigt Planer und Gemeinderat Koppe. "Da können wir nichts dafür." Keller wiederum sieht sich um das Erbe seiner Frau betrogen. "Es sind doch viele Buckelwiesen da, aber die sind zu Viehwiesen verkommen", poltert der Krüner. Jetzt gehe die Gemeinde dafür auf private Gärten los.

Der Meinung sind auch Kellers Nachbarn Karl Pohli und Ewald Steinmüller. Die beiden haben 1989 zusammen rund 2000 Quadratmeter am Buckelwiesenweg gekauft, "nachweislich als Bauland. Das haben wir schwarz auf weiß", betont Steinmüller. Mit den Regelungen des neuen Bebauungsplans laufe er nun sogar Gefahr, dass seine kleine Hütte im Garten als Schwarzbau eingestuft wird.

Hans Sand bringt es auf den Punkt: Wegen des drohenden Wertverfalls gehe es schlicht "um sehr viel Geld". Daher kämpft er mit harten Bandagen. "Das wäre nicht der erste Prozess."

Zweiter Bürgermeister Klaus Koppe versteht die ganze Aufregung nicht. Im Bebauungsplan seien die betroffenen Hangstreifen als "von der Bebauung freizuhaltende Flächen" dargestellt. Mit anderen Worten: Grünland. "Das war unbebaubar und bleibt unbebaubar." Den Kritikern seiner Entwürfe empfiehlt er ein genaues Studium des Planes bei der nächsten Auslegung. Den Vorwurf der Ungleichbehandlung - auf der anderen Seite des Bärnbichls wurde eine Familie in den vergangen zehn Jahren reichlich mit Baurechten bedacht – weist der Klaiser entschieden zurück: "Das ist weder wahr noch beabsichtigt."

"Erörterungstermin" mit den Betroffenen

Zur Schlichtung des Konflikts will Koppe Bürgermeister Schwarzenberger demnächst einen "Erörterungstermin" mit Sand und Co. vorschlagen. Vielleicht ist ja alles nur ein Missverständnis.

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Montag, 27. Juni 2005

Deichgürtel im Gries um die Hälfte billiger
– Kieshaufen bereitet Sorgen

von Christof Schnürer

Krün – Weitaus billiger als kalkuliert kommt dem Freistaat und damit der Gemeinde Krün die Hochwasser-Verbauung an der Isar im Ortsteil Gries. Laut Wasserwirtschaftsamt (WWA) belaufen sich die Kosten für den bis zu zwei Meter hohen und zirka 600 Meter langen Deichgürtel auf rund 310.000 Euro. Ursprünglich rechneten die Verantwortlichen in der Weilheimer Behörde mit 630.000 Euro.

Dementsprechend sinkt der Anteil von Krün, das an der umfangreichen Baumaßnahme zu einem Drittel beteiligt ist. Die Kosten für die Kommune werden auf rund 90.000 Euro taxiert. "Das ist deutlich niedriger als geplant", zeigt sich Bürgermeister Thomas Schwarzenberger über diese Entwicklung hochzufrieden. Nach Rate eins (30.000 Euro) segnete nun der Gemeinderat einstimmig Abschlagszahlung zwei in Höhe von 50.000 Euro ab. Verbleibt noch ein vergleichsweise banaler Restbetrag von 10.000 Euro übrig.

Kopfzerbrechen bereitet dem Rathauschef und dem Wasserwirtschaftsamt der monströse Geröllhaufen in der ehemaligen Kiesgrube. Der umfasst rund 60.000 Kubikmeter und wird zum Leidwesen Schwarzenbergers, der den künstlichen Berg am liebsten gleich selbst abtragen würde, die Gegend wohl noch sehr lange verschandeln. Die Unmengen von Kies stammen übrigens aus der Isar. Nachdem sich die Gemeinden Wallgau und Krün sowie Wasserbauer und Naturschützer nicht darauf einigen konnten, ob das Geröll weiter flussabwärts wieder eingebracht oder verkauft werden soll, bleibt alles beim alten.

Das anhängige Verfahren vor dem Verwaltungsgericht liege indes bis auf Weiteres auf Eis, bestätigt WWA-Sachgebietsleiter Johannes Riedl. Der Grund: Ein unabhängiges Gutachten soll ein für alle Seiten verbindliches Ergebnis liefern. Angeschrieben wurden inzwischen ein Ingenieurbüro in der Schweiz und die Universität Stuttgart. Die Crux: Die Expertise wird sehr teuer. Riedl spricht von einem satten fünfstelligen Betrag.

"Das liegt uns schon im Magen", räumt WWA-Chef Peter Frei ein. Dessen Mitarbeiter Riedl schwebt eine "Fifty-Fifty-Lösung" vor. Das heißt: Wasserwirtschaftsamt und Naturschutzbehörde sollten sich die Kosten teilen.

Ist die Finanzierung gesichert und arbeitet der künftige Gutachter zügig, könnte in drei Monaten ein Ergebnis vorliegen. "Das", so Riedl, "wäre unsere Zielvorstellung." Und dann wird der Kies endlich verfrachtet - für die Gemeindevertreter von Krün und Wallgau schlimmstenfalls wieder in der Isar.

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Samstag, 25. Juni 2005

"Wir mussten das schlucken" – Ein Zaun sorgt beim Wasserwirtschaftsamt für wenig Freude

von Christof Schnürer

Krün - Der Streit über Sinn und Unsinn von Zäunen hat in Krün schon lange Tradition. Dieses Mal sind aber nicht Weiderechtler und Naturschützer aneinander geraten, sondern die Familie Simon und das Wasserwirtschaftsamt (WWA). Die Weilheimer Behörde musste diese Woche auf dem neuen Isar-Schutzdamm auf einer Länge von rund 450 Metern das Grundstück des Sägewerks-Betreibers einfrieden. Die Freude darüber hielt sich sowohl in der Gemeinde als auch beim WWA in Grenzen.

"Wir mussten das ganz einfach schlucken", meint hierzu der zuständige Sachgebietsleiter Johannes Riedl. "Diese Auflagen hat Herr Simon im Zuge des Wasserrechts-Verfahrens gefordert." Riedl, der für die im Vorjahr angelaufene und nun beinahe abgeschlossene Isar-Hochwasser-Verbauung im Ortsteil Gries verantwortlich zeichnet, kann das Verhalten der Simons allerdings nicht ganz nachvollziehen. Erst mache man durch den Deichgürtel für viel Geld deren Anwesen sicherer und damit finanziell wertvoller und dann kämen plötzlich Forderungen. "Das tut dann schon ein bisschen weh."

Derlei Argumentation versteht Sägewerks-Betreiber Franz Simon in keiner Weise. "Ein Zaun war doch schon immer da." Der Krüner beruft sich dabei auf eine Regelung mit dem Forst, die im Jahre 1920 bei der Abzweigung der Isar in den Kanal getroffen worden sei. Beliebter Weg für Hundebesitzer. Außerdem habe seine Familie zur Realisierung des Damms für wenig Geld einen Teil ihres Areals abtreten müssen. Die Umzäunung des Grundstücks sei nicht zuletzt deshalb nötig gewesen, so Simon, "weil der Damm ein beliebter Weg für Hundebesitzer ist."

Der knapp 1,30 Meter hohe grüne Maschendrahtzaun stößt bei Bürgermeister Thomas Schwarzenberger vor allem wegen des zusätzlich oben angebrachten Stacheldrahts auf Ablehnung. "Da sind wir überhaupt nicht begeistert." Ins gleiche Horn stößt Tourismus-Referent Georg Schober. "Ich kann damit leben, ich sehe für den Zaun aber keine Notwendigkeit." Vor allem ab der Stelle, wo der bebaute Teil des Simon-Anwesens endet. Zudem bezweifelt der Hotelier, ob diese Einfriedung laut Artikel 22 des bayerischen Naturschutzgesetzes statthaft ist. Paragraf eins besagt nämlich: "Alle Teile der freien Natur, insbesondere Wald, Bergweide, Fels, Ödungen, Brachflächen, Auen, Uferstreifen und landwirtschaftlich genutzte Flächen, können von jedermann unentgeltlich betreten werden."

Zäune in Krün - eine unendliche Geschichte.

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Dienstag, 24. Mai 2005

Standorte für Mobilfunkmast vorgeschlagen – Krün bietet zwei Alternativen

von Christof Schnürer

Krün – Jeder hat ein Handy, aber keiner will einen Masten – treffender wie Franz Schropp (Freie Wähler Klais) hätte man die leidige Diskussion um Mobilfunkanlagen nicht beschreiben können. Der Mann aus Klais musste kürzlich im Gemeinderat wohl oder übel darüber mitentscheiden, wo in dem Krüner Ortsteil demnächst ein Handymast errichtet werden soll.

Mit 11:1 Stimmen sprach sich die Volksvertretung dafür aus, den Mobilfunkbetreibern entweder den Bahnhof oder den Hochbehälter als Standort anzubieten. Die Crux dabei: Sowohl Bahnhof als auch Hochbehälter liegen außerhalb des gewünschten und errechneten Radius. Als dritte Möglichkeit wurde auf Empfehlung von Leonhard Habersetzer (Bürgerliche Wählergemeinschaft/BWG) noch das Hirzeneck in die Vorschläge aufgenommen.

Einer, der sich ohnehin nicht mit der Sache anfreunden konnte, war Klaus Koppe (Freie Wähler Klais). "Wegen mir brauchen wir keinen weiteren Masten, wir sind bestens versorgt", betonte der Zweite Bürgermeister. "Ich kann das den Klaisern nicht antun." Daher votierte der Architekt als einziger gegen die beiden Standorte.

Dann schlug die Tendenz Telefonieren viel gefährlicher eher in Richtung Wasserreserve um. "Das ist das kleinere Übel", meinte Ulrich Holzer (BWG), weil es – bis auf zwei Anwesen – weit weg von jeglicher Bebauung sei. "Aber hat das nicht Auswirkungen aufs Wasser?", fragte Klaus Heigl (Aktiv für Krün/AfK) in die Runde. Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) wusste lediglich, dass die Belastung für den Körper 30-mal höher sei, wenn der Mensch ein Handy ans Ohr halte.

Ob man mit einem Handymasten auf Gemeindegrund wenigstens Geld verdienen könne, war eine der abschließenden Fragen. Hierzu meinte Schwarzenberger: "Den Haushalt werden wir damit nicht ausgleichen können."

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Samstag, 21. Mai 2005

Gemeinderat gibt endgültig grünes Licht – Kranzbach-Baupläne abgesegnet

von Christof Schnürer

Kranzbach - Geht`s nach der Gemeinde Krün, kann mit der Erweiterung von Schloss Kranzbach (wir berichteten) begonnen werden. "Wir sehen die Planreife als gegeben an", verdeutlicht Zweiter Bürgermeister Klaus Koppe. Deshalb segnete der Gemeinderat das Bauvorhaben mit 11: 0 Stimmen in seiner jüngsten Sitzung ab. Das letzte Wort hat nun das Landratsamt.

Zuvor hatten sich die Volksvertreter mit den Bedenken und Anregungen von 19 Ämtern und Behörden beschäftigt. "Die Einwände sind nicht allzu dramatisch", beruhigte Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) die Gemeinderäte, ehe er ein mehrseitiges Abwägungs-Protokoll verlas.

Hauptkritiker ist einmal mehr Dr. Nikolaus Könner vom Landesamt für Denkmalpflege in München. In einem Schreiben ans Rathaus weist er nochmals darauf hin, "dass die geplanten Neubauten im unmittelbaren Nähebereich zum Schloss nur hingenommen werden können, wenn ... zumindest die repräsentative Hauptansicht und der geplante Hotel-Erweiterungsbau in seiner Höhenentwicklung von allen relevanten Standorten aus westlicher Richtung von Beeinträchtigungen verschont bleibt..."

Klaus Koppe (Freie Wähler Klais) gibt hierzu Entwarnung: "Die Silhouette bleibt von Westen her unangetastet." Gleichwohl räumt der Architekt ein, dass der Hotelkomplex mit angegliedertem zweigeschoßigen Wellnesstrakt samt großflächigen Fenstern im Süden des Altbaus schon gewaltig sei und sich deutlich vom historischen Gebäude abhebe.

Investor Dr. Jakob Edinger, der mit seinem Partner Bernhard Heitzmann den 13 Hektar umfassenden, über 90 Jahre alten Landsitz im Dezember 2003 erwarb und ihn in einen 170-Betten-Wellnesstempel umfunktionieren möchte, hört die Kunde aus Krün gerne. Doch nach den Erfahrungen aus jüngster Zeit sei er "sehr, sehr vorsichtig" geworden, was Zukunftsprognosen betrifft. Edinger hofft, im Herbst mit "Vorbereitungsarbeiten" beginnen zu können. Sprich: Abriss der landwirtschaftlichen Gebäude, Bau der Zufahrtsstraße, Verlegung der Elektrokabel und Aushub der geplanten Tiefgarage.

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Freitag, 22. April 2005

Keine Torten mehr am Bärnbichl - Café Pfeiffer nach Clinch mit Gemeinde "stillgelegt"

von Christof Schnürer

Krün - Schlechte Nachricht für alle Freunde süßer und sahniger Schleckereien: Das beliebte Ausflugscafé´ "Pfeiffer" im Krüner Ortsteil Bärnbichl hat bis auf Weiteres geschlossen.

"Das Fass ist übergelaufen", meint Betreiber Joseph Pfeiffer, "jetzt hab' ich keine Lust mehr." Der gebürtige Partenkirchner spielt damit auf seinen Clinch mit der Gemeinde an. Die habe sich bei seinen Umbauplänen wenig kooperativ gezeigt.

Tourismus-Referent Georg Schober, am Bärnbichl unmittelbarer Nachbar von Pfeiffer, kann die getroffene Entscheidung nicht nachvollziehen. "Jeder Gastronom in Krün ist um jeden Gast dankbar", wettert der Hotelier. "Wenn Herr Pfeiffer jetzt zusperrt, gibt mir das schon zu denken." Schober bekräftigt in diesem Zusammenhang, dass der Gemeinderat dem Bauwerber nie "Prügel zwischen die Füße" geworfen habe, "aber wir lassen uns von jemanden, der Halbwahrheiten verbreitet und die Bevölkerung aufwiegelt, nicht unter Druck setzen."

Bürgermeister ist sich keiner Schuld bewusst.
Auch Bürgermeister Thomas Schwarzenberger ist sich keiner Schuld bewusst: "Alles war mit Herrn Pfeiffer abgesprochen." Aus irgendwelchen Gründen sei er schließlich wieder abgesprungen.

Zum Hintergrund:
Joseph Pfeiffer wollte sein gut gehendes Café´, bekannt für seine riesigen Torten, um 30 Plätze vergrößern. "Dann hätte ich auch Busse nehmen können."

Daneben, so Pfeiffer, sollte das bestehende Anwesen um zwei Kinderzimmer und Ferienwohnungen erweitert werden. Durch den Zusatztrakt wäre aber die zulässige Bebauung des Grundstücks überschritten worden. Deshalb sei das dahinter liegende Areal - ebenfalls im Pfeifferschen Besitz - belastet worden, erklärt der Bürgermeister.

Auf deutsch: Ein weiteres Baurecht ist auf dieser Parzelle dann nicht mehr möglich, zumal dort auch zusätzliche Parkflächen für das von 100 auf 130 Plätze vergrößerte Café im noch nicht rechtskräftigen, seit 2003 in Arbeit befindlichen Bebauungsplan "Bärnbichl" nachgewiesen werden sollten.

Das aber schmeckt Pfeiffer überhaupt nicht: "Wenn ich nun Parkplätze darin auf alle Ewigkeit festlege, dann schaut's später mal schlecht aus." Womit der Mann vom Bärnbichl auf den Neubau zweier Garagen anspielt. Er sei jederzeit bereit, die geforderten Stellflächen via Grundbuch-Eintragung zu sichern, "aber die Gemeinde möchte mich festnageln".

Bürgermeister Schwarzenberger vermutet, dass Pfeiffer befürchte, dass die Kommune auf dem rückwärtigen Café´-Areal einen dauerhaften öffentlichen Parkplatz verwirklichen wolle. "Aber das war für uns nie ein Thema", versichert er.

Fürs Erste ist das Tischtuch zwischen beiden Parteien zerschnitten, eine Annäherung unwahrscheinlich. Dennoch bekräftigt Pfeiffer: "Ich bin immer zu Gesprächen bereit, aber dann sollten sich alle an einen Tisch setzen."

Seit 1. April aber habe er seinen Betrieb "stillgelegt". Dem Personal sei inzwischen gekündigt worden. Der gelernte Zimmerer konzentriert sich nun auf die Vermietung seiner Gästezimmer, Appartements und Ferienwohnungen. Ein harter Schritt, nicht nur für die Fans schokoladiger Kalorienbomben, sondern auch für Bürgermeister Thomas Schwarzenberger, der in dem Verhalten Pfeiffers auch ein Stück Undankbarkeit sieht.

Immerhin habe die Gemeinde ihm und seinen Geschwistern in den vergangenen zehn Jahren acht Grundstücke auf dem Bärnbichl baureif gemacht. Tourismus-Referent Schober wiederum tröstet, dass man mit Café´s im Ort gut eingedeckt sei. Pfeiffer selbst, so Schober, müsse sich entscheiden: Café´-Erweiterung oder weiteres Baurecht, beides geht nicht.                             

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Donnerstag, 21. April 2005 

"Ich gehörte zu den Skeptikern" - Halbzeit für Krüns Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (35)

Thomas Schwarzenberger, Jahrgang 1970, startete von null auf hundert durch. Anfang Mai 2002 folgte er dem Krüner Langzeit-Bürgermeister Sepp Zahler (1972 bis 2002) auf den Rathaus-Sessel - und das, ohne jegliche kommunalpolitische Erfahrung.

Inzwischen ist die Hälfte der sechsjährigen Legislaturperiode vorüber, und der einstige "Politnovize" hat sich zu einem der profiliertesten Volksvertreter im Oberen Isartal gemausert. Mit dem Tagblatt geht er nun in Klausur.

Herr Bürgermeister, wie lautet Ihre Halbzeitbilanz?
Schwarzenberger: "Nach anfänglichen Schwierigkeiten, die ich für ganz normal halte,
    denke ich, war die Einarbeitungszeit relativ kurz. Es läuft eigentlich ganz gut. Die
    Zusammenarbeit mit Verwaltung und Gemeinderat passt."

Viele haben dem Anfänger Schwarzenberger das Amt nicht so recht zugetraut. Was
    sagen Sie ehemaligen Skeptikern heute?
Schwarzenberger: "Das war natürlich deren gutes Recht. Viele haben mich ja
    überhaupt nicht gekannt. Ich fragte mich doch selbst: Hab' ich das auch im Kreuz?
    Ich war vielleicht sogar selbst bei den Skeptikern dabei. Mittlerweile bin ich doch
    positiv überrascht, dass das so gut funktioniert."

Kommen wir zur aktuellen Politik. Der Haushalt ist einstimmig verabschiedet worden, die
    Schulden drücken gewaltig. Wie lautet Ihr Sanierungskonzept?
Schwarzenberger: "Zunächst einmal steht den Schulden ja ein Gegenwert gegenüber.
    Hier seien nur mal Kanal oder Wasserversorgung genannt. Durch diese hohe
    Verschuldung - das räume ich gerne ein - fehlen uns die Mittel für neue Investitionen.
    Die wiederum sind demnächst aber dringend nötig. Wir müssen schauen, dass wir
    uns neue Projekte raussparen. Deshalb haben wir zu Beginn der Legislaturperiode
    folgende Marschroute festgelegt, uns zunächst ein finanzielles Polster zurecht zu-
    legen, von dem wir später zehren können. Das ist auch geglückt. Die Finanzreserven
    konnten von 250.000 auf fast 600.000 Euro aufgestockt werden. Das wird die
    nächsten Jahre sicherlich reichen, um über die Runden zu kommen. Ich hoffe, dass
    wir es ohne Steuererhöhungen hinkriegen, denn wir haben unseren Bürgern schon
    genug ab verlangt."

Mit anderen Worten: Investitionen in den nächsten drei Jahren sind illusorisch?
Schwarzenberger: "Es wird auf jeden Fall wenig sein, womit wir investieren können."

Das Isartaler Unwort "Verwaltungsgemeinschaft" macht in Wallgau und Krün die Runde.
    Viele sagen, zwei so kleine Gemeinden müssten auf Verwaltungsebene zusammen-
    arbeiten, um Kosten zu sparen.
Schwarzenberger: "Der Tourismusverbund "Alpenwelt Karwendel" zeigt uns ja schon
    auf, was grundsätzlich möglich ist. Es gibt auf  Verwaltungsebene sicherlich Ansatz-
    punkte, wo man sich gegenseitig helfen kann. Den großen Wurf, die jeweilige
    Entlastung beider Haushalte, wird eine solche Zusammenarbeit nicht bringen."

Aber es gibt doch genügend Beispiele im Landkreis, wo Verwaltungsgemeinschaften
    seit über 25 Jahren erfolgreich funktionieren?
Schwarzenberger: "Wenn eine Struktur dahinter steckt, ist das auch umsetzbar. Eine
    VG heißt ja nicht, dass eine Gemeinde ihre Selbständigkeit aufgibt. Eines ist Fakt:
    Wenn die VG vor über 25 Jahren nicht aufgelöst worden wäre, hätten sich Wallgau
    und Krün viel Geld gespart. Aber das ist damals so entschieden worden, das können
    wir auch nicht mehr rückgängig machen. Außerdem glaube ich nicht, dass momentan
    die Bereitschaft in beiden Gemeinden da ist, eine erneute VG einzugehen."

Dennoch, eine VG würde doch Sinn machen?
Schwarzenberger: "Wenn man die finanzielle Seite sieht, würde es Sinn machen. Ich
    glaube auch nicht, dass es ein Riesenproblem für die Bürger wäre. Aber allein der
    letzte Artikel hat doch gezeigt, wie stark der Gegenwind ist, wenn dieses heikle
    Thema zur Sprache kommt."

2008 sind die nächsten Wahlen. Kandidieren Sie erneut?
Schwarzenberger: "Bisher habe ich sehr viel Spaß an dem Beruf. Ich habe die
    Bürgermeister-Entscheidung noch keine Sekunde bereut. Ich denke schon, dass ich
    noch einmal kandidieren werde."

Ihr Vorgänger Sepp Zahler war 30 Jahre im Amt. Rein alterstechnisch könnt's ja bei
    Ihnen auch mit dieser Zeitspanne klappen.
Schwarzenberger: "Ich glaube, ich kann ruhigen Gewissens sagen, dass ich es so
    lange wie mein Vorgänger bestimmt nicht machen werde. Das ist wie beim Fußball:
    Wenn ein Trainer zu lange im Amt ist, hat er nicht mehr den Anklang in der
    Mannschaft."

Das Interview führte Tagblatt-Redakteur Christof Schnürer.

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Montag, 18. April 2005

Investoren warten auf den Startschuss - Kranzbach steht vor Baubeginn

von Birgit Botzenhart

Krün - Die Pläne sind eigentlich fertig, sie müssten nur noch von den Gemeinderäten in Krün abgesegnet werden. Dann könnte das neue Wellness-Hotel "Schloss Kranzbach" noch in diesem Jahr Gestalt annehmen. Momentan liegt der Bebauungsplan aus, damit sich Bürger und Träger öffentlicher Belange dazu äußern können. In der nächsten Woche ist ein Termin anberaumt, an dem sich die Vertreter von Gemeinde und Landratsamt vor Ort treffen, an der Spitze Landrat Harald Kühn.

"Die Behörde wird dabei über Details des Baus informiert", sagt Krüns Bürgermeister Thomas Schwarzenberger. "Es gibt schon ein Modell, das den Mitarbeitern des Amtes gezeigt wird", erklärt Vize-Rathauschef Klaus Koppe. Probleme könnte es mit dem Natur- beziehungsweise Denkmalschutz geben (wir berichteten).

Die Untere Naturschutzbehörde meldet noch Bedenken an wegen Ausgleichsflächen. Einzelne Gebäude des geplanten Projekts sollen laut Auskunft des Landratsamts auf gesetzlich geschützten Biotopflächen entstehen. "Aber an geeigneten Ersatzgebieten herrscht im Bereich des Schlosses keinerlei Mangel", sagt Pressesprecher Albrecht Ott.

Der Kompromiss zwischen Bauherren, Denkmalpflegern und Naturschützern könne durchaus gefunden werden. Die Untere Naturschutzbehörde fordert einen kompakten, flächensparenden Anbau, die Denkmalpfleger wollen das neue Hotel möglichst vom Schloss abrücken.

"Die Anmerkungen des Denkmalamts wurden alle angenommen", erklärt Koppe. Die bekannte Silhouette des rund 90 Jahre alten Landsitzes werde von Osten und von Westen erhalten bleiben, weil die Anbauten nicht höher als das Dach von Kranzbach sein dürfen.

"Wir sind jetzt im Stadium, in dem die letzten Entscheidungen fallen", zeigt sich Koppe zuversichtlich. Über diese Aussage dürften sich die Besitzer Dr. Jakob Edinger und
Dr. Bernhard Heitzmann freuen. "Unsere Pläne sind fertig zum Einreichen und wir würden gerne starten", sagt Edinger. Zehn Bewerber werden bereits in seinem Hotel "Quellenhof" in Leutasch ausgebildet, um dann in Kranzbach zu arbeiten. Insgesamt seien 30 Bewerbungen aus dem Raum Garmisch-Partenkirchen eingegangen, "vom Fitnesstrainer über den Küchenchef bis zum Hoteldirektor."

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Freitag, 15. April 2005

Satellit leitet Radler durchs Karwendel - Digitale Karte in Planung 
                
von Birgit Botzenhart

Krün - Rund um Mittenwald, Wallgau und Krün liegt eine der schönsten Gegenden für Radtouren, sind sich die Experten des Magazins "Bike" sicher. Deshalb wollen sie mögliche Strecken im Internet für Urlauber und Sportler bekannt machen. Das Konzept stellte Herausgeber Uli Stanciu im Krüner Gemeinderat vor, dessen Mitglieder grünes Licht gaben, wie bereits die Kollegen in Mittenwald. In Wallgau steht das Thema auf der Tagesordnung.

Dahinter verbirgt sich ein Navigationssystem für Mountainbiker. "Es wird das Angebot für unsere Gäste erweitern", meint Klaus Koppe, zweiter Rathauschef in Krün. "Bei der Auswahl der Strecken reden wir aber ein gewaltiges Wort mit." Diese sollen sich nämlich nicht derart ausbreiten, dass Wanderer und Spaziergänger sich beschweren müssen. "Alle Routen werden mit Forst- und Tourismusämtern natürlich abgesprochen", betont Stanciu. Noch steht das Projekt aber erst am Anfang. "Es läuft über drei Jahre", erklärt Krüns Bürgermeister Thomas Schwarzenberger. "Alle Touren müssen im Navigations-System erfasst und ins Internet gestellt werden. Von dort wird dann jede gewünschte Strecke für das System herunterzuladen sein."

Dafür muss das Rad mit einem eigenen Navigator ausgerüstet werden, der die Größe eines Handys besitzt. Der Preis liege momentan zwischen 200 und 600 Euro, weiß Stanciu. Die Strecken werden er und drei Kollegen vom "Bike-Magazin" - alle staatlich geprüfte Bergführer - selbst erkunden.

Sie sammeln so Daten über Länge, Höhenunterschiede, Beschaffenheit der Wege und sogar über die Hütten. Die drei Karwendel-Gemeinden stecken insgesamt 15.000 Euro in dieses Unternehmen. "Es muss mit Wanderern und Mountainbikern gemeinsam funktionieren", betont Schwarzenberger. In der weiteren Umgebung der Region werden die Orte aber Vorreiter für die digitale Radkarte sein. Wie alles einmal aussehen wird, ist bereits unter www.bike-gps.com zu sehen.

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Donnerstag, 14. April 2005

Familie Zick startet Qualitätsoffensive - Modernisierungspläne für Alpencaravanpark Tennsee einstimmig abgesegnet

von Christof Schnürer

Krün - Der Alpencaravanpark Tennsee hat sich seit 1953 für viele Camper aus dem In- und Ausland zu einem echten Anziehungspunkt entwickelt.

Ja, es gibt sogar Stammgäste, die der Familie Zick über 40 Jahre schon ununter-
brochen die Treue halten. Das liegt zum einen am guten Service, so Juniorchef Andreas Zick, zum anderen, weil gerade sein Vater Armin Zick stets mit der Zeit gegangen sei und wichtige Investitionen nie gescheut habe, etwa im Jahr 1985.

"Da wurde etwas geschaffen, was in Europa fast einzigartig war", so Andreas Zick. "Das war absolute Luxusklasse." Doch, um eine gängige Floskel zu bedienen, Stillstand ist Rückschritt. Daher plant die Unternehmersfamilie vom Tennsee auf dem 0,7 Hektar großen Areal eine erneute Qualitätsoffensive. Am Dienstagabend erläuterte Andreas Zick vor dem Krüner Gemeinderat die Modernisierungspläne, die 2007 etappenweise in die Tat umgesetzt werden sollen.

Was den Zicks vorschwebt, ist der Ausbau einer Wohlfühl-Oase, neudeutsch Wellness- bereich, mit Ruhe-, Massage- und Fitnessräumen sowie einer Saunalandschaft samt Swimmingpool.

Entstehen soll das bis zu 1.000 Quadratmeter umfassende Projekt dort, wo sich jetzt die Sanitäranlagen befinden. Zudem sei in vier bis fünf Jahren an eine Küchenerweiterung und ein Appartementhaus mit zirka 20 Einheiten gedacht. Diesem Vorhaben soll das bisherige Personalgebäude weichen.

Warum Appartements auf einem Campingplatz? "Weil viele Gäste Leute mitbringen, die keinen Wohnwagen haben", antwortet Zick. Das Ganze wird komplettiert mit zusätzlichen Garagen und einem Austragshaus für Seniorchef Armin Zick, der "Identifikationsfigur schlechthin", so dessen Sohn.

Im Gemeinderat stießen diese Pläne durch die Bank auf ein positives Echo: "Das ist keine flächenmäßige Erweiterung, sondern eine qualitative Verbesserung", betonte Bürgermeister Thomas Schwarzenberger. Er rechnete vor, dass allein 2004 rund 12.000 Gäste am Tennsee ihr Quartier aufschlugen, 84.000 Mal wurde dort übernachtet. Das sind immerhin 18 Prozent am Krüner Gesamtkuchen. Dabei soll's nicht bleiben: Nach der Modernisierung strebe man 120.000 Übernachtungen an, erklärt Andreas Zick. Was wiederum für die Kommune eine satte sechsstellige Einnahme beim Fremdenverkehrs- betrag bedeutet.

Kein Wunder also, dass der Gemeinderat der Umwandlung in ein einheitliches Sonder- gebiet "Campingplatz" im Flächennutzungsplan und der Aufstellung eines Bebauungs- plans als Grundlage für dieses Vorhaben einhellig zustimmte.


Ein solider Haushalt ohne Klimmzüge - Gemeinderat stimmt Neuverschuldung zu

von Christof Schnürer

Krün - Das Gute zuerst: Die Krüner werden, wie schon im Vorjahr, von Abgaben- oder Steuererhöhungen verschont. Der Haushalt 2005 mit einem Gesamtvolumen von 3,7 Millionen Euro kommt ohne diese Kunstgriffe aus. Am Dienstagabend verabschiedete der Gemeinderat den Etat, der allerdings eine Kreditaufnahme von 280.000 Euro vorsieht, mit 12:0 Stimmen.

Dieses zusätzliche Darlehen sei im Grunde der einzige richtige Streitpunkt in den Haushaltsberatungen gewesen, meinte CSU-Gemeinderat Albert Niggl. Anstatt den durch zusätzliche Gewerbesteuereinnahmen prall gefüllten Rücklagentopf (rund 580.000 Euro) "anzuzapfen", so Niggl, habe sich der Finanzausschuss schließlich für die Aufnahme eines weiteren Kredits entschlossen. Werden diese zusätzlichen Fremd-mittel, etwa für den Hochwasserschutz, tatsächlich in Anspruch genommen, schnellt die Pro-Kopf-Verschuldung von 1.090 Euro auf 1.225 Euro. Mehr noch: Da heuer die Restdarlehen für die Kanalisation in den aktuellen Haushalt fließen, werden sich die Tilgungen von 144.000 Euro auf 225.000 Euro erhöhen. Damit steigen die Verbindlich-keiten der Kommune wieder auf 3,2 Millionen Euro.

Zum Amtsantritt von Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) im Jahr 2002 waren es 3,4 Millionen Euro. Trotz dieses finanzpolitischen Rückschlags steht für den Rathauschef fest: "Oberstes Ziel muss sein, die Verschuldung der Gemeinde zu verringern." Als besonders erfreulich wertete Schwarzenberger den Umstand, dass künftige Liquiditäts-Engpässe dank sechsstelliger Reserven gemeistert werden können. Für Georg Schober (Aktiv für Krün/AfK) ist das jüngste Zahlenwerk "ein solider Haushalt ohne Klimmzüge". Positiv sei, so der Hotelier, dass die Bürger nicht weiter belastet werden würden und dennoch Geld für Investitionen (25.000 Euro für Wanderweg Barmsee-Geroldsee, 30.000 für ein Funktionsgebäude Langlauf/Nordic Walking) übrig blieben.

Ulrich Holzer (Bürgerliche Wählergemeinschaft/BWG) wiederum verteidigte die unpopuläre Kreditaufnahme. "Das machen wir bloß, um künftig leistungsfähig zu sein." Er könne dem Darlehen "guten Gewissens" zustimmen.

Der vor drei Jahren eingeschlagene Konsolidierungskurs müsse mehr denn je bei-behalten werden, mahnte Albert Niggl. Bürgermeister Schwarzenberger meinte abschließend: "Wir sollten optimistisch in die Zukunft blicken. Damit werden wir auch die mageren Jahre überstehen.


ETAT 2005 IN ZAHLEN

ALLGEMEINES:

Gesamtvolumen:3,717.600 Euro (2004: 3,922.600 Euro)

Verwaltungshaushalt: 3,234.000 Euro (2004: 3,196.600 Euro)
Vermögenshaushalt: 483,600 Euro (2004: 726,000 Euro)

SCHULDEN:
Schuldenstand: 3,200.000 Euro (Ende 2005)
Pro-Kopf-Verschuldung:1.590 Euro (Ende 2005)

HEBESÄTZE:
Grundsteuer A: 400 von Hundert (unverändert)
Grundsteuer B: 400. v. H. (unverändert)
Gewerbesteuer: 360 v. H. (unverändert)

EINNAHMEN:
Einkommenssteueranteil: 410.000 Euro (2004: 420.000 Euro)
Schlüsselzuweisung: 344.500 Euro (2004: 289.000 Euro)
Gewerbesteuer: 210.000 Euro (2004: 306.000 Euro)
Kurbeitrag: 370.000 Euro (2004: 371.000 Euro)
Fremdenverkehrsbeitrag: 170.000 Euro (2004: 171.000 Euro)

AUSGABEN:
Personalkosten: 796.000 Euro (2004: 785.700 Euro)
Kreisumlage: 460.000 Euro (2004: 524.000 Euro)
Tourismus Krün / Alpenwelt Karwendel: 177.000 Euro (120.000 / 57.000 Euro)
Tilgung von Krediten: 144.000 Euro (2004: 134.700 Euro)

INVESTITIONEN:
Hochwasserschutz Isar und Kranzbach: 100.000 Euro
Sanierung kommunaler Einrichtungen: 100.000 Euro


KOMMENTAR:

von Christof Schnürer

Investitionen illusorisch

Die Frage ist immer wieder die gleiche: Reicht das Geld oder nicht? Die Krüner Politakteure dürfen jedenfalls auch künftig Kreativität walten lassen, um die zerrütteten Gemeindefinanzen in den Griff zu kriegen. Eines kristallisiert sich immer mehr heraus: Aufgrund enormer Tilgungungsleistungen und diverser Unwägbarkeiten auf der Einnahmenseite (Schlüsselzuweisung, Gewerbesteuer etc.) erscheinen Investitionen im großen Stil, zumindest im Laufe dieser Legislaturperiode, illusorisch.

Es ist ebenso bedauerlich, dass erneut ein Darlehen aufgenommen werden musste, um einigermaßen über die Runden zu kommen. Das wirft einen Schatten auf die vorbildlichen Konsolidierungsbemühungen dieses Gemeinderates, der sich vor drei Jahren zum rigorosen Sparen vergattert hatte.

Um so erfreulicher ist es, dass wenigstens das Krüner Sparschwein proppenvoll ist. Denn die nächsten Jahre werden dem hochverschuldeten Krün alles ab verlangen. Es ist dann wohl nur eine Frage der Zeit, wann die 580.000-Euro-Reserve - von so einem Not-groschen kann die abgebrannte Nachbargemeinde Wallgau nur träumen - aufgebraucht ist. Aber dann, so hoffen Schwarzenberger und Co., sind auch die mageren Jahre endgültig vorbei.

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Krünern klingt Korken-Knallerei noch in Ohren - Gespräche nach Zahler-Offerte

von Christof Schnürer 

Wallgau/Krün
- Das Wort "Verwaltungsgemeinschaft" will man in Krün nicht so gerne in den Mund nehmen. Denn vielen klingt immer noch die Sektkorken-Knallerei der Wallgauer in den Ohren, die am Silvestertag 1979 feuchtfröhlich das Ende der "Zwangs- ehe" mit dem Nachbarn feierten.

Nun, ein Vierteljahrhundert später, gibt es offenbar doch wieder Wallgauer Annäherungs- versuche, wie die jüngsten Äußerungen von Vize-Bürgermeister Hansjörg Zahler (wir berichteten) beweisen. Und das ist irgendwie verwunderlich. Schließlich führt Zahler die Wallgauer CSU. Und die hat sich im Herbst 1978 nicht zuletzt deshalb gegründet, um gegenüber der bayerischen Staatsregierung ein besseres Druckmittel zu haben.

Innenminister Bruno Merk (CSU) hatte dem Isartalort die Verwaltungsgemeinschaft (VG) mit Krün schließlich aufgezwungen. Zahler, 1964 geboren, kann für derlei Ent-scheidungen - ob gut oder schlecht - freilich nicht verantwortlich gemacht werden. Er war damals ja erst 15Jahre alt.

Gleichwohl darf er als politischer Enkel das ausbaden, was seine Vorgänger hinterlassen haben: Eine hochverschuldete Gemeinde, die schauen muss, wie sie finanziell über die Runden kommt. Und denkt man an Kostensenkung, denkt der eine oder andere auch an den Nachbarn.

"Ich bin für alle Vorschläge offen", signalisiert Krüns Bürgermeister Gesprächs- bereitschaft. Möglicherweise, so der 34-jährige Rathauschef, sei die Auflösung der VG Krün-Wallgau "nicht die richtige Entscheidung" gewesen.

Der CSU-Politiker kann sich vorstellen, in puncto Standesamt enger zu kooperieren. Da könnte etwa Hans Neuner (Wallgau) seinen Kollegen Peter Manghofer (Krün) im Bedarfsfall vertreten. Auch beim Bauhof gebe es Ansatzpunkte. Doch würde man diesen Bereich zusammenlegen, fragt sich Schwarzenberger: "Wer schafft dann an?" Der Bürgermeister von Wallgau, der Bürgermeister von Krün? Vielleicht wird dieser Bereich dann auch privatisiert, und die neue "Bauhof-Gesellschaft" bekommt  Auftragsarbeiten. Alles Zukunftsmusik.

Nun müssen beide Gemeinden erst mal miteinander sprechen. Wer weiß: Vielleicht wird der vorpreschende Hansjörg Zahler von Wallgaus Bürgermeister Georg Jennewein (Junge Mitarbeiter) ja wieder zurückgepfiffen?

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Donnerstag, 17. März 2005

Gedämpfter Optimismus vor Etatberatungen - Sparhaushalt auch 2005 in Krün

von Christof Schnürer

Krün - Mit gedämpftem Optimismus geht Bürgermeister Thomas Schwarzenberger in die Haushaltsberatungen. Zwar nimmt die kleine Isartalgemeinde Krün mit einer Pro-Kopf-Verschuldung von 1.090 Euro immer noch eine Spitzenposition im Landkreis ein, dennoch schreitet der finanzielle Genesungsprozess auch 2005 bescheiden voran.

"Es wird ein absoluter Sparhaushalt, da ist nur das Nötigste drin", gibt sich Schwarzenberger keinen falschen Illusionen hin. Der Etat, der nach eingehender Vorberatung am 12. April verabschiedet werden soll, wird trotz des eingeschlagenen Konsolidierungskurses ohne Neuverschuldung nicht auskommen.

200.000 Euro müssten aufgenommen werden, um unter anderem den Gemeindeanteil an der Kranzbach- beziehungsweise Isarverbauung schultern zu können (insgesamt
170.000 Euro), bestätigt Schwarzenberger. Auch um einen Griff in den Rücklagentopf wird der Gemeinderat nicht herum kommen. Der hatte sich Ende 2004 durch unerwartete Mehreinnahmen bei der Gewerbesteuer in Höhe von 126.000 Euro auf 677.000 Euro angefüllt. Und das, obwohl man bei der Kranzbachverbauung mit einem sechsstelligen Betrag in Vorleistung gehen musste.

Die Gewerbesteuer - für Schwarzenberger "eine unberechenbare Größe" -  wird nicht jedes Jahr so reichlich fließen. Das weiß auch Kämmerer Bartholomäus Reindl, der heuer nach dem Ausscheiden von Helmut Kieweg den ersten Haushalt zu verantworten hat. Mit 80.000 Euro mehr in der Gemeindekasse kann Reindl schon mal rechnen. Zum einen gibt's für Krün 50.000 Euro zusätzlich an Schlüsselzuweisung, zum anderen muss dem Landratsamt 32.000 Euro weniger an Kreisumlage überwiesen werden. Der größte Batzen an Investitionen soll übrigens in die Sanierung bestehender Immobilien gesteckt werden, unter anderem ins Rat-, Feuerwehr- und Kurhaus. Öffentliche Gelder werden über dies für die Zahlung so genannter Ausgleichsflächen und für den Ausbau des Wanderwegs zum Barm- und Geroldsee verwendet.

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Montag, 28. Februar 2005

Gemeinde Krün mach den ersten Schritt - Alpenwelt-Gelder verabschiedet

von Christof Schnürer

Krün – Der Krüner Gemeinderat hat den Anfang gemacht: In seiner jüngsten Sitzung segnete das Gremium die Bereitstellung von 57.000 Euro als Krüner Anteil für die „Alpenwelt Karwendel“ ab. Der von der Steuerungsgruppe empfohlene Gesamtetat des Isartaler Tourismusverbunds soll sich auf 159.000 Euro belaufen.

Mit diesem Geld versuchen die drei Gemeinden, wichtige Projekte anzuschieben, etwa den Aufbau einer „Bike-Destination“. Entsprechende Verhandlungen mit Uli Stanciu seien bereits aufgenommen worden, berichtet Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU). Stanciu ist Herausgeber des „Bike-Magazins“, der größten Fahrrad-Zeitschrift Europas.

Das falsche Signal

Der Journalist soll federführend das Projekt betreuen. Zuerst aber musste er finanzielle Abstriche machen. Standen für die Entwicklung der „Bike-Destination“ zunächst 30.000 Euro im Raum, bescheidet er sich nun offensichtlich mit der Hälfte, wie den Worten des Rathauschefs zu entnehmen war.

Groß angelegte überregionale Werbung mit der Marke „Alpenwelt“ wird´s vorerst nicht geben. „Da fehlt uns einfach das Geld“, so Schwarzenberger. Wenig Bares für den Marketingverbund hat offensichtlich Mittenwald übrig. Gemeinderat Schober (Aktiv für Krün) wusste seinen jedenfalls zu berichten, dass der große Nachbar im Zuge seiner Etatberatungen die Mittel für die „Alpenwelt“ gedeckelt habe. „Das macht mich sehr nachdenklich.“ Auch Schwarzenberger sieht darin das „falsche Signal“.

Gegenüber dem Tagblatt bestätigt Mittenwalds Tourismus-Direktor Klaus Ronge diesen Schritt. Mehr als 83.000 Euro werden nicht bewilligt. „Jede Gemeinde muss ihr Geld zählen“, rechtfertigt Ronge den Sparzwang der Marktgemeinde. Die vorläufige Begrenzung bedeute aber nicht, dass geplante Maßnahmen in Frage gestellt oder nicht ausgeführt werden würden. „Denn uns stehen noch Einnahmen durch Sponsoren beziehungsweise Dritte zur Verfügung, die in den Haushalt einfließen.“ Es solle keinesfalls der Eindruck erweckt werden, „dass Mittenwald sich den notwendigen Aufgaben für die Alpenwelt Karwendel durch eine Reduzierung des Haushalts entzieht.“

Zweiter Bürgermeister Georg Gschwendtner – er vertritt bis aus Weiteres den erkrankten Hermann Salminger – wollte zu dieser Geschichte lieber gar nichts sagen. „Kein Kommentar“ war seine Antwort. Demnächst werden auch die Wallgauer ihre Haushaltsgespräche beginnen. Erörtern werden sie dann unter anderem ihren Obolus für die „Alpenwelt Karwendel“. Dabei geht es um knapp 22.000 Euro.

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Samstag, 26. Februar 2005

Bürgermeister hofft auf Zuschuss von Vereinen - Lesesaal soll in Ausstellungsraum umfunktioniert werden können

von Christof Schnürer

Krün –  Der Lesesaal in der Krüner Tourist-Information soll bei Bedarf in einen Aus -stellungsraum umgewandelt werden können. Diese Entscheidung traf der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung. Vorausgesetzt das Ganze kommt nicht zu teuer. In den anstehenden Haushaltsberatungen soll dieser Punkt noch eruiert werden.

Die Idee stammt ursprünglich von Franz-Paul Reindl (Bürgerliche Wählergemeinschaft). Er und seine „Kulturfreunde“ wollen nämlich im kommenden Winter eine Krippen-Ausstellung in Krün konzipieren. Nur, es fehlt der geeignete Raum. Da die Figuren teilweise sehr wertvoll sind, scheidet das Kurhaus aus sicherheits-
technischen Gründen mehr oder weniger aus.

Dann richtete man den Blick auf den Lesesaal, der gerade in der Wintersaison täglich von bis zu 20 Urlaubern zur Zeitungslektüre genutzt wird. Ein Längs-Drittel dieses 120 Quadratmeter großen „Wohnzimmers“ soll nun auf der Ostseite in einen Ausstellungs -raum umfunktioniert werden.

Die Trennwand, die jederzeit wieder abgebaut und im Dachboden oder der Garage des Lesesaals gelagert werden kann, besteht aus massivem Holz und entspiegeltem Sicherheitsglas. Der Quadratsmeterpreis hierfür beträgt laut Reindl 50 Euro. Und 15 Quadratmeter Glas werde man in etwa brauchen.

“Wir müssen schauen, was bereitgestellt werden kann“, meint Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU), „der Rest muss über Sponsoren abgewickelt werden.“ Mit Sponsoren sind in erster Linie Ortsvereine gemeint. Die würden schon mitmachen, glauben unisono die Gemeinderäte Klaus Heigl (Theatergruppe) und Alois Kramer junior (Trachtenverein). Christl Kirschner (CSU) findet´s einfach „eine gute Idee“. Nur Klaus Koppe (Freie Wähler Klais) möchte nicht, „dass auf Dauer der Lesesaal kaputt gemacht wird.“

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Teilhauptschulen: - Kühn schreibt an Hohlmeier

Garmisch-Partenkirchen – Landrat Harald Kühn hat auf die in vielen Orten des Landkreises lauter gewordene Kritik an der geplanten Schließung der Teilhauptschulen reagiert und an Kultusministerin Monika Hohlmeier einen Brief geschrieben.

Darin prangert er die „erheblichen Nachteile für den ländlichen Raum“ an. Nur im Fall einer flexiblen und einzelfallgerechten Umsetzung des Konzeptes könne man auf die Unterstützung der betroffenen Eltern und Gemeinden zählen und „volkswirtschaftlich nicht zu rechtfertigende Investitionsruinen“ vermeiden.

Kühn klagt, dass moderne Klassenräume leer stehen würden, Kinder dafür auch noch einen längeren Weg in die weiter entfernten Hauptschulen absolvieren müssten. Der Landrat bittet die Ministerin deshalb, die Teilhauptschulen nur dann zu schließen, wenn tatsächlich die Schülerzahlen für eine Klassenbildung nicht mehr ausreichen. – red

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Stimmen – Briefe an die Redaktion

Gemeinden zahlen viermal

zu Gemeinderat kündigt massiven Widerstand an vom 24.Februar

“Ich kann Herrn Franz-Paul Reindl aus Krün nur voll zustimmen: Es ist eine Frechheit“.

Die Schließung von 430 Teilhauptschulen in ganz Bayern ist ein Husarenstück. Als Anfang der 90er Jahre notwendige Schulerweiterungsbauten im Landkreis zum Beispiel an den Volksschulen Krün, Uffing, Ohlstadt, Farchant und Grainau anstanden, war die R6 noch nicht im Gespräch, und die Gemeinden investierten aus damaliger Sicht guten Willens Millionen-Beträge in eine vermeintlich verlässliche Zukunft ihrer Schulkinder. Dann kam als „Ei des Kolumbus“ über Nach die R6, ohne zu wissen, wohin mit dem Mehr an Realschülern.
Die Lösung: Wieder Millionen für notwendige Erweiterungsbaumaßnahmen an der Realschule. Und die Gemeinden bezahlen ein zweites Mal – diesmal über die Kreisumlage.
Jetzt sollen die Teilhauptschulen geschlossen werden und die Gemeinden zahlen ein drittes Mal. Diesmal für teure Gastschulbeiträge. Ein viertes Mal werden die Gemeinden bezahlen, um die leer stehenden Gebäudeteile ihrer geschlossenen Teilhauptschulen zu warten. Das Konnexitätsprinzip wird zerplatzen wie eine Seifenblase – bezahlen wird´s letztlich doch der Bürger“. 

Wolfgang Emmerz, Murnau

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Freitag, 25. Februar 2005

Jetzt sind gute Ideen gefragt -  Gemeinderat beschließt Entwicklung eines neuen Werbe-Logos

von Christof Schnürer

Krün - Das Krüner Logo hat ausgedient - findet zumindest der Gemeinderat.

Der beschloss in seiner jüngsten Sitzung mit 11:0 Stimmen, eine neue Werbegrafik zu Tourismuszwecken zu entwickeln. Den Zuschlag hierfür soll die Nesselwanger Agentur Tanner erhalten, mit der das Isartal-Dorf schon in puncto "Alpenwelt Karwendel" zusammenarbeitet.

Gar nicht begeistert zeigte sich anfangs Ulrich Holzer (Bürgerliche Wählergemeinschaft) von diesem Vorschlag. Die Ideen, die die Allgäuer zuletzt bei der Imageprospekt-Entwicklung gemacht hätten, seien ihm "zu statisch" gewesen. "Da war einfach zu wenig Bewegung drin."

Georg Schober (Aktiv für Krün), der mit seinem Antrag die Logo-Debatte überhaupt erst ins Rollen gebracht hatte, unterstrich "die gute Verbindung zur Firma Tanner". Auch Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) hob die "konstruktive Arbeit" mit Tanner hervor. "Da haben wir einen relativ guten Draht aufgebaut." Dieser Argumentation schloss sich nach einigem Hin und Her auch Holzer, der eingangs Angebote von zwei Agenturen einholen wollte, schließlich an: "Okay, wir machen's mit einer Firma, aber bekommen dafür mehrere Vorschläge."

Klaus Koppe (Freie Wähler Klais) wiederum fragte sich, ob sich das klamme Krün momentan ein neues Logo überhaupt leisten könne. "Es bleibt ja nicht nur bei der Entwicklung." Briefbögen oder ähnliche Schriftstücke müssten dann ebenfalls aktualisiert werden, was mit zusätzlichen Kosten verbunden ist. "Wir werden es Stück für Stück umsetzen", antwortete Schwarzenberger seinem Bürgermeister-Vize. Erst würden die alten Kuverts etc. aufgebraucht werden, bevor man Briefe mit dem neuen Logo verwende.

Für das alte, das offensichtlich nicht mehr modernen Werbeansprüchen genügt,
hat jedenfalls das letzte Stündlein geschlagen. Nun heißt es für die Firma
Tanner: Gute Ideen liefern - damit auch Kritiker Holzer überzeugt wird.

Hat ausgedient: Das Krüner Logo gehört bald der Vergangenheit an.

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Donnerstag, 24 Februar 2005

Gemeinderat kündigt massiven Widerstand an - Teilhauptschule droht das Aus

von Christof Schnürer

Krün
 - "Eine Frechheit" findet Franz-Paul Reindl (BürgerlicherWählergemeinschaft) die geplante Schulreform der Staatsregierung.

Unmittelbare Folge ist die Schließung von 430 Teilhauptschulen in ganz Bayern. Auch die Krün-Wallgauer Einrichtung soll diesem Kahlschlag zum Opfer fallen. In seiner jüngsten Sitzung hat der Krüner Gemeinderat am Dienstagabend den CSU-Plänen eine klare Absage erteilt und "massiven Widerstand" angekündigt.

"Wir werden es nicht kampflos hinnehmen", betonte Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU).

Er wolle mit den Kollegen anderer betroffener Landkreis-Gemeinden (Uffing, Ohlstadt, Farchant und Grainau) Kontakt aufnehmen und weitere Schritte absprechen.

"Wir können die Zimmer ja nicht wegschneiden und verkaufen."
Bürgermeister Thomas Schwarzenberger

In der Teilhauptschule Wallgau-Krün werden momentan 24 Fünftklässler in Wallgau und 19 Sechstklässler in Krün unterrichtet. Wird nun tatsächlich in spätestens drei Jahren eine Sprengel-Änderung verordnet, müssten die Buben und Mädchen aus Wallgau, Krün und Walchensee künftig die Hauptschule in Mittenwald besuchen. Und das hätte laut Schwarzenberger für die Teilhauptschule Wallgau-Krün fatale Folgen: Zum einen würden Klassenzimmer und Werkräume, die extra für diesen Zweck für viel Geld eingerichtet wurden, leer stehen. "Wir können die Zimmer ja nicht wegschneiden und verkaufen", so
der Rathauschef. Zum anderen wird dann für die Gemeinde Krün ein Gastschulbeitrag von bis zu 40.000 Euro pro Jahr fällig. Und woher das Geld nehmen?, fragt sich der Bürgermeister. Schlimmstenfalls müsste dann die Grundsteuer B um 50 Punkte erhöht werden.

Natürlich hätten auch die über 40 betroffenen Schüler Nachteile in Kauf zu nehmen, angefangen bei den gestiegenen Busfahrkosten bis hin zu einem rauheren Klima, das ganz automatisch in einer größeren Einrichtung vorherrscht. "Bei uns ist die Welt noch weitgehend in Ordnung", meintSchwarzenberger. In Krün und Wallgau brauche man noch nicht wie in Murnau einen Sozialpädagogen, um renitente Jugendliche in Zaum zu halten.

Durch die Bank Zuspruch erhielt der Bürgermeister vom Gemeinderat. "Ich sehe
keinen vernünftigen Grund, einer Schließung zuzustimmen", sagte Ulrich Holzer (BWG). "Auf die Füße stellen und aufmarschieren", ergänzte sein Fraktionskollege Reindl. "Wer soll denn das bezahlen?", fragte Georg Schober (Aktiv für Krün). Bei Missachtung des von der CSU-Staatsregierung sogar selbst auf den Weg gebrachten Konnexitätsprinzips ("Wer zahlt, schafft an") sollten gar rechtliche Schritte gegen den Freistaat erwogen werden, forderte der Hotelier. Mit 11:0 sprach sich der Gemeinderat gegen die Schließung und eine freiwillige Sprengel-Änderung aus.

Ähnlich wird wohl das Gremium in Wallgau entscheiden, das heute um 20 Uhr ebenfalls über dieses heikle Thema sprechen wird. Genauso der Elternbeirat, Lehrer und Gemeindevertreter am 8. März.

"Keiner versteht die Reform", stellt Rektorin Christine Hundsdorfer klar.
"Man muss doch kein funktionierendes Gebilde kaputtmachen." Das Vorhaben
diene einzig und allein dazu, um Lehrer einzusparen.

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Der Hans-Martl hat´s gesehen !

Die Frühjahrsmüdigkeit grassiert im Krüner Gemeinderat.

Vielleicht lag´s aber auch an der spannenden Vortragsweise des Kämmerers, der über die Haushaltsstelle 6.300.5200 derart prickelnd philosophierte, dass es dem einen oder anderen Isartaler Volksvertreter sauber die Augen verdrehte.

Einem machte der finanzpolitische Exkurs ganz besonders zu schaffen. Sein Kopf sank immer weiter nach unten. Die Tischplatte näherte sich schon bedrohlich dem müden Haupt. Nur gut, dass der Mann zu seiner Rechten aufpasste und seinem Nachbarn einen kleinen, ab feinen Rempler gab. Der fand das aber irgendwie gar nicht lustig, wie sein grimmiges Gesicht eindeutig verriet. Weiter einen gesunden Schlaf wünscht,

Euer Hansmartl

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Freitag, 21. Januar 2005

Zu viele Bedenkenträger behindern den Bau

Schloss Kranzbach: Pläne für Wellness-Hotel müssen weiter in der Schublade bleiben

von Birgit Botzenhart

Krün - Die Investoren stehen zwar nicht unter Zeitdruck, aber spätestens im Sommer möchten Dr. Jakob Edinger und Dr. Bernhard Heitzmann, die Schloss Kranzbach Ende 2003 kauften, wissen, ob sie mit dem Bau des geplanten Wellness-Hotels beginnen können oder nicht.

In der jüngsten Gemeinderatssitzung musste Bürgermeister Thomas Schwarzenberger von Seiten des Denkmalschutzes "erhebliche Bedenken" gegen den Flächennutzungs- plan verkünden.

Der Rathauschef ist verwundert. "Die Einwände waren uns bekannt." Es habe aber rechtzeitig mehrere Gespräche mit dem Landesamt für Denkmalpflege gegeben. Auch die Bauherren haben die drei Bedingungen akzeptiert, sie wurden in den Flächen- nutzungsplan  eingearbeitet. Sie lauten: Ein Anbau an das alte Schloss, das noch vom Vorbesitzer errichtet wurde, soll wieder abgerissen werden.


Nutzung generell nicht ausgeschlossen

Die geplanten Neubauten dürfen nicht höher als der rechte Seitenflügel werden. Und schließlich wurde den Bauherrn die Terrasse vor diesem Nebentrakt verwehrt.
Außerdem soll kein Neubau direkt an den Komplex realisiert werden. "Alles
wurde erfüllt", sagt Edinger.

Schwarzenberger kritisiert die unkonkrete Formulierung des Landesamtes, es
bestünden "erhebliche Bedenken". "Jetzt schreiben sie nicht, gegen was sie
genau sind. Wie soll die Gemeinde jetzt damit umgehen?"

Denkmalpfleger Dr. Nikolaus Könner geht es vor allem um die "solitäre" Lage
des Komplexes.

"Jeder Anbau bringt eine erhebliche Störung der wahnsinnig interessanten Schlosskulisse mit sich", betont der Experte. Eine generelle Hotelnutzung sei damit zwar nicht ausgeschlossen, nur stelle die geplante Größe ein Problem dar. Es ist ein 170-Betten-Haus vorgesehen. "Es gilt, wertvolles Kulturgut zu erhalten", erklärt Könner.

Von einem befürchteten Abriss sei aber nie die Rede gewesen, versichert Edinger. Dennoch betont Könner: Die Nutzung des Areals könne nach den jetzigen Plänen nur mit einer erheblichen Beeinträchtigung des bestehenden Ensembles erkauft werden.

Das Baudenkmal könne nur "mit einem blauen Auge" davonkommen.


Eröffnung im Herbst 2006 geplant.

Dabei tun die Tiroler Eigentümer seit einem Jahr einiges, um das Gebäude in Stand zu halten. Sie kommen für Steuern, Versicherungen und Heizkosten auf, ein Hausmeister kümmert sich um das Anwesen. "Das sind erhebliche Kosten", betont Edinger. Der Unternehmensberater hofft auf eine einvernehmliche Lösung, so dass heuer an Ostern die Behördenverfahren abgeschlossen sind.

Mit Baubeginn im Sommer - die Dauer beträgt ein Jahr - könne im Herbst 2006 das Hotel eröffnet werden. Ursprünglich wollten Edinger und Heitzmann schon in der zweiten Hälfte dieses Jahres Gäste empfangen.

Der Geschäftsmann wundert sich über einiges. "In Österreich würden wir schon längst bauen", weiß er. Einen Teil der 60 bis 70 Arbeitnehmer, die er im neuen Hotel beschäftigen könnte, bildet er bereits in Österreich aus. "Aber noch sind wir guten Mutes", meint er leise lachend.

Das Projekt hänge stark von den Bedenken der Denkmal- und Naturschutzvertreter ab. "Und dann sind da noch weitere 17 Behörden beteiligt, die sich untereinander nicht immer einig sind."Die Unterstützung der Gemeinde Krün und Bürgermeister Schwarzenberger bezeichnet Edinger als "auffallend konstruktiv".

Der Hotelier weiß, dass schon lange kein neues Hotel mehr im Tourismusort gebaut wurde.


Kommentar:  Birgit Botzenhart

Geduldige Investoren.

Es gibt ein weiteres anschauliches Beispiel, warum dieses Land wirtschaftlich nicht schneller vorankommt: der geplante Bau des Wellness-Hotels Schloss Kranzbach.

Sage und schreibe 19 Behörden dürfen und müssen mitreden, wie die Wohlfühloase gebaut und wann sie eröffnet werden kann -  ein Irrsinn.

60 bis 70 Arbeitsplätze könnten geschaffen werden, und es würde eine moderne Einrichtung für den Fremdenverkehr entstehen. Dagegen werden unter anderem "erhebliche" Bedenken des Denkmalschutzes, ein einmaliges Ensemble zu "beeinträchtigen", vorgebracht.

Das alte Gebäude wurde aber sicherlich gerade wegen seines Reizes als Teil des Ensembles ausgesucht. Sollte das Projekt scheitern, weil sich die Investoren nicht länger hinhalten lassen wollen - sie zeigen eh schon große Geduld - wird's schwierig, mit dieser traurigen Vorgeschichte einen neuen Geldgeber zu finden.

Die "Beeinträchtigungen" für das leer stehende Schloss werden dann allerdings "erheblich" sein.


Rückgang der Gäste gestoppt

von Birgit Botzenhart

Krün – „Die Talfahrt ist gestoppt“, sagte Bürgermeister Thomas Schwa
rzenberger, als er im Krüner Gemeinderat die neuesten Übernachtungszahlen vorstellte.

Im Gesamtergebnis habe das Jahr 2004 ein wenig besser abgeschnitten als die zwölf Monate vorher. Damit sei die zwölfjährige Serie an Übernachtungsrückgängen beendet. Dabei stünden der Gemeinde im Fünfjahresvergleich acht Prozent geringere Kapazitäten zur Verfügung, und im vergangenen Jahr seihen die Übernachtungsmöglichkeiten von Schloss Kranzbach weggefallen.

Viele Pluspunkte unter den Anbietern bracht die Elmau. „Von Januar bis Dezember 2004 hat man dort ein Plus von über 19 Prozent verzeichnet“, teilt der Rathauschef mit. „Elmau hat Kranzbach aufgefangen“, bestätigt Sepp Winzinger, Leiter der Tourist-Information. Auch im Dezember seien mehr Gäste angekommen. „Es war zwar keine wahnsinnige Steigerung drin, aber man muss zufrieden sein“, meint Winzinger.

Dass Krün keineswegs Urlauber verliert, zeigt Schwarzenberger anhand der Zahlen auf. „Insgesamt kamen 2004 drei Prozent mehr Gäste nach Krün als im Vorjahr“, erklärt er. Die Übernachtungszahlen seien jedoch auf gleichem Stand geblieben, was bedeute, dass die Aufenthaltsdauer kürzer geworden sei. „2003 blieben die Urlauber sechs Tage 2004 nur noch fünf Tage“ erläutert Winzinger.

Es sei der Gemeinde immer wieder gelungen, Leute in den Ort zu bringen, sagt der Tourismus-Stratege. „Im Augenblick halten wir uns noch recht gut, aber wir merken auch die Auswirkungen der momentanen wirtschaftlichen Verhältnisse. „Die endgültigen Zahlen liegen noch nicht vor. Im Rathaus fand man nämlich heraus, dass ein Betrieb seine Gäste nicht ordentlich gemeldet hat. „Daher können die Zahlen noch nach oben gehen, kündigt Schwarzenberger an.

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Donnerstag, 20. Januar 2005

Grünes Licht für Erlebnispfad in Krün - Ehrenamtliche Helfer gefragt

von Birgit Botzenhart

Krün - In Krün soll es eine neue Attraktion für Einheimische und Gäste geben: einen Panoramaweg mit Natur- und Erlebnispfad.

Der Antrag von Gemeinderat Georg Schober (Aktiv für Krün) wurde in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats einstimmig angenommen.

Ein Fönsturm hat oberhalb der Stiegleiten einen freien Blick auf Ortschaft und Umgebung geschaffen. Die Vorteile für das Projekt liegen auf der Hand. "Der Weg verläuft unmittelbar in Ortsnähe und kann zu Fuß erreicht werden", sagte Schober. Er führe auch durch das Naturschutzgebiet Karwendel und schließe zum größten Teil bereits vorhandene Wanderwege ein.

Die geplante Strecke verläuft von der Isarbrücke in südliche Richtung bis zum Stausee. Dann geht es nach Osten weiter zur Hüttlbachklamm, an der Hangkante aufwärts bis oberhalb der Stiegleiten. Dort bietet sich seit neuem eine Panoramasicht auf Krün.

Entlang der Hangkante führt der Pfad dann zur alten Ski-Abfahrt und auf dem alten Wassersteig zurück zur Isarbrücke. "Die gesamte Streckenlänge beträgt viereinhalb Kilometer, die Gehdauer eineinhalb bis zwei Stunden", erklärte Schober.

Während der Wanderung kämen die Spaziergänger an verschiedenen Biotopen vorbei. Der Weg eigne sich zu Beginn auch für gehbehinderte Menschen und Familien mit Kinderwägen. Gespräche mit Vereinen und Behörden haben bereits stattgefunden und Schober  wie Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) stießen auf positive Resonanz.

Das Forstamt, auf dessen Grund der Weg verläuft, hat grünes Licht gegeben. "Allerdings können wir zur Finanzierung von unserer Seite aus noch nichts sagen", erklärte Forstdirektor Wolfgang Neuerburg in Bezug auf die Forstreform. Damit die Kosten niedrig gehalten werden können, soll die meiste Arbeit ehrenamtlich erledigt werden. Lediglich Materialkosten will die Gemeinde übernehmen. Zur Einrichtung des Lehr- und Erlebnispfades sollen Tafeln und ein Pavillon am Aussichtspunkt mit Erklärungen zur Bergwelt und Geschichte des Ortes aufgestellt werden. "Dazu haben sich bereits die Feuerwehr Krün und die Bergwacht bereit erklärt", weiß Schober. Auch E.ON Bayern und das Wasserwirtschaftsamt wollen Tafeln auf eigene Kosten herstellen lassen.


Krün will Hundetoiletten aufstellen  

Krün – In der Gemeinde Krün sollen bald Hundetoiletten aufgestellt werden. Diesen Punkt brachte Bürgermeister Thomas Schwarzenberger auf die Tagesordnung der jüngsten Gemeinderatsstizung, weil er im Sommer wiederholt von Urlaubsgästen darauf angesprochen worden sei.

Der Rat beschloß, im Haushalt 2005 dafür den Betrag von 1000 Euro einzustellen. Die Standorte vier dieser Einrichtungen wurden festgelegt für den Parkplatz vor dem Sportgelände, an der Feld- und Krottenkopfstraße sowie am Forellenweg in Klais.

Würde noch weiterer Bedarf bestehen, so könnten nur mit Hilfe von Spenden weitere Hundetoiletten aufgestellt werden, betonten die Räte.

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Dienstag, 28. Dezember 2004

„Hier wächst was zusammen“ - Isartalorte präsentieren gemeinsamen Internet-Auftritt
von Wolfgang Kunz

Mittenwald – Jetzt geht es Schlag auf Schlag: Nach Panoramakamera und Imageprospekt präsentierte der Isartaler Tourismusverbund „Alpenwelt Karwendel“ nun mit einem gemeinsamen Internet-Auftritt bereits sein drittes Projekt. „Wir haben uns damit das schönste Weihnachtsgeschenk selbst gemacht“, zeigt sich Mittenwalds Bürgermeister Hermann Salminger, zugleich Alpenwelt-Vorsitzender, mit dem Ergebnis hochzufrieden.

Zur Umsetzung des Internetprojekts der drei Gemeinden Mittenwald, Krün und Wallgau wurde ein Arbeitskreis unter Leitung von Wallgaus Zweitem Bürgermeister Hans-Jörg Zahler ins Leben gerufen. „Die darin entwickelten Ideen hat die Firma „Dreamway“ aus Immenstadt perfekt umgesetzt“, betonte Salminger während einer Präsentation in der Mittenwalder Tourist-Information.

Dreamway-Mann vor Ort ist Rudolf Tomaschek. Er hat mit seiner Werbeagentur in Krün schon die Internet-Einzelauftritte der drei Isartal-Gemeinden mitgestaltet. „Dieser ausgereifte Auftritt ist ein Knaller“, schwärmt der Fachmann. Die beauftragte Firma habe das Projekt auf vier Säulen gestellt: Gemeinsam („Die Orte sind jetzt auf Augenhöhe“), Neues Design („Zu uns passend und nicht zu schrill“), Technik („Die Auftritte werden durch jede Gemeinde selbst gepflegt“) und Inhalt („Herausragende Information“).
Wie wichtig dies alles ist, stellte Mittenwalds Tourismusdirektor Klaus Ronge dar: „Die touristische Vermarktung im Internet ist unsere Zukunft.“


Durch den Einsatz von ansprechendem Bildmaterial sei „ein höchst emotionaler Auftritt mit einer Balance zwischen Informations-Vermittlung und Image-Inhalten gelungen“.
Der Auftritt bündele Informationen der drei beteiligten Gemeinden, lasse aber auch Raum für den besonderen Charakter jedes einzelnen Ortes, deren Darstellungen untereinander vernetzt seien.

Im Internet zu ist dieses Projekt unter www.alpenwelt-karwendel.de.

Durch Infos mit aktuellem Wetter, Veranstaltungskalender, Sehenswürdigkeiten, Fahrplänen, Loipen- und Pistenberichten, Gastronomie und Freizeit wird auch mit Hilfe der Panoramabilder der Lust auf Urlaub geweckt.

In den Ortsauftritten gibt es neben Foto-Impressionen, Ortsplänen, Bahnauskunft, Medizinischem Service auch Hinweise auf Unterkünfte, Bergbahnen, Geigenbau, Urlaub mit Kinder, Brauchtum und Kultur, Natur und Erholung. Zusatzdienste wie eine Newsletter-Abo-Funktion, Kontaktformulare, Postkartenfunktion und Gästebuch runden das Angebot ab. „Hier wächst was zusammen“, würdigte Krüns Bürgermeister Thomas Schwarzenberger den Auftritt. Sein Wallgauer Amtskollege Georg Jennewein wiederum meinte: „Für Laien ist das Ganze sehr gut zu bedienen.“ Krüns Verkehrsamtsleiter Sepp Winzinger gab gar eine Prognose ab: „Beim Medium der Zukunft sind wir von Anfang an dabei und der Erfolg dieses hervorragenden Marketingwerkzeugs Internet wird uns recht geben.“

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Mittwoch, 22. Dezember 2004

Steuer bringt 30.000 Euro zusätzlich - Zweitwohnungsbesitzer zahlen

von Hari Obermeier

Krün – Die Zweitwohnungssteuer kommt – jetzt auch in Krün. Einstimmig haben sich die Gemeinderäte für deren Erhebung ab 1.Januar 2005 ausgesprochen. Wie in Mittenwald und Garmisch-Partenkirchen, so sollen auch hier die Besitzer von Ferienwohnungen mit in die Pflicht genommen werden, den Haushalt wieder auf eine solide Grundlage zu bringen.

Schon Anfang Dezember hatte der Haupt- und Finanzausschuss zu diesem Schritt geraten (wir berichteten), dem die Räte jetzt auch einstimmig folgten. Rund 250 Auswärtige haben im Isartalort ihren Zweitwohnsitz angemeldet. Davon fallen nach ersten Erhebungen der Gemeinde rund 80 in den zweifelhaften „Genuss“ dieser neuen Steuer. Bürgermeister Thomas Schwarzenberger: „Im Haushalt haben wir aber vorsichtig mit 60 Fällen gerechnet, die der Gemeinde bei einer Bemessungsgrundlage von sechs Euro pro Quadratmeter und einer durchschnittlichen Wohnungsgröße von 60 Quadratmetern rund 30.000 Euro einbringen würden.“ Dieser Betrag ist knapp bemessen, denn eigentlich geht die Kommune von tatsächlich 80.000 Euro an Einnahmen aus.

Mit Einheimischenmodell und neuer Dienstbarkeit in der Ortssatzung wonach Um- bzw. Neubauten nur noch zum Zwecke der Eigennutzung oder des Fremdenverkehrs genehmigt werden, hat die Gemeinde seit längerem zwei Instrumente etabliert, um die Zahl der Zweitwohnungsbesitzer so klein wie möglich zu halten. Schwarzenberger: „Schließlich wäre es den Krüner Bürgern wohl schwer zu vermitteln, dass wir bei unserer angespannten Finanzsituation auf solche Einnahmequellen verzichten und etwa statt dessen die Grundsteuer B für alle erhöhen würden.“

Gerade vor dem Hintergrund des Gleichheitsgrundsatzes bleibt auch Gemeinderat Ulrich Holzer, Bürgerliche Wählergemeinschaft, gelassen. Möglichen Einwänden, wie der „Abzocke“ von Teilzeitbewohnern erteilt er deshalb eine Absage: „Wir würden mit Verweis auf nicht erledigte Hausaufgaben sogar eventuell staatliche Fördermittel riskieren, wenn wir hier nicht unsere kommunalen Steuermöglichkeiten voll ausschöpfen würden.“

“Schreckensmeldungen“, wie zuletzt aus dem Kreisort, wo sich 80 Prozent der Betroffenen umgehend abgemeldet hätten, kommentiert Holzer: „Das müssten wir dann in Kauf nehmen.“ Es bleibt als dabei: Im Schnitt muss das Gros der Zweitwohnungsbesitzer ab 2005 mit Mehrkosten von jährlich rund 450 Euro kalkulieren.

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Montag, 20. Dezember 2004

Nordic-Walking: Normen müssen erfüllt werden - Einstimmig für „Aktiv-Center“

von Wolfgang Kunz

Mittenwald – Die Einrichtung eines auch vom Deutschen Ski Verband (DSV) unterstützten „Nordic-Walking-Aktivcenters“ ist beschlossene Sache. Vorgeschlagen hat das Projekt ein Arbeitskreis der „Alpenwelt Karwendel“ unter der Leitung des Krüner Bürgermeisters Thomas Schwarzenberger, Vertretern der Tourist-Informationen aus Mittenwald, Krün und Wallgau sowie regionaler „Nordic-Walking-Anbieter“.

Die Gemeinderäte in Krün und Wallgau hatten ihre Zustimmung bereits erteilt, als nun auch der Mittenwalder Rat einstimmig für das Vorhaben votierte, das Touristikdirektor Klaus Ronge vorweg erläuterte. Für die Nordic-Walking-Strecke sollen demnach am Kranzberg und am Ried jeweils zwei leichte, mittlere und schwere Strecken mit insgesamt 35 Kilometern Länge ausgewiesen werden. Ronge führte aus: „Dafür werden 100 Hinweisschilder und drei Starttafeln benötigt. In Krün mit Startplatz Finzbachstraße und am Bahnhof in Klais sind je drei leichte und mittlere sowie eine schwere Strecke auch mit 35 Kilometern vorgesehen.“ Hier müssten 135 Schilder und zwei Starttafeln aufgestellt werden. In Wallgau seien mit Startpunkt „Haus des Gastes“ je zwei leichte und mittlere und eine schwere Strecke mit insgesamt 25 Kilometern Länge über den Panoramaweg, Barmsee und Auhütte geplant. Hier werden ca. 95 Schilder und eine Starttafel benötigt – insgesamt also 200 Schilder und sechs Starttafeln.

Da alle Strecken die Normen des DSV erfüllen müssen, bietet dieser auch gleich eine komplette Projektierung und Umsetzung für 30.000 Euro an. Enthalten sind dabei die Produktion der Schilder, Start- und Stationstafeln, die Homologierung und Höhen-
profilierung, Darstellung im Internet, in einem Flyer sowie in der DSV-Mitglieder- und Aktivzeitschrift (wir berichteten).

Bei der Eröffnung wird der Einsatz von Ex-Langläufer Peter Schlieckenrieder, dem Staffel-Vierten von Olympia 1994 in Lillehammer, angeboten. „Da aus einem DSV-Sponsorentopf Schlüsselanteile in Höhe von fast 12.000 Euro zur Refinanzierung erwartet werden, macht dieses Projekt aufgrund der Werbewirksamkeit“, fand Touristikdirektor Ronge.

Dies sahen die Räte nach Salmingers Appell, „diesem neuen Trend sollten wir uns nicht schließen“, genauso.

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Samstag, 18. Dezember 2004

Augenweiden, Klarseen, Spitzenblicke......  - Der neue Image-Prospekt „Alpenwelt Karwendel“ begeistert die Verantwortlichen

von Wolfgang Kunz

Mittenwald – Gerade noch rechtzeitig vor der Weihnachtssaison wurde jetzt im Rathaus der neue Image-Prospekt der „Alpenwelt Karwendel“ öffentlich präsentiert.

Der aus den Gemeinden Mittenwald, Krün, Wallgau gebildete Tourismusverbund wählte dazu neben einem neuen Logo auch den sinnlichen Untertitel „Ein gutes Gefühl“. Genau dies hatte auch Bürgermeister Hermann Salminger angesichts der gelungenen und werbewirksamen Broschüre.

Kurdirektor Klaus Ronge erläuterte den Sinn und Zweck des Projekts. So soll sich diese zentrale Aussage auf die Wohlfühl-Region Karwendel beziehen. Vermarktet werden soll die Alpenwelt als Bergparadies mit aktivem und passivem Naturerlebnis. Die 50 Seiten gehen diesmal nicht nach dem Schema „Frühling, Sommer, Herbst und Winter“, sondern orientieren sich am Kinder- und Familienurlaub mit Radfahren, Wandern, Kultur und Brauchtum.

„Das Gesamtwerk weckt Lust auf Urlaub“, verspricht Ronge, denn neben den zweideutigen Überschriften wie Augenweiden, Klarseen, Spitzenblicke oder Trauminseln zeigen die stimmungsvollen Bilder und die dazu passenden Texte die verschiedenen Produktlinien und Stärken unserer Region“. Ronge lobte die beteiligte Werbeagentur Tanner aus Nesselwang, „die unsere Aufgabenstellung voll erfüllt und ein hervorragendes Gesamtwerk abgeliefert hat“.

Dieser Meinung war auch Bürgermeister Georg Jennewein („Das erste greif- und lesbare Projekt unserer Alpenwelt“) und Verkehrsamtsleiterin Stephanie Rehm aus Wallgau sowie Gemeindechef Thomas Schwarzenberger („Dank einem konstruktiven Arbeitskreis haben wir damit den ersten wichtigen Schritt in Richtung gemeinsamer Vermarktung getan“.) mit seinem Verkehrsamtsleiter Sepp Winzinger.

„Wir müssen aber weiter unsere Hausaufgaben machen“, meinte Rathauschef Salminger nach der Präsentation. „Unsere Nachbarn in Tirol haben schon Bereitschaft zu gemeinsamen Tourismus-Vermarktungsprojekten gezeigt – packen wir´s also an“.

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Freitag, 17. Dezember 2004

Bürger müssen nochmals in die Tasche greifen - Endbescheid zur Kanalisation

von Hari Obermeier

Krün – Auf dieses „Weihnachtsgeschenk“ der besonderen Art würden die Krüner Bürger wohl lieber verzichten. Aber die dramatische Haushaltslage macht´s nötig, dass der Schlussbescheid zur Abrechnung der Ortskanalisation noch heuer feststeht. Laut Beschluss des Gemeinderats müssen bis April 2005 je Geschossquadratmeter drei Euro Beitrag entrichtet werden.

Zur Erinnerung: Mit dem notwendigen Kanalbau hatte die Gemeinde zwischen 1996 und 2002 ein Großprojekt über 1,4 Millionen Euro zu schultern. 753.000 Euro waren in der Zwischenzeit über verschiedene Förderprogramme, verbilligte Kredite und zinslose Darlehen finanziert worden. Über die Bezahlung der verbliebenen 680.000 Euro – zwischenfinanziert über die Bayerngrund – hatte man sich nun im Gemeinderat zu einigen.

Um das mittels eines neuerlichen Kredits zu bezahlen, hätte der laufende Haushalt (ohnehin mit 90.000 Euro pro Jahr bis 2010 belegt) zusätzlich belastet werden müssen. Bürgermeister Thomas Schwarzenberger: „Wir können den Betrag aber auch nicht über Gebühren abdecken und so haben wir die bestehende Grundplanung von 80 % über Beiträge und 20 % mit Gebühr auf das Verhältnis 90 zu 10 % ändern müssen“. Laut Berechnungen der Kämmerei müsse ein Großteil der Krüner Hausbesitzer mit Kosten zwischen 1.000 und 2.000 Euro zusätzlich rechnen.

In der ersten Sitzung im neuen Jahr wird die endgültige Satzung erlassen und die Endbescheide Ende Januar, Anfang Februar an die Haushalte verschickt. Schwarzenberger: „Wir können einfach keine weitere Verschuldung der Gemeinde hinnehmen. Wir haben uns allerdings darauf geeinigt, das Zahlungsziel auf 30. April zu terminieren“.


Live übertragen

Erfreulich gestaltet sich dagegen die Abschlussrechnung beim Hochwasserschutz in Klais. Die kalkulierten 186.000 Euro fielen schließlich mit verbliebenen 150.000 Euro um 36.000 Euro günstiger aus.

Und auch beim geplanten Informations- und Reservierungssystem werden Einsparpotenziale genutzt. Schwarzenberger: „Wir schließen uns dem bestehenden System Mittenwalds an, was in Bezug auf die gemeinsamen Vermarktungsstrategien Sinn macht“.

Technischen Probleme beim „Prestigeprojekt“ der drei Isartalgemeinden, die neue Panoramakamera schmälern die Freude über diese eigentlich großartige Werbe- maßnahme enorm. Schwarzenberger: „Das muss die beauftragte Firma besser in den Griff  kriegen.“

Die Übertragung der Bilder im Bayerischen Fernsehen mit vier Perspektiven erwies sich mit der jetzigen Ausstattung als kontraproduktiv. Peter Schäfer, Vorsitzender des Touristikvereins Wallgau: „Unserer Bilder laufen via DSL jeden Morgen gegen 7.10 Uhr im BR. Doch da werden zeitversetzte Aufnahmen von 6.30 Uhr gezeigt – da ist es hier im Winter noch stockfinster“.

Abhilfe könnte eine Richtfunkstrecke liefern, die die Bilder live im Fernsehen einspeist. Kostenpunkt: 20.000 Euro!

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Mittwoch, 15. Dezember 2004

Sicher im Gries: - Damm könnte Lehrpfad werden, Hochwasserschutz-Projekt fertig

von Wolfgang Kunz

Krün – Weitgehend fertiggestellt ist das auf 500.000 Euro bezifferte Projekt „Hochwasserschutz im Oberen Isartal“. In Zusammenarbeit mit der Gemeinde, ansässigen Firmen, dem Wasserwirtschaftsamt in Weilheim und seiner bauführenden Flussmeisterstelle Oberau wurden laut Hauptflussmeister Anton Grünauer in nur sechs Wochen Bauzeit im Krüner Ortsteil Gries an der Isar auf 600 Meter Länge rund zehntausend Tonnen Steine zu einem acht Meter hohen Schutzwasserdamm aufgeschichtet.

Bekanntlich hatte das Jahrhundert-Hochwasser zu Pfingsten 1999 mit sintflutartigen Regenfällen dazu geführt, dass der in Krün direkt an der Isar gelegene Ortsteil Gries nur knapp an einer Überschwemmungs-Katastrophe vorbei gekommen war.

Seit Planungsbeginn versuchen die Naturschützer, dass der aus der Isar entnommene Kies unterhalb Krüns wieder in den Fluss eingebracht wird. Bis zu einer endgültigen Entscheidung wird dieser jetzt auf Gemeindegelände zwischengelagert (wir berichteten).

Zum nahen Ende der Bauarbeiten – es steht nur noch die Abdeckung des Dammes mit Humus und dessen Begrünung an – traf man sich zur abschließenden Ortsbesichtigung.
Bürgermeister Thomas Schwarzenberger. „Wichtig ist für uns der Hochwasserschutz unserer Bürger, die Trinkwasserversorgung durch die vorhandenen Tiefbrunnen, aber auch der Naturschutz.“ Mit von der Partie waren auch Landtagsabgeordneter Johann Neumaier und Vertreter des Wasserwirtschaftsamtes Weilheim mit dem Sachgebietsleiter Wasserbau Horst Hofmann und Baudirektor Johannes Riedl.

Gemeindewohl geht vor Naturschutz

Letzterer erklärte: „Wir mussten die richtige Deichführung mit wenig Eingriff  in die Naturschutz- und FFH-Fläche Finden. Dazu musste die Isarsohle 2,5 Meter tiefer gelegt werden. Die Forderungen der Naturschützer auf sofortige Einbringung des Gerölls bedeutet für uns einen erheblichen Eingriff in die Natur – deshalb die vorläufige Zwischenlagerung“.

Den Spagat zwischen Naturschützern und beteiligter Gemeinde trägt auch Landtagsabgeordneter Neumeier mit: „Es kann nicht sein, dass die Interessen des Naturschutzes Vorrang vor dem Gemeindewohl haben. Deshalb kann ein Kompromiss wie in ähnlichen Fällen in Oberau, im Graswangtal und am Schloss Kranzbach die Interessen der Naturschützer nicht zu 100 Prozent erfüllen.“

Und Sepp Karner, Vorsitzender der „Steine- und Mineralienfreunde“ hat schon eine Nutzungsidee für den neuen Damm: „Wir wollen hier zwischen Wanderparkplatz im Gries und Sportplatz einen geologischen Lehrpfad mit Steinen als Musterexemplaren errichten. Da hätte auch die hiesige Volksschule ihre Heimatkunde direkt vor der Haustüre“.

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Dienstag, 7. Dezember 2004

Zweitwohnungssteuer geplant

von Christof Schnürer

Krün – Die Zweitwohnungssteuer soll nach Mittenwald (wir berichteten) nun auch im Nachbarort Krün zum 1. Januar 2005 eingeführt werden. Diese einhellige Empfehlung des Haupt- und Finanzausschusses werde am Dienstag, 14. Dezember, dem Gemeinderat (19.30 Uhr) zur endgültigen Entscheidung vorgelegt, bestätigte gestern Bürgermeister Thomas Schwarzenberger dem Tagblatt.

Geht das Ganze durch – und daran zweifelt in Krün keiner - , werden im kleinen Isartalort rund 80 Menschen von dieser neuen Steuer betroffen sein. „Im Ansatz für den Haushalt 2005 gehen wir aber von nur 60 aus“, bemerkt Schwarzenberger. Auch beim durchschnittlichen Mietpreis (7,30 Euro pro Quadratmeter) und bei der Wohnungsgröße 72 Quadratmeter) kalkulieren die Verantwortlichen im Rathaus vorsichtiger. So legte man als Berechnungsschlüssel für die Zweitwohnungssteuer nur sechs Euro als Quadratmeter-Mietpreis und die durchschnittliche Wohnungsgröße mit 60 Quadratmeter zu Buche. Multipliziert man diese beiden Größen ergibt sich der Wert 360. Den wiederum nimmt man mal zwölf (Monate), und so kommt die Kommune auf eine durchschnittliche Jahreskaltmiete von 4.320 Euro.

Entsprechend dem Mittenwalder Modell der sechs Stufen, das Krün voraussichtlich übernimmt, ergibt sich dann eine abzuführende Steuer von 450 Euro pro Jahr:

Die Kämmerei erhofft sich von der neuen Steuer Zusatzeinnahmen von 30.000 Euro. Im Etat 2005 ist die eingeplante Summe mit 27.000 Euro etwas niedriger angesetzt. Jedenfalls tut diese fünfstellige Finanzspritze der hochverschuldeten Gemeinde gut. „Es werden sich zwar bestimmt welche aufregen“, mutmaßt Schwarzenberger, „aber wir handeln nach dem Gleichheitsprinzip“. Dem Krüner Erstwohnungsbesitzer jedenfalls wäre es schwer zu vermitteln, wenn man die Grundsteuer B erhöhen müsste, nur weil der Gemeinderat auf das neue Modell verzichten würde.

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Dienstag, 30. November 2004

Wenig Umsatz:Konzern zieht in Krün Notbremse - Tengelmann schließt Filiale

von Hari Obermeier

Krün - Gerüchte machten ja längst die Runde, doch jetzt ist es amtlich: Der
"Tengelmann" in der Walchenseestraße macht zu. Der Supermarkt fällt der so-
genannten Filialnetzbereinigung bei der Unternehmensgruppe zum Opfer. Ein
Nachfolger ist zwar bereits in Sicht, aber, bemerkt Bürgermeister Thomas
Schwarzenberger, "nur halboffiziell. Doch es wird bestimmt wieder ein Supermarkt kommen."

Die Krüner gehen seit 1987 gerne bei "Tengelmann" einkaufen, und gerade die Urlauber schätzen den Markt im Ortszentrum sehr. Umso mehr schmerzt der Umstand, dass die Filiale ausgerechnet zur Hauptsaison um den Jahreswechsel schließt. Bürgermeister Schwarzenberger: "Aus Fremdenverkehrssicht ist es schon problematisch, dass wir an Weihnachten auf ,Tengelmann' verzichten müssen. Aber wir haben ja Gott sei dank noch unseren ,Spar’ vor Ort."

Die Kaiser's-Tengelmann AG mit Hauptsitz in Viersen ist eine 100-prozentige
Tochtergesellschaft der Tengelmann-Unternehmensgruppe mit Sitz in Mühlheim an der Ruhr. Die traditionsreiche Kaiser's Kaffee Geschäft AG, die 1880 gegründet wurde, ist 1971 von der Unternehmensgruppe übernommen worden. 1999 wurden schließlich die Supermarktsparten Kaiser's und Tengelmann organisatorisch zusammengefasst.

Und nach 17 Jahren schließt der Krüner Markt nun also am Samstag, 18.Dezember, endgültig seine Pforten. Wie von einer Sprecherin der Unternehmensgruppe zu erfahren war, sei "der weitere Betrieb dieser Filiale nicht mehr vertretbar gewesen. Wir erzielten nicht die erhofften Gewinne."

Massive Umsatzprobleme hätten die Entscheidung der Geschäftsleitung letztlich unumkehrbar gemacht. Ein Ersatzprojekt im Oberen Isartal sei bis auf weiteres auch nicht geplant.

Der Bürgermeister hat vernommen, dass wohl auch Meinungsverschiedenheiten bezüglich des Pachtvertrags und firmeninterne Reformen die Schließung besiegelten. Angeblich würden im Zuge der Umstrukturierungen um die 600 Märke bundesweit geschlossen. Immerhin: Laut Aussage der Unternehmenssprecherin werden alle elf Mitarbeiter in anderen Filialen untergebracht werden. Und wer weiß, vielleicht lockt der Markt die treuen Kunden ja auch noch zum letzten Mal mit weihnachtlichen Schnäppchen an die Kassen?

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Mittwoch, 24. November 2004

Alpenwelt: DSV-Lizenz zum Werben - Region wird Aktiv-Zentrum

von Hari Obermeier

Oberes Isartal – Die Region ist geradezu prädestiniert für ein „Aktiv-Zentrum“ und schon bald wird die „Alpenwelt Karwendel“ wohl als solches vom Deutschen Skiverband klassifiziert werden.

Die drei Isartalgemeinden müssen ihrem Antrag eigentlich nur noch die digitale Kartographie der bestehenden Infrastruktur und eine entsprechende Beschilderung folgen lassen. Kostenpunkt: rund 30.000 Euro.

Für die Umsetzung der Vorgaben des DSV zum klassifizierten „Aktiv-Zentrum“ wurde ein Arbeitskreis gegründet, der sich aus Vertretern der drei Tourist-Informationen und regionalen Nordic-Walking-Anbietern zusammensetzt.

Inzwischen liegen dessen Streckenvorschläge für alle drei Isartalgemeinden vor und wurden mit den jeweiligen Bürgermeistern abgestimmt. So sollen 95 Kilometer Nordic-Walking-Strecken mit sechs Starttafeln und 330 Schildern ausgewiesen werden, 50 Kilometer mit drei Starttafeln und rund 200 Schildern für den Langlauf. Klaus Ronge, Kurdirektor Mittenwald: „Wo´s hapert ist, dass man jetzt das Ganze erst noch mit Leben füllen muss. Anbieten allein reicht nicht aus. Wir würden aber unser touristisches Portfolio um ein herausragendes Werbesegment erweitern.

Für das DSV-Prädikat „Aktiv-Zentrum“ müssen vier Disziplinen ausgeübt werden können: Nordic-Walking, Nordic-Skiing, Nordic-Blading und Schneeschuhwandern. Krüns Bürgermeister Thomas Schwarzenberger: „Fürs Nordic-Blading haben wir noch keine Extra-Routen. Der Schwerpunkt wird aber im Sommer ohnehin erst einmal beim Nordic Walking liegen. Durch unser vorhandenes Wanderwegenetz wären keine Zusatzinvestionen nötig. Und im Winter haben wir ja bereits ein sehr gut ausgebautes Loipennetz fürs Nordic Skiing. Das fehlt nur noch die neue Beschilderung.“

                                           - Höhenprofilierung der Strecken -

Die Ausweisungen und Höhenprofilierung der Strecken vor Ort und deren Zertifizierung in puncto Länge, Gesamtanstieg und Höhenunterschied übernimmt die Sporthochschule Köln. Ferner müssen Wegweisschilder, Start- und Stationstafeln in Auftrag gegeben werden. Koordination und Vermarktung übernimmt eine Marketing-Agentur. Alles in allem werden rund 30.000 Euro fällig werden. Schwarzenberger: „Die Summe wird nach unserem Aufteilungsschlüssel zu 34 Prozent von Krün, zu 52 Prozent von Mittenwald und zu 14 Prozent von Wallgau erbracht werden.“ Dieser Schlüssel wird anhand der Übernachtungszahlen jährlich neu errechnet.

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Montag, 22. November 2004

Neuer Schub fürs Gewerbegebiet - Gemeinderat bewilligt 10.000 Euro für Planung des Abbiegespur

von Christof Schnürer

Krün – Das Gewerbegebiet im Süden Krüns (wir berichteten) wird weiter mit Vehemenz voran getrieben. In seiner jüngsten Sitzung beschloss der Gemeinderat mit 11: 0 Stimmen, 10.000 Euro für Planungsarbeiten bereitzustellen. Dabei soll ermittelt werden, was eine Abbiegespur zu dem geplanten Areal zwischen den Bundesstraßen B2 und 11 kostet.

Die exakte Preisermittlung ist immens wichtig. Denn die Bausumme für diese Trasse schlägt sich auf die Erschließungskosten nieder und damit auf den späteren Grundstückpreis. Und erst wenn der definitiv feststehe, verdeutlichte Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU), könne der Bedarf ermittelt werden; beziehungsweise würden sich potienzielle Interessenten im Rathaus bei ihm melden, weil sie dann wüssten, was sie für den Quadratmeter zu entrichten haben.

“Uns bleibt doch gar nichts anderes übrig“, stellte Gemeinderat Leonhard Habersetzer / BWG in Bezug auf die anfallenden Planungskosten klar. „Wenn wir dieses Geld nicht einsetzen“, ergänzte Schwarzenberger, „bekommen wir einen Pi-mal-Daumen-Preis.“ Das wiederum würde die ohnehin zähen Verhandlungen mit dem Landratsamt erschweren, dessen Umweltabteilung die naturgeschützten 13-D-Flächen mit ihren Schneeheide-Kiefern nur ungern preisgibt.

In dem Zusammenhang berichtete der Bürgermeister, dass wegen der vielzitierten FFH-Richtlinien für einen Quadratmeter 13-D vier Quadratmeter Ausgleichsfläche geschaffen werden müssen. Beim geplanten Gewerbegebiet kommt man insgesamt auf 25.000 Quadratmeter Naturschutzareal. Mit anderen Worten: Zehn Hektar müssen als besonderes Grünland ausgewiesen werden, um den Ansprüchen des Naturschutzes gerecht zu werden. “Das ist ein wahnsinniger Brocken“, findet Schwarzenberger.

Wie lange die Grobplanungen dauern werden ist noch unklar. Vieles hängt vom Wohl oder Wehe der übergeordneten Genehmigungsbehörden ab. Doch schon jetzt zeigt sich ein möglicher Interessent für das Gewerbegebiet: die Gemeinde. Möglicherweise errichtet sie zwischen B2 und B11 ihren neuen Bauhof.

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Samstag, 20. November 2004

Bürgermeister Rücken gestärkt - Hochwasserschutz: Gemeinderat segnet Klage im Nachhinein ab

von Christof Schnürer

Krün – Spätestens im April kommenden Jahres soll der Deichgürtel um den Krüner Ortsteil Gries vollendet sein. „Bis Sommer hätten wir dann die großen Fahrzeuge weg“, erläuterte Bürgermeister Thomas Schwarzenberger unlängst den Gemeinderäten den Sachstand zur Isar-Hochwasserverbauung. Und die strikte Einhaltung des Zeitplans sei gerade für die Stimmungslage bei Hoteliers und Urlaubern wichtig.

Mit welcher Intensität momentan am Schutzwall zu Werke gegangen wird, verdeutlicht eine Zahl: Allein an einem Tag wurden 450 Tonnen Flussbausteine aus Telfs, verarbeitet. Das kostet natürlich Geld, viel Geld. So beträgt der Anteil Krüns beim 1,4 Millionen Teuren Unternehmen „Isar“ rund 440.000 Euro. Eine erste Abschlagszahlung von 30.000 Euro wurde nun fällig. Der Gemeinderat segnete diese Summe einstimmig (11: 0) ab.

Bis 15. Dezember sollen die Arbeiten an der Isar noch weitergehen. Nach der Weihnachtspause werden die Bagger wieder Mitte Januar anrollen. Ein Urteil vor dem Verwaltungsgericht – angestrengt von Krün und Wallgau, die gegen die Wiedereinbringung des ausgebaggerten Kieses klagen – wird wohl noch längere Zeit auf sich warten lassen. „Wir müssen das jetzt einfach durchstehen“, verdeutlichte Schwarzenberger, dessen juristischer Vorstoß vom Gemeinderat im Nachhinein abgesegnet wurde.

„Dafür dürfen wir uns bei Dir bedanken, wie Du das verhandelt und behandelt hast“, meinte Klaus Koppe (Klaiser Liste) im Namen seiner Kollegen. „Wir müssen die Klage unbedingt weiter betreiben“, sagte wiederum Ulrich Holzer / BWG „denn jetzt haben wir den Fuß in der Tür.“

In Krün rechnet man sich gute Chancen aus, das Verfahren vor dem Kadi zu seinen Gunsten zu entscheiden. Wie unlogisch die Wiedereinbringung des Kieses – gefordert von Naturschutzverbänden und –behörden – sei, argumentierte Schwarzenberger, belege eine Berechnung des Wasserwirtschaftsamts. Die besagt, dass die Isar seit 1981 einen Geschiebe- Überschuss von 535.000 Kubikmetern habe. Zum Vergleich: Rund 50.000 Kubikmeter wurden zuletzt aus dem Wildfluss gefördert. Zudem sollen laut E.ON noch weitere 60.000 Kubikmeter oberhalb des Stauwehrs lagern, die bei der nächsten Flut flussabwärts gespült werden. Wenn man dann noch künstlich Kies draufschütte, so Schwarzenberger, „haben wir irgendwann eine Talsperre.“

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Mittwoch, 10. November 2004

„Bürgerliche“ strecken Fühler nach neuen Mitglieder aus  - Lothar Ragaller junior als BWG-Vorsitzender gewählt

von Hardl Habersetzer

Krün – Die Bürgerliche Wählergemeinschaft (BWG) hat einen neuen Vorsitzenden: Lothar Ragaller junior führt für die nächsten drei Jahre die Gruppierung, die sich gerne als dienstälteste politische Kraft in Krün bezeichnet.

Der frischgebackene BWG-Chef, der Ulrich Holzer – künftig Schriftführer – beerbte, setzt gewissermaßen eine Familientradition fort.

Sein Vater Lothar Ragaller senior, von 1972 bis 1996 im Gemeinderat, ist nämlich BWG-Urgestein und sozusagen Gründungsbeauftragter des seit 2001 eingetragenen Vereins.

Neben der konstruktiven Mitarbeit in der Lokalpolitik nannte Ragaller junior während der Jahreshauptversammlung im Vereinslokal „Schöttlkarspitz“ als wichtigstes Ziel die Werbung neuer Mitglieder. Er kann dabei auf die Unterstützung seiner Vorstandskollegen zählen.

Aus dem höchsten BWG-Gremium ausgeschieden sind Hansjörg Mayr (bis dato Zweiter Vorsitzender), Hubert Schweiger (Schriftführer) und Tilly Zahler (Beisitzerin).

Lobende Worte gab´s für den scheidenden Vorsitzenden Holzer von seinem bisherigen Vize Mayr. Der bezeichnete den amtierenden Gemeinderat „als Motor“ der BWG.Holzer selbst ließ noch einmal die Arbeit der Bürgerlichen im Gemeinderat Revue passieren.

So habe die BWG beim Isar-Hochwasserschutz für eine finanzielle Entlastung der Anwohner im Krüner Ortsteil Gries gekämpft. In puncto Tourismus wies Holzer auf die bevorstehende Unterzeichnung des gemeinsamen Vertrages der drei Isartalorte zur „Alpenwelt Karwendel“ hin. „Die Identität der einzelnen Gemeinden darf darunter aber nicht leiden“, mahnte er. Schon jetzt verdeutlichte der Gemeinderat den BWG-Mitgliedern die problematische Haushaltslage. Die Aufstellung des Etats 2005 werde kein Zuckerschlecken. Nicht einfach gestaltet sich auch die Realisierung des schon lange von der BWG geforderten Gewerbegebiets. Aber die Verhandlungen, so Holzer, würden laufen. Abschließend beschlossen die Mitglieder einstimmig, den Internetauftritt (www.bwg-kruen.de) mit durchschnittlich 700 Besuchen pro Monat beizubehalten.

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Freitag, 23. Juli 2004

Schutzstreifen bald Bauland für Einheimische ? - Gemeinderat einstimmig dafür

von Christof Schnürer

Krün - Die Gemeinde Krün möchte vier einheimischen Familien am Friedhofsweg günstig zu Bauland verhelfen. Einen entsprechenden Beschluss fasste der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung einstimmig. Als nächster Schritt muss mit Forstamt und Weiderechtlern verhandelt werden.

"Ich glaube, der Bedarf ist da", meint Bürgermeister Thomas Schwarzenberger, auch wenn es das Landratsamt in einer Mitteilung etwas anders sieht. Darin moniert die Kreisbehörde eine schleppende Bautätigkeit trotz vieler ausgewiesener Flächen. Dem widerspricht der Rathauschef: In den vergangenen Jahren habe die Gemeinde rund 43.000 Quadratmeter Land "baureif" gemacht. 75 Prozent davon seien inzwischen mit Häusern versehen.

Das jüngste Einheimischen-Modell am Friedhof auf einem Areal von 2.000 Quadrat-
metern soll aufgeteilt werden in vier 500-Quadratmeter-Parzellen.

Darauf soll jeweils eine Doppelhaushälfte entstehen. Der Grund gehört der Gemeinde und dient momentan vornehmlich als Parkplatz. Dieser werde inverschlankter Form auch bleiben, berichtet Schwarzenberger.

Zunächst jedoch muss sich der Bürgermeister mit dem Forstamt zusammensetzen. Auf dem Areal lastet nämlich eine Grunddienstbarkeit. Die besagt, dass die betreffende Zone ausschließlich die Funktion eines Schutzstreifens genießt. Dieser Passus muss nun - voraussichtlich gegen Bares - aufgelöst werden. Ein Landtausch schwebt Schwarzenberger mit der Weidegenossenschaft vor, denn die vier Parzellen sind auch mit Weiderechten belastet. Nimmt man den Verkehrswert der Häuser auf der gegenüberliegenden Straßenseite (340 Euro pro Quadratmeter) als Maßstab, könnte sich der Gemeindesäckel bei Verkauf dennoch ordentlich füllen. Da das Ganze aber Einheimischen zu verbilligten Konditionen zugute kommen soll, wird der Quadratmeter-
preis für vollerschlossenes Bauland rund 200 Euro betragen. "Damit werden wir nicht unseren Haushalt sanieren", verspricht Schwarzenberger. "Das wäre zu
kurzfristig." Vielmehr solle das Geld in einen neuen Bauhof fließen oder touristischen Zwecken dienen.

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Samstag, 17.07.2004

Abwechslungsreicher Juli-Endspurt

Von Christof Schnürer

Krün – Kulturfreunde, Skiclub und Touristikverein haben sich viel vorgenommen: Unter dem Motto „Krün gibt sich die Ehre..." wollen diese drei Organisationen Einheimischen und Gästen von 25. bis 31. Juli ein abwechslungsreiches Kulturprogramm bieten. „Es ist ein Versuch", meint Franz-Paul Reindl, der sich bereits im vergangenen Herbst gedanklich näher mit dem ehrgeizigen Projekt befasst hat.

Den Auftakt zu dieser Kulturwoche macht am kommenden Sonntag, 25. Juli, um 11 Uhr das traditionelle Dorffest des Skiclubs auf dem Dorfplatz. „Dabei gibt`s auch eine Premiere", lässt Reindl von den Kulturfreunden durchblicken. Denn erstmals werde zu dieser Gelegenheit auch die Krüner Blaskapelle aufspielen. Musikalisch wird`s aber auch am Dienstag, 27. Juli: Dann nämlich gastiert um 20 Uhr im Kurhaus die Bigband des Garmisch-Partenkirchner Werdenfels-Gymnasiums unter der Leitung von Maria Buchwieser aus Oberammergau. „Die", so Reindl, „haben sich intensiv auf diesen Abend vorbereitet." Die ursprüngliche Idee, das Gastspiel des 25-köpfigen Orchesters nach draußen in den Kurpark zu verlegen, habe man aus „akustischen Gründen" wieder verworfen.

Ein absolutes Novum jedenfalls ist, dass die Bigband gemeinsam mit dem Mittenwalder A-capella-Ensemble "“weet-Hard-Chor" mit Max Trommsdorff am Taktstock auftreten wird. „Da freue ich mich besonders drauf", meint der rührige Gemeinderat Reindl, der mit Lothar Ragaller (Kulturfreunde), Karl Pfund (Skiclub) und Franz Kriner (Touristikverein) das einwöchige Spektakel organisiert hat.

Am Donnerstag, 29. Juli, kommen dann die Gourmets auf ihre Kosten. Die heimischen Gastronomen bitten ab 19 Uhr in den Festsaal des Kurhauses und servieren bei der „Schmankerlpromenade" preiswerte Gaumenfreuden aus ihrer Küche.

Den Abschluss bildet am Samstag, 31. Juli, die "Sinfonie der Berge" mit dem bekannten österreichischen Bergfotografen Heinz Zak. Seine Open-Air-Multivisions-Diashow wird bei Einbruch der Dunkelheit losgehen (zirka 22 Uhr). Zuvor gibt`s ab 18 Uhr ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm unter anderem mit Live-Musik der Alpin-Band „Kreizweis" und Vorführungen der Bergwacht, inklusive Kletterwand.

Karten im Vorverkauf sind bei der Tourist-Information Krün unter Telefon 0 88 25/10 94.

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Samstag, 10. Juli 2004

„Isar-Zähmung“ Startschuss im September - Behörden und Verbände einig

von Christof Schnürer

Krün – Nun ist es amtlich: Nach fünf Jahren Verhandlungspoker steht der Hochwasserverbauung im Krüner Ortsteil Gries und der Isar-Ausbaggerung im September nichts mehr im Weg. Fachbehörden und Naturschutzverbände einigten sich am Donnerstag im Landratsamt nach zweistündiger Diskussion auf einen Kompromiss.
Der sieht vor, dass 37.000 Kubikmeter Kies dem Wildfluss entnommen werden dürfen. Dieser soll dann beim Bau der beiden Deichgürtel im Gries sowie am Wallgauer Trinkwasser-Brunnen an der Au-Hütte verwendet werden. Der Rest, so der zuständige Abteilungsleiter im Wasserwirtschaftsamt (WWA), Johannes Riedl, werde „linienförmig, auf einer Länge von 200 Metern“ knapp unterhalb des Grieser Damms wieder eingebracht. So könnte das abgelagerte Gestein bei der nächsten größeren Flut flussabwärts gespült werden.

Mit Bauchschmerzen

Eine Lösung, von den Naturschutzverbänden gefordert, die das WWA zähneknirschend akzeptierte. Auch Krüns Bürgermeister Thomas Schwarzenberger hat leichte Bauchschmerzen. Fürchtet der doch, dass das Isarwasser durch den eingefüllten Kies bei entsprechenden Pegelständen umgeleitet und so den unterhalb liegenden Trinkwasser-Brunner in Mitleidenschaft ziehen könnte. „Das werden wir noch überprüfen“, versichert Riedl.
Letztendlich sind alle Beteiligten mit dem Donnerstags-Kompromiss zufrieden. „Ich bin froh“ bemerkte Bürgermeister Schwarzenberger, „wir haben das nötige Geld, und wir haben eine Einigung erzielt.“ Endlich könne es losgehen. Ähnlich äußert sich das Landratsamt: „Wir bewerten die Lösung als vernünftig“, teilt dessen Sprecher Wolfgang Olexiuk mit, „weil sie einerseits eine flexible Reaktion auf künftige Anforderungen erlaubt.“ Der Kompromiss bei der Kiesausbaggerung diene auch der Rechtssicherheit. „Eine sogenannte Verbandsklage steht nun nicht mehr im Raum.“

“Fluss kann es besser“

Mit der hatte unlängst Michael Schödl vom Landesbund für Vogelschutz gedroht. Doch das scheint seit vorgestern Schnee von gestern zu sein. „Mit dieser Lösung können wir und vor allem die Krüner zufrieden sein“. Unterstreicht Schödl. Man sei keineswegs unglücklich, dass der Kies, der für den Erhalt der Strecke flussab nach Wallgau dringend notwendig ist, nun nicht mit dem Lkw transportiert werden müsse, denn „der Fluss kann es besser und kostengünstiger“, ergänzt Hans-Joachim Fünfstück, Erster Vorsitzender der LBV-Kreisgruppe.
Laut Auskunft von Bürgermeister Schwarzenberger darf die Isar künftig immer wieder ausgebaggert werden, falls die kritische obere Sohle erreicht wird.

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Donnerstag, 8. Juli 2004

Treu und aufopferungsvoll für die Mitmenschen

von Susanne Gadinger

Krün – „Sicher gäbe es in Krün andere, die diese Auszeichnung verdient hätten. Andererseits macht mich die Ehrung stolz, und ich nehme sie mit der Bitte an, auch als Ehrenbürger normal und bescheiden in Eurer Mitte leben zu dürfen.“ Mit Applaus zollten die anwesenden Gemeinderäte und Gäste am Dienstagabend im Rathaus den bewegenden Worten Respekt, mit denen der geehrte Dr. Josef Wüst seinen Emotionen Ausdruck verlieh.

In festlichem Rahmen war der Arzt für seine „treue und aufopferungsvolle Hilfe in der medizinischen Versorgung der Bürgerinnen und Bürger von Krün in der Zeit von 1946 bis 1990“ und seine „Beteiligung am gesellschaftlichen und kulturellen Leben in Krün „ zum Ehrenbürger ernannt worden.

Anrührend und festlich war die Sondersitzung des Gemeindesrats, aber auch zum Schmunzeln, nicht zuletzt durch die Schlagfertigkeit des 90-Jährigen. Die Schilderung seines Lebensweges durch Bürgermeister Thomas Schwarzenberger würdigte er mit der Bemerkung, dass es nun keinen dunklen Flecken mehr in seinem Leben gebe. Und als sich das Gemeindeoberhaupt präventiv gegen den Verdacht verwehrte, Ehrenbürger würden zur Sanierung der Gemeindekasse ernannt – Wüst überreichte einen Scheck zur Unterstützung eines kulturellen oder karitativen Zwecks – konterte Wüst: „Aber brauchen könnt Ihr´s schon bei Euren Finanzen. “Bei denen war der Doktor in seiner Tätigkeit als Kassenarzt immer bescheiden und sparsam gewesen. Ein Punkt, den Schwarzenberger besonders hervorhob. Aber auch der Bürgermeister trug zu der heiteren Atmosphäre bei, indem er die eine oder andere Anekdote von der Schafkopf-Leidenschaft oder den trockenen Kommentaren des Mediziners preisgab.

Unter den Festgästen durfte Schwarzenberger den Vorsitzenden des Ärztlichen Kreisverbandes, Dr. Martin Kennerknecht, Pfarrer Mieczyslaw Studzienny sowie die Vorstände der Bergwacht, des Sportvereins und der Veteranenvereins willkommen heißen, denen Wüst als Mitglied angehört. Für die passende Musik sorgte der „Soiernbergler Vierg´sang“.

Nach Otto Freiherr von Ritter zu Groenesteyn (1864 bis 1940), Staatsrat und bayrischer Gesandter beim Heiligen Stuhl in Rom, dem weit vor dem Zweiten Weltkrieg diese Würde angetragen worden war, ist Dr. Josef Wüst übrigens erst der zweite Krüner Ehrenbürger.

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Dienstag, 6. Juli 2004

Entscheidende Woche für „Isarbändiger“ Schwarzenberger

von Christof Schnürer


Der Hochwasserschutz an der Isar beschäftigt Krüns Bürgermeister Thomas Schwarzenberger schon seit Amtsantritt im Mai 2002. Gestern nun hat ihm Oberbayerns Regierungspräsident Werner-Hans Böhm mitgeteilt, dass zum Deichgürtelbau im Ortsteil „Gries“ und zur Isar-Ausbaggerung bereits heuer Mittel aus München fließen werden. Das Geld ist also da, jetzt muss zwischen Wasserwirtschaftsamt und Naturschutz geklärt werden, ob der ausgebaggerte Kies flussabwärts wieder eingebracht werden muss oder nicht. Ein Gespräch zwischen beiden Parteien sei noch für diese Woche vorgesehen, berichtet Schwarzenberger. „Ich hoffe, es ist ein klärendes.“ Falls ja, kann mit der Isarbändigung schon begonnen werden. Karikatur Wendlandt

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Montag, 5. Juli 2004

Stets loyal zur Gemeinde - Kieweg und Dirnhofer verabschiedet

von Susanne Gadinger

Krün – Helmut Kieweg hat nun deutlich mehr Zeit zum Radfahren, Wandern und Schwimmen. Er freut sich auch darauf, mal spontan unter der Woche etwas unternehmen zu können. Bernhard Dirnhofer erklärt den Ruhestand selbst zu seinem Hobby. Beide Krüner Gemeindeangestellten wurden nun in einer Feierstunde mit dem Gemeinderat und Kollegen im Vereinsheim in die Rente verabschiedet. Bürgermeister Thomas Schwarzenberger würdigte deren Engagement für den Ort. 44 Jahre war Helmut Kieweg in Gemeindediensten beschäftigt, 29 davon als Kämmerer. Für den 60-Jährigen begann am 1.Juli die Freizeitphase seiner Altersteilzeit, für die er in den vergangenen beiden Jahre vorgearbeitet hab.

Bereits seit 1.März genießt der ehemalige Bauhofleiter Dirnhofer die Rente. Er war 31 Jahr im Bauhof angestellt und hatte 1990 dessen Leitung übernommen. An der Feierstunde nahmen auch die Nachfolger der Ruheständler teil: Das Amt des Kämmerers hat der bisherige Kassenverwalter Bartholomäus Reindl übernommen, der seit zehn Jahren im Rathaus tätig ist. Seit vier Jahren dabei ist Hans-Jörg Mayr, der nunmehr Bauhofleiter ist.

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Montag, 5. Juli 2004

Ehrenbürger Josef Wüst gibt sich bescheiden - Feierstunde am Dienstag im Rathaus

von Susanne Gadinger

Krün - "Als Arzt kann man in Krün nicht viel verdienen, gehen Sie lieber ins Ausland! Es sei denn, Sie haben Mut..."

Dr. Josef Wüst hatte Mut und ließ sich 1946 entgegen dem gut gemeinten Rat des US-Sanitätsrats, der nach dem Krieg für die Einteilung der Ärzte zuständig war, in Krün nieder. Mitte Mai feierte der rüstige Allgemeinmediziner seinen 90. Geburtstag (wir berichteten); für seine Verdienste wird er nun am kommenden Dienstag, 6. Juli, um 19.30 Uhr im Rathaus während einer Sondersitzung des Gemeinderats zum Krüner Ehrenbürger ernannt.

Josef Wüst, gebürtiger Augsburger, war nach fünf Jahren Fronteinsatz in Russland und Frankreich nach Ende des Zweiten Weltkriegs mehr als froh, unversehrt in die Heimat zurückgekommen zu sein. Seit jeher begeisterte ihn die Natur. "Im Mai 1946 fuhr ich mit dem Zug nach Klais und ging zu Fuß nach Krün, um mir die Sache vor Ort anzusehen", erinnert sich Wüst. "Der Weg führte durch eine Birkenallee, und die Wiesen waren voller Enziane und Mehlprimeln - da stand für mich fest, in diesem Paradies zu bleiben."

Alles andere als paradiesisch war der Anfang im Oberen Isartal. Offenbar sollte der Sanitätsrat mit seiner Prophezeiung Recht behalten, denn die ersten zwei Jahre als niedergelassener Mediziner waren "sehr dürftig. Es kamen wenig Leute, teilweise haben wir umsonst behandelt, teilweise wurde mit Naturalien bezahlt."

Bis zu diesem Zeitpunkt war in Krün eine Ordensschwester für die medizinische Versorgung zuständig gewesen, in Notfällen war Dr. Schädel aus Mittenwald mit der Kutsche gekommen. Besser wurde es für Wüst und seine Frau Theresia, einer Ärztin aus München, als der Fremdenverkehr aufzukeimen begann. Und bis zu seinem 75. Geburtstag hatte Wüst Generationen von Krünern verarztet.

Seit dem Tod seiner Gattin vor fünf Jahren lebt der Pensionist allein; seine Kinder wirken als Zahnarzt, Geschichtsprofessor und Apothekerin bei Freiburg, in Tettnang und Erlangen. Eine besondere Freude ist es für ihn, wenn seine Enkel zu Besuch kommen. Ein bisschen pflegt er noch sein Hobby, die Gartenarbeit, "aber nach einer halben Stunde bin ich fertig, Kreuz und Gehwerk funktionieren nicht mehr so gut."

Das Antragen der Ehrenbürgerschaft traf Dr. Josef Wüst wie ein Blitz aus heiterem Himmel: "Es freut mich, dass ich anscheinend in guter Erinnerung bin, aber es gäbe sicher andere, die die Ehrung mehr verdient hätten."

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Juni 2004

Jetzt wird kräftig mit der Kette gerasselt - Schlechte Meldemoral zwingt zum Handeln

von Christof Schnürer

Krün – Mit der Meldemoral sieht´s gar nicht gut aus in Krün. Bürgermeister Thomas Schwarzenberger hat zumindest so einen Verdacht, dass einige schwarze Schafe unter den Vermietern die Gemeinde um den Kur- beziehungsweise Fremdenverkehrsbeitrag prellen. Nun wollen die Verantwortlichen im Rathaus einige verdächtige Beherbergungsbetriebe etwas genauer unter die Lupe nehmen.

“Es ist sehr schwierig“ bemerkt Schwarzenberger, „aber wir werden jetzt besser Acht geben.“ Schon im Vorjahr hatte die Gemeinde gegen vier latente Meldemuffel ein Bußgeld verhängt. Denn der finanzielle Schaden, der dem Isartal-Dorf dadurch entsteht, sei immens, betont der Bürgermeister. Dieser glaubt, dass die Dunkelziffer mindestens zehn Prozent beträgt. Das wären aktuell rund 43.000 Übernachtungen. Das wiederum bedeutet für Krün bei Kur- und Fremdenverkehrsbeträgen rund 50.000 Euro weniger in der Kasse. Geld das dringend für die Aufrechterhaltung touristischer Standards benötigt wird.

Den Stein ins Rollen gebracht, hat –unwissentlich- ein Urlauber aus St. Wedel. Der reist seit Ende der 80er mindestens zweimal pro Jahr für einige Tage an, um hier auszuspannen. Mitunter bringt er auch noch Freunde mit. Jetzt wollte er sich für die freundliche Aufnahme bei der Gemeinde bedanken. Doch die hat ihn in den zurückliegenden Jahren gerade einmal als gemeldeten Gast registriert. Ein absolutes Unding, findet Schwarzenberger. So könne er gerade in finanzschwachen Zeiten nicht weitergehen. „Jetzt müssen wir mit der Kette rasseln.“ Einen professionellen Prüfer wie etwa in Grainau geschehen, wolle man vorerst nicht engagieren. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Als einen der Gründe für die miserable Meldemoral gibt Schwarzenberger die immer kürzer werdende Verweildauer an. Viele Vermieter seien offenbar der Meinung, Gäste, die nur ein bis zwei Tage bei Ihnen Quartier nehmen, nicht registrieren zu lassen. Es scheint, als sei dahingehend die Hemmschwelle enorm gesunken.

Nicht aber die aktuellen Übernachtungszahlen. Im Vergleich zum schwachen Vorjahr verzeichnet man in den Monaten Januar bis Mai ein Plus von knapp zwei Prozent. Es wäre deutlich höher, würden einige Vermieter ihre Meldezettel etwas gewissenhafter ausfüllen.

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Montag, 21. Juni 2004

Weiter warten auf Tag X - Insolvenzverfahren auf Schloss Kranzbach zieht sich hin

von Veronika Schandl

Krün - Für Oliver Reichelt, den Münchner Rechtsanwalt und Insolvenzverwalter von Schloss Kranzbach, ist es ein "klassisches Verfahren". Vor beinahe vier Monaten ist die Konkursabwicklung der zahlungsunfähigen Betreibergesellschaft angelaufen (wir berichteten). Für Reichelt läuft bisher alles nach Plan. Das kann der Krüner Bürgermeister Thomas Schwarzenberger ebenfalls behaupten. Denn die Gemeinde hat sich bei der Neugestaltung des Hotels in vielen Punkten ein Mitspracherecht gesichert.

Das neue Besitzer-Duo Dr. Jakob Edinger und Dr. Bernhard Heitzmann plant ein "Wellness-Hotel" für den gehobenen Mittelstand. Derzeit werden gerade der Flächennutzungs- sowie der Bebauungsplan für die 13 Hektar große Immobilie geändert beziehungsweise aufgestellt. Schwarzenberger will hierbei insbesondere bei den Punkten Nutzung, Größe und Gestaltung ein kräftiges Wort mitreden. "Diese Kriterien können wir im Bebauungsplan festlegen." Es hätten ebenfalls bereits erste Gespräche mit Denkmal- und Naturschutz stattgefunden. Eine grundsätzliche Kompromissbereit-
schaft sei vorhanden, meint Schwarzenberger.

Ein Punkt, über den man sich allerdings noch einigen müsse, sei der Standort des neuen Gebäudes, das Dr. Edinger geplant hat. Denn ein Teil der bestehenden Zimmer im Schloss sei nicht zukunftsträchtig. "Zu klein", unterstreicht der neue Eigentümer. Somit müsse erst angebaut werden, damit das Hotel eine "lebensfähige Betriebsgröße" erhalte. "Sensible Anbauten" sollen es werden. Er sehe sich in der Planung allerdings noch durch das derzeit laufende Insolvenzverfahren leicht "gehemmt".

Dem kann Reichelt so nicht zustimmen. Denn die weitere Entwicklung von Kranzbach hänge nicht von ihm ab. "Das Verfahren ist kein Hindernis." Bisher seien alle Anlage-
vermögen und Immobilien zurückgegeben worden; ebenso die zahlreichen Leasing-Güter. "Dreiviertel des Inventars, Fernseher, Betten et cetera, war nur geleast", erläutert der Anwalt. Er rechne, dass in etwa einem Jahr das Insolvenzverfahren beendet sein wird.

Dann möchte Edinger bereits die genauen Hotelpläne in Händen haben und, wenn möglich, bereits mit der Renovierung begonnen haben. Erst einmal allerdings müssen Gemeinderat und Behörden die Bebauungs- und Nutzungspläne nach der öffentlichen Auslegung absegnen. Erst wenn diese Phase abgeschlossen sei, so

Schwarzenberger, könne mit dem Projekt begonnen werden. Ein genauer Zeitplan steht somit noch nicht fest.

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Samstag, 15. Mai 2004

Miniwall für Krüner Ortsteil „Gries“ kommt - Isar-Verbauung: Start noch 2004

von Veronika Schandl

Krün – Nicht nur Krüns Bürgermeister Thomas Schwarzenberger kann aufatmen, sondern vor allem die Bewohner des Ortsteils „Gries“. Denn die Chancen stehen seit dieser Woche nicht schlecht, dass mit der Hochwasserbauung an der Isar nun doch noch in diesem Jahr begonnen wird – zumindest mit der Entkiesung. Über die noch strittigen Punkte (wir berichteten), wie den „Miniwall“, hat sich das Wasserwirtschafts-amt Weilheim (WWA) mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes mittlerweile geeinigt.

Über die Lage des „Miniwalls“ habe die Regierung von Oberbayern entschieden, bestätigt Johannes Riedl, zuständiger Abteilungsleiter des WWA. Die Naturschutzbehörde beugt sich somit der von der Kommune präferierten Variante. „Es bleibt bei der ursprünglichen“, zeigt sich Schwarzenberger erleichtert, nicht zuletzt deshalb, weil diese Lösung die billigere ist.

Demnach wird der kleine Fußweg hinter dem Tennisplatz nun erhöht sowie auch die Straße vom Spielplatz zur Isar. „Das ist ein wichtiger Punkt für uns“, so Schwarzenberger. Der Vorschlag der Naturschutzbehörde, die angrenzenden Wiesen als Hochwasser-Rückhalteareal zu nutzen, wurde gekippt. Dadurch, dann nun die Wege aufgekiest würden, entstehe bereits diese „Dammwirkung“, unterstreicht der Rathauschef.

Beim strittigen Thema „Kiesentnahme“ jedoch ist man auf das Landratsamt zugegangen. Denn ein Teil des ausgebaggerten Materials wird nun weiter flussabwärts wieder in die Isar eingebracht. Bei einem weiteren Ortstermin will man sich noch einigen, an welcher Stelle das sinnvoll ist. „Er muss ja auch abtransportiert werden“, so Riedl. „Es wird zudem eine obere und eine untere Zone festgelegt ergänzt der Bürgermeister.

Und sobald die obere überschritten werde, müsse der Kiesstand wieder auf die Untergrenze abgesenkt werden. Nachgeben musste Schwarzenberger  dann jedoch beim Volumen der Kiesentnahme. „Wir wollten eigentlich die ganze Breite.“ Das geschieht nun „nur“ auf 26 Metern.

Für Schwarzenberger ist diese plötzliche Wende nicht hoch genug einzuschätzen, zumal Regierungspräsident Werner-Hans Böhm vor einigen Wochen bei einem Ortstermin in Klais die Hoffnungen auf einen Baubeginn 2004 gehörig dämpfte. „Das ist ein Thema, das uns berührt.“ Der Bürgermeister kann sich auch vorstellen, dass Krün, das bei diesem Projekt mit 30 Prozent beteiligt ist, finanziell sogar in Vorleistung geht. „Das wäre durchaus denkbar.“ Ein Punkt, den auch Riedl für sehr wichtig hält, weil es das richtige Signal für das Ministerium sei, das das Ganze ja absegnen müsse. Jedenfalls setze Gemeinde und WWA alles daran, dass noch heuer begonnen wird.

Die Kiesentnahme hat hierbei für Schwarzenberger oberste Priorität. Denn „dann sind wir mit 95 Prozent auf der sicheren Seite“ – zumindest laut einer statistischen Errechnung für ein Jahrhundert-Hochwasser.

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Gemeinde überrascht Geburtstagskind

Zum 90.Wiegenfest erhält ehemaliger Landarzt Dr. Josef Wüst die Ehrenbürgerwürde

von Hardl Habersetzer

Krün – Bürgermeister Thomas Schwarzenberger machte Dr. Josef Wüst vielleicht das schönste Geburtstagsgeschenk: Dem jahrzehntelangen Landarzt, der gestern seinen 90. Geburtstag feierte, wurde wegen seiner besonderen Verdienste um das Gemeinwesen gestern die Ehrenbürgerwürde angetragen.

Die offizielle Ernennung soll bei einem Festakt im Juni erfolgen. Anfänglich etwas zurückhaltend, freute sich der bescheidene Jubilar dann doch über diese „Beförderung“. Neben dem Bürgermeister und Repräsentanten der einzelnen Gemeinderatsfraktionen reihten sich in die Schar der Gratulanten auch Vertreter der Veteranen, des Kegelclubs und des Sportvereins, dessen ältestes Mitglied Wüst ist, ein.

Während der Feierlichkeiten tauschte das Geburtstagskind mit so manchem Gast Erinnerungen aus. Etwa als zur Nachkriegszeit Honorare mangels Geld in Naturalien, einem Ster Holz oder einem Gemälde, beglichen werden mussten. Bei derartigen Abrechnungsmethoden wäre die Gesundheitsreform heute sicherlich kein Thema.

Geboren als Sohn eines höheren Finanzbeamten wuchs Wüst in Augsburg und Ingolstadt auf. Medizin studiert hatte er in Freiburg und Würzburg. Nach dem Zweiten Weltkrieg baute der Vater von drei Kindern 1946 zusammen mit seiner inzwischen verstorbenen Ehefrau Dr. Theresia Wüst in der Krüner Feldstraße eine Arztpraxis auf. 40 Jahre wirkte er als Landarzt in den Gemeinden Krün und Wallgau.



















Gratulierten Dr. Josef Wüst (3.v.l.) zum 90.Geburtstag: (v.l.) Zweiter Bürgermeister Klaus Koppe, Bürgermeister Thomas Schwarzenberger sowie die Gemeinderäte Georg Schober, Albert Niggl und Leonhard Habersetzer

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Montag, 3. Mai 2004

"Machtlos" beim Transitverkehr"

von Wolfgang Kunz

Krün - Bei der Bürgerversammlung im Kurhaus gab Gemeindechef Thomas Schwarzenberger für die anwesenden 90 Bürger einen Rück- und Ausblick über die Gemeindepolitik, Harald Kühn wartete mit Daten und Fakten aus der Sicht des Landrats auf. Diese kamen in so schneller Folge, dass den Zuhörern schon volle Konzentration abverlangt wurde, um alles ganz genau mitzubekommen.

Gemeinderat Georg Schober war dann auch der Einzige, der sich nach Kühns Vortrag mit einem Problem an den Landrat wandte. "Der Transitverkehr mit Schwerlastzügen über den Zirler Berg belastet unsere Urlaubsregion", hat Schober erkannt, "da viele Transpsortunternehmen aus Bayern mit fingiertem Firmensitzen in Werdenfels das Recht erwirken, den für einheimischen Unternehmen genehmigten kurzen Weg durchs Isartal in das Inntal zu nehmen". Kühn versicherte, "dass schon eine Anfrage aus dem Landratsamt über die Landesgrenzen bisher ohne Ergebnis in Gang gebracht worden sei und wir momentan machtlos sind."

Zuvor hatte Kühn alle wichtigen Punkte der Kreispolitik erörtert: Hochwasserschutz am Kranzbach, das geplante Gewerbegebiet im Süden von Krün sowie die Ausweisung von FFH-Schutzgebieten wurde ebenso beleuchtet wie die Verabschiedung der europäischen Verfassung, die Steuer- und Finanzreform und die Sparmaßnahmen auf Kreisebene mit Kürzungen der freiwilligen Leistungen.

Gemeindechef Schwarzenberger listete alle Ein- und Ausgaben samt Sparmaßnahmen der Gemeinde auf und informierte über den Sachstand Gewerbegebiet, die Bebauung im Ortsteil Bärnbichl, die Schließung der Wertstoffsammelstellen und die Bestrebungen der Gemeinde zum Prädikat "Luftkurort Krün".

In Sachen Fremdenverkehr konnte der Gemeindechef den Vermietern eine Rüge nicht ersparen: "Wir versuchen mit viel Geld Gäste nach Krün zu locken und die können dann auf Grund des teilweise schlechtem Standards bei den Zimmern und Wohnungen nicht gehalten werden." Eine teilweise Modernisierung und Klassifizierung in den "Drei- oder Vier-Sternebereich" wäre deshalb eine Investition in die Zukunft von Vermietern und Gemeinde.

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Donnerstag, 29. April 2004

Karten gibt´s ab 1. Mai nur mehr vom Automaten - Neuerungen am Klaiser Bahnhof

von Christof Schnürer

Krün - Dem Klaiser Bahnhof steht eine Veränderung ins Haus: Zum 1. Mai wird dort die Karten-Verkaufsstelle umgewandelt. "Der Fahrdienstleiter steht den Kunden dann als Ansprechpartner zur Verfügung", teilt die Pressesprecherin der Deutschen Bahn, Daniela Bals, mit. So neu ist diese Umstrukturierung für den DB-Kunden allerdings nicht.

"Für uns ist das keine große Veränderung, weil´s faktisch schon vorher so war", meint Krüns Bürgermeister Thomas Schwarzenberger. Laut Presse-Information der Deutschen Bahn soll künftig ein Mitarbeiter für einfache Fahrplan- und Tarifauskünfte zur Verfügung stehen und bei der Bedienung des neuen Nahverkehrs-Fahrkartenautomaten helfen. "Auch Gäste werden gut informiert", versichert Bals.

Fakt ist aber: Nach Gepäckaufgabe und Fahrradverleih ist nun auch der nicht-maschinelle Ticketverkauf in Deutschlands höchstgelegenem Intercity-Bahnhof wegrationalisiert. Damit nicht genug: Ist erst mal das vollelektronische Stellwerk in Garmisch-Partenkirchen fertig - voraussichtlich 2005 - geht´s auch der Arbeitskraft in Klais an den Kragen. "Die wird dann nicht mehr gebraucht", bestätigt die DB-Sprecherin.

"Aber damit haben wir uns mehr oder weniger schon abgefunden", bemerkt Klaus Koppe, Krüns Zweiter Bürgermeister. An eine Salami-Taktik der Bahn, an deren Ende womöglich die komplette Schließung des Klaiser Bahnhofs steht, glaubt Rathauschef Schwarzenberger indes nicht. "Wir gehen davon aus, dass die Haltestelle bleibt." Mehr noch: Durch den unbemannten Bahnübergang sei sogar eine Modernisierung der Station mit Unterführung und Bahnsteigsanierung vorgesehen. So zumindest sieht es ein Plan vor, der dem Bürgermeister vor einiger Zeit vorgestellt wurde. Aufgrund dieser Unterlagen schlussfolgert Schwarzenberger sogar, dass die Deutsche Bahn in dieses Projekt viel Geld investiere - gezwungenermaßen. Denn der laut Regionalplan wichtige Zug-Begegnungspunkt Klais muss auch die entsprechenden Sicherheitsstandards aufweisen.

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Freitag, 23. April 2004

Investoren weiter in der Warteschleife - Erste Planungsgespräche zwischen Schwarzenberger und Schloss-Kranzbach-Eigentümern

von Christof Schnürer

Krün – Die Tiroler Investoren befinden sich weiter in der Warteschleife. „Es wird eng“, meint Dr. Jakob Edinger. Der promovierte Unternehmensberater spielt damit auf die für die zweite Jahreshälfte 2005 geplante Wiedereröffnung von Schloss Kranzbach an.

Ende 2003 haben Edinger und sein Kompagnon Dr. Bernhard Heitzmann den „Vereinigten Kirchenkreisen“ in Nordrhein-Westfalen die Immobilie zwischen Klais und Elmau abgekauft. Doch die neuen Schlossherrn, die dort ein Wellness-Hotel auf Vier-Sterne-Ebene verwirklichen wollen, müssen warten, bis die Insolvenz der bisherigen zahlungsunfähigen „Schlosshotel-Kranzbach-GmbH“ vor Gericht ordnungsgemäß abgewickelt ist. Und das kann dauern.

Insolvenzverwalter Oliver Reichelt aus München schweigt beharrlich über den aktuellen Sachstand, auch gegenüber der Gemeinde Krün, die selbst zu den Gläubigern zählt.

Bürgermeister Thomas Schwarzenberger berichtet, dass der Anwalt aus der Landeshauptstadt keinerlei Kontakt mit den Gläubigern aufnehmen wolle. Dafür erhielt der Rathauschef kürzlich Besuch aus Tirol. Dr. Edinger besprach mit ihm die weitere Vorgehensweise, etwa in puncto weitere Überplanung des 13 Hektar umfassenden Areals. „Wir wollen auf alle Fälle einen Hotelbetrieb und keine Eigentumswohnungen“, betont Schwarzenberger. In nächster Zeit werden im die neuen Herren von Kranzbach erste Skizzen überreichen, wie ihrer Meinung nach der Landsitz nach umfangreichen Renovierungen künftig ausschauen soll.

“Es wird viel Kaufkraft in die Gegen fließen“, verspricht Dr. Edinger, „und die Gemeinde braucht Kaufkraft.“ Insgesamt sollen für Renovierung und Innausbau bis zu sechs Millionen investiert werden.

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Donnerstag, 22. April 2004

Hochwasser: schlechte Nachricht für „Grieser“ - Baubeginn unwahrscheinlich

von Christof Schnürer

Krün – Während in Klais die Sektkorken knallen, schaut man in Krün weiter in die Röhre. Mit der Isar-Hochwasserverbauung im Ortsteil „Gries“ – eigentlich für heuer im Sommer geplant – wird in diesem Jahr wohl nicht mehr begonnen. Das war unschwer den Worten von Oberbayerns Regierungspräsidenten Werner-Hans Böhm beim jüngsten Besuch im Oberen Isartal am Dienstag zu entnehmen.

Noch deutlicher wurde der Leiter des Weilheimer Wasserwirtschaftsamts (WWA), Peter Frei. Dieser meinte: „Solange keine Einigung erzielt wird, können wir nicht anfangen.“ Damit spielt er auf den Disput zwischen Wasserbau und Naturschutzbehörde an. Dieser bereitet der geplante ostwestlich verlaufende „Miniwall“ nahe dem Krüner Sportplatz noch Kopfzerbrechen. Dass er zum Schutz der Anwohner im „Gries“ errichtet werden soll, darüber besteht zwischen allen Parteien Konsens. Die Frage ist nur wo.

“Das liegt uns schwer im Magen“, offenbarte Bürgermeister Thomas Schwarzenberger während der Dienstagsfeierlichkeiten am Kranzbach, bei dessen Zähmung bekanntlich alles reibungslos über die Bühne gegangen ist. Davon kann bei der Isar überhaupt nicht die Rede sein. Dabei seien die Konzeption ausgearbeitet, das Planfeststellungsverfahren eingeleitet und die Grundstückverhandlungen so gut wie abgeschlossen, so der Rathauschef. „Von uns aus könnte es morgen losgehen.“

Doch unbürokratische Mühlen mahlen bekanntlich langsam. „Ich haben den Eindruck“, moniert Schwarzenberger weiter, „dass wir zwei Jahre auf der Stelle getreten sind.“ So lange ist er nämlich im Amt und genauso lange beschäftigt er sich mit dem brisanten Thema. Und die Zeit drängt. Durch das Isargeschiebe ist an vielen Punkten inzwischen das Flussbett höher als das Ufer. Nicht auszudenken, wenn demnächst der Isarpegel bei Dauerregen oder Schneeschmelze wieder mächtig anschwillt.

“Wir müssen das Problem angehen“, pflichtete Böhm, dessen Behörde für die Verteiler der „Hochwasser-Millionen“ zuständig ist, dem Krüner Bürgermeister bei. Er werde sich für eine baldige Lösung stark machen. Und die, ergänzte WWA-Chef Frei, müsse „einfach und pragmatisch sein.“

In den Ohren der betroffenen Anwohner im „Gries“ klingt das freilich nach fünf Jahren des Wartens (Pfingsthochwasser 1999) nur nach Lippenbekenntnissen – sie wollen endlich Taten sehen.

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Mittwoch, 21. April 2004

Gegen Jahrhundertflut gewappnet - Kranzbach-Verbauung in Klais so gut wie abgeschlossen

von Christof Schnürer

Krün – Das erste Etappenziel ist erreicht: Gestern wurden im Beisein von Oberbayerns Regierungspräsident Werner-Hans Böhm die neuen Hochwasserschutz-Bauten am Kranzbach bei Klais ihrer Bestimmung übergeben. Die Kosten für das beinahe abgeschlossene Projekt belaufen sich auf  760.000 Euro. Der Anteil der Gemeinde Krün beträgt 175.000 Euro. Eine Investition – da waren sich alle einig, die trotz knapper Kassen schmerzlich, aber notwendig war.

Wer am Dienstag bei frühlingshaften Temperaturen zum Festzelt am Klaiser Forsthaus gekommen war und den ruhig dahinfließenden Kranzbach in Augenschein nahm, der mochte nicht glauben, welches Zerstörungspotential dieses Gewässer birgt. „Er schaut recht friedlich aus“, meinte Krüns Bürgermeister Thomas Schwarzenberger, „aber er kann auch anders.“ Etwa an Pfingsten 1999, als einige Anwesen in Klais von den Fluten heimgesucht wurden und die Keller vollgelaufen waren. Seitdem lebten die Bürger in Krüner Ortsteils in der Sorge vor einer Wiederholung der Vorfälle. Beim Kranzbach nicht ganz unbegründet. Dieser hat nämlich oberhalb der Siedlung ein Einzugsgebiet von acht Quadratkilometern. Es erstreckt sich von Klais bis zum Kranzberg.

Mit der Wucht eines Lastzugs

Aus Kranzbach, Kreidegraben, Siegelmahd- und Rossgraben kommen so im Hochwasserfall insgesamt 20 Kubikmeter Wasser pro Sekunde im Kranzbach zusammen. „Das Element fließt dann nicht mehr sondern es schießt mit einer Geschwindigkeit von drei bis fünf Metern pro Sekunde“, verdeutlichte der Leiter des Weilheimer Wasserwirtschaftsamtes (WWA), Peter Frei. Im Klartest heißt das: Rund 20 Tonnen Wasser, so schwer wie ein Lastzug, donnern mit einer Geschwindigkeit von bis zu 20 Stundenkilometer permanent vorbei.

Die Notwendigkeit sinnvoller Präventivmaßnahmen sieht freilich auch Regierungspräsident Böhm. „Gerade der Schutz an den kleinen Gewässern ist sehr wichtig“. Deshalb habe man im abgelaufenen Jahr in Oberbayern rund 26 Millionen nicht zuletzt mit Hilfe der EU und des Bundes investiert. Insgesamt arbeitete man zum Jahreswechsel in Sachen Hochwasserschutz an 150 Baustellen im Regierungsbezirk. Überdies würdigte Böhm das finanzielle Engagement der Gemeinde Krün. Die 175.000 Euro, so der Politiker aus München, seien alles andere „als ein Pappenstiel“. Damit, so Bürgermeister Schwarzenberger, sei die kleine Kommune aber „an die Grenzen der Belastbarkeit gestoßen.“

Was aber wurde nun zur „Zähmung des Kranzbachs“ getan ? Nach den Planungen des Neu-Ulmer Ingenieur-Büros Obermayer wurde 500 Meter oberhalb von Klais eine runde 20 Meter breite sogenannte Murfangsperre errichtet. Hierzu benötigte die Firma Saffer im August 2003 400 Tonnen Steinmaterial und 100 Kubikmeter Beton.

400 Tonnen Steine verarbeitet

Das Bachbett selbst wurde im Ortsbereich auf rund 100 Metern mit einem Kastengerinne verbaut. Die Sohle misst nun mit drei Metern fast die doppelte Breite als zuvor. Die Seitenwände mit einer Höhe von drei Metern sollen künftig einem Jahrhundert-hochwasser trotzen. Die entstandene Summe von 760.000 Euro teilen sich hauptsächlich der Freistaat Bayern (380.000) und die EU (205.000).

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Dienstag, 20. April 2004

Feier am Kranzbach

Heute wird´s feierlich in Klais: Dann nämlich werden im Krüner Ortsteil um 10.00 Uhr die Hochwasserschutzbauten am Kranzbach eingeweiht. Sein Kommen am "Tag des Wassers" hat auch Oberbayerns Regierungspräsident Werner-Hans Böhm zugesagt. Neben dem Gast aus München werden auch Bürgermeister Thomas Schwarzenberger und der Leiter des Wasserwirtschaftsamts Weilheim, Peter Frei, sprechen und dabei die kostenintensiven Arbeiten am Wildbach erläutern. Nach einer Ortsbesichtigung um 11 Uhr beginnt im Festzelt der gesellige Teil. Zur Brotzeit unterhält die "Wasserbaumusi" der Flussmeisterei Oberau. red.

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Montag, 19. April 2004

Bürgerforum: Landrat spricht über Kreispolitik

Krün - Wieder einmal haben alle Krüner die Möglichkeit ihrer Zufriedenheit aber auch ihrem Unmut freien Lauf zu lassen, wenn am Donnerstag, 29. April, um 10.00 Uhr die Bürgerversammlung auf dem Programm steht. Neben dem Bericht von Bürgermeister Thomas Schwarzenberger zu aktuellen örtlichen Fragen, wird auch Landrat Harald Kühn zugegen sein und über die Kreispolitik umfassend informieren.

Anfragen von allgemeinem Interesse werden dabei gerne öffentlich beantwortet. Sollte die Beantwortung allerdings vorherige Akteneinsicht erfordern, muss die Anfrage schriftlich bis spätestens Montag, 26. April, bei der Gemeindeverwaltung eingereicht werden. Weitere Infos gibt´s ebenda bei Sachbearbeiter Heinz Kautecky unter Telefon  08825 / 2031 oder Fax 08825 / 1088. on

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     Dienstag, 13. April 2004

Schuldenberg wächst wieder ein Stück an - Haushalt einstimmig abgesegnet

von Christof Schnürer

Krün – Die Gemeinde Krün ist der Schuldenkönig des Landkreises: Nach einer neuerlichen Kreditaufnahme für den Hochwasserschutz schnellt die Pro-Kopf-Verschuldung von bislang 1.153 auf 1.600 Euro nach oben. Trotz dieser finanziellen Mehrbelastung verabschiedete der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung mit 11: 0 Stimmen den Haushalt 2004 einhellig.

Eine gute Nachricht für den Bürger: Er wird im Gegensatz zum großen Nachbarn Mittenwald von Steuererhöhungen vorerst verschont bleiben (wir berichteten). Erfreulich ist in diesem Zusammenhang auch die Tatsache, dass der gemeindliche Rücklagentopf mit rund 400.000 Euro ordentlich gefüllt ist. Doch die stille Reserve sei angesichts anstehender Rückzahlungsleistungen für Kanalisation und Hochwasserschutz schon bald wieder aufgebraucht, warnte Georg Schober (Aktiv für Krün) seine Kollegen im Gemeinderat. Auf einen kostengünstigen Rahmen, so der Hotelier, „sollten wir daher stets ein Auge werfen“.

Der Etat 2004 mit einem Gesamtvolumen von knapp vier Millionen Euro war der 30. und zugleich letzte, den Helmut Kieweg ausgearbeitet hatte. Der Kämmerer geht ja bekanntlich schon in wenigen Wochen in Pension. Wie immer setzte Kieweg die Einnahmen in bewährter Manier eher niedrig an. Und das sei auch gut so, betonte sein Noch-Chef, Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU), „sonst gibt´s am Jahresende bloß ein böses Erwachen“.

Maßhalten war einmal mehr das Gebot der Stunde, „aber wir dürfen uns deshalb nicht zu Tode sparen“, mahnte Bürgermeister Schwarzenberger, gerade im Hinblick auf zukunftsträchtige Investitionen wie den Hochwasserschutz oder den Tourismusverbund „Alpenwelt Karwendel“. Dennoch appellierte Finanzreferent Albert Niggl (CSU) an den Gemeinderat: „Wir dürfen nicht übermütig werden“. Der strikte Konsolidierungskurs müsse weiter Vorrang haben, „um später auch über die Runden zu kommen.“

In puncto Personaleinsparungen sieht der hierfür zuständige Referent Ulrich Holzer (Bürgerliche Wählergemeinschaft) die Kommune bereits um unteren Level. Es gebe diesbezüglich keine Spielraum. „Mehr ist nicht drin.“

Die neuerliche Kreditaufnahme von 300.000 Euro für den Hochwasserschutz an Kranzbach und Isar soll für längere Zeit jedenfalls das letzte Fremdkapital sein, dass man sich und den Gemeindebürgern zumuten will. Bis zum Ende der Legislaturperiode will Krün den enormen Schuldenberg von 3,2 Millionen Euro Stück für Stück abtragen. Ein ehrgezeiges Ziel, das sich die kommunalen Vertreter da gesetzt haben.



Tageskommentar von Christof Schnürer          

Genug Fett angefressen

So paradox es klingt: Die Gemeinde Krün ist auf einem guten Weg. Zwar muss sie neuerdings beträchtlich Fremdkapital aufnehmen um eine zukunftsträchtiges Projekt wie den Hochwasserschutz zu schultern, dennoch bürdet sie in wirtschaftlichen flauen Zeiten ihren Bürgern keine weiteren Steuererhöhungen auf. Zudem hat man sich mit einem kräftigen Rücklagenpolster genügend Fett angefressen, um in den mageren Jahren über die Runden zu kommen. Mehr noch: Man wird den zugegeben enormen Schuldenberg von voraussichtlich 3,2 Millionen Euro zum Jahresende häppchenweise abtragen. Der fraktionsübergreifende Sparwille hierzu ist förmlich spürbar. Für Prestigeobjekte fehlt auf lange Zeit das Geld. Der Gemeinderat hat das erkannt und verwaltet das bisschen Bares umsichtig. Das verdient Respekt.

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Samstag, 10. April 2004

Zuviel Dreck und Scherereien - Gemeinderat befürwortet Schließung von Wertstoff-Außenstellen

von Christof Schnürer

Krün - Schreckliche Zustände herrschen an den Krüner Wertstoff-Sammelstellen in der Krottenkopfstraße und am Friedhofs-Parkplatz." Ganze Wohnzimmer und Küchen würden findige Zeitgenossen dort zu den Glas und Papiercontainern anschleppen. Ein Unding, findet Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU). Zumal zweimal pro Woche Bauhof-Mitarbeiter anrücken müssten, um die Schweinerein zu entsorgen.

Schwarzenbergers Antrag, diese von Müllfrevlern häufig heimgesuchten Filialen bei Einführung der "Blauen Papier-Tonne" zu schließen und statt dessen den Wertstoffhof im Gries entsprechend aufzurüsten, folgte der Gemeinderat fast einstimmig. Nur Franz-Paul Reindl /BWG konnte sich mit dem Vorschlag nicht anfreunden." Damit steigt das Verkehrsaufkommen in dem Ortsteil enorm ". Diese zusätzliche Belastung sei für die dortigen Anwohner nicht hinnehmbar. Im Gries sei der beste Platz für Glascontainer, hielt Mathias Gschwendtner (CSU) dagegen. "Da ist das nächste Haus 100 Meter weg und das Sägewerk stört´s auch nicht." Eine Verbesserung des Wertstoffhofs sei ohnehin längst überfällig, meinte wiederum Ulrich Holzer / BWG. "Denn oft genug steht man da richtiggehend im Dreck."

Sein Fraktionskollege Leonhard Habersetzer regte an, am Tag X die Doppelgarage am Waldfriedhof, die als Container-Standort dient, ins Gries zu verfrachten - falls technisch möglich. Ferdinand Glasl (Aktiv für Krün) brachte den Einbau einer Überwachungs-kamera ins Spiel - als Abschreckung für Umweltsünder sozusagen.

"Das ist sehr zeit- und kostenintensiv", bestätigte Albrecht Ott, Sprecher des Landratsamtes gegenüber dem Tagblatt, Zudem habe sich erwiesen, dass ein 100-prozentiger Nachweis selbst mit solchen Aufzeichnungen nur sehr schwierig zu führen sei. "Der personelle und finanzielle Aufwand dafür wäre nicht zu rechtfertigen." Positiv äußert sich die Behörde, die schließlich die "Müllhoheit" im Landkreis hat, zu der geplanten Schließung der beiden Krüner Außenstellen. Die beiden hätten sich im Laufe der Zeit als problematisch erwiesen. Die eine vor allem wegen ihrer Lage im Außenbereich, die andere hauptsächlich wegen der Zufahrt. "Da eine Lösung im gemeindlichen Interesse liegt", so Sprecher Ott, "wäre eine Schließung aus Sicht des Landkreises möglich."

So weit, so gut: Nun muss Krün nur noch auf die für Jahresbeginn angekündigte Auslieferung der Papiertonne warten. Die sei nun aber schließlich endgültig nach den Osterferien geplant, so das Landratsamt. "Erste Gemeinde ist nach heutigem Stand Fachant, dann folgen schrittweise die anderen."

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Donnerstag, 8. April 2004

Pro "Dreamway"

von Christof Schnürer

Der Internetauftritt des Isartaler Tourismusverbundes "Alpenwelt-Karwendel" soll von der Allgäuer Firma "Dreamway" gestaltet werden. Der Krüner Gemeinderat beschloss dies in seiner jüngsten Sitzung am Dienstagabend einstimmig.

Damit folgte man der Empfehlung des Alpenwelt-Arbeitskreises beziehungsweise der Steuerungsgruppe, die sich nach mehreren Präsentationen im Vorfeld auf dieses Unternehmen geeinigt hatten.

"Das ist eine innovative Firma", meinte Bürgermeister Thomas Schwarzenberger. Falls auch die Gemeinderäte in Mittenwald und Wallgau den Vorschlag absegnen, wird "Dreamway die nächsten fünf Jahre für den Preis von 31.800 Euro den gemeinsamen Internetauftritt der drei Isartal-Gemeinden umsetzen. Laut Fremdenverkehrsreferent Georg Schober habe man in Nachverhandlungen die Kosten sogar um rund 30 Prozent drücken können.

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Samstag, 13. März 2004

Mit 1.700 Euro pro Kopf in der Kreide - Konsolidierung oberste Priorität

von Christof Schnürer

Krün - Die Konsolidierung des Haushalts hat in Krün oberste Priorität. Einen ersten Teilerfolg konnte Bürgermeister Thomas Schwarzenberger nun dem Gemeinderat berichten. So füllte sich der Rücklagentopf innerhalb des vergangenen Jahres von 240.000 auf knapp 400.000 €. "Da sieht man, dass wir wirklich gespart haben, das war der richtige Weg." Dieses Geld legt man für besonders schwere Zeiten zurück. Denn die, so der Rathauschef, stünden erst noch bevor.

Wenige erfreulich für die Lokalpolitiker ist nach wie vor der alarmierend hohe Schuldenstand des Isartalortes. Mit drei Millionen steht Krün bei den Gläubigern in der Kreide. Das bedeutet eine Pro-Kopf-Verschuldung von zirka 1.700 Euro. Das ist mehr als doppelt so viel wie der Durchschnitt im Landkreis (800 Euro) und fast dreimal so viel wie im bayerischen Landesdurchschnitt (600 Euro).

Trotz dieser enormen Verbindlichkeiten wird heuer noch einmal beim Hochwasserschutz an Kranzbach und Isar kräftig investiert - via Darlehen. Knapp 350.000 Euro wird die Gemeinde an Fremdmitteln aufnehmen um den Eigenanteil der Maßnahme, ein Drittel der Gesamtkosten, schultern zu können. Das sich dafür anbietende Rücklagenpolster indes rühre man nicht an, betont Schwarzenberger. Damit sollten weitere Steuererhöhungen verhindert werden.

Bei der jüngsten Vorlage der Jahresrechnung fiel zudem auf, dass die Etat-Ansätze der Kämmerei im Großen und Ganzen eingehalten werden konnten. So erzielte man beim Kurbeitrag statt der prognostizierten 340.000 tatsächlich 342.000 Euro. "Das war fast eine Punktlandung" zeigte sich Schwarzenberger zufrieden.

Ordentlich daneben lagen die Verantwortlichen bei der Aufstellung des Budgets für die Tourist-Information. Waren im abgelaufenen Haushalt 188.000 Euro angesetzt, so wurden faktisch nur 110.000 Euro ausgegeben. "Da müssen wir künftig spitzer rechnen" , stellte der Bürgermeister klar. Mehr denn je eine unberechenbare Größe bleibt die Gewerbesteuer. Nachdem Gelder eines wichtigen Einzahlers nicht mehr flossen, fehlten Kämmerer Helmut Kieweg plötzlich 40.000 Euro. Für eine kleine, klamme Gemeinde wie Krün schon bald eine unverzichtbar Summe.

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Donnerstag, 11. März 2004

Kleiner Schritt zum Gewerbegebiet - Zweieinhalb Hektar in Krüns Süden vom Weiderecht freigestellt

von Christof Schnürer

Krün - Der Traum vom Krüner Gewerbegebiet wird weiter geträumt: Am Dienstagabend beschloss der Gemeinderat mit 13 : 0 Stimmen, rund 25.000 Quadratmeter im nördlichen Teil des Areals zwischen der Bundesstraße 2 und dem stillgelegten Teil der B 11 vom Weiderecht freizustellen. Im Gegenzug werden für die Landwirtschaft Ersatzflächen auf der Finzalm geschaffen. Damit hat man in Krüns Süden zweieinhalb Hektar Grund zur Verfügung, der später parzellenweise dem Forst abgekauft werden soll, um diese dann an Gewerbetreibende weiter zu veräußern.

Bis dahin ist allerdings noch ein weiter Weg: Momentan prüft das Landratsamt ein Schreiben der Gemeinde, in dem mit Nachdruck darauf hingewiesen wird, dass es zu der naturgeschützten Fläche zwischen den Bundesstraßen keine Alternative gebe, weder im Gries noch in Klais.

Um aber den unverrückbaren Paragrafen 13 d des bayerischen Naturschutzgesetzes, der auf dem möglichen Gewerbe lastet, aushebeln zu können, muss die Kommune den Nachweis erbringen, dass ihr Vorhaben von öffentlichem Interesse ist. " Ich hoffe, dass sich der Aufwand rentiert", meinte Bürgermeister Thomas Schwarzenberger.
Er und die zwölf Gemeinderäte mussten zuvor entscheiden, ob sie lieber das Areal im Norden oder im Süden vom Weiderecht befreien wollen. Nicht zuletzt wegen der gewaltigen Stromleitungstrasse, die den Südteil durchschneidet, votierten die Räte einstimmig für den Norden. cs

Schöffen-Kandidaten
Mit 13 : 0 Stimmen hatte am Dienstagabend der Krüner Gemeinderat die Kandidaten für die Schöffenwahl abgesegnet. Neben Altbürgermeister Josef Zahler wurden der ehemalige Schulrektor Helmut Meyer und Karin Esdar vom Klaiser Gasthof "Post" nomminiert. Die endgültige Entscheidung, wer letztlich am Garmisch-Partenkirchner Amtsgericht für eine vierjährige Periode als Laie bei der Urteilsfindung behilflich ist, fällen die sogenannten "Urschöffen", Mitglieder des Kreistags. Bürgermeister Thomas Schwarzenberger jedenfalls zeigte sich zufrieden, dass in relativ kurzer Zeit gleich drei Freiwillige gefunden worden seien. "Die Suche war früher oft ein Drama". cs

Gemeinderat stimmt für Simetsbergstraße
Krün - Die Straße im Krüner Baugebiet "Walchenseestraße-Nord" hat einen Namen. Mit 10:2  Stimmen votierte der Krüner Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung mehrheitlich für von der Verwaltung ins Spiel gebrachte Empfehlung "Simetsbergstraße". Die Vorschläge der Gemeinderäte Mathias Gschwendtner ("Krüner-Alm-Straße") und Franz-Paul Reindl ("Bischofstraße" in Anlehnung an den Berg im Estergebirge) fielen jeweils glatt durch.

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Dienstag, 10. Februar 2004

Traumjahr 1992: Bestmarke für die Ewigkeit - Übernachtungszahlen im Keller

von Christof Schnürer

Krün – Das Procedere ist stets das gleiche: Der Bürgermeister verliest die Fremdenverkehrs-Jahresbilanz, anschließend herrscht betretenes Schweigen: So geschehen in der jüngsten Krüner Gemeinderatssitzung, als Rathauschef Thomas Schwarzenberger mitteilte, dass man 2003 mit 433.000 Übernachtungen gegenüber dem Vorjahr 465.000 erneut um sieben % gefallen sei. Doch Zahlen sind relativ.

Vergleicht man das touristische Traumjahr 11992 mit rund 600.000 Übernachtungen mit 2003, so ist der Rückgang um knapp ein Drittel natürlich dramatisch. Die Gästezahlen indes – damals waren es 63.000, aktuell sind es 65.000 – haben sich dagegen kontinuierlich gesteigert. Mehr als 69.000 Urlauber pro Jahr seien es ohnehin nie gewesen, verdeutlicht Sepp Winzinger.

Dem Leiter der Tourist-Information stinkt es schon lange, dass Äpfel und Birnen miteinander verglichen werden. „Wir hatten doch 1992 ganz andere Voraussetzungen“. Da war nach der Wiedervereinigung die ungebremste Reiselust der ehemaligen DDR-Bürger, die sich damals auch mit einer einfachen Etagendusche begnügt hatten – in heutiger Zeit undenkbar.

Ein wesentlicher Punkt, warum dieser Tage ein Spitzenwert von 600.000 Über-nachtungen nicht mal annähernd mehr erreicht werden kann, ist der Rückgang der Krüner Gästebetten-Kapazität von 2.900 (1992) auf 2.300. „Das Angebot wurde durch Modernisierung gestrafft“, erklärt Winzinger. Was nichts anderes bedeutet, als dass Pensionen ihre Zimmer in geräumigere Ferienwohnungen umgebaut haben, etwa „Hotel Schönblick“ und damit wertvollen Platz eingebüßt haben; aber auch Kleinvermieter verschwanden nicht zuletzt mangels Investitionswillens.

Viele Herbergen machten wiederum aus zwei Appartements eines, weil mit Nasszellen nachgerüstet werden musste. Der „Alpenhof“ etwa hat sich mit seinem millionen-schweren Umbau nicht quantitativ, sondern qualitativ erheblich gesteigert (wir berichteten). Dann gibt es natürlich auch Häuser, die im Verlauf einer Dekade ganz dichtgemacht haben, beispielsweise „Werdenfelser Hof“.

Das alles lässt bei Sepp Winzinger nur einen Schluss zu: Bei dem aktuellen Angebot und einer realistischen Belegungszeit von maximal 200 Tagen, rechnet der Verkehrsamtschef vor, könne es in Krün bestenfalls noch 490.000 Nächtigungen pro Jahr geben. So gesehen, brauchen die Vermieter in Krün gar nicht so schwarz zu sehen, denn von Winzingers kalkuliertem Spitzenwert ist man eigentlich nur 60.000 Übernachtungen entfernt – die Dunkelziffer an nicht gemeldeten Gästen (auch das soll es in Krün geben) noch nicht eingerechnet.

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Freitag, 6. Februar 2004

Vertragswerk mit Symbolkraft - Marketingsverbund  „Alpenwelt Karwendel“ manifestiert

von Wolfgang Kunz

Mittenwald – Jetzt ist es fix: Nach über einem Jahr Vorbereitung wurde Mittwochabend in Mittenwald der Vertrag zur gemeinsamen touristischen Vermarktung ratifiziert. Im Matthias-Klotz-Saal unterzeichneten die drei Isartaler Bürgermeister das zukunftsweisende Schriftstück. Damit steht die „Alpenwelt Karwendel“ auf solidem Fundament.

Gleichzeitig wählten die Vertreter der drei Gemeinden Mittenwalds Bürgermeister Hermann Salminger bis zum 1. Juli 2005 zum ersten Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft. Dann sollen im Zwei-Jahres-Rhythums die Kollegen Thomas Schwarzenberger aus Krün und dann Georg Jennewein aus Wallgau folgen.

Alle drei betonten, dass bei der gemeinsamen Vermarktung der „Alpenwelt Karwendel“ Interessenkonflikte nicht ausbleiben würden. „Es ist aber höchste Zeit für ein Miteinander“, unterstrich Schwarzenberger. „Alleine haben wir in der Fremdenverkehrs-branche keine Chance mehr.

Vorausgegangen war die über einjährige Arbeit einer Steuerungsgruppe mit Professor Thomas Bausch vom Alpenforschungs-Institut aus Garmisch-Partenkirchen an der Spitze (wir berichteten). Der Lehrstuhlinhaber für Tourismus fasste die gewonnenen positiven und negativen Erkenntnisse noch einmal zusammen.

So sei die Region ein gut erreichbarer Urlaubsraum für die Trendsportarten Wandern und Fahrradfahren. Gleichzeitig wies Bausch auf das hohe Arbeitsniveau der Mitarbeiter in den Tourist-Informationen hin. Negativ seien die fehlenden Magnetbetriebe á la Campingplatz Tennsee, zu wenige Mehrsterne-Hotels und die zu geringe Zielgruppenansprache für Familien und Mountainbiker. „Hier besteht absoluter Handlungsbedarf“, meinte der Experte und schlug die Bildung von Arbeitskreisen vor, „die sich mit Themen wie Wandern, Skifahren, Mountainbiken sowie mit Kunst und Kultur beschäftigen sollen.“ Als Koordinator für den Internet-Auftritt der Alpenwelt Karwendel“ wählten die Delegierten Wallgaus Zweiten Bürgermeister Hans-Jörg Zahler. Er hat mit seinem Gremium die Aufgabe, die bisherigen Firmenangebote zu prüfen und der Steuerungsgruppe vorzulegen.

Geplant ist auch eine „Zugspitz-Karte“ beziehungsweise Bonuskarte für Urlauber und ein neues Logo – beides wurde aus finanziellen Gründen zurückgestellt.

Vorläufig soll der Schriftzug „Alpenwelt Karwendel“, der auch in der seit Dezember 2003 herausgegebenen Broschüre zu finden ist, für Aufmerksamkeit bei potenziellen Urlaubsgästen sorgen.

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Mittwoch, 4. Februar 2004

Am „Miniwall“ scheiden sich die Geister - Hochwasserschutz häppchenweise

von Christof Schnürer

Krün – Der Hochwasserschutz  an der Isar – für die Gemeinde Krün ein zähes, mitunter nervtötendes Procedere, zumindest was den Verhandlungsmarathon mit den Behörden betrifft. Anfang der Woche nun trafen Vertreter des Landrats- und Wasserwirtschafts-amtes mit Bürgermeister Thomas Schwarzenberger zusammen, um letzte strittige Details zu klären. Läuft alles planmäßig, könnte vielleicht im Sommer mit den Arbeiten begonnen werden.

“Es herrscht weitgehender Konsens“, teilt die Pressestelle des Landratsamtes mit. Für dieses nahm montags Wolfgang Kraus von der Unteren Naturschutzbehörde vor Ort die Isar in Augenschein, begleitet von Wolfgang Frey vom Weilheimer Wasserwirtschafts-amt.

Einigung konnte dahingehend erzielt werden, dass der Kies, der auf einer Länge von 700 Metern zwischen Krüner Wehr und Sägewerk Simon ausgekoffert werden soll, nun doch für den geplanten Deichbau verwendet werden kann. Zwischenzeitlich hieß es, das Material müsse flussabwärts wieder eingebracht werden. Das hätte das 800.000-Euro-Projekt, bei dem Krün mit 30 Prozent beteiligt ist, zweifellos teurer gemacht, weil entsprechendes Baumaterial erst angeschafft hätte werden müssen.

Der Restkies soll, wie von der Regierung von Oberbayern gefordert, flussabwärts wieder eingebracht werden.

Während die Erhöhung des vorhandenen Deichs im Ortsteil Gries um rund eine halben Meter bereits beschlossene Sache ist, macht den Behörden der geplante ostwestlich verlaufende „Miniwall“ von gut einem halben Meter nahe dem Sportplatz noch Kopfzerbrechen. Dass er zum Schutz des Anwesen im Gries vor ansteigendem Grundwasser errichtet werden soll, darüber besteht zwischen allen Parteien Einvernehmen.

Die Frage ist nur, wo. Während die Gemeinde den bereits existierenden Fußweg zum Stauwehr anheben möchte, will die Untere Naturschutzbehörde den Damm rund 300 Meter weiter nördlich komplett neu realisieren. Die davorliegenden Wiesen sollen als Retentionsfläche, sprich Hochwasser-Rüchhalteareal genutzt werden. „Das ist natürlich ein wahnsinniger Eingriff“, befürchtet der Bürgermeister. Zudem sind davon Privatgrundstücke betroffen. Das heißt: Weitere Verhandlungen mit den Eigentümern müssten geführt werden. Gleichzeitig wäre diese Variante sicher die teurere. Und in Krün muss bekanntlich jeder Cent umgedreht werden.

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Dienstag, 3. Februar 2004

Franz Schropp allein auf weiter Flur - Krün soll „Luftkurort“ werden

von Christof Schnürer

Krün – „Luftkurort Krün“ – das klingt gut, findet die Mehrheit des Krüner Gemeinderates. Doch bis zum Erreichen dieses Prädikats ist es noch ein weiter Weg. Noch dazu verschlingt das Vorhaben viel Geld. Bürgermeister Thomas Schwarzenberger rechnet für die Erstellung des geforderten Klimagutachtens mit einer Summe von bis zu 35.000 Euro. Daher will man die Nachbarn Wallgau gemeinsame Sache machen – das drückt die Kosten.

“Alleine für uns ist das nicht zu schultern“, stellte Schwarzenberger (CSU) mit Blick auf die leeren Kassen eingangs der Debatte klar. Gleichwohl sei das Prädikat „Luftkurort“ vom touristischen Vermarktungs-Aspekt durchaus erstrebenswert. Der Argumentation konnte sich aus Gemeinderat Kramer junior (CSU) anschließen. „Man muss das machen“, forderte der „Ferl“. „Das sollt´ uns das Geld wert sein“ meinte sein Gegenüber Ulrich Holzer / BWG. „Ich stehe voll dahinter“ ergänzte Georg Schober (Aktiv für Krün/AfK). Das Zertifikat bedeute nämlich eine Aufwertung für den Ort.

Gegen den Strom schwamm Franz Schropp (Klaiser Liste). „Die einzigen, die davon profitieren, sind die, die uns das verkaufen“, wetterte der Skischulbetreiber. Zudem sei der Titel „Luftkurort“ sehr antiquiert. Der war damals wichtig, als die Gäste noch Herrschaften waren.“ Schropps Vorschlag daher: „Stecken wir das Geld lieber in effektive Werbung, da haben wir mehr davon.“ Noch dazu, da selbst „heilklimatische Kurorte wie Garmisch-Partenkirchen vom Gästeschwund befallen seien.

“Zu holen ist nur noch was auf der Gesundheits- und Wellness-Schiene“, erwiderte Holzer. Die Infrastruktur – komplettes Kanalnetz, Wanderwege, Einrichtungen mit Kurcharakter, therapeutische Betreuung, Fachärzte etc. – hierzu sei unstrittig vorhanden. Das Erlangen des Prädikats „Luftkurort“ für Holzer ist es „eine Investition in die Zukunft.“

Momentan läuft Krün unter der Kategorie „Erholungsort“. Bisher war die nächsthöhere Klassifizierung wegen des fehlenden Abwasser-Kanals nicht möglich. Das hat sich vor einigen Jahren ja bekanntlich geändert. Was dem Luftkurort in spe fehlt, ist der Nachweis eines „therapeutisch anwendbaren Klimas“.

Hierzu bedarf es folgender Expertisen: Hygiene Gutachten von Wasserwirtschafts- und Gesundheitsamt, ärztliche Beurteilung eines Balneologen und Klimatologen sowie Prüfung vor Ort seitens des bayerischen Kurort-Fachausschusses.

Während sich der ärztliche Befund mit 5.000 Euro vergleichsweise bescheiden ausnimmt, schlägt das Klimagutachten mit über 20.000 Euro ordentlich zu Buche.

Allein der zweijährige Betrieb von Mess-Stationen an verschiedenen Punkten verschlingt rund 10.000 Euro.

Laufe alles planmäßig, so Schwarzenberger, könne man frühestens in drei Jahren das gewünschte Prädikat erlangen. Und die Chancen stehen gut. Vertreter des Tourismusverbandes hätten ihm schon „berechtigte Hoffnung“ gemacht.

“Mich stört der Preis“, beharrte Einzelkämpfer Franz Schropp auf seinem Standpunkt. Er wurde mit 12:1 überstimmt.

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Montag, 2. Februar 2004

Kampf gegen baulichen Wildwuchs - Mitspracherecht in Kranzbach

von Christof Schnürer

Krün – Die Gemeinde Krün macht sich Gedanken um Schloss Kranzbach – nicht nur wegen der jüngsten Pleite der Betreibergesellschaft (wir berichteten). Mit Hilfe eines Bebauungsplans will die Kommune nach dem Eigentümerwechsel künftig mehr Einfluss auf die Gestaltung des denkmalgeschützten Anwesens haben. Hierzu wurde mit 13 : 0 Stimmen im Gemeinderat ein entsprechender Grundsatzbeschluss gefasst.

“Wir sollten uns ein gewisses Mitspracherecht sichern“, betonte Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) eingangs der Diskussion. Zumal man noch nicht im Detail wisse, was die Tiroler Investoren um Jakob Edinger mit der verwaisten, rund 13 Hektar umfassenden Anlagen vorhätten.

Außer der von der neuen Gesellschaft angepeilten Zahl von bis zu 60.000 Übernachtungen pro Jahr nach Wiedereröffnung 2005 weiß die Kommune noch herzlich wenig über die Zukunftspläne. Unstrittig ist, dass der Münchner Rechtsanwalt Oliver Reichelt als Insolvenzverwalter der maroden „Schlosshotel-Kranzbach-GmbH“ eingeschaltet wurde. Eine Stellungnahme von im war bis dato noch nicht zu bekommen.

Ansonsten gibt es nach wie vor viele Fragezeichen. Nicht zuletzt um einen Zweitwohnungs-Wildwuchs in Kranzbach zu verhindern, will man dort über einen Bebauungsplan ein „Sondergebiet Hotel“ festschreiben. „Ziel ist eine Herberge mit ständig wechselnder Belegung“, meint Schwarzenberger.

Beim Thema Umbau dürfe es jedenfalls keine Gummiparagrafen geben, Vorgaben müssten klar definiert werden. Als Negativbeispiel für eine geringfügige“ Erweiterung nannte er dabei Schloss Elmau. Dort soll es übrigens auch eine entsprechende Flächennutzungsplan-Änderung geben – anders als im Jahr 1998 nun sogar auf Wunsch der Betreiber.

Die Gleichbehandlung beider Häuser, dafür plädierte auch Zweiter Bürgermeister Klaus Koppe von der Klaiser Liste. Ulrich Holzer / BWG sieht den geplanten Schritt ebenfalls „als einzig richtigen Weg“ an. „Wir sichern uns damit alle Möglichkeiten“.

Als nächstes will nun die Gemeinde mit dem neuen Tiroler Schlossherrn von Kranzbach in Kontakt treten, um eine einvernehmliche Planung voranzutreiben.

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Donnerstag, 29. Januar 2004

Groll im Rathaus:  Wir werden zu Tode geschützt“ - Gewerbegebiet im Teufelskreis

von Christof Schnürer

Krün – Der Kampf ums Krüner Gewerbegebiet geht weiter. Dienstabend fällte der Gemeinderat nach lebhafter Debatte den einstimmigen Grundsatzbeschluss, trotz aller Querschüsse aus dem Landratsamt und den Naturschutzbehörden das Vorhaben weiter voranzutreiben. Als nächster Schritt soll nun die Zahl an potenziellen Interessenten ermittelt werden.

Das ist eine jener Vorgaben, die das Landratsamt der Gemeinde Krün nach dem jüngsten Treffen machte. Bei dieser Zusammenkunft, berichtete Bürgermeister Thomas Schwarzenberger dienstags den Gemeinderäten, habe er sowohl Landrat Harald Kühn, als auch Abteilungsleiter Guido Kamp und Kreisbaumeister Bernd Feldpausch mitgeteilt, dass es die von Kühn und Co. Geforderte Ersatzfläche zu dem drei Hektar umfassenden Areal zwischen den Bundesstraßen 2 und 11 im Süden Krüns nicht gebe. Überall ist man umzingelt von Naturschutzflächen, landwirtschaftlichen Böden oder für den Tourismus wichtigen Erholungsgebieten.

Kritik an bayrischer Staatsregierung

Hinzu kommt der ins Spiel gebrachte Ortsteil „Gries“, der Teil der Hochwasserschutz-zone ist, und das Areal um den Klaiser Bahnhof, das zu einen zu klein, zum anderen von der Anbindung nicht praktikabel sei, so Schwarzenberger. Als letzte Möglichkeit wurde nun das E.ON-Betriebsgelände genannt. Doch auch der Stromgigant hat inzwischen wegen Eigenbedarfs abgewinkt.

Bleibt also nur das Land zwischen den Bundesstraßen, doch dort wächst die Schneeheide-Kiefer. Folge: Der Grund steht nach bayerischem Naturschutzgesetz unter strengem Schutz. Damit will sich der Gemeinderat in wirtschaftlich schlechten Zeiten nicht abfinden. „Wir werden zu Tode geschützt“ ereiferte sich Leonhard Habersetzer (Bürgerliche Wählergemeinschaft/BWG). „Der Bedarf ist unstrittig, das müssen wir klipp und klar sagen meinte Wiederum Franz Schropp (Klaiser Liste). „Durch unsere Gesetze bekommen wir nur Prügel zwischen die Beine geworfen“ ergänzte Klaus Heigl.

Der Mann von „Aktiv für Krün“ zielte bei seiner Kritik vornehmlich auf das Gebaren der bayerischen Staatsregierung, die in solchen Fällen den Schwarzen Peter gerne nach Berlin schiebe. Heigl: „Das sind doch alles Schildbürgerstreiche“. Dem konnte Schwarzenberger nur beipflichten: „Du sprichst mir aus der Seele“.

Bergwald-Passus als weiterer Klotz am Bein

Zumal ihn nun sogar mitgeteilt wurde, dass auf dem möglichen Gewerbegebiet aus noch Bergwald wachse, dessen Rodung wiederum nur nach ausdrücklicher Genehmigung des Umweltministeriums vonstatten gehen darf.

Trotz aller bürokratischer Hürden will der Gemeinderat nicht klein beigeben. „Auch wenn´s aussichtslos scheint“, so Ulrich Holzer (BWG) „wir sollten auf alle Fälle weitermachen“. Erster Schritt ist es, sich mit der Weidegenossenschaft ins Benehmen zu setzen, schließlich ist der Grund mit entsprechenden Rechten belastet. Bei wohlwollendem Verhalten der Landwirte sollen Ersatzflächen an der Finz angeboten werden. Des Weiteren beschloss man mit 11: 0 Stimmen, eine konkrete Bedarfsanalyse zu machen. „Jeder Gewerbetreibende, der Interesse hat, soll sich bei mir melden“, betont Schwarzenberger gegenüber dem Tagblatt.

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Montag. 29. Dezember 2003

Steuerreform: “Für uns ist sie von Nachteil“ - Bürgermeister zieht Bilanz

von Rafael Sala

Krün – Eine finanzielle Erleichterung sollte die jüngst von Regierung und Opposition beschlossene Steuerreform den Gemeinden bringen, doch die Realität im Oberen Isartal dürfte anders aussehen. Krüns Bürgermeister Thomas Schwarzenberger zumindest ist alles andere als wohl beim Gedanken an das kommende Jahr. Er befürchtet Verluste in Höhe von 35.000 Euro durch das Berliner Reformpaket.

“Für uns ist die Steuerreform definitiv von Nachteil“, klagte der Rathauschef in einem Gespräch mit dem Tagblatt. Zwar muss die Kommune durch die beschlossene Senkung der Gewerbesteuerumlage von 28 auf 20 Prozent insgesamt rund 20.000 Euro weniger an Bund und Land abgeben; doch nach Berechnungen Schwarzenbergers wird sich dies nicht auszahlen. Im Gegenteil: Da auch die Einkommensteuer im Zuge der Steuerreform erheblich zurückgehen wird, drohen der Gemeinde im kommenden Jahr, zwischen 35.000 und 40.000 Euro durch die Lappen zu gehen.

Denn im Gegensatz zu anderen Kommunen verfügt Krün als reiner Fremdenverkehrsort über wenig Gewerbe, noch weniger über Industrie – genau dies aber sind die Wirtschaftszweige, die den Gemeinden künftig mehr Geld in die Kassen spülen werden. So beträgt Krüns Gewerbesteuer-Anteil in diesem Jahr 190.000 Euro, die Einnahmen aus Einkommensteuer sowie Kur- und Fremdenverkehrsbeitrag fallen aber mit insgesamt rund 670.000 mehr als dreimal so hoch aus. Bitteres Fazit: „Als Fremdenverkehrsort kommen wir deutlich schlechter weg.“

Doch der Rathauschef hat Vorsorge getroffen. Um den Verlust aufzufangen, will er an einigen Schrauben im Gemeindehaushalt drehen. So wird eine Stelle im Rathaus, die durch das Ausscheiden eines Mitarbeiters frei wird, nicht mehr besetzt. Auch soll eine Vollzeitkraft in der Tourist-Information durch vier Aushilfskräfte ersetzt werden, die die Kommune wesentlich günstiger kommen, insgesamt aber zehn Arbeitsstunden mehr leisten. Weitere Einsparmöglichkeiten „in großem Stil“ sieht der Rathauschef nicht. An finanziellen Posten, die für das Vereinsleben vorgesehen sind, will er jedenfalls nicht rütteln. Diese Beträge, die ohnehin eher gering sind, „machen das Kraut auch nicht fett“, weiß Schwarzenberger.

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Dienstag, 23. Dezember 2003

Krüner Ortsteil: Bebauungsplan wird aufgestellt - Gemeinde will Planungshoheit

von Rafael Sala

Krün – Die Gemeinde Krün will einen neuen Bebauungsplan für den Ortsteil Bärnbichl aufstellen. Mit ein Ziel ist es, zu verhindern, dass die dort vorhandenen Grünflächen von den Eigentümern künftig beliebig geteilt werden können. Dies könnte zu einer Willkür im Baubereich führen, befürchtet Thomas Schwarzenberger. Zu dem soll die Gebäudehöhe bei Häusern in Hanglage festgelegt werden. Eine Veränderungssperre für das Gebiet hat die Kommune bereits verhängt.

“Wir wollen nur bestimmte Eckpunkte festlegen, keinesfalls aber Details vorschreiben“, erläuterte Krüns Rathauschef das Vorhaben in einem Gespräch mit dem Tagblatt. Es gehe lediglich darum, mit dieser Maßnahme ein „Steuerungsinstrument“ zu schaffen, das eine einheitliche Entwicklung des Ortsbildes gewährleistet und damit den Gesamtcharakter der Gemeinde bewahrt. Denn genau diesen sieht er in Bärnbichl in Frage gestellt.

Viele Freiheiten durch neues Gesetz

Hintergrund dieser Bedenken ist das seit 1998 im Freistaat geänderte Baugesetz, das den Eigentümern einen großzügigen Spielraum bei der Teilung von Grundstücken einräumt. Waren solche Vorhaben bis dahin noch genehmigungspflichtig, so haben Bauinteressenten seitdem weitgehend freie Hand die Gestaltung ihrer Grundstücke selbst zu bestimmen: Mit dieser Regelung, so die Befürchtungen Schwarzenbergers, können nun Bauvorhaben realisiert werden, die auf Dauer den Charakter der Gemeinde nachhaltig beeinflussen werden“, und zwar zum Schaden eben des gewünschten Ortsbildes.

Kommune ist der Leidtragende

Werden beispielsweise auf einem Grundstück von 1000 Quadratmetern 160 für den Bau eines Hauses veranschlagt und die restlichen auf ein neues Flurstück aufgeteilt – genau dies ist seit 1998 möglich -, kann der Inhaber für die verbleibenden (in juristischem Sinne jedoch „neu entstandenen“) 840 Quadratmeter wieder das gleiche Baurecht geltend machen wie vorher / im Extremfall also das gleiche Haus hinstellen lassen. Dies aber bedurfte vorher der Genehmigung durch die Gemeinde. „ Wir haben dann keinen Einfluss mehr“, weiß der Rathauschef. Dem wolle man entgegenwirken. Konkret geht es Schwarzenberger darum, weiterhin die Kontrolle über die Teilungsgenehmigung und die damit verbundene – Grundflächenzahl von Gebäuden zu behalten. Zudem will die Kommune selbst bestimmen, wie hoch Häuser und Anwesen in Hanglage gebaut werden dürften.

Da der Ortsteil Bärnbichl über viele Grünflächen verfügt, sei es notwendig, eine Regelung zu schaffen, die eine solche Entwicklung unterbindet. „Wir möchten damit im Vorgriff sicher stellen, dass das Gebiet seinen Charakter behält.“ Aus diesem Grunde hat der Bürgermeister eine Veränderungssperre auf das Gebiet verhängt. Endgültig über das weitere Vorgehen entscheiden wird der Bauausschuss.

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Donnerstag, 18. Dezember 2003

Finzbachklamm: Ausbau mehr als fraglich - Naturschutz: Krün muss handeln

von Rafael Sala

Krün – Thomas Schwarzenberger ist alles andere als begeistert. Mit Sorge und Skepsis seiht der Krüner Bürgermeister vielmehr den neuesten Naturschutz-Auflagen aus Brüssel entgegen. Demzufolge muss die Kommune jetzt weitere Flächen als Naturschutzgebiet im Fachjargon: Flora-Fauna-Habitat (FFH) ausweisen. Vorrangig in Frage kommt hierfür nach Einschätzung der Gemeinderäte lediglich die Finzbachklamm.

Das zarte Pflänzchen einer möglichen touristischen Erschließung der Klamm rückt damit endgültig in weite Ferne. Zwar hätte die Kommune angesichts der prekären Finanzlage ohnehin Probleme gehabt, das ehrgeizige  Projekt anzugehen – geplant war unter anderem der Ausbau eines Steigs oberhalb des Wasserfalls-, doch jetzt ist kaum mehr daran zu denken.“ Das wird bestimmt nicht einfacher werden“, klagt Schwarzenberger.

Denn nach neuesten EU-Verordnungen soll der Anteil an FFH-Flächen im Freistaat von acht auf zwölf Prozent erhöht werden. „Da müssen auch wir unseren Beitrag leisten.“ Besonders ärgerlich für den Rathaus-Chef: Das Gebiet das sich von der Klamm über die Krüner Krüner-Alm bis zum Klaffen erstreckt, unterliegt mit dieser Verordnung eine gesetzlich verankerten Verschlechterungsverbot“.

Demnach dürfen keine Eingriffe in dieses Landschaftsgebiet mehr erfolgen. Die aus naturschutzrechtlicher Sicht bedenklich sind und eine, wie auch immer geartete „Verschlechterung“ gegenüber dem vorherigen Zustand bewirken – herbeigeführt etwa durch Baumaßnahmen.

Das sei zwar nicht das Problem, betont der Rathauschef- „das hätten wir dort ohnehin nicht vorgehabt“ -, doch ein nicht unerheblicher Teil dieses Gebiets ist Privatwald. Dessen Besitzer, so die Befürchtungen des Bürgermeisters, dürften jetzt Schwierigkeiten bekommen: Nicht nur harmlose Arbeiten, wie Wegeräumen, werden künftig mit aufwändigen bürokratischen Hürden verbunden sein, sondern die neue Vorschrift wird auch vor notwendigen Einsätzen nicht halt machen. So könnte beispielsweise die Neubepflanzung nach einem Windwurf nunmehr durchaus als eine „Verschlechterung“ gewertet und damit verhindert werden. Ob Mischwald in eine Monokultur umgewandelt werden kann – mehr als fraglich. Gerade die damit verbundenen wirtschaftlichen Folgen für die Besitzer bereiten dem Bürgermeister große Sorge.

Dem wollen die Gemeinderäte jetzt vorbeugen. In einer Stellungnahme an das Landratsamt, die bis zum 31. Dezember erfolgen muss, werden sie genau auf diese Bedenken hinweisen. Schwarzenberger will vor allem geltend machen, dass die Planungshoheit über die Gestaltung von gemeindlichen Flächen immer noch in der Hand der Kommune liegt.


“Alpenwelt“ – Mitglieder benannt

Krün – Der jüngst ins Leben gerufene Marketingsverbund „Alpenwelt-Karwendel“ erhält eine neue Organisationsform. Künftig werden die beteiligten Gemeinden  Mittenwald, Krün und Wallgau Gemeindevertreter aus allen politischen Gruppierungen entsenden, um eine Arbeitsgemeinschaft zu bilden.

Diese soll die bisherige Steuerungsgruppe um neue Mitglieder erweitern.
Während der jüngsten Gemeinderatssitzung am Dienstagabend wurden neben Bürgermeister Thomas Schwarzenberger folgende Mitglieder benannt: Christl Kirschner (CSU/Stellvertreter: Mathias Gschwendtner, Georg Schober (Aktiv für Krün/Ferdinand Glasl), Ulrich Holzer / BWG (Leonhard Habersetzer) und Klaus Koppe (Freie Wähler Klais / Franz Schropp).

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Samstag, 5. Dezember 2003

Im Würgegriff des Naturschutzes - Krüner Gewerbegebiet bleibt vorerst Illusion - Hilfe aus München?

von Christof Schnürer

Krün – „In Schönheit gestorben“ – eine gerne zitierte Floskel, die man getrost auch auf den Fremdenverkehrsort Krün anwenden könnte. Dem 1.900-Seelen-Dorf schwebt nämlich schon lange ein Gewerbegebiet im Süden der Gemeinde vor. Nun aber kam die Absage vom Landratsamt. Begründung: Die Fläche steht wegen dort wachsender Schneeheide-Kiefern – Lebensraum für bedrohte Tier und Pflanzenarten – unter besonderem Schutz. Ein Graus, findet Bürgermeister Thomas Schwarzenberger, denn Alternativen zu diesem Areal gebe es nicht.

Es ist wirklich wie verhext. Nirgendwo findet sich in Krün für heimisches Gewerbe ein geeignetes Plätzchen. Im Norden grenzt unmittelbar nach dem Ortsschild die Nachbargemeinde Wallgau an, außerdem findet sich nördlich der Herzogstandstraße nahe dem Aussiedlerhof der Familie Kramer („Ferl“) eine nach Artikel 13 d des bayerischen Naturschutzgesetzes unantastbare Buckelwiese. Im Osten wimmelt es ebenfalls vor 13d-Flächen. Überdies finden sich in dem dortigen Wasserschutzgebiet auch zahlreiche Viehweiden. Und solange der geplante Hochwasserschutz an der Isar nicht in die Tat umgesetzt ist, herrscht im Ortsteil „Gries“ ohnehin bis auf Weiteres Baustopp.


Keine Alternativen weit und breit

Im Westen, Richtung Bärnbichl, liegen wiederum für den Tourismus wichtige Wanderwege und Loipen sowie eine Vielzahl landwirtschaftlicher Böden. Blieben noch die einzelnen Ortsteile; Die Gebiete am Tenn- und Barmsee sind strategisch wichtige Erholungszentren, ebenso das Areal bei den Schlössern Kranzbach und Elmau, das praktisch komplett durch „FFH“ (EU-Naturschutzprojekt „Fauna, Flora, Habitat“) und 13 d unter Naturschutz steht. Auch in Gerold machen Buckelwiesen Wirtschaftsförderern einen Strich durch die Rechnung. Und was ist mit Klais ? Das Terrain um den Bahnhof, so Bürgermeister Schwarzenberger, sei zu klein und die Anbindung müsste mitten durch den Ort erfolgen, was die Anwohner sicherlich wenig begeistern würde.

Die Empfehlung des Landratsamtes, nach anderen, „geeigneten Gewerbegrundstücken zu suchen“, hat sich somit mehr oder weniger erübrigt. Das drei Hektar umfassende Areal zwischen den Bundesstraßen B2 und B11 ist laut Schwarzenberger „der beste und einzige Standort“ und schlicht „das zweite Standbein“ für das einseitig auf Fremdenverkehrs ausgerichtete Krün. Daher werde er noch einmal überprüfen lassen, ob das öffentliche Interesse gegenüber naturschutzrechtlichen Bedenken nicht überwiegt. „So einfach jedenfalls werde ich nicht aufgeben.“ Jetzt soll erst mal der Bayerische Gemeindetag gehört werden.

Naturschutz contra Ökonomie – im bayerischen Ministerium für Wirtschaft und seit kurzem auch Landesplanung keine Seltenheit, wie Stefan Schell, ein Sprecher des Hauses, zu berichten weiß. „Doch die Entscheidung muss zwischen der jeweiligen Gemeinde und den entsprechenden Behörden getroffen werden.“


Wirtschaftsministerium als Vermittler

Gleichzeitig verweist Schnell auf die sogenannte Ansiedlungsberatung das Ministeriums mit dem vielsagenden Namen „Invest in Bavaria“. „Denn es ist ein ganz elementares Interesse, uns als wirtschaftsfreundlicher Standort zu präsentieren.“ Reglementierten Kommunen wie Krün könne trotzdem in begrenztem Maße geholfen werden, etwa als Vermittler an einem Runden Tisch. Ein klitzekleiner Hoffnungsschimmer.

Gewerbegebiet, nur wo ? Harte Zeiten für einen Bürgermeister findet Tagblatt-Karikaturist Horst Wendland.

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Hohe Auszeichnung für Altbürgermeister - Sepp Zahler erhält Bundesverdienstkreuz

von Christof Schnürer

München/Krün – Hohe Auszeichnung für Sepp Zahler. Dem Krüner Altbürgermeister wurde gestern in München von Bayerns Wissenschaftsminister Dr. Thomas Goppel das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. „Mit Ihrem persönlichen Einsatz über Jahrzehnte hinweg haben Sie sich um das Allgemeinwohl verdient gemacht“, meinte Goppel in seiner Laudatio.

Von 1972 bis 2002 hatte der heute 58-jährige Zahler im Rathaus das Sagen, daneben gehörte er dem Kreistag an. „Für die Gemeinde Krün haben Sie in dieser Zeit viel erreicht“, unterstrich der Minister. So die Verbesserung der Wasserversorgung, den Neubau von Grundschule und Kindergarten, den Anschluss an das Erdgasnetz und die Ortskanalisation, um nur einige Beispiele in Zahlers 30-jähriger Amtszeit zu nennen. Die Realisierung des 1982 eröffneten Kurhauses samt Veranstaltungssaal, Restaurant, Kegelbahn, Park und Musikpavillon trage ebenfalls unverkennbar die Handschrift von Sepp Zahler.

In seiner Ansprache wies der Wissenschaftsminister aber auch auf das kulturelle Engagement des frischgebackenen Verdienstordensträgers hin. So sei der Einsatz für den Erhalt von Schloss Elmau und die Umgestaltung in ein Hotel unter Wahrung der Grundsubstanz von großer Bedeutung gewesen. „Daneben setzten Sie sich ebenso nachdrücklich für die Natur und die Landschaft ein.“ Den idyllischen Charakter der Isartalgemeinde jedenfalls habe man trotz des vielseitigen Sport- und Freizeitangebots erhalten können.

Auch als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr hat sich der gelernte Industriekaufmann seit 1962 unter anderem als Gruppenführer und Kassenprüfer Verdienste erworben. Vor 17 Monaten hat Sepp Zahler  („Ich entscheide wann ich aufhöre“) in jüngere Hände übergeben. Goppel: „Unter Ihrer kompetenten Amtsführung hat sich die Gemeinde Krün zu einem der führenden Fremdenverkehrsorte in der Region entwickelt.“

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Freitag, 28. November 2003

„Dunkle Wolken über Staatswald“ - Gemeinderat gegen Privatisierung

von Christof Schnürer

Krün – „Ich sehe dunkle Wolken auf uns zukommen.“ Die Worte von Mathias Gschwendtner in der jüngsten Krüner Gemeinderatssitzung verheißen nicht Gutes. Der CSU-Mann spielt damit auf den geplanten Kahlschlag der bayerischen Staatsregierung in der Forstverwaltung an. Gschwendtners Befürchtung: von den im Raume stehenden Reformen könnte in gravierenden Maße auch der Staatswald betroffen sein.

Den hierfür zuständigen Einrichtung droht nämlich die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft oder ähnliche Rechtsform. Die Folge: Die Bewirtschaftung wird um den Profits willen einseitig auf die Holzproduktion ausgerichtet und der parlamentarischen Kontrolle entzogen. Das zumindest befürchtet der Bund Deutscher Forstleute (BDF) jin einer Stellungnahme zur Regierungserklärung von Ministerpräsident Edmund Stoiber.

Genau den will nun die Gemeinde Krün via Schreiben kontaktieren, schließlich ist der bayerische Regierungschef auch Wahlkreisvertreter der Region. Helfen sollen auch der Landtagsabgeordnete Johann Neumeier und Staatsminister Josef Miller. „Es geht hier nicht darum, irgendwelche Beamtenstellen zu sicher“, verdeutlichte Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU), „sondern um den Schutz der Gemeinde.“ Das vielgepriesene Konnexitätsprinzip – „wer zahlt, schafft an“ werde auf Umwegen ausgehebelt echauffierte sich Klaus Koppe (Freie Wähler Klais).

Der Krüner Gemeinderat befürchtet durch die „Privatisierung“ des Staatsforstes, immerhin ein Drittel der Gemeindeflur, „österreichische Verhältnisse“ im Oberen Isartal. Ganze Wälder könnten dann aus marktwirtschaftlichen Gründen gerodet und damit landschaftlich reizvolle Flächen für den Kommerz auf Kosten des Tourismus preisgegeben werden. Ein Horror, findet der Gemeinderat, der dringenden Handlungsbedarf sieht. „Je mehr schreien, desto eher findet man Gehör“ so Schwarzenbergers Losung.

“Der Staatsfort kommt nicht in private Hände“ betonte gestern auf Tagblatt-Anfrage Alfons Kraus, Pressesprecher des bayerischen Landwirtschaftsministeriums. Es werde lediglich über die Rechtsform des Staatswaldes diskutiert. Man suche schlicht nach „effektiveren Organisationsmöglichkeiten“.

Ferner zerstreut Kraus Befürchtungen, die Regierung werde wegen des selbstauferlegten Sparzwangs aus wirtschaftlichen Interesse großflächige Rodungen in landschaftlich sensiblen Bereichen zulassen. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass landespflegerische Leistungen zu kurz kommen werden.“ Gleichzeitig bestätigte Kraus, dass die staatliche Beratungen von Privatwaldbesitzern zurückgefahren werde.

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Mittwoch, 19. November 2003

"Kranzbach-Bändiger" im Soll - Hochwasser-Verbauung in Klais macht sichtbare Fortschritte

von Silvia Käufer-Schropp

Klais - Millionenfache Schäden wie nach der Flutkatastrophe zu Pfingsten 1999 soll es im Werdenfelser Land nicht mehr geben. Daher arbeiten Kommunen und Weilheimer Wasserwirtschaft (WWA) mehr denn je Hand in Hand. Kein Wunder also, dass sich der neue WWA-Chef Peter Frei gestern in Klais von der aktuell laufenden Hochwasser-Verbauung selbst ein Bild vor Ort machte. "Die persönliche Kontaktaufnahme mit den betroffenen Gemeinden und den Bürgermeistern liegt mir sehr am Herzen", unterstrich der Behördenleiter. Zusammen mit Karl Reitbauer, dem zuständigen WWA-Sachgebietsleiter, und Hauptflussmeister Anton Grünauer wurde die Baustelle am Kranzbach genauer unter die Lupe genommen. Wichtig sei dabei, so Frei, natürlich auch der gute Draht zum Krüner Bürgermeister Thomas Schwarzenberger. Der ist schließlich der Hauptansprechpartner der Weilheimer Behörde, wenn der umfassende Hochwasserschutz im Oberen Isartal auf der Tagesordnung steht.

Neben dem bereits im Bau befindlichen Projekt ist der etwas komplexere Fall, die Isarauskiesung und die Realisierung eines Deichgürtels im Krüner Ortsteil Gries (wir berichteten), noch in Planung. Am Kranzbach hingegen geht es sichtbar voran: Die Ausholzung entlang des Baches, die Aufschüttung eines Dammes entlang der besonders gefährdeten Anwesen im Kirchfeld und die Errichtung einer Geschiebe-Rückhaltesperre zwischen Elmau und Klais.

Im letzten Bauabschnitt wird nun seit einigen Wochen daran gearbeitet, das Kastenprofil zwischen Klaiser Kranzbachbrücke und Bahnübergang auf drei Meter Sohlbreite zu erweitern, um auch hier ein Überlaufen des Gewässers zu vermeiden. "Diese Projekte sind entscheidend", konstatiert Frei, "schließlich stehen für uns die Menschen, die von einem eventuellen Hochwasser betroffen sind, im Vordergrund." Hier wolle man von Seiten des Wasserwirtschaftsamts "alles nur Mögliche" tun, um die Bewohner vor einem
erneuten Schaden zu schützen.

Die Kosten der Kranzbach-Aktion belaufen sich übrigens auf die stolze Summe von   620.000 Euro. Dabei übernimmt der Freistaat 70 Prozent der Kosten. Den Rest muss die klamme Gemeinde Krün schultern.

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Dienstag, 28. Oktober 2003

Warten auf grünes Licht vom Landratsamt - Gewerbegebiet nicht vom Tisch

von Christof Schnürer

Krün – Das Gewerbegebiet Krün-Süd ist noch lange nicht vom Tisch: Bürgermeister Thomas Schwarzenberger bestätigte gestern gegenüber dem Tagblatt, dass man hierfür nach wie vor das rund drei Hektar umfassende Areal zwischen den beiden Bundesstraßen 2 und 11 ins Auge gefasst habe. Die Krux dabei: Besagtes Terrain erscheint in den neuesten Biotop-Kartierungen als streng naturgeschützte „13d-Fläche“.

Doch der junge Krüner Bürgermeister hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben. „Es gibt womöglich eine Chance, darüber hinwegzukommen.“ Helfen solle ihm dabei die Kreisbauverwaltung im Landratsamt. Dessen Sprecher Albrecht Ott teilte mit, dass bei der Überprüfung noch die Stellungnahme der Naturschutzbehörde fehlen würde. „Ende dieser Woche wird die Gemeinde Krün informiert.

“Bis dahin geht das Bangen im Rathaus weiter. Denn würde das Gebiet im Süden des Isartalorts auch künftig strengen Naturschutz-Auflagen unterliegen, wären weitere Planungen, geschweige denn Verhandlungen mit Straßenbauamt oder dem Forst sinnlos.

Diesem gehört übrigens das eingangs erwähnte 30.000 Quadratmeter große Areal gegenüber dem Umspannwerk. Und das könne man „streifenweise“, also je nach Bedarf abkaufen, berichtet Schwarzenberger. „Wir müssen aber den Preis noch nach unter bringen.“ Der Rathauschef bestätigt zudem, dass es „faktisch“ fünf Interessenten an Krüner-Gewerbegrund gebe. Wie ernst die es allerdings tatsächlich meinten, werde erst dann abgeklärt, wenn das Landratsamt grünes Licht gibt.

Positive Signale hat bislang neben dem Forst auch die Weidegenossenschaft gegeben. Diese habe für das mit Weiderecht belastete Land der Kommune eine kostenlose Freistellung signalisiert, so Schwarzenberger. Gut möglich also, dass das 1998 aus Kostengründen und mangels Interesse einheimischer Unternehmen – viele schreckte der Quadratmeterpreis von 400 Mark ab – gestorbene Projekt plötzlich wieder zu neuem Leben erweckt wird.

Nicht zuletzt aus finanziellen Aspekten wäre dies für die klamme Kommune wünschenswert. Immerhin hat sich das Gewerbesteueraufkommen in Krün durch die Abschreibemöglichkeiten von Großkonzernen (E-ON, ehemals Bayernwerk) innerhalb von zwei Jahren von 375.000 Euro (2000) auf rund 200.000 Euro (2002)  annähernd halbiert. In erster Linie, betont der Bürgermeister, gehe es ihm aber um die Schaffung von Arbeitsplätzen vor Ort und die Unterstützung hiesiger Betriebe- und konsequenterweise um eine daraus resultierende erhöhte Umsatzsteuer-Beteiligung.

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Freitag, 24. Oktober 2003

Bauhof statt Gewerbegebiet - Flächennutzungsplan geändert

von Christof Schnürer

Krün – Ein Gewerbegebiet in Krüns Süden wird´s so schnell nicht geben, dafür stellte der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung mit 12 : 1 Stimmen die Weichen für den Bauhof-Neubau. Wann der erste Spatenstich hierzu erfolgen wird, steht aufgrund der angespannten Kassenlage allerdings noch in den Sternen. „Für dieses Projekt jetzt Geld aufzunehmen“, so Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU), halte ich für nicht machbar.“

Einer, der die neuesten Pläne der Rathausspitze kritisch beäugt, ist zweifelsohne Leonhard Habersetzer / BWG. „Wenn wir jetzt mit dem Bauhof anfangen, ist das Gewerbegebiet in weite Ferne gerückt“. Mit „Maschinenbau-Glasl“ und der „Klaiser-Bau-GmbH“ habe man wegen des halbherzigen Vorgehens ohnehin schon zwei heimische Unternehmen mit 50 Arbeitsplätzen an Mittenwald verloren. Ja, Habersetzer ging sogar noch weiter: In Zeiten regionaler Zusammenarbeit – Stichwort: Marketingverbund – solle man doch den Krüner und Mittenwalder Bauhof einfach zusammenlegen, anstatt eine neuen für viel Geld zu bauen.

Dieser wohl nicht ganz ernst gemeinte Vorschlag stieß auf kollektives Unverständnis seiner Kollegen. Gegen das Votum Habersetzers schaffte der Gemeinderat die Grundlagen für eine Bauhof-Neubau, indem er zunächst den Flächennutzungsplan am künftigen Standort in „Sondergebiet Bauhof“ umwidmete. Das 6.900 Quadratmeter große Areal, rund 250 Meter westlich des Waldfriedhofs gelegen, erhielt die Gemeinde im Tausch von einem Landwirt, der dafür von der Kommune  620 Quadratmeter Bauland im „Gries bekam. Nächster Schritt ist die Erschließung des Gebiets, das laut Habersetzer „mitten in der Prärie“ liegt. Geplant ist eine etwa 100 Meter lange, fünf Meter breite Straße plus Gehweg. Der jedoch führt über Forstgrund. Daher so Schwarzenberger, wolle man auch mit dem Forst über einen Tausch verhandeln. Die staatliche Behörde solle dafür eine bestehenden 2,50 Meter breiten Gemeindeweg erhalten plus eine entsprechende Ausgleichszahlung.

„Zug um Zug sollten wir´s umsetzen“, meint der Bürgermeister. Denn seit vielen Jahren sind die sechs Bauhofarbeiter provisorisch im Nordteil des Feuerwehrhauses untergebracht. Zudem gibt es weit verstreute Depots am Lagerplatz im „Gries“ und in einem Stadel beim Barmsee.

„Es ist Wahnsinn, was wir da an Zeit verlieren“, betont Schwarzenberger. Und Zeit ist Geld. Durch einen zentralen Bauhof samt Halle, Lagerplatz, Winterdienst und Kompostier-Anlage solle alles viel effektiver werden. Den in den 90er Jahren ins Auge gefassten Plan eines Gewerbegebiets „Krün-Süd“ zwischen Bundesstraße 2 und 11 gegenüber dem Umspannwerk hat man trotzdem noch nicht vollends aus dem Auge verloren. Mittlerweile gebe es auch wieder Interessenten, versichert der Bürgermeister. Das Problem: Wie es aussieht, stellt die Flur inzwischen eine naturgeschützte sogenannte „13d-Fläche“ dar.

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Donnerstag, 23. Oktober 2003

Gemeinde fordert Nachbesserungen - Elmauer Weg: Kompromiss in Sicht

von Christof Schnürer

Krün - Die schweren Säbel hat man beiseite gelegt, nun wird mit feinem Florett weitergefochten. Der Ton im Krüner Gemeinderat jedenfalls ist schon hörbar moderater geworden, wenn es um den Disput mit der Familie Fiebig wegen des Wanderwegs zur Elmauer Alm geht (wir berichteten). Mehr noch, inzwischen zeichnet sich zwischen beiden Parteien ein Kompromiss ab. Die von Fiebig-Rechtsbeistand Karl Kraus aufgesetzte Vereinbarung, so der Gemeinderat in seiner Dienstagssitzung, bedürfe allerdings noch einiger Nachbesserungen.

"Kein Problem", betonte gestern der Garmisch-Partenkirchner Anwalt gegenüber dem Tagblatt. "Vereinbaren kann man letztlich alles." In seinem "Vier-Punkte-Programm" hatte Kraus Vorschläge ausgearbeitet, die den seit einem Jahr andauernden Streit beenden sollen.

Dabei geht es um den für Schloss und Alpengut Elmau strategisch wichtigen Wanderweg hinauf zur Elmauer Alm. Dieser allerdings verläuft genau durch das Anwesen der Familie Fiebig, die das sogenannte "Krausehaus" - benannt nach Elsbeth Krause, der "rechten Hand" von Schlosserbauer Johannes Müller-Elmau - 1988 endgültig erworben hat.

"Wir wollen mit der Gemeinde ein gutes Einvernehmen haben", bekundete stets Hausherrin Ragnhild Fiebig, "aber unsere elementaren Bedürfnisse müssen geschützt werden."

Um Ruhe vor grölenden Elmauer-Alm-Besuchern zu haben und ihre Trinkwasserquelle zu sichern, friedeten die Fiebigs ihr Anwesen ein. Der Steig, der am westlichen Rand ihres Grundstücks verläuft und zum beliebten Ausflugslokal führt, wurde damit abgeschnitten. Ein Unding, wetterte darauf im Januar dieses Jahres der Gemeinderat, der sogar rechtliche Schritte erwog, um den "alten Wald- und Wiesenweg", so Gemeinderat Mathias Gschwendtner, wieder der Allgemeinheit zugänglich zu machen. Mittlerweile führt links des eigentlichen Wegs ein Trampelpfad direkt am Zaun vorbei. Der allerdings müsse wieder beseitigt werden, so Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU), weil man sonst mit dem Naturschutz Probleme kriege.

Wie es aussieht, kann sowieso bald wieder der alte Steig benutzt werden. Denn in der von Anwalt Kraus ausgearbeiteten Vereinbarung verpflichtet sich die Familie Fiebig, den Schafzaun wieder zurückzuverlegen. Der nicht mehr eingefriedete Durchgang kann dann wieder von jedermann zu Fuß passiert werden. Die Kommune wiederum soll durch Hinweisschilder Mountainbikern, Reitern etc. das Benutzen untersagen und dies durch "geeignete Sperrsicherungen" gewährleisten.

Solche schwammigen Formulierungen indes erregen den Argwohn der Gemeinderäte. "Wir sollten das Vertragswerk genau beaugapfeln", empfahl Franz Schropp (Klaiser Liste), "das Schreiben hat ein Anwalt aufgesetzt, und der ist kein Dummer." Ulrich Holzer / BWG ging sogar noch weiter: "Wir schaffen uns mit dem Vertrag nur Probleme." Vor einer endgültigen Zustimmung müssten noch einige Details geklärt werden, da waren sich alle einig, etwa die Sache mit der "Sperrsicherung", die Höhe des zurückgesetzten Schafzauns oder die verbindliche Rechtskraft auch für einen möglichen Rechtsnachfolger der Fiebigs.

Eine "Kommission", bestehend aus Alois Kramer junior (CSU), Georg Schober (Aktiv für Krün), Franz Schropp und Bürgermeister Thomas Schwarzenberger, wird deshalb Regierungsdirektor Guido Kamp vom Landratsamt zur Klärung dieser Fragen konsultieren. Letztlich ist es ja die Kreisbehörde, die ihren Segen zu der Vereinbarung erteilen muss. Der Trampelpfad (links) soll bald wieder verschwinden und der Schafzaun an die alte Stelle zurückversetzt werden.

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KRÜNER GEMEINDERAT IN KÜRZE - Aus "Alpenparadies" wird "Alpenwelt"

von Christof Schnürer

Krün - Der Marketingverbund Oberes Isartal hat einen neuen Namen. Nach Wallgau und Mittenwald votierte Dienstagabend auch der Krüner Gemeinderat einstimmig für den Werbetitel "Alpenwelt-Karwendel/Mittenwald, Krün, Wallgau".

Ein neuer Name schien den Verantwortlichen der drei Kommunen unumgänglich, nachdem zuvor ein privater Internetanbieter die nationalen und internationalen Domains für "Alpenparadies-Karwendel" dem Marketingverbund weggeschnappt hatte (wir berichteten). Dieser hatte es im Vorfeld versäumt, den prägnanten Titel vor dem Gang an die Öffentlichkeit reservieren und schützen zu lassen.

Beim zweiten Mal war man schlauer: Krüns Fremdenverkehrsreferent Georg Schober hatte sich frühzeitig zehn Alpenwelt-Domains gesichert.

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Doppelter Geldsegen für Vereine

von Christof Schnürer

Krün - Nach einem eher mageren Zuschussjahr 2002, in dem nur die Hälfte des sonst üblichen Satzes ausbezahlt wurde, gibt's heuer von der Gemeinde Krün für Vereine und soziale Einrichtungen wieder die volle Summe an Zuwendungen.

Der Gemeinderat einigte sich dienstags einstimmig auf folgenden Schlüssel: Sportverein und Skiclub je 1.250 €, Tennisclub 750, Wasser- beziehungsweise Bergwacht je 500, Caritas 250, Museumsverein Mittenwald 180, Almbauernverein 50 sowie Kriegsgräber-Volksbund 25 Euro.

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Freitag, 26. September 2003

RVO verspricht Lösung bis zum Dezember - Schulbus-Protest auch aus Krün

von Christof Schnürer

Oberes Isartal – Der Aufschrei einiger Wallgauer Eltern wegen angeblichen Platzmangels in den Schulbussen (wir berichteten) ist nun auch im Nachbarort gehört worden. Für Krüner Kinder seien die Zustände ebenfalls untragbar, berichtete Gemeinderat Albert Niggl jüngst seinen Kollegen. Der in die Schusslinie geratene Regionalverkehr Oberbayern (RVO) signalisierte inzwischen, die offensichtlichen Engpässe im Landkreis beheben zu wollen. Im Gespräch ist der Einsatz eines weiteren Busses.

Krüns Bürgermeister Thomas Schwarzenberger ist mittlerweile aufgrund der Schilderungen von Niggl ebenso aktiv geworden. Vorgestern sprach er im Landratsamt vor mit der Bitte, genaues Zahlenwerk zu bekommen, um dann die richtigen Konsequenzen darauf zu ziehen.

Insgesamt bringen drei Busse frühmorgens die Isartaler Fahrschüler nach Garmisch-Partenkirchen. Linie eins, von Walchensee kommend, befördert rund 80 Kinder und Jugendliche, darunter viele aus Wallgau. Als „Verstärker“ fungiert Bus Mittenwald-Wallgau-Garmisch-Partenkirchen (75 Fahrgäste). Bleibt noch die Route Krün-Bärnbichl (70). „Wir wissen, wo die Schülerströme herkommen“, versichert RVO-Niederlassungs-leiter Reinhold Laun aus Weilheim.

Dessen Unternehmen hat zu Schulzeiten 17 Busse in den Morgenstunden im Landkreis im Einsatz. Den turnusmäßigen Protest so mancher Erziehungsberechtigter unmittelbar nach Ferienende kleidet er in die Formulierung: „Neue Kinder, alte Probleme.“ Gleichwohl werde bei der RVO über eine einvernehmliche Lösung nachgedacht, auch im Bereich Oberammergau, wo es ebenfalls Beschwerden hagelte.

Spätestens beim Fahrplanwechsel im Dezember wolle man einen weiteren Bus zwischen dem Oberen Isartal und Garmisch-Partenkirchen pendeln lassen, bestätigt Laun. Gerade die Linie Walchensee-Wallgau-Garmisch-Partenkirchen solle damit entlastet werden.

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Donnerstag, 25. September 2003

„Die Polsterung ist auch nicht die frischeste“ - Bürgermeisterzimmer wird aufgemöbelt

von Christof Schnürer

Krün – Ein Blick in die Inventarliste sagt eigentlich alles: der Schreibtisch 1961 gefertigt, der kleine Aktenschrank 1975. Der Tisch auf dem die Schreibmaschine Baujahr 1982, steht, ist 31 Jahre alt. Verhältnismäßig neu sind dagegen der Chefsessel (1989), der Konferenztisch (1980) und der große Aktenschrank (1982).

Keine Frage, das Mobiliar im Krüner Bürgermeisterzimmer ist in die Jahre gekommen. „Und die Polsterung ist auch nicht mehr die frischeste“, berichtete Rathauschef Thomas Schwarzenberger während der jüngsten Gemeinderatssitzung am Dienstagabend. Nicht viel besser sehe es im Büro von Verkehrsamtsleiter Sepp Winzinger aus. „Dem fällt bald der Schreibtisch auseinander.“ „Ein unzumutbarer Zustand“, meinte auch Ratskollege Ulrich Holzer.

Es müsse also was getan werden, schließlich hätten allein in diesem Jahr in seinem Büro an die 350 Gäste-Ehrungen stattgefunden, gab Schwarzenberger zu bedenken. Zum Repräsentieren taugen weder das Dienstzimmer Winzingers, noch das des Bürgermeisters – da waren sich alles ohne große Aussprache einig.

Die Garmisch-Partenkirchner Firma „Kathan-Ergonomie“ erhielt nun den Zuschlag, die in die Jahre gekommenen Räume aufzupeppen. Für einen Fixpreis von 8100 Euro inklusive Mehrwertsteuer will dies das Büromöbel-Unternehmen bewerkstelligen.

Und wo her nimmt die klamme Kommune das Geld? Zum einen verzichtet sie auf den laut Haushalt 2002 vorgesehen Ankauf einer Raupenschubkarre (3000 Euro) und einer digitalen Flurkarte (6000 Euro). „Dann haben wir ja sogar ein Geschäft gemacht“ scherzte Gemeinderat Klaus Heigl angesichts der Ersparnis von knapp Euro. Die Kollegen quittierten seinen Beitrag mit Gelächter.

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Donnerstag, 25. September 2003

Angst um Selbstbestimmung - Krüner Gemeinderat will weiter „Herr“ des Kriegerdenkmals sein

von Christof Schnürer

Krün – Das Krüner Kriegerdenkmal soll unter besonderen Schutz gestellt. So will es das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege (BLFD). Einen Eintrag in die Dankmalliste lehnte der Gemeinderat am Dienstagabend jedoch mit 10 : 3 Stimmen überraschender-weise ab. Der Grund: Die Mehrheit des Gremiums befürchtet, dass man dann nicht mehr Herr seines Eigentums sein werden.

Dieses Votum sorgt beim BLFD in München für Kopfschütteln. Ein Sprecher meinte gestern gegenüber dem Tagblatt: „Wir sind doch keine Diktatoren.“ Die Reaktion wäre ja verständlich, wenn es sich um einen alten Bauernhof handeln würde. Im Falle Krün gehe es aber um ein „Identifizierungsobjekt“ in unmittelbarer Nähe zur Pfarrkirche. Zudem bringe die Aufnahme in die Denkmalliste steuerliche Vorteile und im Restaurierungsfall entsprechende Zuschüsse. „Daher sind manche Gemeinden ganz scharf auf einen Eintrag“.

Teile des Gemeinderats sehen das anders. „Auf Zuschüsse würde ich mich nicht versteifen“, bemerkte Klaus Heigl (Aktiv für Krün/AfK), „dann sind wir denen ausgeliefert.“ Christl Kirschner (CSU) sah den Fall ähnlich: „Da kriegst du nur einen Haufen Schwierigkeiten.“ Ihr Fraktionskollege Alois Kramer junior hingegen war der Meinung, dass die Manifestierung als Baudenkmal eine „gewisse Aufwertung“ bedeuten würde. „Das ist doch nur ein Titel, sonst nix“, schmetterte ihm sein Gegenüber Franz-Paul Reindl / BWG entgegen.

Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) wollte sich dieser Argumentation nicht anschließen. Er folgte der Empfehlung des im Vorfeld mit einbezogenen Veteranenvereins, der die Aufnahme in die Denkmalschutzliste begrüßt und stellte den entsprechenden Antrag. Dieser Allerdings 8 : 5 abgelehnt.

Nach erneuter Debatte einigte sich der Gemeinderat mit drei Gegenstimmen sinngemäß auf folgenden Beschluss: Die Gemeinde als Eigentümerin verzichtet auf einen Eintrag, weil sie auch künftig über das Objekt selbst bestimmen will. Kuriosum am Rande: Kämmerer Helmut Kieweg, der vorgestern als Schriftführer fungierte, musste den Text gleich viermal vortragen, bis er dem Letzten vollends einleuchtete.

Ob die Denkmalpfleger in München mit dieser Entscheidung leben können, bleibt hingegen offen. Man werde nach Erhalt des Schreibens den Fall prüfen, so der BLFD:

Allein wegen der spannenden Entstehungsgeschichte hätte das Krüner Kriegerdenkmal, das am 21. Mai 11922 feierlich eingeweiht wurde, einen besonderen Schutz verdient. Der 79-jährige Naturfotograf Luis Reindl erinnert sich: Ein Zufall führte seinen Vater und einen Augsburger Steinmetz mit Namen Kircher während des Ersten Weltkriegs an der Westfront in Frankreich zusammen. Laut Reindl versprach der Schwabe dem Isartaler im Kugelhagel: „Wenn wir wieder gesund heimkommen, dann bau ich Euch ein Kriegerdenkmal, wie Bayern noch keines gesehen hat.“

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Samstag, 6. September 2003

Bundespräsident zum Anfassen - Wie die Krüner über Johannes Raus Abschied denken

von Christof Schnürer

Krün – „Politik ist sein Lebenselexier.“ Wer das über Bundespräsident Johannes Rau sagt, ist kein enger Mitarbeiter aus dem Schloss Bellevue, sonder John Brooke vom Alpengut Elmau. Dort verbringt das Staatsoberhaupt samt Gattin und Kindern seit jeher einige Urlaubstage im Jahr. Vielleicht werden die Ferien im Werdenfelser Land für den Vorzeige-Sozialdemokraten nun ausgedehnter und entspannender. Am Donnerstag nämlich erklärte der 72-Jährige, dass er für eine zweite Amtszeit nicht mehr zur Verfügung stehe. Mit anderen Worten: „Bruder Johannes“ geht am 30.Juni 2004 in Rente.








 


Um so glücklicher zeigt sich Krüns Bürgermeister Thomas Schwarzenberger, dass er es bei Raus jüngstem Besuch in der Elmau Mitte Juli noch geschafft hat, eine Unterschrift von ihm ins Goldene Buch zu bekommen mit dem Vermerk „Bundespräsident“.

“Da haben wir die Kurve Gott sei Dank noch mal gekriegt“, meint der Rathauschef, der schon ein bisschen weiche Knie hatte, als er mit seinen Gemeinderatskollegen im Alpengut angerückt war. „Es war für mich eine Ehre“, erinnert sich Schwarzenberger, der dem Wuppertaler in lockerer Atmosphäre zuprostete. „Er ist einer vom alten Schlag.“ Der Krüner Bürgermeister, selbst ein bekennender „Schwarzer“, hat nach eigener Aussage kein Problem, wenn der „Rote“ Rau weiter gemacht hätte. Er ist eben ein Bürgerpräsident, eine Respektsperson ohne Allüren“ berichtet wiederum Gemeinderat Leonhard Habersetzer, der Rau bei einer Geburtstagsparty im Alpengut Ende 2001 kennengelernt hatte. „Ich kann bloß hoffen, dass wir so einen wieder kriegen.“ Ins gleiche Horn stößt Verkehrsamtsleiter Sepp Winzinger: „Es ist eigentlich schade, dass er aufhört.“

Der angekündigte Abschied nach einem erfüllten politischen Leben – Rau war Oberbürgermeister von Wuppertal 1969/1970, über 40 Jahre Landtagsabgeordneter (1958 bis 1999), Landesminister für Wissenschaft (1970 bis 1978), 20 Jahre lang Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen (1978 bis 1998) viele Jahre im SPD-Präsidium beziehungsweise –vorstand und schließlich seit 1999 Bundespräsident – hat für die Elmauer, mit denen das Staatsoberhaupt familiär verbunden ist, vielleicht auch was Positives.

Gut möglich, dass er dann mehr als einmal pro Jahr im Alpengut vorbeischaut, mit Barbara und John Brooke ein Pils trinkt oder seiner Skatleidenschaft nachgeht. Kontaktscheue ist dem Predigersohn ohnehin ein Fremdwort. „Er seht sich oft an den Stammtisch“, bestätigt dessen Gastgeber Brooke der ihm überdies ein „wahnsinniges Gedächtnis attestiert. Der Elmauer freut sich schon jetzt auf ein Wiedersehen mit Johannes Rau, egal ob als Bundespräsident oder nicht.

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Samstag, 30. August 2003

Zwischen Krün und Bärnbichl wird wieder geblitzt - Verkehrssündern geht´s an den Kragen

von Christof Schnürer
 
Krün – Zwischen Krün und Bärnbichl wird wieder geblitzt. Radarkontrollen durch die Polizei auf der kurvigen Verbindungsstraße waren zuletzt gänzlich eingestellt worden. Nachdem die Gemeinde dort aber die Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Stundenkilometer aufgehoben hatte und aus der Wettersteinstraße eine rein innerörtliche Fahrbahn wurde, sind die Ordnungshüter am Donnerstag aufs Neue Verkehrssündern auf den Fersen gewesen.

82 Fahrzeuge seien geprüft worden, erläutert Mittenwalds Polizeichef Alfred Holzer. Erfreulicherweise hätten lediglich neun Verkehrsteilnehmer die geforderte Höchstgeschwindigkeit von 50 Stundenkilometern knapp überschritten. Nur ein einziges Mal registrierte man Tempo 60.

Noch in der Ära von Bürgermeister Sepp Zahler setzte der Gemeinderat für die im Jahr 2000 neue geteerte und mit einem Fußweg versehene Wettersteinstraße nach Bärnbichl 30 Stundenkilometer als Höchstgrenze fest.

Nicht zu vereinen mit der Straßenverkehrsordnung, monierten Polizei und Landratsamt unisono. Deshalb seien auch Radarkontrollen in dieser Zone nicht statthaft. Und so schraubte die Kommune nach mehrheitlichem Beschluss des Gemeindesrats diese und zudem die Ortsschilder in Krün und dem Weiler Bärnbichl ab. Damit hat die Verbindungsstrecke den Charakter einer innerörtlichen Straße mit der dafür vorgesehenen zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 50 Stundenkilometern. Mit dieser Lösung kann Polizeichef Alfred Holzer gut leben. „Wir haben mittlerweile so viele Verkehrszeichen, dass keiner sie mehr beachtet.“ Überhaupt habe die Wettersteinstraße in diesem Bereich „null Gefährdungspotenzial“.

Trotzdem möchte der Krüner Gemeinderat in naher Zukunft kleine kosmetische Operationen zur Verkehrsberuhigung dort vornehmen. „Wir wollten ursprünglich einen Blumentrog aufstellen“, berichtet Bürgermeister Thomas Schwarzenberger.

Das aber scheiterte an versicherungstechnischen Fragen. Bei einem weiteren Ortstermin mit der Polizei und Vertretern der Kreisbehörde soll nun der geeignete Platz für eine künstliche Fahrbahnverengung, die im Winter wieder abgebaut werden kann, gefunden wurden. „Da kann man kreuz und quer diskutieren“, meint Alfred Holzer, Entscheidend jedoch sei nicht die Quantität, sondern die Qualität der Beschilderung.

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FERNZIEL RUNDWANDERWEG - Gemeinde will Pfad zwischen Gerold- und Barmsee ausbauen Krün

von Rafael Sala

Die Gemeinde will den beliebten Wanderweg zwischen dem Gerold- und dem Barmsee vervollständigen. Eine entsprechende Genehmigung soll jetzt im Landratsamt eingeholt werden. Die Untere Naturschutzbehörde hat bereits grünes Licht gegeben. "Wir können den Weg so machen, wie wir uns vorstellen", informierte Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) auf der jüngsten Gemeinderatssitzung.

Die Untere Naturschutzbehörde, die sich zusammen mit Vertretern der Kommune vor Ort ein Bild von den natürlichen Gegebenheiten gemacht hatte, habe keine Einwände zu dem Vorhaben und den Planungen der Gemeinde gehabt, äußerte der Rathauschef.

Demnach soll der Weg die noch fehlenden zwei bis drei Kilometer zwischen dem Gerold- und dem Barmsee überbrücken. Gedacht ist, einen Untergrund von drei Metern Breite zu schaffen, um im Bedarfsfall auch größeren Fahrzeugen wie landwirtschaftlichen Zugmaschinen die Möglichkeit zu geben, ihn zu nutzen.

Dies soll allerdings die Ausnahme bleiben, da der Pfad in erster Linie für Fußgänger bestimmt ist und aus diesem Grunde eine Breite von etwa 1,50 Metern haben wird. "Die Fußgänger sollen überwiegen", betonte Schwarzenberger.

Gemeinderatsmitglied Georg Schober (Aktiv für Krün) zufolge werde man zwar nicht verhindern können, dass auch Radfahrer den Weg nutzen, "wir werden ihn aber nicht als Fahrradweg ausweisen."

Um den Pfad tragfähig zu machen, soll eine wasserdurchlässige Vlies-Schicht aufgebracht werden. Auf die Fläche selbst wird dann Festkies aufgeschüttet.

Gemeinderatsmitglied Franz Schropp (Freie Wähler Klais) regte an, ihn zudem als eine Art Naturlehrpfad auszuweisen. Wenn alles gut geht, will die Kommune bereits im Herbst mit den Arbeiten beginnen. "Dieses Jahr wäre uns am liebsten", sagte der Bürgermeister. Als Fernziel schwebt den Fraktionen vor, einen Rundweg zu schaffen, der vom Barmsee über den Grubsee bis hin nach Klais, von dort zum Gerold- und dann wieder zurück zum Barmsee reicht. Die Behörde im Landratsamt behält sich jedoch das Recht vor, die Gemeinde unter Umständen zu Ausgleichsflächen zu verpflichten.

Wo diese entstehen sollen, ist noch ungeklärt, Möglichkeiten hierfür seine aber gegeben. "Wir brauchen nicht unbedingt Ausgleichsmaßnahmen", kritisierte Schober jedoch und verwies darauf, dass der Weg ja bereits bestehe.

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14. August 2003

Klais - Koppe, Lärm unerträglich!

von Rafael Sala

Geht es nach den Vorstellungen der Gemeinderäte Klaus Koppe und Franz Schropp (Freie Wähler Klais), sollen Straßenschwellen dafür sorgen, die durch den Verkehr erzeugte hohe Lärmbelästigung im Ort zu reduzieren. Dem wollten sich die anderen Fraktionen jedoch nicht anschließen.

Nach einer hitzigen Diskussion einigten sich die Gemeinderäte darauf, eine Verkehrsentlastung durch 30er-Markierungen und Straßenverengungen herbeizuführen. "Schwellen haben genau das Gegenteil zur Folge", kritisierte Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) auf der jüngsten Gemeinderatssitzung den von Koppe und Schropp eingereichten Antrag - und regte damit eine regelrechte Grundsatzdiskussion im Rathaus an.

Diese Hindernisse bewirkten lediglich, dass Autofahrer ständig gezwungen seien, abzubremsen, den Gang runter und dann wieder hoch zu schalten, was einen noch größeren Lärmpegel verursachen würde. "Das wird noch schlimmer dadurch."

Andernorts - wie etwa in Kochel - hätten sich Anlieger sogar über den gerade durch die Schwellen verursachten Krach beschwert. "daraufhin wurden sie wieder abgeschafft."

Franz-Paul Reindl / BWG warnte zudem vor Gefahren, die diese Hindernisse mit sich bringen. So würden insbesondere Winterdienst und Feuerwehr ganz erheblich in ihren Aufgabenbereichen beeinträchtigt. "Stellen Sie sich nur einmal vor, es brennt auf Schloss Elmau, und die Feuerwehr kommt da wegen der Schwellen nicht schnell genug hin."

Koppe gab den Bedenken zwar nach - "ich will mich nicht unbedingt auf diese Maßnahme versteifen" -, machte aber deutlich, dass diese Hindernisse in Verbindung mit Straßenverengungen durchaus zu dem gewünschten Effekt führten.

Den Antrag, Blumentröge im Bereich des Elmauer Weges aufzustellen, lehnte der Gemeinderat ebenfalls ab. "Da steht die Haftungsfrage völlig in den Sternen", gab Ulrich Holzer (Bürgerliche Wählergemeinschaft) zu bedenken.

Statt dessen einigte sich das Gremium, die Straße nach Elmau - zusätzlich zu den Schildern - mit der Fahrbahnmarkierung "Tempo 30" zu versehen. Zudem sollen drei hölzerne Einfassungen fest mit der Straße verbunden werden.

Auf diesen sollen sich dann die Blumentröge befinden. Auch in der Wettersteinstraße im Krüner Ortsteil Bärnbichl soll so die Verkehrsbelastung reduziert werden.

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Freitag, 25. Juli 2003

Der neue Gasthof zur Post wird die Ortsmitte beleben - Sepp Block arbeitet unter Hochdruck - Eröffnung Anfang 2004?

von Ferdinand Trommsdorff

Krün - Der Gasthof zur Post in Krün öffnet nach vier Jahren seine Pforten wieder. Schon seit einiger Zeit beweist der Baukran neben dem Haus in der Walchenseestraße 4, dass sich in dem historischen Gemäuer einiges rührt. Der Gemeinderat Krün genehmigte kürzlich die Renovierung. "Wir wollen die Ortsmitte beleben", erklärt Besitzer Sepp Block, der unter Hochdruck arbeitet. Der 46-Jährige zielt auf ein Publikum, in dem sich jung und alt, Einheimische und Touristen mischen.

Eiserne Regel: Nichts aus der Tüte!
Auf die Speisekarte kommen hauptsächlich bayerische Spezialitäten. Und dabei gilt die Regel: "Nichts aus der Tüte!" Seine Pläne gehen aber über eine reine Traditionsgast-stätte hinaus. Der hintere Teil des Hauses, der nicht unter Denkmalschutz steht, wird abgerissen. Dorthin kommt ein Neubau mit Personalräumen und der Toilettenanlage, sowie ein Innenhof, der teilweise überdacht wird und üppig begrünt werden soll. Der alte Gastraum im vorderen Teil bleibt erhalten und wird neu eingerichtet. Der Flur zwischen dem ursprünglichen Haupteingang und dem alten Saal soll sich ebenfalls in einen Bewirtungsraum verwandeln. Direkt daneben plant Block eine große Bar, hinter der einmal sein Sohn Josef stehen soll: Er lässt sich demnächst zum Barkeeper umschulen. Auch die anderen beiden Söhne sind schon im Betrieb eingeplant: Bernhard ist mit 19 der Jüngste und absolvierte eine Konditorlehre. Stefan, 21, ist Maurer und "baut das Haus", erläutert Block.

Er selbst ist "Koch aus Leidenschaft". Seine Freundin Evi Kuss bestätigt das. "Er fängt mit etwas Kleinem an, und am Ende wird es immer ein 3-Gänge-Menü." Kein Wunder: Block ist sozusagen mit dem Kochlöffel in der Hand aufgewachsen. Sein Vater war Chef des Gasthofs seit 1965; zehn Jahre später kaufte Sepp Block die Wirtschaft und betrieb sie bis vor vier Jahren.

Die Geschichte reicht weit in die Vergangenheit zurück. Bereits im 17. Jahrhundert soll dort ausgeschenkt und gekocht worden sein. Und sogar königlicher Besuch weilte in den Räumen des Hauses. Der Kini selbst, König Ludwig II., hatte das Haus beizeiten gemietet, um dort Amtsgeschäfte tätigen zu können. Auch ein Prinzregent soll hier schon sein Bier bekommen haben.

"Wir arbeiten noch an der Hausgeschichte", versichert der Wirt. Sie wird Anekdoten und Episoden in Menge hervorbringen. Das Gebäude selbst dürfte an die 500 Jahre alt sein. Bewohnt wurde es nachweislich ab 1581. Über soviel Tradition freut sich auch das Gemeindeoberhaupt, Bürgermeister Thomas Schwarzenberger. Nicht nur, dass durch die Renovierung "das Ortsbild verschönert" wird; auch das Angebot in der Gastronomie kann nicht groß genug sein. "Für die Gemeinde ist das äußerst positiv."

Auch der Kini logierte hier schon !

Der Plan zur Auffrischung der Krüner Gastgewerbeszene steht also auf festen Beinen, jetzt müssen Taten folgen. Die Renovierung dauert allerdings mindestens ein halbes Jahr. Geplant sei die Eröffnung etwa Anfang 2004, aber so genau will sich Block da nicht
festlegen lassen, denn: "Mit einem alten Haus erlebt man immer viele Überraschungen."

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                                                                                                 Freitag, 18. Juli 2003

Das Kreuz mit der Grammatik

von Christof Schnürer

Es lebe der Zeitgeist: Gemeinderat macht aus Verkehrsamt eine „Tourist-Information“















Krün
– Der Winzinger Sepp, seines Zeichens oberster Tourismus-Stratege von Krün, hat ein Problem: Sein heißgeliebtes Verkehrsamt werde nur allzu oft mit der Kfz-Zulassungsstelle verwechselt, in vereinzelten Fällen sogar mit einem ganz speziellen Etablissement. 

So jedenfalls könne es nicht weitergehen. Das altbackene Verkehrsamt hat im „Event-Zeitalter“ einfach ausgedient und benötigt einen flippigeren Namen. Sein Vorschlag: „Tourist-Information“.

Mit diesem Etikett schmücken sich die Nachbargemeinden Mittenwald und Wallgau schon seit einigen Wochen. Und beileibe nicht nur die. sondern praktisch alle Urlauber-Hochburgen. Zeit zum Handeln, dachte sich deshalb Bürgermeister Thomas Schwarzenberger und setzte den Punkt auf die Gemeinderats-Tagesordnung. 

„Das ist längst schon überfällig“, polterte Franz Schropp aus Klais, „gerade in der heutigen Zeit, wo Englisch doch überhaupt keine ausländische Sprache mehr ist. 

Sein Tischnachbar, der Kramer Luis, hat eine etwas differenzierte Meinung zu dem modernen „Tourist-Information“. „Das ist schon sehr anglizistisch“. Ganz zu schwiegen, dass dieser Ausdruck in keiner Weise der Isartaler Identität entspreche. Der Junior vom „Ferl“, studierter Agrarier mit Hang zur Promotion, vertritt zu dem die These, dass das Kompositum „Tourist-Information“ grammatikalisch nicht korrekt sei. Wenn, dann „Touristik-Information“.

Ob nun „ik“ oder nicht darüber möchte er nun wirklich nicht diskutieren, wunderte sich ein sichtlich baffer Bürgermeister.

Richtig lustig wurd´s, als Ferdinand Glasl das Wort ergriff. In einer Zeit, wo es vor Bin Ladens und Saddam Husseins nur wimmelt, könne man bei einer Umbenennung des Verkehrsamts nicht auf das Wort „Tourist“ zurückgreifen. „Das hört sich fast genauso an wie Terrorist.“

Einige Lacher später stellte Ulrich Holzer / BWG fest: „ Wir müssen uns doch der Welt anpassen und nicht umgekehrt. “Dieser zündende Satz verfehlte seine Wirkung nicht. Nach 20-minütiger Debatte stimmte der Krüner Gemeinderat dann doch mit großer Mehrheit für das neue Prädikat „Tourist-Information“. Dass sich dorthin auch fiese Vermummte mit Bomben, Granaten und Maschinengewehren verirren, kann wohl ausgeschlossen werden.    

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Gäste werden zur Kasse gebeten - Gemeinderat erhöht Kurbeitrag

von Christoph Schnürer

Krün – Schlechte Nachricht für alle Krün-Urlauber: Sie müssen bei künftigen Aufenthalten noch tiefer in die Tasche greifen. Der Gemeinderat beschloss am Dienstagabend mit 12:1 Stimmen die Erhöhung des Kurbeitrags zum 1.Dezember dieses Jahres. Lediglich Hotelier Georg Schober (Aktiv für Krün/AfK) votierte dagegen. Die Kommune erhoffte sich durch diesem bei Vermietern unpopulären Schritt Mehreinnahmen von rund 35.000 Euro.

„Ob das der richtige Schritt ist?“, fragte Schober, der grade in großem Umfang seinen ,,Alpenhof“ modernisiert und umgestaltet, mit ernster Miene in der Runde.

Wenn´s der Wirtschaft schlecht gehe, müssten Steuer- und Abgabenlast runter und nicht raufgefahren werden. Außerdem habe man erst kürzlich die Bürger vornehmlich bettenstarke Vermieter, durch die Anhebung der Wasserpreise (wir berichteten) zur Kasse gebeten, monierte er. „Irgendwann müssen wir langsamer machen.“

Der Hotelier stand mit seiner Meinung allein auf weiter Flur. „Wir haben doch gar keine andere Wahl“, hielt Mathias Gschwendtner (CSU) seinem Gegenüber Schober entgegen.

„Wir müssen in den sauren Apfel beißen“, ergänzte Leonhard Habersetzer / BWG. Sein Fraktionskollege Ulrich Holzer wurde noch deutlicher. Im Hinblick auf schwindende Gästezahlen meinte er: „Das Ende der Fahnenstange ist lange nicht erreicht.“ Holzer plädierte daher für durchschlagendes Tourismus-Marketing. „Dafür müssen wir Mittel zur Verfügung stellen, und die müssen auch verfügbar sein.“

Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) hatte im Vorfeld der Debatte dargelegt, warum die Gemeinde um eine moderate „Anpassung“ der Kurtaxe nicht herumkomme.

Nicht zuletzt das jährliche Defizit im Fremdenverkehrshaushalt - für 2003 wird ein Minus von 330.000 Euro erwartet - zwinge zu diesem Schritt.

Künftig verlangt die Kommune in der Hauptsaison pro Kurgast zehn Cent mehr, also statt 1,05 Euro nun 1,15 Euro. In der Zeit von Ende Oktober bis Mitte Dezember müssen Urlauber demnächst 60Cent (bisher 55) berappen. Mit den gegebenen Mitteln, so Schwarzenberger, solle versucht werden, Serviceleistung zu erhöhen.

„ Wir können schließlich dem Gast nicht 20 Jahre immer das Gleiche bieten.“ Daher werde das zusätzliche Geld aus der Kurtaxe unter anderem in eine bessere Beschilderung, den Ausbau des Wanderwegenetzes und der Finzbachklamm oder eines optimierten Internetauftritts gesteckt.

„Es wird eine Gegenleistung erbracht“, konstatierte Franz Schropp von der Klaiser Liste. Daher regte der Skischulbetreiber an, künftige Investitionen auf dem Tourismussektor für die Vermieter auch transparent zu machen.

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Donnerstag, 17. Juli 2003

Gäste-Info: Krün forciert das Tempo

Krün - „Wir reden uns noch mal zu Tode“ , beklagte sich Dienstagabend Ulrich Holzer / (BWG) im Krüner Gemeinderat angesichts des leicht ins Stocken geratenen Marketing-Verbunds Oberes Isartal.

Um Worten endlich Taten folgen zu lassen, strebt Krün nun mit Wallgau und Mittenwald eine gemeinsame Gästeinformation an – und zwar bis zum Winter.

Mit dieser Aktion könnten sich die drei Kommunen halbjährlich einige tausend Euro an Kosten sparen, rechnete Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) vor. Sein Vorschlag, die Mitglieder der sogenannten Steuerungsgruppe bei diesem Projekt mit mehr  Kompetenzen auszustatten, wurde ebenfalls mit 12 : 0 Stimmen vom Gemeinderat unterstützt.

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Samstag, 13. Juni 2003

Vor 50 Jahren schlug Geburtsstunde - Krüner Musikkapelle unterhält Gäste seit 1953 mit Kurkonzerten

von Sabine Biehal

Krün - Der Krüner Gemeinderat fasste vor 50 Jahren mit dem Verkehrsamt einen einstimmigen Beschluss: Ab sofort sollte es für die Sommerfrischler Kurkonzerte geben. "Schon damals wollte man mehr für seine Gäste tun", erinnert sich Franz Rauth.

Der ehemalige Flügelhornbläser war ein Mann der ersten Stunde. Er wird am kommenden Mittwoch, 18. Juni, als interessierter Zuhörer sicher dabei sein, wenn die Musikkapelle zum 50-jährigen Jubiläum wie anno dazumal um 19.30 Uhr am Rathausplatz zu einem kleinen Standkonzert lädt. Anschließend geht's hinüber ins "Kurhaus", wo bis zirka 22 Uhr im Festsaal ein Wunschkonzert stattfindet.

Anton Reindl vulgo "Wirt's-Toni", brachte 1953 den Stabs-Musikmeister des 1. Gebirgs-Divisionskorps, Hans Kurz (gestorben 1972), nach Krün. Dieser war der erste, von der Gemeinde bezahlte Dirigent. Als unter dessen Leitung am Rathausplatz das erste Standkonzert gegeben wurde, fand man, wie gesagt, auch den jungen Franz Rauth im Orchester. "Zweimal wöchentlich ist aufgespielt worden, auch in Klais", berichtet er.

Um das heimische Brauchtum zu präsentieren, habe es schon Mitte der 50-er Jahre Werbefahrten gegeben. "Bis nach Frankfurt, Bremen und Sylt sind wir gekommen." Für einen jungen Burschen wie ihn eine halbe Weltreise, meint der heute 69-Jährige, der insgesamt 35 Jahre bei der Musi dabei war.

Auf sage und schreibe 45 aktive Jahre blickt Ludwig Baumann zurück. Wie Rauth hat auch er so manche Höhen und Tiefen der Musikkapelle durchlebt. "Im Endeffekt war ich aber ein leidenschaftlicher Musiker." Gesundheitliche Gründe zwangen ihn, vor zwei Jahren aufzuhören.
Gerne denkt der einstige Tenorhornbläser an die Zeit zurück, als der Proberaum noch im Keller des Rathauses war. "Kam man einmal zu spät", so Baumann, "dachte man freiweg, es brennt dort unten." So viel Zigarettenrauch sei aufgestiegen. Die beiden Ex-Musiker schmunzeln heute noch über die Zeit, in der drei "alte Musikanten" so manche Probe "sprengten" und von ihren Erlebnissen an der Front erzählten. "Es war zwar immer interessant", sagt Baumann, "aber nach etwa einer Stunde entschloss man sich dann doch noch schnell für einen Marsch."
Zwölf Bläser waren es vor 50 Jahren, heute zählt die Kapelle 24 Musiker plus Dirigenten. In der gesamten Ära der Krüner Kurkonzerte waren es insgesamt fünf, die den Taktstock führten. Momentan hat bereits in der zehnten Saison Alfred Höbel aus Uffing die Leitung des Orchesters inne. Von einer bahnbrechenden Veränderung berichtet Hans-Jörg Mayr. "Ende der 70-er Jahre kamen die ersten Mädchen dazu." 1953 sei das noch undenkbar gewesen, fügt der Erste Vorstand an. "Heute hingegen sind die Damen nicht mehr
wegzudenken."
In den vielen Jahren habe sich das Programm der Kurkonzerte "nicht wesentlich" geändert, sagt Mayr. "Es wird zwar jetzt auch Modernes gespielt", aber beispielsweise das Potpourri "Wo die Wolga fließt" mit bekannten russischen Melodien gehöre schon seit über 30 Jahren zum Repertoire.

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Ungepflegt und zu Stoßzeiten restlos überfüllt - Wanderparkplatz in der Kritik

von Christof Schnürer

Krün/Elmau - Der Wanderparkplatz in Elmau ist ein Problem, findet Anwohner Christian Richardsen. Die Stellflächen dort reichten zu Stoßzeiten nicht aus und seien überdies in einem ungepflegten Zustand. "Ich hab' so den Eindruck, keiner fühlt sich dafür verantwortlich."

Sowohl im Krüner Rathaus, als auch im Mittenwalder Forstamt stößt diese Kritik auf Verwunderung. "Das ist ja ganz was Neues", meint Bürgermeister Thomas Schwarzenberger. Ihm gegenüber habe Richardsen, den er persönlich kennt, kein einziges Wort über dieses Thema verloren. Dabei war der Rathauschef wegen der Sanierung der Ferchenbach- und Kaltenbachbrücke (wir berichteten) zuletzt mehrmals in unmittelbarer Nähe des Wanderparkplatzes, der vor gut 20 Jahren aus einer Kiesgrube entstanden war.

Grundstückseigentümer ist der Forst. Dessen Fuhrleute hätten oft genug Schwierigkeiten, mit ihren langen Zugmaschinen sich Weg zu bahnen, so Richardsen, wenn Autos links und rechts am Straßenrand stünden, weil der Wanderparkplatz an besonders schönen Tagen wieder restlos überfüllt sei.

"Bei uns geht's manchmal schon recht wild zu." Richardsens Einschätzung möchte der stellvertretende Mittenwalder Forstdirektor Nikolaus Stöger so nicht teilen. "Ich habe keine Klagen im Ohr." Die Holzfahrer seien in der Regel werktags unterwegs, und da sei das Verkehrsaufkommen auf der Mautstraße, die vom Forst (vier Neuntel), der Gemeinde und Elmau (je zwei Neuntel) sowie Kranzbach (ein Neuntel) unterhalten wird, eher gering. Falls es aber wegen des Wanderparkplatzes tatsächlich Handlungsbedarf gebe, so Stöger, stehe das Forstamt jederzeit für Gespräche bereit.

Gleiches gilt für die Kommune. Bürgermeister Schwarzenberger bemerkt gegenüber dem Tagblatt, dass es schon einmal Überlegungen gegeben habe, vor Schloss Kranzbach eine Fläche anzukaufen, um dort zusätzliche öffentliche Stellplätze zu schaffen. Nur leider musste der mögliche Grunderwerb wegen der Brückensanierung  - Gesamtkosten 35.000 Euro  - und damit fehlender Mittel vorerst verschoben werden. 

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Freitag, 8. Juni 2003

Krünern geht es wieder mal an den Geldbeutel - Gemeinderat erhöht Wasserpreis

von Christof Schnürer

Krün - Die Krüner müssen ab 1. Juli 20 Prozent mehr fürs Wasser bezahlen: Der Gemeinderat stimmte während der jüngsten Sitzung mit 11:2 einer Wasserpreis-erhöhung von einem auf 1,20 Euro zu. Mit diesem für den Verbraucher unpopulären Schritt will die Kommune das Defizit von knapp 100.000 Euro bei diesem Haushaltsposten im Verlauf der nächsten fünf Jahre schrittweise abbauen.

Es ist schon paradox: Wenn der Bürger beim Trinkwasser spart, dann wird er mit höheren Kosten bestraft. In Krün jedenfalls ist der Verbrauch in der Vergangenheit wegen fehlender Gäste, aber auch wegen eines veränderten Umweltverhaltens (Stichwort: Blumenwasser aus der Regentonne) spürbar zurückgegangen.

Wurden im Vorjahr 190.000 Kubikmeter angesetzt, so verkaufte die Gemeinde tatsächlich nur 179 000. Im aktuellen Etat (180.000 Kubikmeter) hat man dieser rückläufigen Entwicklung bereits Rechnung getragen.

Das Landratsamt monierte nun im Rahmen der Haushaltsprüfung vor einiger Zeit, dass es beim bisherigen Wasserpreis von einem Euro zu einer Unterdeckung kommen würde. Das ist nicht im Sinne des Gesetzgebers.

Daher kam der Gemeinderat gar nicht umhin, über eine Neufestsetzung zu debattieren, zumal Krün wegen größerer Investitionen  - neue Wasserleitungen im Zuge des Kanalbaus, Notverbundleitung Krün-Klais  - einen, wie es Mathias Gschwendtner während der Sitzung treffend bezeichnete, gewaltigen "Wasserbauch"  von knapp 100.000 Euro mit sich schleppe.

Schon einmal, Mitte Mai, diskutierte das Gremium über das heikle Thema - ergebnislos. 6 : 6-Unentschieden endete damals die Abstimmung. "Das war gelebte Demokratie", feixte Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU).

Sein Vorschlag, Erhöhung auf 1,20 Euro und Senkung des Wasserpreises, wenn das
Defizit wieder ausgeglichen ist, fand eine breite Zustimmung. Lediglich Leonhard Habersetzer und Franz-Paul Reindl / beide BWG votierten dagegen.

"Es ist ja nicht das einzige, was wir erhöhen müssen", meinte Reindl, der mit seinem Vorschlag (1,15 Euro pro Kubikmeter) gescheitert war.

Auch sein Fraktionskollege Ulrich Holzer hatte Bauchschmerzen. In nur zwei Jahren habe man den Wasserpreis bei Wirtschafts-Nullwachstum um 40 Prozent erhöht. "Das muss man sich mal vorstellen."

"Das sind keine Pipifax-Beträge", gab auch Georg Schober (Aktiv für Krün/AfK) zu bedenken. Er als Hotelier mit einem jährlichen Wasserverbrauch von rund 5.000 Kubikmeter müsse künftig 1.000 Euro mehr berappen, und das bei allgemein rückläufigen Gästezahlen.

Dem hielt Schwarzenberger entgegen, dass Kleinbetriebe mit vier Ferienwohnungen  - und das sind die meisten  - durchschnittlich 450 Kubikmeter benötigten und mit dem neuen Preis pro Jahr erträgliche 75 Euro mehr bezahlen müssten.

"Aber, wenn wir erhöhen, dann spart der Bürger womöglich wieder", warf Klaus Heigl (AfK) ein. "Damit muss man rechnen", räumte der Bürgermeister ein.

"Wir schieben 100.000 Euro Schulden und Zinsen vor uns her", appellierte Mathias Gschwendtner (CSU). "Wir müssen diesen Wasserbauch einfach abbauen." Das sei das Versäumnis des letzten Gemeinderats gewesen.

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Landungssteg oder Kran-Ausleger? - Alte Behelfsbrücke am Finzbach vor Abriss, Suche nach geeigneten Alternativen

von Christof Schnürer

Krün  - Keiner weiß eigentlich, wo sie herkommt, geschweige denn, was sie ursprünglich mal war.

Gemeint ist die ehemalige Behelfsbrücke der Bayernwerke, die nun am Finzbach auf dem Weg zur Krüner Alm vor sich hinrostet. "Früher meinte man, das ist ein Landungssteg von einem Schiff", erzählt Thomas Schwarzenberger. Andere wiederum vermuteten, bei dem Konstrukt handele es sich um den Ausleger eines Krans.

"Letztendlich weiß man gar nichts." Nur, dass das "Ding"  - "Bauwerk" will der Bürgermeister angesichts des fortgeschrittenen Alters schon gar nicht mehr in den Mund nehmen  - aus Sicherheits- und Kostengründen weg muss.

Dabei hatte die Gemeinde Krün die Brücke erst vor zwei Jahren von den Bayernwerken geschenkt bekommen. Diese wusste mit dem Teil, das auf dem Betriebsgelände lange Zeit gelagert hatte, nichts mehr anzufangen und bot es unentgeltlich der Kommune an. Diese willigte ein  - brauchte man doch an der Finz für Wanderer und Radlfahrer nach starken Regenfällen einen passenden Übergang.

Gesagt, getan: Noch zu Sepp Zahlers Zeiten errichtete man an der Furt ein Fundament und baute mit zwei Baggern die 27 Meter lange Brücke auf. So weit, so gut: Dann trat das Landratsamt auf den Plan und wollte für das Vorhaben eine Baugenehmigung.

Diese wäre aber nur mit Auflagen (Feuerbeständigkeit und Standsicherheit) erteilt worden. Und das kostet Geld. Schwarzenberger rechnet vor: Eine komplett überholte freitragende Brücke mit allen Sicherheitsstandards hätte rund 200.000 Euro gekostet.

Nachdem auch Experten, wie der Mittenwalder Statiker Wolfgang Schwind und der Krüner Diplom-Ingenieur Franz Ostler, zum Abriss geraten hatten, waren die Würfel
gefallen.

"Das ist eine tickende Zeitbombe", unterstreicht der Bürgermeister. Er wird demnächst den gesperrten Übergang mit dem Bauausschuss genauer unter die Lupe nehmen. "Ich hoffe, wir finden jemand, der uns die Brücke zum Abfuhrpreis mitnimmt", hofft Schwarzenberger. Mit dem Verkauf des Alteisens könne es dann vielleicht "plus-minus-null" ausgehen.

Gleichzeitig wird nach Alternativen für einen sicheren Übergang der Finz gesucht. Dem Rathauschef schwebt dabei eine kleine Holzbrücke flussabwärts am Stauwehr vor, wenn's nicht zuviel kostet.

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Freitag, 30. Mai 2003

Stromehe" mit Energie-Giganten wird fortgesetzt - Krün verlängert Vertrag mit E.ON

von Rafael Sala

Krün - Die "Stromehe" hat sich bewährt: Daher haben die Gemeinde Krün und die Rechtsnachfolgerin der früheren Isar-Amperwerke, "E.ON-Bayern", ihren - bereits bestehenden - Zustimmungsvertrag vorzeitig verlängert. Damit ist die Versorgung der 1.030 Krüner Stromkunden durch den Energiegiganten für weitere 20 Jahre gesichert.

Vor allem die Gemeinde profitiert von dem Vertrag, denn die Versorgung der öffentlichen Anlagen mit Strom ist auf diese Weise weiterhin gewährleistet.

"Das betrifft insbesondere die Leitungsrechte, etwa bei den Straßenbeleuchtungen oder Ampelanlagen", informiert Bürgermeister Thomas Schwarzenberger.

Insgesamt bewertet der Rathauschef die Arbeiten mit dem Energielieferanten positiv. "Wir haben keine Probleme damit, den Vertrag mit E.ON vorzeitig zu verlängern." Eine Einschätzung, die der Generalbevollmächtigte des Unternehmens, Dr. Albrecht Schleich, teilt: "Die 1998 in Kraft getretenen Änderungen des Energierechts ließen es sinnvoll erscheinen, den bestehenden Vertrag neu zu verhandeln." Die Absprachen, die zwischen E.ON und der Kommune erfolgt seien, hätten zu einer Vereinbarung geführt, "die den Bedürfnissen der Gemeinde entspricht, der Energierechtsreform Rechnung trägt und beiden Vertragspartnern eine überschaubare lange Planungssicherheit garantiert."

Im Gegenzug räumt die Gemeinde dem Unternehmen das Recht ein, weiterhin Versorgungsanlagen auf öffentlichen Grundstücken zu errichten und zu betreiben; oder, konkret gesagt, die Möglichkeit für das Energieunternehmen, Kabel und Leitungen unter die öffentlichen Wege zu legen.

Die Zusammenarbeit zwischen der Kommune und E.ON hat eine lange Tradition. Bereits im Jahre 1937 wurde mit den "Isarwerken", wie das Energieunternehmen damals im Volksmund hieß, der erste Zustimmungsvertrag für Krün zur Elektrizitätsversorgung der Bürger unterzeichnet.

Energie war zu jener Zeit recht teuer: Lichtstrom beispielsweise kostete damals stolze 60 Pfennig pro Kilowattstunde, was einem aktuellen Preis von mehreren Euro entsprechen würde, während der Kraftstrom - also solcher für den Antrieb von Motoren - nur mit 25 Pfennig pro Kilowattstunde abgerechnet wurde.

Nur wenige Lampen erhellten 1937 die Straßen von Krün; heute hingegen sorgen etwa 220 Leuchten mit einem Anschlusswert von elf Kilowatt dafür, dass die Krüner hinreichend mit Beleuchtung versorgt werden; "und das zu Strompreisen, die Lichtjahre unter denen von 1937 liegen", wie Schleich hervorhebt. Der Strombedarf der Gemeinde beträgt rund sieben Millionen Kilowattstunden jährlich.

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Samstag, 23. Mai 2003

Frischer Wind für die Jugend - Große Resonanz auf Projekt

von Silvia Schropp

Krün -  Nach mehreren Treffen zwischen Organisatoren und Gemeindevertretern haben sich jetzt erstmals im Rahmen der Veranstaltung „Gemeinsam aktiv werden“ Jugendliche selbst zu Wort gemeldet, um ihren Vorstellungen von Freizeitaktivitäten Ausdruck zu verleihen.

Für viele Projekte ist damit der Startschuss gegeben, andere wiederum müssen erst einmal zurückgestellt werden.

„Wir wollen etwas für die Jugend tun“ – so lautet ein beinahe schon floskelhaftes Wahlversprechen aller Parteien. Liegen die Stimmzettel dann in den Urnen, sieht die Wahrheit oft ganz anders aus: kein Geld, keine Zeit, keine Räumlichkeiten und vor allem kein Programm.

Diese Misere ist aber nicht zwangsläufig, was die Gemeinde Krün mit ihrer Initiative „Forum für die Jugend“ in Krün jetzt beweisen will.

Vertreter aller politischen Gruppierungen haben sich zusammengeschlossen und planen ein kontinuierliches Programm für und vor allem mit den Jugendlichen in Krün und Umgebung.

Am Donnerstagnachmittag stand ein erstes Treffen der Initiative mit interessierten Jugendlichen zwischen zehn und 16 Jahren auf dem Programm. Mehr als 50 junge Leute fanden den Weg in den Büchereisaal des Feuerwehrhauses und wollten wissen, wie ernst es der Gemeinde und dem Bürgermeister mit ihren Anliegen wirklich ist.

Der Rahmen für diese Ideensammlung wurde von Mitarbeitern des Jugendamtes Garmisch-Partenkirchen vorgegeben. Die Jugendbeauftragten des Landkreises, Markus Kölling und Stephan Märte, hatten alle Hände voll zu tun, Kritik, Anregungen und Vorschläge in geregelte Bahnen zu lenken. Bunte Zettel waren der Schlüssel zum Erfolg: Die Kinder und Jugendlichen konnten ihre Meinung, negativ wie positiv, und auch ihre Wünsche und Vorstellungen sowie ihre Kritik aufschreiben und anonym zurückgeben.

„Diese Methode hat den Vorteil“, erläutert Kölling, „dass die Kinder sich trauen können, ihre Meinung auch wirklich zu sagen, ohne sich vor den anderen bloßzustellen.“ Der Erfolg der Aktion gibt im recht: Wünsche nach einem Discoabend und einer Grillaktion konnten sogar mit konkreten Terminen festgemacht werden, und die Wiederbelebung des Jugendraumes nahm Gestalt an. Auch recht anspruchsvolle Vorschläge wie zum Beispiel der Bau eines Schwimmbades oder einer Kletterwand wurden gemeinsam besprochen. Dabei zeigten die Jugendlichen großes Verständnis dafür, dass vieles am finanziellen Rahmen der Gemeinde scheitern muss. Für andere Ideen, beispielsweise ein Inline-Skate-Platz oder eine Go-Cart-Bahn, konnten dagegen Kompromisse gefunden werden: Warum nicht, so der Vorschlag der Initiatoren, einen Tag lang einen öffentlichen Parkplatz sperren, Rampen beim Kreisjugendring organisieren und eine Skate-Tag ausrufen ? Oder anstatt der nicht realisierbaren Go-Carts ein Seifenkisten-Rennen organisieren.?

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Wasserpreise bleiben stabil trotz Defizits - Räte können sich nicht einigen

von Hari Obermeier

Krün – Für seinen Antrag, an der Preisschraube der gemeindlichen Wasserversorgung zu drehen, konnte Bürgermeister Thomas Schwarzenberger auf der Gemeinderats-sitzung am Dienstag  keine Mehrheit gewinnen.

So bleibt der Kubikmeterpreis von einem Euro zunächst fix. Das Defizit von 75.000 Euro, das bisher über den Haushalt finanziert werde, sei künftig nicht mehr zu leisten, appelliert Schwarzenberger an die Räte. ,,Eine Steigerung auf 1,20 Euro würde bei einem normalen Haushalt mit rund 18 Euro pro Jahr zu Buche schlagen, bei größeren Häusern mit rund 100 Euro.“ Der Gemeinde würden dadurch allerdings Mehreinnahmen von rund 8.000 Euro jährlich zufallen, die für bevorstehende Investitionen dringend gebraucht würden.

Eine scheinbare ,,never ending story“ sei überdies nach den Worten Schwarzenbergers zu Ende gegangen. Endlich steht der Beschluss, ein Kiesfang-Becken neben der Kranzbachbrücke an der Verbindungsstraße zwischen Krün und dem Barmsee an zulegen. Da die Gemeinde das Grundstück zur Verfügung stellt und evtl. Rodungsarbeiten übernimmt, fallen für das E.ON-Projekt keine weiteren kommunalen Kosten an. Schwarzenberger: „Und wir profitieren durch den verbesserten Hochwasserschutz“.

Dem sind auch die Maßnahmen am Kranzbach in Klais geschuldet. Rund 186.000 Euro muss die Gemeinde innerhalb zweier Jahre für Damm und Überflutungskanal berappen. Dem Antrag, Unterhaltszahlungen abzulehnen und auf den Freistaat umzulegen wurde dann auch einstimmig stattgegeben.

Aus Sicht der Gemeinde erfreulich ist die Rücküberweisung von Bauzeitzinsen in Höhe von 52.000 Euro. Während des Baus der gemeinsamen Kläranlage fürs Obere Isartal haben die federführenden Mittenwalder Gemeindewerke trotz stets fristgerechter Überweisungen Krün die Zinsen in Rechnung gestellt. Bürgermeister Schwarzenberger: „Diese Rückforderung fließt aber nicht in den Haushalt, sondern wird an die Bayerngrund überwiesen. Wir tilgen damit unseren Kredit zur Finanzierung des Kanalbaus.“

 Einig waren sich die Ratsmitglieder auch in puncto Sanierung der Kurhausterrasse. Die Ausschreibung ergab ein Kostenvolumen in Höhe von 8400 Euro für die dringend notwendige Erneuerung des Belags. Der Auftrag soll noch in diesen Tagen vergeben werden.

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Dienstag, 15. April 2003

Gekränkter Stolz oder Zivilcourage ? - Habersetzers Rolle beim Krüner Wahlfälscher-Skandal

von Christof Schnürer

Krün/Oberstaufen - Über den Krüner Wahlfälscher-Skandal ist noch lange kein Gras gewachsen. Nun meldete sich der überführte Ex-Gemeinderat August Hanser aus Oberstaufen zu Wort. Seine Kritik richtet sich zum einen an den Briefwahlausschuss, der trotz Verschwiegenheitspflicht offenbar Dinge nach außen getragen habe, zum anderen an den, der den Stein ins Rollen brachte:

Leonhard Habersetzer. Nicht die Gemeinde, sondern der Mann von der Bürgerlichen Wählergemeinschaft (BWG) war es nämlich, der den Prozess gegen seinen einstigen Kollegen von der Klaiser Liste durch gezielte Nachforschungen erst möglich gemacht hatte.

Und das hat laut Hanser auch seinen Grund: Habersetzer sei gekränkt gewesen, weil er im Mai 2002 nicht Zweiter Bürgermeister geworden sei. Dazu hätte er nämlich seine Stimme gebraucht. Die aber gab der Zillertaler lieber seinem Fraktionskollegen Klaus Koppe, der daraufhin tatsächlich Zweiter Bürgermeister werden sollte.

Im Vorfeld der Wahl  - das bestätigen Habersetzer und Hanser unisono  - hat es zwischen den beiden zwei Vorgespräche im Wallgauer Golfclub und auf Schloss Kranzbach, wo Hanser bis Herbst 2002 beschäftigt war, gegeben. "Wir haben dabei nicht übers Wetter geredet", meint Hanser.

Vielmehr habe man über kommunalpolitische Standpunkte gefachsimpelt. Dabei warb Habersetzer um Unterstützung bei der Wahl zum Zweiten Bürgermeister.

Soweit decken sich die Aussagen. Während nun aber Habersetzer davon spricht,
dass ihm "per Handschlag" Hilfe bei seinen Ambitionen zugesagt worden sei,
versichert Hanser in einem Schreiben an Bürgermeister Thomas Schwarzenberger: "Eine definitive Zusage in Form eines Handschlags wurde nie vollzogen."

Dem Tagblatt gegenüber betont der Österreicher: "Ich bin alt genug, um zu wissen, wen ich wähle." Nachdem er gehört habe, dass sein Fraktionskollege es machen wolle, war für ihn die Entscheidung klar.

Das ist wohl nicht die ganze Wahrheit, glaubt sein Kontrahent Habersetzer. Dieser informierte den Gemeinderat in einer schriftlichen Stellungnahme Mitte Mai 2002, dass ihm Hanser nach der konstituierenden Sitzung im Toilettengang des Gasthofs "Schöttlkarspitz" unter vier Augen von einem Telefonat berichtete. Demzufolge habe eine dritte Person Hanser nahe gelegt, er solle bei der Wahl des Zweiten Bürgermeisters den Kandidaten, der von der Partei des neuen Kreisbrandrates (Anm. d. Red.: der CSU, die für den Klaiser Koppe war) unterstützt wird, wählen. Ansonsten, so heißt es in Habersetzers Schreiben sinngemäß, drohten Repressalien beim Brandschutz in sechsstelliger Höhe auf Schloss Kranzbach (Anm. d. Red.: Hanser war dort zum damaligen Zeitpunkt noch als Manager tätig).

Dieses Telefonat bestätigt auch Hanser in einem Schreiben vom 16. Mai 2002 an den Bürgermeister. Darin heißt es: "Ich erklärte ihm (Anm. d. Red.: Habersetzer), dass ein Anruf kurz vor Sitzungsbeginn einging, der mir einen Gedankenanstoß gab."

Dem Tagblatt gegenüber meint Hanser, es sei "ein freundschaftlicher Rat" und keinesfalls eine Drohung, die seine Wahl beeinflusste, gewesen. Habersetzer jedenfalls
sah das anders und informierte in besagtem Dossier seine Gemeinderatskollegen. Das sei der Ursprung gewesen, so Hanser, warum der verhinderte Zweite Bürgermeister in Sachen Wahlfälscherei aktiv wurde. "Er hat aus gekränktem Stolz gehandelt, und das stimmt mich nachdenklich."

Dieses Motiv weist Habersetzer entschieden zurück. "Damit lebe ich schon lange, wenn ich da ständig gekränkt wäre, wo käme ich da hin?" Er habe es schlicht für seine Bürgerpflicht gehalten, den nicht enden wollenden Gerüchten der Wahlfälscherei nach zu gehen. Noch dazu, da er Mitte Dezember vergangenen Jahres "massiv" von Hanser bedroht worden sei, weil dieser erfahren hatte, dass Habersetzer der Staatsanwaltschaft die Ungereimtheiten bei der Briefwahl gemeldet hatte.

Diese stellte das Verfahren mangels Beweisen nach drei Monaten wieder ein. Erst nach Hansers Drohanruf habe er (Habersetzer) sich zum eigenen Handeln gedrängt gefühlt und einen Zeugen, der die Wahlfälscherei bestätigen konnte, ausfindig gemacht. Und so nahm die Geschichte den bekannten Lauf.

Bereits in der Wahlnacht war von Mauschelei die Rede. Irgendwie drangen vom Briefwahlausschuss Gerüchte nach außen. Vorsitzender dieses Gremiums war Ex-Gemeinderat Alfred Kröll. Er wollte zu den Indiskretionen nichts sagen." Der Fall ist abgeschlossen." Auch die Frage, warum im Wahlprotokoll kein Vermerk über die ominösen Wahlscheine gemacht wurde, ließ er unbeantwortet.

In einem Schreiben der Staatsanwaltschaft, das Habersetzer dem Tagblatt zur Verfügung stellte, steht allerdings: "Hinsichtlich der Briefwahlstimmzettel berichten die Zeugen zwar über eine Anzahl von zwischen 10 und 17 Stimmzetteln, auf denen jeweils nur 3 Stimmen zu Gunsten August Hansers vergeben wurden. Einzelne Zeugen bekunden darüber hinaus, dass die Zahl 3 auf diesen Stimmzetteln jeweils gleich ausgesehen habe und jeweils mit einem gleichfarbigen Stift geschrieben worden sei..."


KOMMENTAR - Motiv ist zweitrangig

Leonhard Habersetzer hat den Wahlfälscherskandal mehr oder weniger im Alleingang aufgedeckt. Das ist Fakt, und diese Zivilcourage verdient allerhöchste Anerkennung. Das Motiv, warum er es getan hat, ist absolut zweitrangig. Es zählt das Resultat, und das ist die Klärung eines in Krün unerhörten und hoffentlich einmaligen Vorgangs.

Wie alle anderen Krüner hat Habersetzer, der nicht im Briefwahlausschuss tätig war, von den Mauscheleien durch nicht enden wollendes Getratsche im Dorf erfahren. Jeder hätte nun diesen Gerüchten nachgehen, den Fall publik machen können, auch die Gemeinde. Sie tat es nicht beziehungsweise erst im zweiten Anlauf. Geklärt werden sollte aber auch, warum der vereidigte Briefwahlausschuss trotz einiger ominöser Stimmzettel nichts im Protokoll vermerkt hat.

Dann hätte nämlich das Landratsamt dem Fall rechtzeitig nachgehen können. Womöglich hätte es dann sogar eine Wahlwiederholung gegeben. So aber ist das Ganze verjährt.

Ebenso ist es Fakt, dass Zweiter Bürgermeister Klaus Koppe die entscheidende
Stimme von einem Wahlfälscher bekam. Wäre es da nicht ein Gebot demokratischer Gepflogenheiten, sein Amt wegen dieses Makels niederzulegen, um sich gleichzeitig einer Wiederwahl zu stellen?

Eines sollte ebenso konstatiert werden: Der komplette Gemeinderat  - mit Ausnahme von Leonhard Habersetzer  - hat sich in der ganzen Affäre nicht gerade mit Ruhm bekleckert. So etwas darf sich keinesfalls mehr wiederholen.

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WAHLFÄLSCHERSKANDAL: DER HINTERGRUND

Bei der Kommunalwahl am 3. März 2002 in Krün wurden bei der Briefwahl in 13 Fällen Stimmzettel gefälscht. Urheber und Nutznießer war der spätere, mittlerweile ausgeschiedene Gemeinderat August Hanser. Dieser wurde vor gut zwei Wochen für schuldig erklärt und zu 4.000 Euro Geldstrafe verurteilt.

Den Skandal, den die ermittelnde Staatsanwaltschaft bereits zu den Akten gelegt hatte, rollte durch Eigeninitiative Gemeinderat Leonhard Habersetzer im Dezember des Vorjahres noch einmal auf. Nachdem er eine Zeugin auf Schloss Kranzbach für den Betrug ausfindig gemacht hatte, wurde die Gemeinde aktiv und schaltete Anfang des Jahres erneut den Staatsanwalt ein.

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Montag, 7. April 2003

Gemeinde spart Kosten für Baugebiete - "Bayerngrund" neuer Träger

von Rafael Sala

Krün - Im Rahmen eines Grundsatzbeschlusses hat sich der Krüner Gemeinderat auf der jüngsten öffentlichen Sitzung darauf verständigt, Baugebiete künftig über die "Bayerngrund", eine Tochter der Bayerischen Landesbank, verwalten zu lassen.

Damit muss sie sich nicht mehr an den Kosten, die für Erschließungsmaßnahmen in diesen Gebieten anfallen, beteiligen.

Einhellig begrüßten die Fraktionen die Anregung von Erstem Bürgermeister Thomas Schwarzenberger. "Mit dieser Regelung haben wir nur Vorteile", lobte etwa Ulrich Holzer von der Bürgerlichen Wählergemeinschaft.

Dem schloss sich auch Georg Schober (Aktiv für Krün) an: "Für beide hat das einen Nutzen: für die Gemeinde, weil ihr keine Kosten mehr entstehen, und für Bayerngrund als dem Träger."

War die Gemeinde bisher mit mindestens zehn Prozent an den Kosten zur Erschließung und zum Ausbau von Baugebieten beteiligt, kann sie über den neuen Verwalter den finanziellen Aufwand jetzt zu 100 Prozent auf die Anlieger umlegen. Dies betrifft vor allem die Bereiche Strom, Energie, Wasser und Infrastruktur, die jetzt nicht mehr anteilig durch die öffentliche Hand abgedeckt werden müssen. "Bei der momentanen Haushaltslage ist das eine große Entlastung für uns", zeigte sich Schwarzenberger sichtlich zufrieden.

Er verwies darauf, dass eine finanzielle Beteiligung nur dort sinnvoll  - und notwendig - sei, wo die Interessen der Allgemeinheit berührt würden. "Das ist bei Baugebieten nicht der Fall."

Für Schwarzenberger kam das Angebot von Bayerngrund wie gerufen: "Die Alternative hätte darin bestanden, selbst finanzielle Mittel vorzuschießen, was wir uns momentan nicht leisten können."

Zudem hob er hervor, dass man mit dieser Einrichtung immer positive Erfahrungen gemacht habe. "Wir sind hochzufrieden." So seien bayernweit bereits viele Projekte im Rahmen des Einheimischenmodells über dieses Geldinstitut abgewickelt worden.

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Freitag, 28. März 2003

Anwohner werden nicht zur Kasse gebeten - Gemeinde zahlt Isarverbauung

von Rafael Sala

Krün - Obwohl die Kostenbeteiligung für die Hochwasserverbauung von Isar und Kranzbach die Krüner Gemeinde vor einen enormen finanziellen Kraftakt stellt, denkt man im Rathaus nicht darüber nach, die anfallenden Beträge anteilig auf die einzelnen Anwohner umzulegen.

Die Gemeinde will vielmehr selbst für die Summe in Höhe von 440.000 Euro aufkommen (wir berichteten).

Das hatten die Kommunalpolitiker während der jüngsten öffentlichen Sitzung einstimmig beschlossen. Voran gegangen war eine ebenso lebhafte wie einvernehmliche Diskussion, wie künftig in Sachen Hochwasserschutz verfahren werden solle.

"Nichts zu machen, ist für mich keine Alternative", stellte dabei Bürgermeister Thomas Schwarzenberger klar. Denn: "Das nächste Hochwasser kommt bestimmt." Auch die Option, die Bewohner der jeweiligen Anwesen an den Kosten zu beteiligen, kam für ihn nicht in Frage.

Das aus gutem Grund, denn das rechtliche Verfahren, das eine Beteiligung ermöglichen würde, ist kompliziert. Das Landratsamt hat zwar die Möglichkeit, einen entsprechenden Bescheid zu erlassen - die Anwohner können jedoch dagegen über verschiedene Instanzen klagen und das Verfahren so in die Länge ziehen. Bürokratische Hürden täten ein übriges, dieses Vorhaben einem ungewissen Ausgang entgegenzuführen.

Abgesehen von den juristischen Schwierigkeiten sieht Schwarzenberger die Kommune aber an erster Stelle in einer Fürsorgepflicht. "Ich bin der Meinung, dass die Kosten solidarisch geleistet, also von der Gemeinde aufgebracht werden müssen." Dem schlossen sich alle Fraktionen an. "Diesen Argumenten gibt es nichts hinzuzufügen", bekräftigte etwa Zweiter Bürgermeister Klaus Koppe (Freie Wähler Klais).

Ulrich Holzer von der Bürgerlichen Wählergemeinschaft (BWG) hingegen sieht vor allem die "gewachsene Dorfstruktur" in Gefahr, würde es zu einer Umlegung kommen. Es sei zwar denkbar, für zuziehende Anwohner die Regelung zu ändern und sie an Hochwasserschutzkosten zu beteiligen; von den jetzigen Anwohnern könne man dies jedoch nicht verlangen. "Das ist keinesfalls vertretbar." Das bestätigte Koppe mit dem Hinweis, dass auch Klais ein gewachsener Ortsteil sei.

Zudem gab Schwarzenberger zu bedenken, dass es enorm schwierig sei, einen gerechten Aufteilungsschlüssel für die Umlegung zu finden. Die Gemeinde plant jetzt, die Verbauungsmaßnahmen über eine Kreditaufnahme zu finanzieren. 270.000 Euro sollen dieses Jahr, die fehlenden 170.000 dann 2004 aufgenommen werden.

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Die Reise geht nach Steingaden - Dienstleistungsunternehmen "Neumann & Neumann" verlässt Krün

von Christof Schnürer

Krün - Schlechte Nachricht für Krün: Mit der Beratungs- und EDV-Firma "Neumann & Neumann" verlässt eines der innovativsten Unternehmen - so zumindest urteilte unlängst das namhafte Fraunhofer-Institut - die Region. "Wir wollten bauen, und der Gewerbegrund hier war uns einfach zu teuer", berichtet Eva Neumann, die 1992 mit ihrem Bruder die Firma gegründet hatte.

In Steingaden (Landkreis Weilheim-Schongau) sei man schließlich fündig geworden. Dort erwarben die Geschwister Neumann für "ein Viertel des Krüner Preises" ein 2.000-Quadratmeter-Areal, auf dem momentan ein kombiniertes Wohn- und Geschäftshaus inklusive Pferdestall entsteht. Der Umzugstermin ist für Mitte des Jahres avisiert.

Steingadens Bürgermeister Xaver Wörle reibt sich schon jetzt die Hände. Es werde zwar noch einige Zeit ins Land gehen, ehe er sich über die erste Gewerbesteuer freuen könne, "aber wichtig ist, dass hier neue Ausbildungs und Gewerbe-Arbeitsplätze geschaffen werden."

Tatsächlich siedeln Eva und Oswald Neumann mit 14 Angestellten von Krün nach
Steingaden über. Und dabei werde es nicht bleiben, verspricht Eva Neumann. "Jetzt geht's erst richtig los."

Die Erfolgsgeschichte des Unternehmens, die vor elf Jahren begann, hat sich inzwischen auch in Südkorea herumgesprochen. Angeregt von einer Expertise des Fraunhofer-Instituts, das das Noch-Isartaler Unternehmen vor einiger Zeit auf Herz und Nieren geprüft hatte, kam diese Woche ein Fernsehteam um Dokumentarfilmer Jai-Hoon Cho sowohl nach Krün als auch nach Steingaden, um den Neumanns einmal über die Schulter zu blicken.

Dabei legte Oswald Neumann, der ehemalige Direktor von Schloss Elmau, wert auf die Feststellung, dass es bundesweit nur etwa drei bis vier Firmen mit gleicher Ausrichtung gebe und sein Unternehmen sogar über ein Patent verfüge.

Was genau machen "Neumann & Neumann"? Ganz einfach: Sie erbringen infrastrukturelle Dienstleistungen. So wird etwa das Preis-Leistungs-Verhältnis bei großen Firmen im Hinblick auf Reinigung, Catering und Außenanlagen überprüft.

Die Arbeit der "Steingadener in spe" beschränkt sich aber nicht nur auf die Hotellerie, sondern auch auf die Organisation von Dienstleistungen in Kliniken oder Altenheimen. "Das Geschäft läuft", betont Eva Neumann. Aber nicht nur in Deutschland. Mittlerweile habe man Partner in der Schweiz, in Österreich, Frankreich und Italien.

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Mittwoch, 5. Februar 2003

Staatsanwalt ermittelt wegen Wahlbetrugs Krün: - Ex-Gemeinderat geständig

von Christof Schnürer 

Krün - Die kleine Isartalgemeinde Krün hat einen handfesten Skandal: Bei der Kommunalwahl am 3. März 2002 wurden nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft bei der Briefwahl in elf Fällen Stimmzettel gefälscht. Und zwar zugunsten des späteren Gemeinderats August Hanser.
Dieser legte gestern in Garmisch-Partenkirchen ein umfassendes Geständnis ab. Mittlerweile ist der 47-jährige Österreicher gegen Kaution wieder auf freiem Fuß.

Nach dem großen Wahlskandal in Dachau gibt es also nun im 2000-Seelenort Krün die kleine Variante.

"Ich bin froh, dass ich da noch nicht im Amt war", betont Bürgermeister Thomas Schwarzenberger in einer ersten Stellungnahme. Gleichzeitig versichert der seit Mai 2002 amtierende Rathauschef: "Wir haben nichts behindert und nichts vertuscht."

Und damit sind die Ermittlungen gemeint, die wenige Monate nach dem Urnengang im März angelaufen waren. Der Anfangsverdacht der Briefwahlfälschung erhärtete sich zunächst jedoch noch nicht.

Das Gerücht, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugegangen sei, hielt sich indes hartnäckig. Nahrung für diese Vermutung gaben mehrere ominöse Stimmzettel, auf denen offensichtlich lediglich bei August Hanser Kreuzchen gemacht wurden. Was bei einer Kommunalwahl eher untypisch ist.

Licht ins Dunkel kam aber erst Anfang Januar: Eine "dritte Person", so der ermittelnde Staatsanwalt Dr. Rüdiger Hödl vom Landgericht München II, habe den Weg zu einer EU-Ausländerin auf Schloss Kranzbach geebnet. Diese arbeitete dort im gleichnamigen Hotel, wo Hanser zwischen 1997 und Ende 2002 Geschäftsführer war. Die Zeugin bestätigte gegenüber den Ermittlern schließlich den Wahlbetrug. Der sah wie folgt aus: Hanser, der für die Klaiser Liste kandidierte, füllte in elf Fällen zum Teil mit und zum Teil ohne Wissen der Belegschaft deren angeforderte Briefwahlformulare aus und machte die Kreuzchen an der "richtigen Stelle". In einigen Fällen habe er sogar bei der eidesstattlichen Versicherung die Unterschriften gefälscht, so Dr. Hödl, was wiederum einer Urkundenfälschung gleichkomme. Als genügend Indizien zusammengetragen waren, schritt die Staatsanwaltschaft zur Tat.

Mitte Januar wurde Hanser in Untersuchungshaft genommen. Er hatte sein Mandat bereits nach einem halben Jahr Ende Oktober 2002 aus beruflichen Gründen - er übernahm als Pächter das Kurhaus in Oberstaufen - niedergelegt.

Nach seinem vollen Geständnis trat er gestern wieder die Rückreise ins Allgäu an. Schlimmstenfalls droht dem Gastronomen nun eine fünfjährige Gefängnisstrafe. Auf alle Fälle muss er mit einer saftigen Geldstrafe rechnen.

Hanser (449 Stimmen) war am 3. März denkbar knapp mit einem Vorsprung von 14 Stimmen gegenüber seinem Listenkollegen Franz Schropp (435) für die Freien Wähler Klais als erster Österreicher im Landkreis in den Gemeinderat eingezogen.

Mit seiner mutmaßlichen Fälscherei hat sich der gebürtige Zillertaler also möglicherweise wahlentscheidend nach vorne gehäufelt.

Das Landratsamt in Garmisch-Partenkirchen, das die Wahlergebnisse der einzelnen Kommunen überprüft, teilte gestern dem Tagblatt mit: "Aus den Unterlagen der Gemeinde Krün ergaben sich keine Hinweise auf mögliche Unregelmäßigkeiten." Da dem Landratsamt innerhalb der vom Gesetzgeber vorgegebenen Vier-Monatsfrist keinerlei Belege auf Manipulation vorgelegen seien, könne die Krüner Wahl nun, knapp ein Jahr später, nicht mehr angefochten werden.

In den zurückliegenden 30 Jahren hat es im Landkreis erst einen vergleichbaren Fall gegeben.

Bei der Bürgermeister-Stichwahl in Eschenlohe wurden Wähler bei ihrem Votum beeinflusst. Das Landratsamt erklärte daraufhin den Urnengang für ungültig, was 1974 vom Verwaltungsgerichtshof bestätigt wurde. 1975 gab es Neuwahlen.

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Jetzt kommt der Feinschliff - Organisatoren treffen letzte Vorbereitungen für Weltmeisterschaft Krün/Mittenwald

von Wolfgang Kunz

Das Ziel ist klar: "Wir wollen ein perfekter Gastgeber bei der ersten Bogenbiathlon-Weltmeisterschaft auf deutschem Boden sein", bekräftigt Krüns Bürgermeister Thomas Schwarzenberger auch im Namen seines Mittenwalder Amtskollegen Hermann Salminger. "Schließlich wird dieses Ereignis weltweite Beachtung finden und fremdenverkehrsmäßig bestimmt positive Auswirkungen haben."

Akribisch planen die beiden Gemeinden zusammen mit dem Skiclub Krün, dem Bogenschützenclub Mittenwald und vielen anderen Organisationen diese WM, die von 10. bis 16. Februar Sportler aus aller Herren Länder ins Isartal locken wird.

Auf einer von Schwarzenberger einberufenen Sitzung im Krüner Kurhaus besprach das Organisationskomitee letzte Details. Der Zeitplan und das Programm stehen, in Krün ging es nur noch ums "Eingemachte".

Neben dem Ski- und Bogenschützen-Club tragen die Freiwillige Feuerwehr (Verkehrsregelung), die Wasserwacht (Sanitätsdienst im Zielraum), die Bergwacht (Sanitätsdienst auf der Strecke), der Touristikverein (Verpflegung und Unterhaltung), die Musikkapelle, der Förderverein Biathlon Werdenfels sowie die beiden Gemeinden Mittenwald (Eröffnungsfeier) und Krün ("WM-Party" und Schlussfeier) ein gehöriges Maß an Verantwortung - denn auch gesellschaftlich sollen diese Titelkämpfe ein Top-Ereignis werden.

In Mittenwald bereitet sich Bürgermeister Hermann Salminger mit den Vertretern von Musikkapelle, Skiclub und Verwaltung auf die Eröffnungsfeier vor.

Am kommenden Dienstag, 11. Februar, werden sich die Nationalteams um 18 Uhr am Dekan-Karl-Platz aufstellen. Im Fackelmarsch geht es dann zur Kuranlage "Puit". Dort findet vor zahlreichen Ehrengästen die offizielle Eröffnungsfeier statt.

Wiederum in Krün steigt am Donnerstag, 13. Februar, nach dem Verfolgungsrennen ab 18 Uhr auf dem Dorfplatz das große "WM-Schneefest" für Jung und Alt. Gegen 19.30 Uhr können die Besucher dann die weltbesten Bogenbiathleten hautnah bei der Siegerehrung erleben, bevor das "Schneefest" mit Stimmung, Tanz und guter Laune weiter geht.

Nicht nur sportlich, sondern auch gesellschaftlich soll also die Bogenbiathlon-Weltmeisterschaft im Werdenfelser Land den Gästen aus nah und fern in Erinnerung bleiben. Das zumindest ist die Absicht der Veranstalter. Dem oft zitierten stagnierenden Fremdenverkehr im Oberen Isartal könnte diese prestigeträchtige Veranstaltung einen zusätzlichen Schub geben.

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Sie sorgen für einen perfekten Ablauf Organisation läuft auf Hochtouren Krün

von Sabine Biehal

Leonhard Kriner kontrolliert seit einiger Zeit fast täglich die Loipenverhältnisse. "Ich bin zufrieden mit den Vorbereitungen", sagt der Streckenchef ein wenig stolz. Bis auf "Kleinigkeiten" sei die Strecke gut präpariert. "Nur bei einem Anstieg muss die Spur noch etwas verbreitert werden."

Der Schneefall und die kühlen Temperaturen stimmen die Verantwortlichen der diesjährigen Bogenbiathlon-Weltmeisterschaft in Krün zuversichtlich. Sollten sich die Wetterverhältnisse ändern, könne jedoch auch jederzeit auf Kunstschnee zurückgegriffen werden, betonen sie.

Gegenüber den Europacup-Meisterschaften hat sich die Strecke komplett geändert. "Bei einer Weltmeisterschaft ist beispielsweise ein Höhenunterschied von 50 Metern vorgegeben", erklärt der Streckenchef.

Ob die generellen Sicherheitsbestimmungen eingehalten worden seien, überprüfe am kommenden Montag ein technischer Delegierter der IBU. Gelassen meint Kriner: "Sollte dann noch etwas sein, bleibt genügend Zeit, um nachzubessern." Bisher hat es noch nie Beanstandungen gegeben.

Seit gut vier Monaten planen und organisieren unzählige Helfer die Veranstaltung. Wolfgang Holzer ist für den Aufbau verantwortlich: "An Wachszelte, Absperrungen, Parkplätze, Startnummern, Beflaggung und an vieles mehr muss gedacht werden".

Er erklärt, dass die Schießstände mit Klappscheiben, auf die aus 18 Metern Distanz gezielt wird, vom BSC Mittenwald errichtet werden. Da es sich um eine Weltmeisterschaft handelt, sei eigens eine Firma mit der Zeitmessung beauftragt worden.

Für das leibliche Wohl der Sportler und der Zuschauer sorgt der SC Krün mit Würstl, Leberkäs, Eintopf und heißen Getränken. "Als besonderes Schmankerl will man einen Videofilm drehen", berichtet Bernd Görz. Dieser Film soll bei der Siegerehrung am Rathausplatz präsentiert werden.

Das Interesse "vor allem bei den Gästen ist groß", freut sich Herbert Emmerdt. Dies bestätigen seine Erfahrungen von den Europacup-Meisterschaften der Vorjahre. Für die diesjährige Veranstaltung haben sich bereits mehrere Busse auswärtiger Schützenvereine angekündigt. "Sportler aus Japan und Russland sind bereits im Oberen Isartal eingetroffen", weiß er.

"Wir wünschen uns eine unfallfreie und würdige Weltmeisterschaft", meint der Streckenchef und damit spricht er wohl allen Beteiligten aus dem Herzen.

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Dienstag, 21. Januar 2002

Einmalige "Zwangsehe" - VG Krün-Wallgau würde heuer 25 Jahre alt werden

von Christof Schnürer

Wallgau/Krün - Eine Freiheitsstatue in Wallgau? Die Autofahrer, die am Silvestertag 1979 die Finzbachbrücke am Südende der Isartal-Gemeinde passierten, staunten nicht schlecht, als sie dieses zwei Meter hohe hölzerne Monument erblickten. Aufgestellt hatte es ein Trio aus dem Nachbarort. Es wollte damit nicht nur gegen die Invasion der Sowjet-Streitmacht in Afghanistan protestieren, sondern in erster Linie gegen die "Separatisten" aus Wallgau, die keine 500 Meter weiter, im "Haus des Gastes", mit viel Pomp, Pathos und Bier das Ende der "Zwangsehe" mit Krün begossen.

Mit "Zwangsehe" ist die von oben verordnete Verwaltungsgemeinschaft Krün-Wallgau gemeint, die heuer am 1. Mai eigentlich ihren 25. Geburtstag feiern würde. Eigentlich. Doch das Experiment fand nach exakt 20 Monaten sein endgültiges Ende. Einer, der maßgeblich die Scheidung herbeigeführt hatte, war der damalige Wallgauer Bürgermeister Johann Höck (1978 bis 1990).

Im Stile eines Triumphators lud er die Bevölkerung zum "Auferstehungsfest". "Das war eine Watsch'n für Krün", erinnert sich Hans Baur. Denn die Siegesfeier damals im "Haus des Gastes" erweckte den Anschein, als habe man sich gerade vom "Joch" seiner Unterdrücker befreit, was in keiner Weise die historischen Fakten widerspiegelt.

Baur weiß, wovon er spricht. Er saß zwischen 1972 und 1984 für die Jungen Mitarbeiter im Wallgauer Gemeinderat. Als das ungeliebte Kind am 1. Mai 1978 als Folge der Gebietsreform aus Taufe gehoben werden musste, vertrat der Jurist neben Bürgermeister Höck und Helmuth Winterholler seinen Heimatort in der Verwaltungsgemeinschaft (VG).

Ihnen gegenüber saß die Abordnung aus Krün: der VG-Vorsitzende und Bürgermeister Sepp Zahler, flankiert von den Räten Hans Schwarzenberger und Lothar Ragaller.

"Das Klima war gut", berichtet Baur, "aber wir haben alles getan, um wieder auseinander zu kommen." Fürs Erste allerdings war man zusammen. Um die von Landrat Wilhelm Nau (1966 bis 1984) propagierte "Einheitsgemeinde" zu verhindern, habe Wallgaus Rathauschef Robert Zahler (1972 bis 1978) 1973/1974 "die Flucht nach vorne" angetreten, erzählt der heutige Kämmerer Hans Neuner, und einer VG mit Krün "freiwillig, aber unter Zwang" zugestimmt. Die Folge: Neuner musste ab 1. Mai 1978 mit seinen Kollegen in die "Zentrale" nach Krün. In der "Außenstelle" blieben lediglich Kämmerer Anton Holzer, Gottlieb Ehrnhofer von der Pass-Stelle und verstimmte Wallgauer zurück.

Diese fürchteten, dass der älteste urkundlich erwähnte Ort des Werdenfelser Landes nun irgendwann von der Landkarte verschwinden würde, wenn die vom Erfinder der Gemeindegebietsreform, Bayerns Innenminister Bruno Merk, betriebene Zwangsehe nicht schleunigst wieder rückgängig gemacht werden würde. Und so lief in der Folgezeit das diplomatische Räderwerk auf Hochtouren.

Dr. Ludger Goppel, von 1978 bis 1981 im Wallgauer Gemeinderat, berichtet von angeregten Gesprächen mit seinem Vater und bayerischen Ministerpräsidenten Alfons Goppel über den "sturen Schwaben Merk". Der Landesvater ermunterte seinen Sohn, "in Revision zu gehen". Einen besonderen Fürsprecher fanden die Isartaler Gemeinden auch im Wahlkreisabgeordneten und bayerischen Finanzminister Max Streibl (CSU). Noch dazu, da kurze Zeit später sowohl in Krün, als auch in Wallgau mitgliederstarke CSU-Ortsverbände aus dem Boden schossen. Und so geschah tatsächlich das Unglaubliche: Während die Verwaltungsgemeinschaften Bad Kohlgrub/Saulgrub und Ettal/Unterammergau weiter bestehen mussten, beschloss der Landtag das Ende der VG Krün/Wallgau für den 31. Dezember 1979.

"Das war absolut richtig", findet Dr. Ludger Goppel noch heute, wobei er aber aufgrund leerer Kassen zu noch stärkerer Zusammenarbeit rät. "Es war Glück dabei", meint wiederum Hans Baur. "Wenn Krün uns nur einmal in den Rücken gefallen wäre, dann hätten wir keine Chance gehabt."

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Donnerstag, 16. Januar 2003

Rückendeckung aus Krün - Beteiligung am Bau der Mittenwalder Rettungswache

von Christof Schnürer

Krün - Der Markt Mittenwald erhält beim geplanten Neubau der Rettungswache (wir berichteten) Unterstützung aus Krün. Dienstagabend beschloss dort der Gemeinderat mit 13:0 Stimmen, sich an den Kosten des Projekts anteilsmäßig zu beteiligen.

"Wir wären nicht verpflichtet, etwas zu machen", unterstrich Bürgermeister Thomas Schwarzenberger während der Debatte. Aber man werde sich einem finanziellen Engagement nicht entziehen, "schließlich haben wir auch einen Nutzen davon."

Das Bauvorhaben in Mittenwald - inklusive Abriss alter Gebäudeteile - wird Schätzungen zufolge zirka 490.000 Euro verschlingen. Das neue Haus am Anger soll zu zwei Dritteln den hauptamtlichen Rettungskräften und zu einem Drittel der Sanitätskolonne Mittenwald ausreichend Unterkunft gewähren.

Entsprechend fiel auch die Kostenaufteilung aus, so Schwarzenberger. Da Krün selbst über eine sogenannte Schnelle Einsatzgruppe, kurz SEG, verfüge, werde man sich ausschließlich an den Kosten für die Unterkunft der hauptamtlichen Rettungskräfte beteiligen. Diese betrügen aufgrund der aktuellen Zahlen etwas mehr als 300.000 Euro.

Entsprechend der Einwohnerzahl liegt hierbei der Krüner Anteil bei 21 Prozent. Da die neue Rettungswache über ein langfristiges Darlehen - Laufzeit 25 Jahre - finanziert wird, würde der Isartal-Gemeinde im schlimmsten Fall eine jährliche Tilgung von lediglich 1.200 Euro blühen. Ein dezenter Betrag also. Da aber der rührige "Verein zur Förderung des Rettungs- und Notarztwesens im Oberen Isartal" weiter fleißig Spenden sammelt und bereits im Vorfeld zahlreiche heimische Firmen signalisiert haben, umsonst zu arbeiten beziehungsweise nur den Materialpreis zu berechnen, "könnte das Gebäude immer günstiger werden", prognostiziert Krüns Bürgermeister.

Wie auch immer sich die Finanzierung der Rettungswache gestalten wird, Schwarzenberger betont schon jetzt: An Krün werde es jedenfalls nicht scheitern.

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Sonderbudget für Weltmeisterschaft Krün

von Christof Schnürer

Für die bevorstehende Bogenbiathlon-Weltmeisterschaft (10. bis 16. Februar) in Krün wird von Seiten der Gemeinde ein Sonderbudget in Höhe von 5.000 Euro eingerichtet.

Das beschloss der Gemeinderat mit 13 : 0 Stimmen. "Ich hoffe, dass wir es nicht in Anspruch nehmen müssen", betonte am Dienstagabend Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU), der den Anstoß zu dieser Initiative gegeben hatte. Sein Vorschlag stieß bei den anderen zwölf Ratskollegen auf uneingeschränkte Zustimmung. Leonhard Habersetzer (Bürgerliche Wählergemeinschaft) etwa meinte: "Wenn wir ein guter Gastgeber sein wollen, dann müssen wir die 5.000 Euro einstellen." Und falls mehr benötigt werden würde, auch mehr.

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Nun soll das Gericht entscheiden - Elmauer Weg: Gemeinde Krün und Anwohner im Clinch

von Christof Schnürer

Krün - Jetzt fährt der Krüner Gemeinderat schwere Geschütze auf. Gegen wen? Gegen die Familie Fiebig. Die wehrt sich partout dagegen, dass der beliebte Wanderweg hinauf zur Elmauer Alm, der durch ihr Grundstück verläuft, weiterhin öffentlich zugänglich ist.

Zu hoch sei der Grad der Belästigung, heißt es unter anderem. Die Kommune sieht das freilich anders. Die Verbindung zwischen Schloss Elmau und dem bekannten Ausflugslokal müsse aus touristischen Gründen unbedingt erhalten bleiben. Zur Beilegung des Streits soll nun sogar das Gericht eingeschaltet werden. Der Beschluss im Gemeinderat war einstimmig. Der besagt, dass die Duldung des Wanderwegs mit allen rechtlichen Mitteln durchgesetzt werde.

Bis zur endgültigen Klärung solle per einstweiliger Verfügung vom Amtsgericht der durch einen Zaun gesperrte Zugang umgehend wieder geöffnet werden. Selten waren sich Bürgermeister und die zwölf Gemeinderäte so einig. "Wir sollten voll auf unser Recht pochen", forderte Zweiter Bürgermeister Klaus Koppe, der sich menschlich enttäuscht zeigte vom Verhalten der Familie Fiebig, die er persönlich kenne.

Als "Unverschämtheit" bezeichnete wiederum Georg Schober die Absperrung. Der Fremdenverkehrsreferent zitierte dabei Artikel 22 des Bayerischen Naturschutzgesetzes. Demnach könnten "...alle Teile der freien Natur...von jedermann unentgeltlich betreten werden".

"Das ist ein alter Wald- und Wiesenweg. Viele Grundstücke werden über diesen erschlossen", betonte Mathias Gschwendtner. "Wo kommen wir denn da hin."

Zutrittsrecht sichern, aber keine Enteignung, forderte Alois Kramer junior. "Wer in den Außenbereich baut, der muss mit so einer Beeinträchtigung leben." Für Gemeinderat Franz Schropp aus Klais ist es schlicht "eine Frechheit". Er plädierte in diesem Zusammenhang darauf, neben dem Durchgang auch die Wiedereröffnung der vor Jahren geschlossenen Loipe durch das Fiebig-Anwesen durchzusetzen. "Dann hätten wir zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.

"Starker Tobak aus Sicht der Familie Fiebig. Diese hat das schmucke Anwesen 1956 auf Leibrente von Charlotte Mannhardt und dem bekannten Bergsteiger Wolfram Spindler erworben. 1988 ging das "Krausehaus" - benannt nach Elsbeth Krause, der "rechten Hand" von Schloss-Erbauer Johannes Müller-Elmau - endgültig in deren Besitz über.

"Wir wollen mit der Gemeinde ein gutes Verhältnis", unterstreicht Hausherrin Ragnhild Fiebig, "aber unsere elementaren Bedürfnisse müssen geschützt werden." An Ruhe sei an Sommertagen angesichts bis zu 500 teils grölender Besucher der Elmauer Alm nicht mehr zu denken. Nicht zuletzt wegen der Gefährdung ihres Trinkwassers - die Quellfassung liegt nahe der strittigen Trasse - sehen sich die Fiebigs im Recht.

Inzwischen haben sie ihr Anwesen umzäunt. Der Steig, der am westlichen Rand ihres Grundstücks verläuft, wurde damit abgeschnitten. Ein Hinweisschild "Privatweg" weist verdutzte Passanten auf die neue Situation hin. Als das Haus Mitte der 30er Jahre gebaut wurde, existierte kein Weg, versichert Ragnhild Fiebig, sondern lediglich ein Pfad. Sie verweist auf eine Grunddienstbarkeit für einen Bauern und den Forst zur Benutzung der Trasse. Diese könnten auch weiterhin selbstverständlich ihr Recht in Anspruch nehmen. "Das ist kein öffentlich gewidmeter Weg", bestätigt auch Fiebigs Rechtsanwalt Dr. Peter Samstag aus Garmisch-Partenkirchen.

Dem widerspricht Bürgermeister Schwarzenberger nicht. Das wolle man aber ändern. Er verweist dabei auf eine Karte um 1840, aus der hergehe, dass schon damals der Durchgang existiert habe. Versuche seinerseits, das Ganze gütlich zu regeln, waren im Vorfeld gescheitert. Die Verlegung des Wegs nach Osten etwa war aufgrund der Topographie nicht möglich. Die Trasse auf das westlich angrenzende Grundstück zu verlegen, so Schwarzenberger, käme dem "Floriansprinzip" gleich.
Ein Rechtsstreit scheint nun unausweichlich.

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Einsturzgefahr: - Brücken müssen saniert werden Einstimmiges Votum vom Gemeinderat Krün

von Christof Schnürer

Ab sechs Tonnen wird's brenzlig, bei diesem Gewicht drohen die Ferchenbach- und Kaltenbachbrücke zwischen Schloss und Gut Elmau einzubrechen. Das zumindest besagt ein Gutachten, das Bürgermeister Thomas Schwarzenberger jüngst dem Krüner Gemeinderat vorgetragen hat. "Wir werden um eine Sanierung nicht herumkommen", meinte der Rathauschef zu seinen Kollegen. Die sahen das ebenso. Letztlich sprach man sich mit 13 : 0 Stimmen für die Renovierung der beiden etwa 50 Jahre alten Natursteinbrücken in Bogenform aus.

Geschätzte Kosten: rund 77.000 Euro. Dieser Betrag belastet allerdings nicht den Gemeindehaushalt. Da die Strecke zwischen Klais und Elmau eine Privatstraße ist, werden die Kosten auf die vier Eigentümer Forstamt (vier Neuntel), Gemeinde und Elmau (jeweils zwei Neuntel) sowie Kranzbach (ein Neuntel) umgelegt.

Bei der Kaltenbachbrücke hat die Kommune überhaupt keine Auslagen, denn sie gehört einzig und allein dem Forstamt. Die Zeit drängt: Etwa 10.000 Festmeter Windwurfholz müssen wegen der Borkenkäfergefahr so schnell wie möglich aus dem angrenzenden Wald heraustransportiert werden. Das geht nur mit schwerem Gerät und nur über die Brücken.

Auch die Feuerwehr würde die Sanierung der Ferchenbachbrücke begrüßen. Denn falls ein Brand auf dem Gut Elmau ausbrechen würde, müsste deren 13 Tonnen schweres Tanklöschfahrzeug 16/25 das beschädigte Nadelöhr passieren. Daher wird der Bürgermeister schon bald ein zweites Angebot eines Ingenieurbüros einholen, ehe er sich bereits Ende Januar mit den anderen Beteiligten zusammensetzt. Diese Interessengemeinschaft kann bei der Finanzierung auf Rücklagen in Höhe von 55.000 Euro zurückgreifen. Das Geld resultiert aus den Einnahmen durch die Mautstraße und jährlichen Einlagen. Nach den obligatorischen Ausschreibungen solle, so Schwarzenberger, mit der Sanierung im März begonnen werden. "Da fließt nämlich wenig Wasser."

Pro Brücke werden zwei Wochen Bauzeit veranschlagt. In dieser Phase könne der Lieferverkehr zum Gut problemlos an Schloss Elmau vorbei umgeleitet werden.

Nachdem die Risse entfernt, das Brückeninnere statt Kies mit Beton verfüllt und der Fahrbahnbelag neu asphaltiert ist, kann künftig auch ein Panzer darüber donnern; dann nämlich beträgt die Traglast 60 Tonnen.

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Mittwoch, 15. Januar 2003

Zeitplan steht, nun geht's an die Umsetzung - Marketingverbund immer konkreter

von Christof Schnürer

Oberes Isartal - Zieldiskussion, Bestandsaufnahme, Maßnahme-Entwicklung, Ergebnis-Präsentation - so lautet kurz und knapp die Erfolgsformel von Dr.Thomas Bausch. Der Chef des Garmisch-Partenkirchner Alpenforschungsinstituts (Afi) ist der "Entwicklungshelfer" des Marketingverbunds Oberes Isartal. Dieser wird in diesem Jahr endgültig aus der Taufe gehoben.

Der Zeitplan für eine rasche Umsetzung des ehrgeizigen Projekts zur Wiederbelebung des stagnierenden Tourismus jedenfalls steht. Bereits am kommenden Montag, 20. Januar, tritt zum erstenmal offiziell die sogenannte Steuerungsgruppe im Krüner Kurhaus zusammen.

Diesem 15-köpfigen Gremium gehören die drei Isartaler Bürgermeister Hermann Salminger (Mittenwald), Thomas Schwarzenberger (Krün), Georg Jennewein (Wallgau), die drei Verkehrsamtsleiter Klaus Ronge (Mittenwald), Sepp Winzinger (Krün), Anne-Kathrin Pieper (Wallgau), die drei Fremdenverkehrsreferenten Klaus Brummer (Mittenwald), Georg Schober (Krün), Hansjörg Zahler (Wallgau) sowie die Ersten und Zweiten Vorsitzenden der drei Touristikvereine, Ludwig Knilling, Hans Witting (Mittenwald), Klaus Koppe, Ulrich Holzer (Krün) sowie Peter Schäfer junior und Hans Mayr (Wallgau) an.

Dieses zentrale vorbereitende Organ solle Qualitätsstandards festlegen und Ziele definieren, betont Dr. Bausch, der dieses Treffen moderieren wird.

"Ich habe ein gutes Gefühl", meint der Afi-Chef. "Wir haben einen Punkt erreicht, wo jeder einsieht, dass etwas passieren muss." Die Präsentation erster Ergebnisse solle dann am 20. März in einer "Forumsveranstaltung" im Krüner Kurhaus im großen Kreis, sprich mit Hoteliers und Vermietern, erfolgen.

"Wir werden nicht alle erreichen", räumt Bausch ein. Aber man werde einen Prozess in Gang setzen, ähnlich wie im Ammertal, wo sich die vom Afi angestoßene Schaukäserei mittlerweile zu einem echten Erfolg entwickelt hat. Mehr noch: Einer der größten Skeptiker gegenüber diesem Projekts, Saulgrubs Bürgermeister Michael Mangold, sei, so Bausch, inzwischen zur Lokomotive des Vermarktungskonzepts geworden.

An einen mittelfristigen Erfolg glaubt man auch im Oberen Isartal. "Die Zeit ist reif, jetzt geht's los", gibt sich der stellvertretende Krüner Touristikvereins-Vorsitzende Ulrich Holzer zuversichtlich. Bürgermeister Schwarzenberger wiederum hofft, dass zögernde Vermieter bald durch schlüssige Konzepte für die "gute Sache" mobilisiert werden könnten. Spätestens Ende März wird man mehr wissen.

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Freitag, 29.11.2002

Aus dem Schatten Zahlers herausgetreten; -  Schwarzenberger sammelt eifrig Punkte

von Christof Schnürer

Krün - Das Lob kam von allerhöchster Stelle: "Der Generationswechsel hat hervorragend geklappt", meinte Landrat Harald Kühn, als er während der Bürgerversammlung im Kurhaus auf den neben ihm sitzenden Krüner Bürgermeister Thomas Schwarzenberger zu sprechen kam.

"Er hat die Themen erkannt, auf die es ankommt." Für seine Heimatgemeinde sei der Neue im Rathaus ein echter "Hoffnungsträger". Der Adressat verfolgte Kühns Ausführungen mit einem Anflug von Lächeln - mehr nicht. 

Betrachtet man die Werdegänge der zwei Kommunalpolitiker, die Mittwochabend einträchtig nebeneinander saßen, tun sich einige verblüffende Parallelen auf: Beide sind in der CSU zu Hause und im zarten Alter von 32 Jahren Bürgermeister geworden, Kühn 1996 in Murnau, Schwarzenberger heuer im Mai in Krün.

Sowohl der eine, als auch der andere hatte seinen Kritikern innerhalb kürzester Zeit gezeigt, dass er aus dem übergroß erscheinenden Schatten des jeweiligen Vorgängers, Werner Frühschütz beziehungsweise Sepp Zahler, heraustreten konnte.

Beide haben rasch im Rathaus ihre eigene Duftmarke gesetzt und für frischen Wind in den Amtsstuben gesorgt. Auch die Finanzkrise im Landkreis und den Gemeinden und deren Bewältigung eint die beiden. 

Doch es gibt auch Unterschiede: Während der versierte Politprofi Kühn aus dem Stegreif und zumeist in freier Rede brilliert, muss der skriptabhängige Schwarzenberger an seiner Rhetorik noch ein kleinwenig feilen. Es ist wohl lediglich eine Frage der Zeit, bis auch diese Schwäche beseitigt ist.

Und noch einen Unterschied gibt es: Weist das Verhältnis zwischen Kühn und seinem einstigen Protegé Frühschutz mittlerweile unübersehbare Risse auf, funken Schüler und "Lehrer" aus Krün nach wie vor auf einer Wellenlänge. 

Altbürgermeister Zahler, der den Auftritt seines Nachfolgers im Publikum entspannt und zugleich gespannt verfolgte, bekam jedenfalls ein dickes Lob. 

"Er hat mir durch seine Übergabe und Unterstützung die Anfangszeit sehr erleichtert", betonte Schwarzenberger. "Er hat sich nie eingemischt, war aber immer da, wenn ich ihn gebraucht habe."

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Neue Wege im Tourismus - Wie Krüns Bürgermeister Gäste ins Isartal locken will 

von Christof Schnürer

Krün - Thomas Schwarzenberger mutiert immer mehr zum Krisenmanager: "Die Lage in Krün ist nicht gerade rosig, aber auch nicht hoffnungslos", lautete seine Botschaft Mittwochabend bei der Bürgerversammlung im Kurhaus. Viele Herausforderungen, allen voran im Tourismus und der Finanzwirtschaft, müssten in den nächsten Jahren angepackt und gemeistert werden, um die Isartalgemeinde zukunftsfähig zu machen.

Erstmals seit seinem Amtsantritt am 1. Mai dieses Jahres hatte Schwarzenberger die heimische Bevölkerung zu einem Bürgerforum gerufen.

Und die Krüner kamen recht zahlreich. Rund 120 Besucher hatten sich eingefunden und quittierten am Ende die Ausführungen ihres Gemeindeoberhaupts mit langanhaltendem Applaus. 

Dabei hatte Schwarzenberger, ähnlich wie sein Vorredner Harald Kühn wenig Gutes zu berichten.

Die angespannte Finanzsituation etwa erfordere eine konsequente Sparpolitik. "Dass heißt allerdings auch, dass Investitionen in Zukunft fast nicht oder nur begrenzt möglich sein werden."

Sparen auf der einen Seite, zusätzliche und bereits vorhandene Finanzquellen erschließen auf der anderen.

Mehr denn je müsse man trotz oder gerade wegen der chronisch sinkenden Übernachtungszahlen auf dem Tourismussektor aktiv werden.

"Ich verspreche Ihnen keine Wunder, was die Zahlen für die Zukunft angeht." 

Weder der Gemeinderat noch er hätten ein Patentrezept, wie zusätzliche Urlauber ins Obere Isartal gelockt werden könnten.

"Wir wollen aber versuchen, die Talfahrt zu stoppen."

Mit dem Marketingverbund, ein Gemeinschaftsprojekt von Mittenwald, Wallgau und Krün, soll hierzu der Grundstein für ein erfolgreiches Tourismusmanagement gelegt werden (wir berichteten). "Ich denke, diese Entscheidung ist ein Schritt in die richtige Richtung."

In diesem Zusammenhang appellierte Schwarzenberger auch an die Vermieter, die Augen nicht vor der fortschreitenden Technologisierung zu verschließen. 

"Ein Faxgerät oder ein Internet-Anschluss gehört bei einem modernen Betrieb mehr und mehr zum Standard und kostet heute auch nicht mehr die Welt."

Neben der vielzitierten und oft schwammigen Qualitätsoffensive nannte der Bürger-meister auch Fakten: So solle ein Regenprogramm, etwa eine Ausflugsfahrt zum Walchensee oder ähnliches, den Gästen geboten werden. Ein Wanderweg zwischen Gerold und Barmsee ist geplant und natürlich die Erschließung der Finzbachklamm. "Hier wollen wir keine Autobahn durchziehen, sondern es soll der Steig weitergeführt werden." Am Ende der Klamm, räumt Schwarzenberger ein, werde man aber um eine Verbauung nicht ganz herumkommen.

   Auch die Tatsache, dass Krün von 10. bis 16. Februar 2003 in Zusammenarbeit mit dem Bogenclub Mittenwald und dem hiesigen Skiclub Ausrichter der Bogenbiathlon-Weltmeisterschaft ist, sieht der junge Bürgermeister als Chance für den Fremden-verkehr, immerhin werden mehr als 20 Nationen erwartet. "Für das Obere Isartal ein unwahrscheinlicher Werbeeffekt."

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Donnerstag, 28. November 2002

Der Sturm und die Folgen - Gemeinde Krün beschließt Versicherungspaket

von Rafael Sala

Krün -  "Der nächste Sturm kommt bestimmt. Das ist nicht das letzte Mal gewesen, gerade nicht in Zeiten der Klimaveränderung." Diese mahnenden Worte von Ulrich Holzer (Bürgerliche Wählergemeinschaft / BWG) blieben in der jüngsten Gemeinderatssitzung bei den Rathauskollegen nicht ungehört.

Seltene Einigkeit herrschte bei diesem Thema quer durch alle Fraktionen. Grundtenor: Es gilt, so schnell wie möglich zu handeln.

Einstimmig angenommen wurde daher der Vorschlag des Ersten Bürgermeisters Thomas Schwarzenberger (CSU), das Angebot einer Sturm- und Hagelversicherung durch die Bayerische Versicherungskammer wahrzunehmen.

Dieses sieht bei einem jährlichen Beitrag von etwa 1100 Euro eine Schadensdeckungs-summe von über elf Millionen Euro vor. Der Bürgermeister regte an, sämtliche öffentliche Gebäude über diese Police versichern zu lassen und nicht nur, wie bisher, den Kindergarten, der unter speziellen Versicherungsbestimmungen stand. "So einen sensationell günstigen Preis kann man nur annehmen", bekräftigte auch Gemeinderatsmitglied Georg Schober (Aktiv für Krün/AfK), sprach sich aber gegen weitere Versicherungsabschlüsse aus. "Diese beiden sind notwendige Grundpfeiler, dabei sollte es aber auch bleiben."

Ebenfalls vorangetrieben werden soll der Verkauf des Wurfholzes, das auf Grund immer neu hinzukommender Mengen täglich an Wert verliert. Hier sieht der Rathauschef "raschen Handlungsbedarf". So sei es derzeit noch möglich, zwischen 40 und 45 Euro pro Festmeter zu bekommen - eine Summe, die den durch den Sturm entstandenen gemeindlichen Sachschaden deutlich abfedern könne.

Dafür müsse der Verkauf jedoch "besser heute als morgen zustande kommen." In einer Eilentscheidung hatte Schwarzenberger in den Tagen nach dem Sturm mit den nötigen Maßnahmen begonnen.

"Spätestens am Ende dieser Woche haben wir alles verkauft", gibt er sich zuversichtlich. Der Erfolg habe sich auch dadurch ergeben, dass die Gemeinde bei den Aufräumarbeiten auf den "Maschinenring" - einen Zusammenschluss von heimischen Betrieben und Landwirten  - zurück gegriffen habe, der pro Festmeter 25 Euro verlangte. "Dies ist knapp die Hälfte vom handelsüblichen Preis."

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Freitag, 15. November 2002

Deichgürtel um Krüner "Gries" und Wallgauer Brunnen -  Isar soll ausgebaggert werden

von Christof Schnürer

Krün/Wallgau  - Mit einem guten Gefühl fuhr Thomas Schwarzenberger kürzlich von der Bürgermeister-Dienstbesprechung von Mittenwald zurück nach Krün.

"Ich bin zufrieden", verkündet der Rathauschef. Auch sein Amtskollege aus Wallgau, Georg Jennewein, wird künftig ruhiger schlafen können. Der Grund: Nach langem Hickhack soll im kommenden Frühjahr mit der Ausbaggerung der Isar begonnen werden. Das zumindest sehen die Pläne des Weilheimer Wasserwirtschaftsamts (WWA) vor.

Spätestens seit der Pfingstflut, die den gesamten Landkreis im Mai 1999 heimgesucht hatte, forderten Lokalpolitikerim Isartal diese Aktion zum Hochwasserschutz.

Insgesamt sollen zwischen Krüner Wehr und dem Sägewerk Simon auf einer Länge von rund 700 Meter bis zu 10.000 Kubikmeter Kies ausgekoffert werden. Das ganze sei kein einmaliges Projekt, berichtet der zuständige WWA-Sachbearbeiter Karl Reitbauer.

In regelmäßigen Abständen werde künftig die Sohle der Isar gemessen. Bei gravierenden Veränderungen werde dann erneut ausgebaggert. Langzeit-Beobachtungen hätten nämlich gezeigt, dass sich die Sohle in den vergangenen 30 Jahren erhöht habe, so Schwarzenberger," und zwar beträchtlich." Das liege im Gegensatz zur Loisach nicht am natürlichen Kiesgeschiebe, sondern an dem zwischengeschalteten Krüner Stauwehr, dessen Schleusen beizeiten geöffnet werden und Unmengen von Geröll freigeben, die flussabwärts wieder verlanden.

Inzwischen sei auch die Obere Naturschutzbehörde zu der Erkenntnis gelangt, dass deshalb im Sinne der Isar-Anrainer der Hochwasserschutz auf Krüner und Wallgauer Flur forciert werden müsse. Die Pläne des WWA liegen nun bei der Regierung von Oberbayern. Segnet die übergeordnete Stelle das Vorhaben ab, kann in drei Wochen das Wasserrechtsverfahren eingeleitet, also Gespräche mit den zuständigen Behörden, Grundstückseigentümern, der Fischerei und dem Naturschutz geführt werden.

Denn das Projekt sieht nicht nur die Ausbaggerung der Isar vor. So soll ein Deichgürtel, rund 600 Meter lang, um den Krüner Ortsteil Gries gelegt werden. Als Grundstock hierfür werde der ausgebaggerte Isar-Kies genommen, erzählt Reitbauer. 1,5 Meter ragt der angeböschte Damm, auf dessen vier Meter breiter Krone ein Wanderweg verlaufen soll, aus dem Gelände.

Geschätzte Kosten für den kompletten Isar-Umgriff: knapp 800.000 Euro. Auch in Klais wird sich was tun: Zum einen wird das gemauerte Gerinne am Kranzbach verbreitert und tiefer gelegt, zum anderen soll weiter oberhalb am Forsthaus eine Geschiebe-Rückhaltesperre mit Wildholznetz angebracht werden. Hierfür müssten, so Schwarzenberger, zirka 600.000 Euro auf den Tisch gelegt werden.

Von wem? In erster Linie vom Freistaat Bayern, der für die Isar als Fluss "erster Ordnung" komplett für den Ausbau und Unterhalt des Stromes zuständig ist. Demzufolge gehört dem Land auch der ausgekofferte Kies. Trotz allem wird auch die Kommune ihren Obolus entrichten müssen. "50 Prozent minus X", glaubt Krüns Bürgermeister. Also ein paar 100.000 Euro könnten es schon sein. Wie finanzieren? Das Wort Kredit möchte Schwarzenberger noch nicht in den Mund nehmen. "Ob's ohne geht, kann ich nicht sagen. Jedenfalls werden andere Sachen zurückstehen müssen."

Mit vier Monaten Bauzeit rechnet Reitbauer. Wie teuer die Maßnahme in Wallgau kommen wird, konnte er nicht sagen. Dort soll der hochwassergefährdete Tiefbrunnen an der Au-Hütte ebenfalls einen Deichring als Schutzgürtel bekommen. Sagt die Regierung von Oberbayern nun tatsächlich zu dem Vorhaben im Isartal ja, ist das Wallgauer Trinkwasser in Zukunft gesichert - vorausgesetzt es kommen keine größeren Katastrophen und die Gemeinde hat das nötige Kleingeld.

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Mittwoch, 6. November 2002

Wintersaison in Krün kann kommen - Loipenausbesserung in vollem Gange

von Hardl Habersetzer

Krün - Die Verbesserung der Loipentrassen, ein jahrelanges besonderes Anliegen der beiden ehemaligen Seniorenweltmeister Heini Simon und Willi Neuner und einiger Mitstreiter, wurde nach langer Vorbereitung in die Tat umgesetzt. Dabei sollten die dringend notwendigen Grundlagen für optimal gepflegte Langlaufspuren geschaffen werden. Bei einer Begehung wurden die Wünsche aufgezeichnet. Die jahrzehntelangen Erfahrungen der Langläufer flossen ein.

Es folgten Verhandlungen durch Bürgermeister Thomas Schwarzenberger mit den Grundeignern, die noch nicht ganz abgeschlossen sind. Im großen und ganzen zeigten sie sich bisher sehr konstruktiv. Besonders die von Finck´sche Gutsverwaltung, die von den Eingriffen am meisten betroffen ist, kam der Gemeinde weit entgegen. Dies gab Schwarzenberger in der letzten Gemeinderatssitzung bekannt. Dabei bedankte er sich bei den Gemeinderäten Mathias Gschwendtner, Ulrich Holzer und Loipenreferent Georg Schober für die Mithilfe. Der Loipenreferent erzielte mit dem Naturschutz Übereinstimmung für die Maßnahmen an relevanten Punkten, wie zum Beispiel den Dolinen beim "Degerloch".

Heini Simon, unterstützt von Willi Neuner, koordinierte anhand eines kartierten Loipen- und Arbeitsplanes die bisherigen vier Arbeitseinsätze der 35 freiwilligen Helfer von Bergwacht, Feuerwehr, Skiclub, Touristikverein und Gemeinde. Um die Spur gegen Sonneneinwirkung haltbarer zu machen wurden Teile der Loipen gemäht. Zwischen Barmsee und GeroIdsee wurden Drainage-Rohre verlegt, um Vereisungen des dort an vielen Stellen  austretenden Wassers zu vermeiden. Durch die Verbreiterung des Aufstieges erhofft man sich nicht nur eine Verbesserung der Loipenführung für Klassiker und Skater sondern auch, daß mehr Schnee in diesen Bereich fällt und die  Verschmutzungen und Vereisungen ausbleiben.

Eine Brücke in Gerold verbessert die Sicherheit genauso, wie Entschärfungen im Bereich zwischen Geißschädel und Grubsee. Dort wurden am Samstag in der unfallträchtigen Abfahrt einige Buckel mit dem Bagger entschärft. Die Walddurchfahrten wurden auf ein vernünftiges Maß verbreitert und für Hobbyläufer und Anfänger vereinfacht. Zahlreiche "Badewannen" zeugten in der Vergangenheit von der Notwendigkeit der geringen Erdbewegungen.

Heini Simon zeigt sich mit dem bisherigen Ablauf zufrieden und erhofft sich qualitative Verbesserungen in der kommenden Wintersaison. Nachdem Krün Austragungsort der Archery  WM im nächsten Jahr ist, kann eine optimierte Loipe durchaus eine Empfehlung für weitere Meisterschaften sein.

Für heuer soll noch eine Aktion am nächsten Samstag ( 9. November) stattfinden. Dafür sucht er noch einige freiwillige Helfer. Um rechtzeitig disponieren zu können, nimmt er Anmeldungen, Telefon 08825 / 304, entgegen. Für Kurzentschlossene, der Treffpunkt ist wieder um acht Uhr am Feuerwehrhaus.

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Montag, 4. November 2002

Unerwarteter Glücksfall lässt Kämmerer hoffen - Nachtragshaushalt? Eher nicht

von Christof Schnürer

Krün - Neigt sich das Jahr dem Ende entgegen, stellen sich die Verantwortlichen im Krüner Rathaus stets dieselbe Frage: "Reicht das Geld?"

Glaubt man Helmut Kieweg, ist gedämpfter Optimismus geboten. "Möglicherweise kommen wir um einen Kredit herum", berichtete der Kämmerer unlängst dem Gemeinderat.

"Dein Wort in Gottes Ohr", entgegnete ihm darauf Franz-Paul Reindl von der Bürgerlichen Wählergemeinschaft / BWG. Er ist seit jeher Verfechter eines rigorosen Sparkurses. Grund für Reindls Skepsis ist der Finanzbericht des Kämmerers für den Zeitraum Januar bis Ende September. Während die Gemeinde im Verwaltungs-haushalt mit einem Gesamtvolumen von 3,233.000 Euro bei Einnahmen (78 %) und Ausgaben (71) nach einem Dreivierteljahr weitgehend im Soll liegt, stellt sich die Situation im Vermögenshaushalt (269.000 Euro) vollkommen anders dar.

Kassiert hat die Kommune so, wie man es sich zu Jahresbeginn vorgestellt hatte. Bis Ende September waren das 76 %. Allerdings wurden schon drei Monate vor Ende des Haushaltsjahres die Ausgaben (146 %) um 61 % Richtwert sind 75 % - überschritten. Warum?

Die Kämmerei ist bei der Etataufstellung davon ausgegegangen, dass für vermeintlich abgeschlossene Straßen- und Kanalbaumaßnahmen (Gemeindeverbindungsstraße Tennsee, Spazierweg nach Bärnbichl und Notverbundsleitung zwischen Barmsee und Klais) keinerlei Rechnungen mehr anfallen würden. Das war ein Trugschluss.

Bürgermeister Schwarzenberger bestätigte gegenüber dem Tagblatt Mehrkosten in Höhe von rund 160.000 Euro. Doch Krün hatte Glück im Unglück: Durch eine unerwartete Gewerbesteuer-Vorauszahlung eines großen Unternehmens floss ein großer Batzen in die Gemeindekasse. Zwei Drittel des entstandenen Defizits können somit aufgefangen werden. Das verbleibende Drittel solle über zusätzliche Einsparungen abgestottert werden, so Schwarzenberger.

Gut möglich also, dass die Gemeinde diesmal an einem Nachtragshaushalt vorbeischrammt. Zur Erinnerung: Vor genau einem Jahr musste zuletzt in die finanzpolitische Trickkiste gegriffen werden. Gegen die Stimme von Mahner Franz-Paul Reindl verabschiedete Anfang November 2001 der Krüner Gemeinderat ein zusätzliches Darlehen in Höhe von rund 90.000 Euro, um über die Runden zu kommen. Diesmal hatte Glücksgöttin Fortuna mit den Krünern wohl ein Einsehen.

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Donnerstag, 31.Oktober 2002

Schwarzenberger macht Nägel mit Köpfen - Marketingverbund Frage der Zeit

von Christof Schnürer

Krün - Krün macht den Anfang: Am Dienstagabend beschloss der Gemeinderat in seiner Sitzung die Zusammenarbeit im Fremdenverkehr mit den Nachbarkommunen Mittenwald und Wallgau in einem Marketingverbund. Ebenfalls einstimmig votierte man für das Garmisch-Partenkirchner Alpenforschungsinstitut (Afi) als wissenschaftlichen Begleiter.

Bereits im ersten Quartal 2003 soll mit der Umsetzung der Tourismus-Offensive begonnen werden.

Die aktuelle Fremdenverkehrsstatistik ist ernüchternd: Zwischen Januar und September verzeichnete man trotz gestiegener Gästezahlen ein Minus von 5,7 Prozent bei den Übernachtungen gegenüber dem Vorjahr. "Es ist ein Rückgang mit angezogener Handbremse", meinte Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU), "aber wir brauchen die Statistik nicht schön reden."

Der junge Rathauschef avanciert im Oberen Isartal immer mehr zum Motor des Talschaftsgedankens im Tourismusbereich. Er war es auch, der nach dem nur bedingt zufriedenstellenden Gutachten des Deutschen wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr, das die Gründung einer GmbH vorsah, Afi-Chef Dr. Thomas Bausch kontaktierte (wir berichteten). Dessen Argumentation überzeugte vollends, so dass sein
Institut den Zuschlag bekam, den Entwicklungsprozess dieses Marketingverbunds, für den sich der Krüner Gemeinderat einhellig ausgesprochen hatte, wissenschaftlich zu begleiten.

Oder wie es Schwarzenberger ausdrückt: "Wir brauchen einen Schiedsrichter, der Moderator spielt." Zu Beginn der Debatte hatte er einen Brief des Touristikverbands Oberes Isartal, in dem die drei Gemeinden Mittenwald, Krün und Wallgau bereits zusammengeschlossen sind, der eingangs erwähnte drei Forderungen propagierte, verlesen. "Ich schließe mich dem Schreiben inhaltlich voll an", bekräftigte der Bürgermeister.

Franz-Paul Reindl (Bürgerliche Wählergemeinschaft/BWG) wollte wissen, ob die Schaffung eines zentralen Marketingverbunds Personalstreichungen in den drei Verkehrsämtern zur Folge haben werde. "Hierzu kann ich keine Aussage machen", erwiderte ihm Schwarzenberger. Sicherlich müssten aber die Verkehrsämter Kompetenzen an die übergeordnete Tourismusstelle abgeben. Als Anlauf- und Servicepunkt für Gäste sollten die Verkehrsämter auf alle Fälle erhalten bleiben.

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"Internet-Café´" in abgespeckter Version - Schwarzenberger und Co. einstimmig dafür

von Christof Schnürer

Krün - Der Begriff "Internet-Café´" wäre ein klein wenig übertrieben. Aber immerhin beschloss der Krüner Gemeinderat in seiner Dienstag-Sitzung einstimmig, dass bis Weihnachten im Rathaus ein Terminal mit Verbindung ins "worldwide web" installiert wird, genauer gesagt in dem Raum, wo sich die Informationstafel befindet.

"Es wäre für den Tourismus ein zusätzliches Angebot", eröffnete Bürgermeister Thomas Schwarzenberger. Sein Bruder Peter beziehungsweise dessen Firma "Mips-Systemtechnik" würde die notwendigen Geräte zur Verfügung stellen. Die Gemeinde müsse lediglich für den passenden Telefonanschluss sorgen, so der Rathauschef.

Der Kommune werden durch den Internet-Service monatliche Mehrkosten von rund 50 Euro entstehen. Diese sollen durch entsprechende Benutzungsgebühren wieder hereingeholt werden. Die für den Zugang nötige Chipkarte soll im Verkehrsamt zu erhalten sein. Über deren Preis und die Nutzungsdauer solle noch gesondert diskutiert werden. Ebenso die Frage, wie sich Gemeinde und "Mips" die Einnahmen später aufteilen.

Gemeinderat Gustl Hanser (Freie Wähler Klais), mittlerweile ausgeschieden, sieht die Gefahr, dass der Internet-Raum viele Jugendliche anziehen könnte, die in einschlägigen Seiten surfen und zimmersuchende Gäste abschrecken würden. "Es muss technisch möglich sein, diese Seiten auszusparen", entgegnete ihm der Bürgermeister.

Ulrich Holzer (Bürgerliche Wählergemeinschaft/BWG) glaubt nicht an einen Missbrauch des Terminals. "Der befindet sich doch in einem kontrollierten Bereich."

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Austro-Gemeinderat geht nach Oberstaufen Hanser verabschiedet - Schropp rückt nach

von Christof Schnürer

Krün - Es war ein kurzes Gastspiel: Am Dienstagabend verabschiedete sich in Krün mit Gustl Hanser nach nur sechs Monaten Amtszeit der einzige österreichische Gemeinderat des Landkreises. "Der berufliche Weg hat es so erfordert", meinte der gebürtige Zillertaler, der seit 26 Jahren im Oberen Isartal lebt.

Hanser tritt in Kürze seine Stelle als Pächter des Kurhauses in Oberstaufen im Allgäu an. Zuletzt war der 46-Jährige von 1997 bis 2002 Geschäftsführer des Schlosshotels Kranzbach. "Ich denke immer wieder gerne an Krün zurück", sagte der Tiroler, nachdem er von Bürgermeister Thomas Schwarzenberger einen kleinen Erinnerungsteller ausgehändigt bekommen hatte.

Seit Beginn der Legislaturperiode besuchte Hanser, der für die Freie Wähler-gemeinschaft Klais (FWG) ins Rennen gegangen war, neun Gemeinderats- beziehungsweise Ausschuss-Sitzungen. Sein Nachfolger steht auch schon fest: Franz Schropp rückt für die Klaiser Liste nach. Der 56-jährige Schützenvorstand und Leiter der Vereinigten Skischule Mittenwald (Blaue) wird in der nächsten Gemeinderatssitzung Ende November vereidigt werden.

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9:0 für "Alpenhof"

von Christof Schnürer

Einstimmig beschloss der Krüner Gemeinderat in seiner Sitzung am Dienstagabend den Bebauungsplan für den "Alpenhof" der Familie Schober. Das 4.000 Quadratmeter große Areal wurde in ein "Sondergebiet Hotel" umgewandelt.

Wider Erwarten gab es weder von Gemeinderat Alois Kramer junior, noch von seinem Kollegen Mathias Gschwendtner Einwände. Vor knapp zwei Monaten, als der Plan erstmals behandelt wurde, hatten die beiden noch Bedenken bezüglich der Höhenentwicklung und möglicher Präzedenzen. Nachdem während der öffentlichen Auslegung von 19. September bis 21. Oktober keinerlei Einsprüche von Seiten der Anlieger beziehungsweise der angefragten Behörden gekommen waren, billigte das Gremium den Entwurf mit 9:0 Stimmen. Lediglich die Untere Naturschutzbehörde des Landratsamts regte einen "Freiflächen-Gestaltungsplan" für den "Alpenhof" an.

Der sieht unter anderem die verbindliche Bepflanzung mit bestimmten heimischen Pflanzen vor. "Das muss aber nicht noch ins Grundbuch eingetragen werden", meinte Gemeinderat Leonhard Habersetzer daraufhin scherzhaft. Von einer "überzogenen Forderung" sprach Mathias Gschwendtner. Dem schloss sich auch Albert Niggl an, für den der "Alpenhof" einen der schönsten und gepflegtesten Gärten habe.

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Freitag, 4. Oktober 2002

Finzbachklamm: Erschließung auf sanfte Weise ? - Krüner Gemeinderat sagt ja

von Wolfgang Kaiser

Krün - Die romantische Finzbachklamm bei Krün wird neuerdings in zweierlei Hinsicht interessant: Zum einen als touristisches Angebot des Ortes, zum anderen aber auch für die heutigen "In-Sportler". Über beides hatte der Gemeinderat am Dienstagabend zu befinden.

Den sanften Tourismus durch die fußgängerische Erschließung der Klamm befürworteten die Räte einhellig, den Antrag auf organisierte "Canyoning-Touren" durch die Klamm lehnten sie ebenso einstimmig ab.

Die Sache ist die: Die Tiroler Nachbarn kamen auf die Idee, aus der Leutaschklamm zwischen Leutasch und Mittenwald, aus der Finzbachklamm bei Krün und aus dem Großen Wasserfall bei Wallgau ein gemeinsames "Tourismus-Event" zu konstruieren, sozusagen eine Straße der Klammen mit Erschließung derselben, gefördert durch Euregio beziehungsweise EU (wir berichteten).

Mit der Leutaschklamm begann die touristische "Öffnung". Krün und Wallgau freilich beteiligten sich (mangels Geld) nicht an den Kosten, Mittenwald als Anlieger machte jedoch mit: 50 % zahlt die EU, 20 % das Land Tirol und mit jeweils zehn % sind Mittenwald, Leutasch und Seefeld beteiligt. Derzeit sind die Bau-Ausschreibungen dafür im Gang, erste Arbeiten sollen noch heuer beginnen.

Doch nun die Finzbachklamm als nächstes Projekt: "Grob geschätzt", meinte Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) bei der Sitzung, "kostet ihre Erschließung 1,35 Millionen Euro." Und vorstellbar sei eine ähnliche Kosten-Aufteilung wie bei der Leutaschklamm. Doch zunächst müsse eine vorläufige Planung eingereicht werden und die komme auch schon auf 6.000 Euro.


Die Gemeinderäte hatten dazu viele Anregungen: "Gibt es denn schon Pläne?" fragte zunächst Ulrich Holzer (Bürgerliche Wählergemeinschaft / BWG), erklärte, "das ist eine der wenigen Attraktionen, die wir hier haben" und erfuhr anschließend, dass von einer Detail-Planung bisher noch nicht die Rede sei.


Klaus Heigl (Aktiv für Krün/AfK) lehnt Klettersteige und dergleichen in der Klamm ab und Zweiter Bürgermeister Klaus Koppe (Freie Wähler Klais) wies darauf hin, dass es sicher nicht leicht sei, die Erschließung der Klamm naturverträglich zu gestalten. Einstimmig wurde der Vorplanungs-Auftraggebilligt.


Der Antrag des Deutschen Canyoning-Vereins München, in selbiger Finzbachklamm organisierte Canyoning-Touren veranstalten zu können, wurde hingegen abgelehnt: Einzel-Begehungen der Klamm könne man, so der Bürgermeister, nichts entgegensetzen. Schwarzenberger wies dann darauf hin, dass sich schon einmal, vor Jahren in der Klamm ein tödlicher Canyoning-Unfall ereignet hat, und erinnerte daran, dass bereits 2001 ein ähnlicher Antrag auf organisierte Touren abgelehnt wurde.

Des Weiteren meinte er, dass beim jetzigen Ausbauzustand der Wege in der Finzbachklamm organisierte Veranstaltungen dieser Art nicht möglich seien. Zumal auch die Zufahrten dafür nicht geeignet und die Anrainer der Klamm private Grundstücksbesitzer seien. Einstimmige Ablehnung war das Ergebnis. Doch es klang durch, dass es dann einen kleinen Hoffnungsschimmer geben könne, wenn die Klamm erst mal erschlossen ist. Doch wann das sein wird, liegt bei den Behörden der EU.

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Mittwoch, 25.Sept. 2002

Kompetenzteams als touristische Ideenschmiede - "Afi" legt Entwicklungskonzept vor

von Christof Schnürer

Wallgau  - Dr. Thomas Bausch ist kein Freund von Fachgutachten. Deren verheißungsvolle Thesen verpufften meist dann, "wenn's an die Umsetzung geht."

Der Chef des Garmisch-Partenkirchner Alpenforschungsinstituts (Afi) propagiert daher ein fundiertes Entwicklungskonzept.

Im Oberen Isartal soll es den Tourismus wieder nach vorne bringen. Am Montagabend nun präsentierte Bausch Bürgermeistern, Gemeinderäten und Fremdenverkehrsexperten im Wallgauer "Haus des Gastes" die Kernpunkte seiner Philosophie.

Den Ernst der Lage an der Tourismus-Front verdeutlichte eingangs der Gastgeber, Wallgaus Bürgermeister Georg Jennewein.

"Es ist wohl jedem klar, dass irgendetwas passieren muss. Wie dieses "irgendetwas" aussehen soll, darüber herrscht noch Unklarheit.

Darum hatte Krüns Bürgermeister Thomas Schwarzenberger im Einvernehmen mit seinen Isartaler Kollegen das Alpenforschungsinstitut im Juli um wissenschaftlichen Beistand gebeten.

"So eine Aufforderung kriegt man nicht jeden Tag", meinte dessen Leiter Bausch.

Sein regionales "Tourismus-Entwicklungskonzept" für die Gemeinden Mittenwald, Krün und Wallgau beinhaltet drei wesentliche Punkte: Ziele definieren, Projekte planen und Ziele überprüfen.

"Das Ganze ist ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess", sagte der Afi-Chef. Doch wie soll in den drei unterschiedlich ausgerichteten Gemeinden das "System Tourismus"
organisiert werden?

Bausch schweben hierbei "Kompetenzteams" mit maximal 35 Mitgliedern vor, die in bestimmten Feldern konkrete Vorschläge ausarbeiten, die von dem jeweiligen Gemeinderat geprüft und verabschiedet werden.

"Aber geht die Politik unseren Weg auch mit?", fragte Mittenwalds Verkehrsvereins-Vorsitzender Ludwig Knilling in die Runde.

"Die Mittel sind verdammt knapp", meinte Bürgermeister Schwarzenberger, "da müssen wir uns genau überlegen, wofür wir das Geld ausgeben."

Apropos Geld: Das Entwicklungskonzept soll laut Bausch zwischen 15 und 18.000 Euro kosten. Die Summe, so Georg Jennewein, werde den Übernachtungszahlen entsprechend zwischen den drei Gemeinden aufgesplittet.

Rund eineinhalb Jahre will das Afi das geplante Projekt wissenschaftlich begleiten. In der Zeit sind sechs große Sitzungen vorgesehen, in denen Nägel mit Köpfen gemacht werden sollen. Was dabei zähle, so Bausch, sei Qualität.

"Vielleicht machen wir weniger, aber das richtig." Ins gleiche Horn stieß Wallgaus Zweiter Bürgermeister Hansjörg Zahler. Er forderte auf zu raschem Handeln, "sonst beschädigen wir unseren Lebensnerv."

Das Echo dieses zweiten informellen Treffens fand im Großen und Ganzen
Zustimmung.

Ein Spötter bemerkte jedoch am Rande, dass es sich hierbei eher um Semester eins, Einführung in die Betriebwirtschaftslehre, gehandelt habe.

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Samstag, 21. September 2002

Anträge zurück gestellt - Zuschüsse für den TSV stehen auf wackeligen Boden

von Wolfgang Kunz

Krün – Sparen ist derzeit angesagt bei der Gemeinde Krün. Die angespannte Haushaltslage bereitet nicht nur Bürgermeister Thomas Schwarzenberger und seinem Kämmerer Helmut Kieweg argen Kummer – die Folgen werden auch die bisher mit jährlichen Zuschüssen bedachten Vereine und Institutionen zu spüren bekommen.

Gemeindechef Schwarzenberger: „Die noch vom alten Gemeinderat verabschiedete Haushaltsaufstellung ist so nicht mehr erfüllbar. Wir haben deshalb alle Anträge bis November zurückgestellt. Dann entscheiden wir, ob die Zuschüsse zu 50 % ausbezahlt oder ganz gestrichen werden müssen.“

Sportverein-Vorsitzender Max Ragaller: „Nachdem wir heuer erstmals in der Vereinsgeschichte gleich vier Nachwuchs-Fußballmannschaften im Spielbetrieb haben, würde uns der Ausfall der 1.250 Euro ganz hart treffen. Das Geld benötigen wir für die Fahrtkosten, für Bälle und Trikots.“

Behelfen will sich der Verein mit den Einnahmen aus dem Fußball-Turnier für Ortsvereine und dem Sportlerball.

Ähnlich ist die Lage beim Skiclub. Vorsitzender Alfred Kröll: „ Wenn wir die bisher ausbezahlten 1.250 Euro nicht bekommen, dann müssen wir auf unsere Rücklagen zurückgreifen – auf diese Saison hätte das aber noch keine Auswirkungen.“

Bei einem Jahresbeitrag von acht und zwölf Euro für Jugendliche und Erwachsene seien große Sprünge nicht drin, da die Gelder schon nach Zahlung der Verbandsabgaben und der Startgelder aufgebraucht worden seien, führt Kröll weiter aus.

Die nötigen Rücklagen konnten laut Kassier Jürgen Müller bisher aus den Einnahmen vom Dorffest, dem Weltcup-Bogenbiathlon und dem Schneefest gebildet werden.

Auch der Tennisclub hat noch finanzielles Polster. Vorsitzender Karl-Otto Schmid; „Uns wurde aber schon der 500-Euro-Zuschuss für den Kanalanschluss gestrichen. Wenn wir jetzt wieder nicht bekommen, müssen wir die Zuschüsse für unseren Nachwuchs kürzen.“ 

Neben dem sportlichen gibt es auch einen kulturellen Aspekt. Hans-Jörg Mayr, seit vier Jahren Vorstand der Musikkapelle: „Wir wissen, dass die Gemeinde kein Geld hat. Wenn wir heuer nicht unbedingt einen Zuschuss für Notenkauf und Instrumentenreparaturen benötigen, werden wir nichts beantragen. Dann verzichten wir eben bei Zusatzkonzerten auf unsere Gage und werfen sie in unseren Topf – die Kurkonzerte fallen deswegen nicht aus.“

Trachtenvereins-Vorstand Alois Kramer jun. „Bisher hat die Gemeinde ein bestimmtes Kartenkontingent für unsere Heimatabende übernommen. Bei einem Wegfall der Gelder müssten wir unser Programm ausdünnen und weniger Heimatabende veranstalten.“

Zu Glück spielen wir nicht für Geld, sondern aus Vergnügen“, sieht es der neue Vorsitzende des Bauerntheaters, Klaus Heigl, nicht so verbissen.

Nachdem die Gemeinde seit 1998 nach Rückgang der Zuschauerzahlen eine Ausfallbürgschaft übernommen hatte, ist diese zwar um die Hälfte (pro Eintrittskarte bei unter 190 Besuchern) gekürzt worden, aber Auswirkungen auf unseren Spielplan wird es nicht geben.“

Erfreulich, dass alle Vorstände und ihre Mitglieder einsichtig genug sind und trotzt der angespannten Situation weiter machen. „Wir haben den Vorteil, dass wir Kurgäste haben“, meint dann auch Mayr.

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Dienstag, 10. September 2002

Geschönte Statistik dank Tennsee - Ernüchternde Übernachtungszahlen

von Christof Schnürer

Krün -  Ähnlich grausam wie der monatliche Arbeitsmarktbericht lesen sich auch die Krüner Fremdenverkehrszahlen.

Von Januar bis Juli 2002 notierte man gerade einmal 220.700 Übernachtungen (ohne Campingplatz Tennsee). Im Vorjahr waren es zu diesem Zeitpunkt 233.606. Das sind
5,6 % weniger.

Nimmt man das Traumjahr 1992 (307.000 bis Juli) fällt das Defizit mit Minus 28,2 % noch dramatischer aus.

Geschieht nicht noch ein touristisches Wunder wird die Isartalgemeinde heuer erstmals seit vielen Jahren unter die ominöse 400.000er-Marke rutschen.

"Wollen wir hoffen, dass uns das erspart bleibt", meint Verkehrsamtsleiter Sepp Winzinger. Das Einzige, was die Horrorstatistik noch schönen kann, ist die Übernachtungsbilanz vom "Alpen-Caravan-Park" am Tennsee.

Der wird seit Generationen von der Familie Zick geführt - und zwar überaus erfolgreich. In den vergangenen 16 Jahren legte das Privatunternehmen - kleine Schwankungen inbegriffen - bei den Übernachtungen kontinuierlich zu. So stieg die Zahl von 66.500 (1986) auf 83.200 (2001). Im gleichen Zeitraum gingen rund um den Tennsee die Übernachtungen von 471.600 (1986) auf 406.100 (2001) zurück. Was aber ist das Erfolgsrezept der "Tennseer"? "Die Eltern haben sehr viel in Qualität investiert", sagt Juniorchef Andreas Zick. Wo andernorts gespart wird, setzt man im "Alpen-Caravan-Park" auf zielgruppenorientierte Werbung und Vergrößerung. So sollen die Camping-Stellplätze demnächst von 250 auf 280 angehoben werden (wir berichteten). Trotz Innovation, so Zick junior, rechne er für heuer bei den Übernachtungszahlen aber auch mit einem leichten Rückgang. Der nimmt sich jedoch bei weitem moderater aus als in Krün.

Bürgermeister Thomas Schwarzenberger sieht nur eine Chance zur Trendwende. "Es darf nicht jeder seine eigene Suppe kochen."

Er meint damit das seit längerem propagierte und mehrfach schon umgesetzte gemeinsame Vorgehen der drei Isartalgemeinden Mittenwald, Krün und Wallgau bei der Gästewerbung.

Verkehrsamtschef Winzinger beschwört die "Qualitätsoffensive" bei den Vermietern, um aus dem Jammertal wieder herauszukommen.

Morgen etwa werden im Kurhaus (20.00 Uhr) Klassifizierungsurkunden für Ferienwohnungen und Privatzimmer verliehen. Ein erster Schritt in die richtige Richtung? Die vielfach geforderte Privatisierung kommunaler Kurverwaltungen wird von Bürgermeister Schwarzenberger (noch) nicht in den Mund genommen. Er könne sich höchstens eine "Gesellschaftsform mit privatwirtschaftlicher Beteiligung" vorstellen. Die Zukunft wird's zeigen.

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Donnerstag, 4. September 2002

Streit um zehn Zentimeter - Grundsatzdebatte wegen Bebauungsplan "Alpenhof"

von Christof Schnürer

Krün - Gemeinderat Georg Schober rückte mit seinem Stuhl dezent nach hinten. Äußeres Zeichen seiner Befangenheit. Die Krüner Ratsversammlung behandelte nämlich Dienstagabend das Thema "Bebauungsplan Hotel Alpenhof". Dabei kam es zu einer lebhaften Debatte um Höhen, Kniestock und Präzedenzen. Schließlich stimmte das Gremium mit 9:2 für den Bebauungsplan-Entwurf.

Den Anstoß hatte Alois Kramer junior (CSU) gegeben. Bevor er dem Billigungs-
und Auslegungsbeschluss zustimme, wolle er Einsicht in die Pläne und alle Maße, inklusive Höhenentwicklung, haben, stellte der "Ferl" klar. Dessen Grundstück grenzt übrigens an den "Alpenhof".

Das alteingesessene Hotel, das seit 1953 von der Familie Schober betrieben wird, werde vor und nach dem geplanten Umbau 62 Gästen Platz bieten, bestätigt der Hausherr gegenüber dem Tagblatt. Laut Bebauungsplanentwurf - ausgearbeitet vom Klaiser Architekten Klaus Koppe, er ist gleichzeitig Zweiter Bürgermeister, Gemeinderat und nahm deshalb ebenfalls wegen Befangenheit an Diskussion und Abstimmung nicht teil - wird das knapp 4.000 Quadratmeter große Areal in ein "Sondergebiet Hotel" umgewandelt.

Knackpunkt des Vorhabens ist der Nebenbau, dessen Dachgeschoss mittels eines 1,20 Meter hohen Kniestocks ausgebaut werden soll. Damit wird dieser Trakt neben dem Altbau um rund 80 Zentimeter höher. Wie hoch das Haus tatsächlich wird, konnte weder Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) noch Bauherr Schober sagen, da ja das Ganze noch in der Planungsphase sei.

Diese Antwort war sowohl Kramer, als auch seinem Fraktionskollegen Matthias Gschwendtner zu dürftig. Der befürchtete ein Haus mit einer Traufhöhe von zehn Metern. Kramer sah indes eine mögliche Gefährdung des Krüner Ortsbildes.

Eine Argumentation, der Ulrich Holzer (Bürgerliche Wählergemeinschaft / BWG) so nicht folgen wollte: "Wenn wir wollen, dass ein Wirtschaftsbetrieb erfolgreich geführt werden soll, dann können wir doch nicht um zehn Zentimeter streiten." Ins gleiche Horn stieß Klaus Heigl (Aktiv für Krün/AfK). "Man sollt' einfach flexibel sein."

Schließlich billigte der Gemeinderat mehrheitlich den Bebauungsplan, der demnächst zur Einsicht im Rathaus ausliegt.

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Freitag, 30. August 2002

Naturschutz kündigt bereits Widerstand an - Ausbau der Finzbachklamm ?

von Christof Schnürer

Krün - Was bei den Tiroler Nachbarn möglich ist, soll nun auch in Krün klappen: Durch den geplanten Ausbau der Leutaschklamm (wir berichteten) angeregt, denkt man in der Isartalgemeinde über eine Erschließung der Finzbachklamm nach.

Bürgermeister Thomas Schwarzenberger kündigte gegenüber dem Tagblatt an, dieses Thema demnächst im Gemeinderat zur Sprache zu bringen. Doch von Seiten des Naturschutzes regt sich schon jetzt Widerstand.

Im November vergangenen Jahres hatte der damalige Bürgermeister Sepp Zahler eine Diskussion über das weitere Schicksal der rund drei Kilometer langen, nordwestlich von Krün gelegenen Finzbachklamm angeregt.

Momentan ist gerade einmal ein Sechstel der lichtdurchfluteten, schluchtartigen und von Wasserfällen durchzogenen Verengung begehbar.

Die komplette Erschließung sei eine "Investition für die Zukunft" frohlockte damals der mittlerweile ausgeschiedene Gemeinderat Armin Zick.

Ähnlich sieht es heute Bürgermeister Thomas Schwarzenberger: "Die Idee ist interessant. Ich habe die Sache noch nicht abgehackt." In einer der nächsten Sitzungen wolle er mit seinen Gemeinderatskollegen darüber debattieren.

Mit der Innsbrucker Firma "Alpine Technologies", die das Konzept für den Ausbau der Leutaschklamm entwickelt hat, habe er bereits Kontakt aufgenommen. Möglicherweise werde man mit den Wallgauer Nachbarn in diesem Punkt eng zusammenarbeiten und die Kosten teilen.

Wobei wir beim springenden Punkt sind: Allein ein Gutachten über die Finzbachklamm würde schon mit 12.000 Euro zu Buche schlagen. Bei der chronischen Geldnot in Krün würde bereits das Bauchschmerzen verursachen. "Momentan sieht´s finanziell gar nicht rosig aus", räumt Schwarzenberger ein. "Alleine können wir das ohnehin nicht packen.

Wie so oft setzt man in diesem Fall auf das Allheilmittel Euregio. Deren Fördermittel für grenzüberschreitende und nachhaltige Vorhaben sind immer willkommen. Doch das wiederum ärgert den Bund Naturschutz. "Die Euregio ist kein Erschließungs-, sondern eine Entwicklungsverein" erregt sich der stellvertretende Kreisvorsitzende Axel Döring. "Irgendwann gibt es keinen Grund mehr, in jeden Winkel einen Weg reinzubauen."

Den Begriff "naturverträglichen Ausbau" weist er in das Reich der Fabel. "Das ist doch alles Quatsch", schimpft der BN-Sprecher. Selbst der Bau eines Flughafens werde einem mittlerweile als naturverträglich verkauft. "Da verfälscht man doch die Etiketten. "Daher kündigt Döring im Fall "Finzbachklamm" wie schon bei der Wallgauer-Alm Widerstand an. Gleichzeitig signalisiert er aber auch Gesprächsbereitschaft. Wenn man vernünftig miteinander rede, könne vielleicht auch eine Lösung gefunden werden.

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Freitag, 23. August 2002

" Der Gürtel wird sehr eng"

von Rafael Sala

Wenn das Volk nicht zu uns kommt, kommen wir zum Volk - findet Tagblatt - Karikaturist Horst Wendland, der sich so seine Gedanken zur Krüner Haushaltslage gemacht hat.


Krün erwarten dieses Jahr noch rigide Sparmaßnahmen


Die Gemeinde muss sparen - und zwar an allen Ecken und Enden. Das geht aus einem Schreiben hervor. das der Erste Bürgermeister (CSU) in Zusammenarbeit mit den politischen Gruppierungen - "Bürgerliche Wählergemeinschaft Krün", "Freie Wähler Klais" und "Aktiv für Krün" - den Haushaltungen zukommen ließ.

Auch gegenüber dem Tagblatt äußerte er sich bedenklich über die derzeitige Finanzlage, die gerade einmal die allernötigsten Investitionen abdecken kann.

Schuld an der Misere, die die Gemeinde zu einem rigorosen Sparkurs zwingt, ist Schwarzenberger zufolge vor allem der enorme Einbruch der Gewerbesteuer. "Das trifft uns am härtesten."

Habe man noch 2000 ein Aufkommen von 750.000 Mark gehabt, seien es in diesem Jahr nur noch 230.000 Mark, die zur Verfügung stehen. Doch davon gingen der öffentlichen Kasse noch einmal bis zu 30.000 Euro verloren, da Rückzahlungen geleistet werden müssten.

Nach Ansicht von Leonhard Habersetzer ("Bürgerliche Wählergemeinschaft Krün") ist der Rückgang dieser Steuer nicht zuletzt die Folge einer fehlerhaft betriebenen Politik, da man es in den letzten Jahren versäumt habe, das Gewerbe an den Ort zu binden. "Da wird sich jetzt nicht mehr viel tun, es wurde ja fast nur auf den Fremdenverkehr gesetzt", klagt er.

Auch mit der Einkommensteuer sieht es nicht rosiger aus. Von den 520.000 Euro, mit denen man zu Beginn des Jahres noch gerechnet hat, wird man nach Einschätzung des Bürgermeisters 20.000 bis 30.000 Euro weniger vom Bund als Anteil erhalten.

Den Grund sieht Klause Koppe ("Freie Wähler Klais") in der angespannten Wirtschaftslage und in der Konjunkturflaute." Das schlägt ja überall zu Buche."

Hinzu kommen noch die angestiegene Kreisumlage, die deutlich höheren Energiekosten und die Tilgung von Schulden. Summa summarum: An finanziellen Rücklagen bleibt für die Belange der Gemeinde weitaus weniger übrig, als man zu Beginn des Jahres noch gehofft hat.

"Wir müssen den Gürtel sehr, sehr eng schnallen", lautet denn auch das Fazit des Bürgermeisters. Dennoch möchte er davon absehen, die gemeindlichen Steuern und Abgaben zu erhöhen.

Für die öffentlichen Investitionen bedeutet dies, dass nur noch die notwendigsten Arbeiten verrichtet werden können. "Die Infrastruktur werden wir natürlich weiter in Schuss halten", bekräftigt Schwarzenberger.

Auch Hochwasserschutz und die Kranzbach-Verbauung stünden nicht auf dem Spiel, sollte das Wasserwirtschaftsamt "grünes Licht" geben.

Was den Straßenbau und die Sanierung von Straßenzügen anbelange, werde man jedoch um Streichungen nicht umhin kommen.

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Donnerstag, 22. August 2002

Im Rathaus regiert Lust statt Frust - Neu-Bürgermeister ziehen Bilanz

von Christof Schnürer

Wallgau/Krün - Die Ausgangspositionen hätten unterschiedlicher nicht sein können:

Der eine, 53 Jahre alt und ein gestandener Kommunalpolitiker, der andere, gerade einmal 31 Lenze auf dem Buckel und lokalpolitisch noch absolut unbeleckt. Beide - und das verbindet sie - haben im März vom Wähler einen klaren Auftrag erhalten.

Georg Jennewein in Wallgau und Thomas Schwarzenberger in Krün sollen als frsichgebackene Bürgermeister für die nächsten sechs Jahre die Geschicke ihres Heimatortes lenken. Nach Knapp vier Monaten ziehen sie ein erstes Zwischenfazit.

"Es war schon eine Umstellung", meint Jennewein. Obwohl er in der vergangenen Legislaturperiode dem damaligen Rathauschef Rudolf Hirtreiter bereits als dessen Stellvertreter zur Seite gestanden hatte und in die wichtigsten Abläufe eingebunden war, benötigte der gelernte Kfz-Mechaniker eine gewisse Anlaufzeit. "Es ist schon ein Unterschied, ob man Zweiter ist oder ganz vorne steht."

Nun aber habe er sich im Wallgauer Rathaus vollends akklimatisiert - mehr noch: "Momentan macht´s richtig Spaß."

Zwei Projekte hat sich der zweifache Familienvater ganz oben auf die Fahnen geschrieben: Zum einen die zügige Umgestaltung des Dorfplatzes ("Der Bebauungsplan hierzu wird gerade aufgestellt"), zum anderen der Anschluss des Ortsteils Obernach an das Wallgauer Trinkwassernetz.

Hier stehen jedoch noch Verhandlungen mit der Gemeinde Jachenau auf dem Programm.

Kollege Schwarzenberger aus Krün hat ganz andere Sorgen. Der Politneuling möchte den stotternden Fremdenverkehr in seinem Heimatort wieder in Gang bringen. Ebenso wichtig für ist ein rigoroser Sparkurs zur Konsolidierung des Haushalts. Denn wie in vielen anderen Kommunen herrscht auch in der Krüner Gemeindekasse  Ebbe.

Für Schwarzenberger eine echte Herausforderung. "Ich bin von Haus aus ein ehrgeiziger Mensch." Trotzdem waren die ersten Tage gewöhnungsbedürftig. "Da wusste ich gar nicht, wo ich hinlangen sollte." Akten gewälzt und unzählige Mitarbeitergespräche geführt hat er seit seinem Amtsantritt Anfang Mai.

Auch auf die 30-jährige Erfahrung seines Vorgängers Sepp Zahler wollte Schwarzenberger nicht verzichten. "Er gibt mir sehr wertvolle Tips, die man nicht aus den Akten herauslesen kann." Eines hat er sich bei Zahler jedoch vorgenommen: "Ich versuche, ihn seinen Ruhestand genießen zu lassen."

In punkto Amtsführung hat der Jungpolitiker ganz konkrete Vorstellungen. Für ihn zählt Kollegialität, nicht Autorität. "Ich möchte mir einfach nicht den Chef raushängen lassen." Unorthodox bewältigt er auch den täglichen Weg von zu Hause ins Rathaus. Mit einem Sechs-Gang-Gesundheitsfahrrad meistert er den knappen Kilometer - ein Abschiedsgeschenk seiner ehemaligen von der AOK.

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Samstag, 27. Juli 2002

Qualität des Wassers gewährleisten - „Schutzzonen“ im Gespräch

von Rafael Sala

Krün - "Wir müssen die Trinkwasserversorgung an die heute zu stellenden Bedingungen anpassen.“

In dieser Forderung des Wasserwirtschaftsamtes waren sich örtliche politische Vertreter auf einer Informationsveranstaltung am Mittwochabend im Krüner Kurhaus einig. Nach Angaben des Amtes gelte es, das Einzugsgebiet zu ermitteln, innerhalb dessen eine Gefährdung des Trinkwassers durch Verunreinigungen möglich sei, und dieses dann, je nach Bedürfnislage, in einzelne "Schutzzonen" aufzuteilen. "Es sind bestimmte Auflagen für den Trinkwasserschutz einzuhalten", äußerte Franz Bergmeister vom Wasserwirtschaftsamt. Diese seien vor allem hygienischer Natur und beträfen nicht nur die Gemeinden im Oberen Isartal, sondern den gesamten Landkreis. 

Wasser hat höchste Priorität

Die Brunnen in den Gemeinden Wallgau, Krün und Mittenwald seien zwar noch nicht belastet, aber man müsse bereits im Vorfeld Maßnahmen treffen, um einer möglichen Verschlechterung entgegenzuwirken. „Da kommen wir nicht drum herum“, gab Bergmeister zu verstehen.

Das bewertete auch Krüns Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) so. „Die oberste Priorität für alle Beteiligten ist, dass die Qualität unseres Wassers erhalten bleibt“, forderte er.

Eines der Probleme sei jedoch, dass die derzeit erfolgende Beweidung auf einem Teil der im Gespräch befindlichen Flächen zu einer Verunreinigung des Grundwassers führen könne.

Geologisches Institut beauftragt

Aus diesem Grunde habe man ein geologisches Institut beauftragt, das wichtige Parameter wie Bodenbeschaffenheit bestimmen und Messungen – unter anderem zur Fließgeschwindigkeit des Grundwassers – vornehmen soll. Zudem müssten die im Gespräch befindlichen „Schutzzonen“ um die Brunnen herum flächenmäßig genau abgegrenzt und hinsichtlich wasserschutzrechtlicher Kriterien bewertet werden.

In Krün betrifft dies das vor allem das Gebiet rechts von der Isar. Erst wenn solche Ergebnisse vorlägen, könne man weitere Entscheidungen treffen. Es sei jedoch nicht auszuschließen, dass die Beweidungen im brunnennahen Bereich eingeschränkt werden müssten.

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Mittwoch, 17. Juli 2002

Elmauer Fußweg soll erhalten bleiben - Gemeinderat gegen Versetzung

von Rafael Sala

Krün - Seit ein Anwohner-Ehepaar den Fußweg an der Elmauer Straße nicht länger dulden will, ist die Idylle dort getrübt. Denn geht es nach dem Willen der Ehegatten, soll der beliebte Wanderweg in Richtung Elmauer Alm künftig nicht länger an deren Haus vorbei führen, sondern um einige Meter nach hinten - außerhalb des eigenen Grundstücks -versetzt werden. Der Krüner Gemeinderat verständigte sich darauf, dies zu verhindern und eine weitere Duldung des Weges wenn nötig, "mit allen rechtlichen Mitteln durchzusetzen."

Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) hob hervor, dass mit der Versetzung des Weges das Ziel einer Sperrung gar nicht erreicht werde, da die Rechtslage des umstrittenen Streckenabschnitts noch nicht geklärt sei. Es entstünden so schlicht zwei Wege. Auch verfehlten entsprechende Schilder, die auf den Privatcharakter des Grundstücks hinwiesen, ihren Zweck, denn die Fußgänger und Radfahrer könnten nicht dazu gezwungen werden, sich für einen der beiden Wege zu entscheiden. Anhand alter Urkunden gilt es zu prüfen, ob man den Weg rechtlich nicht der Gemeinde zuschreiben könne - eine Sache, die nur das Landratsamt entscheiden könne. "Hier müssen wir handeln", forderte der Bürgermeister.

Skeptisch äußerte sich auch Gemeinderat Alois Kramer junior (CSU): "Eine Nutzung des Weges durch Fußgänger kann nicht verhindert werden." Schwarzenberger zufolge muss es vielmehr darum gehen, diese Durchgangsmöglichkeit für die Wanderer und Urlauber unbedingt zu erhalten, da sie "sehr beliebt" sei und häufig frequentiert werde. Diese Forderung bekräftigte auch Mathias Gschwendtner (CSU). Den Weg habe es schon gegeben, bevor das Haus an das Ehepaar verkauft worden sei. Zudem komme eine Versetzung unter keinen Umständen in Frage, da dieser dann durch die Mittel-Buckelwiesen verlaufe, die unter Naturschutz stünden. "Das führt zu einer Verschlechterung des Naturschutzgebietes." Man wolle aber auf jeden Fall versuchen, sich mit dem Ehepaar, das seinen Hauptwohnsitz in Bonn hat, zu verständigen. Da die Nutzung des Weges auch bisher geduldet worden sei, könne man sich vorstellen, sich auf dieser Grundlage mit den Anrainern weiterhin "gütlich zu einigen", unterstrich Schwarzenberger. Bestehe das Paar jedoch auf eine Versetzung, werde man auch nicht vor rechtlichen Mitteln zurückweichen. Jedoch : "Wir wollen mit den Anwohnern verhandeln."

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Montag, 3. Juni 2002

Unterstützung für Trachtler und Theaterer

von Rafael Sala

Krün – Der Trachtenverein und die Theatergruppe können auch in diesem Jahr in Krün mit einer Ausfallbürgschaft für Eintrittskarten, die nicht verkauft werden können rechnen.
 
Dies jedoch nur bis zu einem Kontingent von 190 Karten, der Bemessungsgrenze für die eigene Beitragsdeckung. Es wird auch nicht wie bisher, der volle Betrag von acht Mark erstattet, sondern etwas mehr als die Hälfte – 2,50 Euro soll es pro Besucher geben.

Krüns Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) begründete während der jüngsten Sitzung des Gemeindesrates die getroffene Entscheidung mit dem Hinweis auf den kulturellen Beitrag, den die Heimatabende für den Ort leisten. „Ohne Unterstützung der Gemeinde wäre es nicht möglich, diese Abende so zu gestalten, wies es bisher der Fall war “ hob Schwarzenberger hervor.

Dem schloss sich auch Georg Schober („Aktiv für Krün“ AfK) an. Die Heimatabende gehörten „zum kulturellen Angebot Krüns dazu“.

Sie müssten gefördert werden. Auch er verwies jedoch darauf, dass eine Unterstützung in vollem Rahmen nicht mehr möglich sei. „Wir können es uns nicht leisten, den Ausfall ganz zu übernehmen.“

 Schwarzenberger berücksichtige jedoch den Einwand von Leonhard Habersetzer (Bürgerliche Wählergemeinschaft/BWG), der es für sinnvoll hält, eine Zustimmung nur noch für dieses Jahr zu geben. Man müsse beobachten, wie sich die Heimatabende in den nächsten Monaten entwickelten.

Fielen die Besucherzahlen zu gering aus, seien diese kulturellen Veranstaltungen generell zu überdenken. „Sie sollen beim nächsten Haushalt auf dem Prüfstand stehen.“
Für dieses Jahr sind acht Heimatabende geplant.

Die Wasserwacht Krün kann jedoch nicht für das am 18. August am kleinen Weiher geplante Fischerstechen mit einer Ausfallbürgschaft rechnen.

Im Gegensatz zu den Heimatabenden sie diese Veranstaltung Schwarzenberger zufolge einmalig und würde auf eigenes Risiko betrieben. „Wir haben auch bisher keine Ausgaben für Vereine in dieser Form übernommen“, sagte der Bürgermeister. „Wenn wir für alle Vereine Ausfallbürgschaften übernehmen würden, hätten wir ein finanzielles Problem.“

Beim Trachtenverein und Bauerntheater handele es sich hingegen um eine „Serie“ von Aufführungen, die die Gemeinde nie selber veranstalten könne. „Unsere Gäste möchten Brauchtum sehen.“

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Mittwoch, 27. März 2002
 
Kandidaten-Karussell kommt langsam in Bewegung - Interesse für Stellvertreter-Posten in Krün riesengroß

von Christof Schnürer
 
Allerlei Namen schwirren dieser Tage wieder in Krün herum, wenn es um den Posten des künftigen Zweiten Bürgermeisters geht. Es wird viel spekuliert, Konkretes wollen die politisch Verantwortlichen nur zum Teil herauslassen. Eines freilich zeichnet sich schon jetzt ab: Um die Nachfolge von Michael Kriner (CSU) werden sich vermutlich mehrere Gemeinderäte bewerben.

Einer, der an seiner Kandidatur überhaupt keinen Zweifel lässt, ist Leonhard Habersetzer von der mit drei Mandaten ausgestatteten Bürgerlichen Wählergemeinschaft (BWG). „Das sehe ich meinen Wählern gegenüber als klare Verpflichtung an.“ 
 
Und das waren beileibe nicht wenige: Mit 1.226 Stimmen erzielte Habersetzer mit Abstand das beste Einzelergebnis bei den Kommunalwahlen am 3. März. 166 Krüner wollten sogar ihn, obwohl er dafür überhaupt nicht zur Verfügung stand als Ersten Bürgermeister haben. Die Erfolgsaussichten schätzt der BWG-Mann eher gering ein. Er stellt sich allerdings die (rhetorische) Frage; „ob es sich das Gremium mit sieben neuen Mitgliedern und einem neuen, kommunalpolitisch unerfahrenen Bürgermeister angesichts der mehr als bescheidenen finanziellen Situation leisten kann, auf eine langjährige erfahrene Kraft zu verzichten ?“

Zur Erinnerung: Habersetzer trat bereits vor sechs Jahren, ebenfalls ausgepolstert mit dem besten Gemeinderats-Einzelergebnis, zur Stellvertreterwahl an. Er unterlag mit sechs zu sieben Stimmen dem Christsozialen Michael Kriner.

Im Unterschied zum künftigen Gemeinderat, der sich Anfang Mai konstituieren wird, hat die CSU die absolute Mehrheit von sieben Mandatsträgern verloren. Mit nunmehr fünf Sitzen (inklusive Bürgermeister) ist sie auf Hilfe angewiesen oder gewährt sie jemand anderen – zum Beispiel Klaus Koppe (545 Stimmen). Der Sprecher der Klaiser Liste (zwei Sitze), seit 1984 im Gemeinderat, meint hierzu: „Ich halte mich für relativ ausgeglichen und unparteiisch." Trotz anfänglicher Bedenken könnte sich der 58-jährige Architekt mittlerweile vorstellen, dem Neuen im Rathaus, Thomas Schwarzenberger, als versierte Kraft zur Seite zu stehen. „Aber entschieden ist noch gar nichts.“

Der Meinung ist auch der Bald-Bürgermeister von der CSU. „Es pressiert nicht“, bemerkt Schwarzenberger, der vergangene Woche alle Gruppierungen zu Sondierungsgesprächen ins Rathaus geladen hatte. Neben Referenten- und Ausschussposten sei es auch um die Bestellung des Zweiten Bürgermeisters, seinem so Schwarzenberger,  „Abwesenheitsvertreter“, gegangen.

Seinen Hut in den Ring geworfen hat dabei, das wurde von verschiedenen Seiten bestätigt, auch Georg Schober (1.065) Stimmen von der neuen Liste „Aktiv für Krün“, die mit drei Vertretern im Gemeinderat Platz nehmen wird. 

Hinter vorgehaltener Hand wird auch immer wieder der Name des CSU-Neulings Mathias Gschwendtner (981 Stimmen) genannt.

Falls sich tatsächlich drei oder sogar vier Gemeinderäte um den Stellvertreter-Posten bewerben und keiner – was anzunehmen ist – die Mehrheit der abgegebenen, gültigen Stimmen auf sich vereinen kann, gibt es eine Stichwahl zwischen den zwei Bestplatzierten.

Sollten zwei Verfolger – was in Krün ebenfalls möglich ist – gleich viele Stimmen haben, entscheidet laut Artikel 51 der Bayerischen Gemeindeordnung das Los. Wer auch immer am Ende der Glückliche ist, für den künftigen starken Mann Schwarzenberger steht schon jetzt fest; „Ich kann mit allen ganz gut leben!

 
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